Theistische Evolutionstheorie

Vielleicht ist manchem Leser, der mich kennt, aufgefallen, dass ich in meinen bisherigen Ausführungen das Thema der Evolutionstheorie, ausgespart habe. Das habe ich getan, weil ich dies Thema in einem separaten Kapitel aufgreifen wollte. Möglicherweise hätte manch einer, der meine Texte über die Geschichtlichkeit im AT gelesen hat, an mancher Stelle gerne gefragt, wie es denn mit dem Schöpfungsbericht sei? Müsse man den denn auch geschichtlich lesen, oder hat er nur theologische Bedeutung? Ohne Zweifel ist die Frage nach der Evolutionstheorie und dem Verständnis des biblischen Schöpfungsberichtes ein heißes Eisen. Trotzdem kommt man beim Thema Bibelkritik an dieser Frage nicht vorbei. Zum einen war der Schöpfungsbericht der geschichtliche Ausgangspunkt für die historisch-kritische Theologie (Quellenscheidungstheorie), zum andern ist den wenigsten Bibellesern bewusst, dass die Evolutionstheorie eine der wichtigsten argumentativen Grundlagen für die Bibelkritik bis heute darstellt. In diesem Thema prallen Bibeltreue und Bibelkritik wie sonst an keiner anderen Stelle aufeinander. Für viele ist die Evolutionstheorie der grundlegendste überprüfbare Beweis dafür, dass man die Bibel nicht historisch lesen dürfe und stellt somit eine der wichtigsten Verankerungen der Trennung von Geschichte und Glauben dar. Die Evolutionstheorie wird als beispielhafter Präzedenzfall für die Notwendigkeit angesehen, Geschichte und Glauben zu trennen. Da man den Schöpfungsbericht nicht historisch lesen könne, müsse man dies auch an anderen Stellen nicht tun. Im Falle der Schöpfung sehen viele in einer theistischen Evolution die Lösung, ohne sich über die theologischen Konsequenzen bewusst zu sein. Die wissenschaftliche Beweiskraft der Evolutionstheorie wird heute allgemein als so stark empfunden, dass man sich gezwungen fühlt, den Schöpfungsbericht als historische Tatsache aufzugeben.

Bevor ich nun auf die theologischen Probleme der theistischen Evolution eingehe, möchte ich kurz über den Stand der Wissenschaft in der Evolutionsforschung berichten. Dass ich dies nicht in umfassender Weise an der Stelle tun kann, versteht sich von selbst. Wer sich genauer mit dieser Thematik befassen möchte, der sei an die Arbeit der Studiengemeinschaft von Wort und Wissen sowie im englischsprachigen Raum Creation Research bzw. Intelligent Design verwiesen. Darüber hinaus habe ich dazu einige Vorträge gehalten, in denen ich dies ausführlich erkläre. Die Evolutionstheorie kann sich heute hauptsächlich auf 2 Befunde stützen. Das sind zum einen die radiometrischen Altersbestimmungsmethoden, die hohe Alter für Fossilien und Gesteinsschichten ergeben. Zum andern ist es die Abfolge der Fossilien in den Gesteinsschichten, die sich zumindest zum großen Teil weltweit korrelieren lässt. Für beide gibt es bisher noch keine umfassenden alternativen Erklärungsmodelle auf kreationistischer Seite, wenngleich im Bereich von Einzelbefunden sich immer wieder Widersprüche aufzeigen lassen, die die bisherigen Theorien in Frage stellen. Diesen Befunden stehen aber eine ganze Reihe von schwerwiegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber, die die Evolutionstheorie zumindest in der bisherigen Form in Zweifel ziehen, sodass man sagen kann: Die Evolutionstheorie steckt in einer Krise. Man hat erkannt, dass die klassischen Mechanismen für eine vertikale Entwicklung, wie Mutation und Selektion, nicht ausreichen, um die Komplexität des Lebens zu erklären. Trotz angenommener hoher Alter der Fossilien und der langen Zeitperioden, reichen diese nicht aus, um den an der Komplexität gemessenen Entwicklungsbedarf für den Übergang zwischen Arten von Lebewesen zu gewährleisten. Bei der Erklärung für die Entwicklung des ersten Lebens steckt man ebenfalls fest. Wie sich aus anorganischem Material zufällig komplexe für die Entstehung von Leben wichtige Proteine gebildet haben könnten, die dann stabil geblieben sind, ist immer noch ein Rätsel. Der Miller/Urey-Versuch von 1953 wurde seither in vielfacher Weise modifiziert, das Ergebnis ist ernüchternd: Man ist heute nicht weiter als damals. Die Wahrscheinlichkeiten für eine Kette von Einzelschritten müssen nicht addiert, sondern multipliziert werden, sodass die Gesamtwahrscheinlichkeit schon für die Entstehung eines einfachen proteinbasierten Reaktionsablaufs als winziger Bestandteil einer lebenden Zelle so gut wie Null ist. Ganz geschweige denn, dass für eine lebende Zelle hunderte, vielleicht tausende aufeinander abgestimmte Proteine, die ihrerseits als Einzelproteine oder als Proteinkomplexe unter anderem in Form von molekularen Maschinen vorkommen, notwendig sind, um eine Basisfunktion zu gewährleisten. Zur Zeit Darwins ging man davon aus, dass eine Zelle ein einfaches Protoplasma-Bläschen ist. Heute wissen wir, dass schon eine einzelne Zelle ein hochkomplexes Gebilde darstellt. Manfred Eigen, der deutsche Nobelpreisträger hat einmal gesagt: Wie können anorganische Moleküle biologische Information bekommen und weitergeben, an sich ein unlösbares Problem. Dann die DNA und ihre Interaktion mit der Proteinebene, ohne die eine Zellvermehrung und damit eine natürliche Selektion im darwinistischen Sinn gar nicht möglich wäre: Die DNA besteht aus 3,2 Mrd Basenpaaren (Buchstaben), die wie eine Sprachanweisung alle laufenden Prozesse der Zelle in jeder Minute aber auch den Aufbau und die Funktion des Gewebsverbandes, in der sie sich befindet sowie die Replikation der Zelle (Teilung und Erneuerung) zu einem gegebenen Zeitpunkt bestimmt. Die Funktion des genetischen Codes (DNA) beruht auf Information, nicht auf Materie. Es gehört wohl zu den größten Irrtümern der Wissenschaft, dass man behauptet hat und immer noch behaupten will, solch ein System könne aus sich selbst heraus entstehen ohne Intelligenz. Immer mehr Wissenschaftler erkennen heute an, dass das nicht möglich ist. Als man 2000 den gesamten genetischen Code bis auf wenige kleine Ausnahmen entschlüsselt hat, glaubte man, dem Rätsel seiner Entstehung ein Stück näher gekommen zu sein. Doch je mehr wir über diesen Code wissen, desto größer wird das Rätsel seiner naturalistischen Entstehung. Inzwischen wissen wir, dass die Information der DNA sich nicht nur einfach aus derAbfolge der Buchstaben ergibt, sondern auch aus der Leserichtung, der räumlichen Anordnung, der Verarbeitung auf der Ebene des Spleißens nach der Transkription und weiteren Faktoren, die von der Umgebung und dem Kontext beeinflusst werden. Epigenetik ist hier das Stichwort. Wir sprechen auch von der Multifunktionalität der DNA-Sequenz oder von einem hochkomplexen integrativen Netzwerk, von deren Entschlüsselung uns noch Lichjahre trennen. Je komplexer diese Systeme sind und man beachte die Masse solcher Systeme bei tausenden Funktionen im Körper von Lebewesen, desto mehr rückt eine natürliche Erklärung für seine Entstehung in weite Ferne. Doch schon allein die Existenz der DNA und ihre enge Interaktion mit der Protein-Ebene ist auf naturalistischem Weg einfach nicht denkbar. Wer es trotzdem tut, braucht nach meiner Einschätzung mehr Glauben als Verstand, weil es überhaut keinen wissenschaftlichen oder theoretsichen Ansatz dafür gibt. Der einzige Ansatz, den ich kenne, steht in Schulbüchern (Hyperzyclen) und ist bestenfalls vergleichbar damit, dass ich die Wahrscheinlichkeit der spontanen Entstehung eines Autos damit erklären will, dass es Schrauben gibt. Doch es geht weiter: Die ersten Tiere, die im Fossilbericht in der Erdgeschichte erscheinen, sind schon hochkomplex (Anomalocaris, Trilobiten) und enthalten schon alle wichtigen Grundstrukturen der Wirbeltiere. Man findet keine Vorstufen (kambrische Explosion). Dieser Befund des plötzlichen Erscheinens von neuen Arten zieht sich durch bis zum Menschen. Es fehlen in allen wichtigen Übergängen die Vorstufen oder Zwischenstufen- die missing links. Alle Tiere und Pflanzen sind zum Zeitpunkt ihres Erscheinens fertig und hervorragend angepasst. Warum ist das wohl so? Dann das Problem der Mutationsforschung. Durch Mutationen gehen eher Informationen verloren, als dass es durch Gewinn von neuen Informationen zu einer Aufwärtsentwicklung kommen könnte. Anpassung ist ein gut dokumentiertes Phänomen in der Natur. Diese geschieht aber, wie man inzwischen weiß, viel schneller als ursprünglich gedacht. Sie kann also nicht auf der Entstehung von neuer Information, die viel größere Zeiträume bräuchte, entstehen, sondern muss auf der Aktivierung von schon vorhandener Information beruhen, das heißt, auf dem Prinzip der vorprogrammierten Variation oder der polyvalenten Stammformen. Dafür gibt es inzwischen zahlreiche gut belegte Beweise. (Mikroevolution) Die langen Zeiträume, die man früher brauchte, um die Anpassungsvorgänge in der Natur zu erklären, sind überflüssig geworden. Wir wissen heute, dass die Natur sich eines viel effektiveren und vorallem schnelleren Konzeptes bedient, nämlich der Abschaltung von Genen. Auch bei den Darwinfinken auf den Galapagosinseln wissen wir heute aufgrunf von Genomanalysen, dass die Anpassung der 12 verschiedenen Arten überwiegdend auf dem Verlust von genetischer aber vorher vorhandener Information beruht und deshalb viel schneller erfolgen konnte als bisher gedacht. Auch alle früheren Beispiele für „gelebte Evolution“ wie der Birkenspanner, die Antibiotika-Resistenz, die Malariaresistenz von Sichelzell-Anämieträgern in Afrika u.a haben sich inzwischen als lebendige Beispiele für Devolution erwiesen. Das Konzept der nicht reduzierbaren Komplexität: Ein System funktioniert nur, wenn alle Einzelteile zusammen funktionieren. Nehme ich eine Komponente weg, ist das ganze System funktionslos. Michael Behe, ein amerikanischer Biochemieprofessor, der ein Buch dazu geschrieben hat (Darwins Black Box), verwendet hier das Beispiel der Mausefalle und überträgt es auf den Bakterienantriebsmotor. Nur wenn alle Einzelteile gleichzeitig vorhanden sind, kann die Mausefalle zuschlagen und das Bakterium überleben, weil es die Nahrungsquelle ansteuern kann. Nach Darwin kann aber eine Höherentwicklung nur stattfinden, wenn alle Vorstufen oder Zwischenstufen auf dem Weg dorthin selektierbar sind. Und selektierbar ist nur eine Eigenschaft, die einen Überlebensvorteil bringt. Im Falle des unvollständigen und damit noch nicht funktionsfähigen Bakterienmotors würde dieser nicht selektiert, sondern ausgesondert. In der Genetik sind sich die Forscher (Crow, Kondrashov, Michael Lynch)einig, dass das menschliche Erbgut degeneriert, was heißt, dass der Mensch aussterben wird. Wenn man das auf alle Lebewesen überträgt, dann bedeutet das, dass die Entwicklung nicht vom einfachen zum Komplexen erfolgt, sondern vom Komplexen zum einfachen. Inzwischen beobachtet man eine so hohe Mutationsrate, dass man sich nicht vorstellen kann, dass der Mensch schon seit 3-6 Millionen Jahren existiert. In der Sprachforschung weiß man, dass Sprachen früher komplexer waren. Bei den menschlichen Fossilien verdichten sich die Hinweise, dass die früher angenommenen Übergänge zum homo sapiens sich entweder als Varianten des Australopithecus (Südaffe) oder als intelligente Vorfahren des homo sapiens und nicht als Zwischenstufen in einer Höherentwicklung erweisen. Die Analyse von mitochondrialer DNA hat ergeben, dass die Menschheit von einer mitochondrialen Eva, die sich über 3 Hauptlinien ausgebreitet hat, abstammen. Betrachtet man die wenigen Spuren der Steinzeitmenschen wie Steinwerkzeuge, Knochenfunde und die Zahl von Gräbern sowie das Siedlungsverhalten auf dem Hintergrund von heutigen Steinzeitkulturen, dann kommt, man zum Ergebnis, dass die Menschheit viel jünger sein müsste als bisher angenommen.(Siehe Michael Brandt von Wort und Wissen) Egal, wo man in der Natur hinschaut, sie trägt überall die Merkmale von Design oder von Teleologie (Zielorientiertheit). Man denke an das Phänomen der Mimikry oder der Metamorphose des Schmetterlings. Auch die Schönheit der Natur in vielen Bereichen lässt sich evolutionstechnisch nicht erklären. Die Natur legt einen Planer, einen Schöpfer nahe und keinesfalls eine zufällige Entwicklung. Zuletzt sei noch das menschliche Gehirn erwähnt. Fähigkeiten wie Mahlen, Musik, abstarktes Denken, Sprechen, Fähigkeit zur Transzendenz u.a. sind beim Menschen einzigartig. Diese beonderen Fähigkeiten nur auf das Ergebnis von neurophysiologischen Verschaltungen und biochemischen Prozessen zurückzuführen, erscheint mir trotz starker Forschung auf diesem Gebiet ebenfalls als Glaubensartikel.

Es gibt vermutlich keinen liberalen Theologen, der an der Historizität des Schöpfungsberichtes festhält. Kreationismus und liberale Theologie schließen sich gegenseitig aus. Andererseits sehen sich viele evangelikale Bibelleser heute aufgrund der vermeintlichen Beweislast der Evolutionstheorie genötigt, die Erkenntnisse der Naturwissenschaft zu akzeptieren und eine Historizität des Schöpfungsberichtes aufzugeben. Viele Christen glauben heute, dass das Leben sich langsam aus einer einfachen Urzelle bis zum Menschen über Jahr Millionen entwickelt hat und meinen, dies mit dem biblischen Schöpfungsbericht vereinbaren zu können. Dabei ändern sie die Evolutionstheorie in dem einen Punkt ab, dass sie sagen, nicht der Zufall sei die treibende Kraft, sondern Gott habe die Evolution gesteuert. Andere meinen durchaus mit dem Gestus der Bewunderung, Gott habe die Evolution vorprogrammiert. Wir wollen uns jetzt fragen, lassen sich Schöpfungsbericht und Evolutionstheorie vom biblischen Befund her tatsächlich harmonisieren? Natürlich kann ich hier nicht auf jedes zu untersuchende Detail zu diesem Thema eingehen, aber ich möchte wenigstens versuchen, die groben Züge darzustellen

1.) Eines der ersten Argumente, das heute schon in jeder Schule gelernt wird, lautet: Es handele sich um 2 verschiedene Schöpfungsberichte, die sich widersprächen. Man könne sie schon allein deshalb nicht wörtlich nehmen. Im Kapitel über die Pentateuchkritik habe ich dieses Argument schon widerlegt bzw. in Zweifel gestellt. Weder anhand der Gottesnamen noch anhand von angeblichen Widersprüchen lässt sich mit Sicherheit sagen, dass die „beiden Schöpfungsgeschichten“ nicht vom gleichen Autor stammen. Ein Widerspruch wird z.B. In Vers 19 gesehen: „Und Gott machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde… und brachte sie zu dem Menschen.“ Hier entsteht der Eindruck, als habe Gott Adam und Eva vor den Tieren geschaffen. Berücksichtig man jedoch den Übersetzungsrahmen der Zeitform “ machte“, kann man dieses „machte“ genauso gut mit hatte gemacht übersetzen. Der hebräische Schreiber dieses Berichtes hatte offensichtlich kein Problem, die angeblich sich widersprechenden Berichte aneinanderzufügen. (Siehe auch Pentateuchkritik)

2.) In den Harmonisierungsversuchen zwischen Bibel und Evolutionsmodell werden in die Schöpfungstage lange geologische Zeiträume hineininterpretiert. Hier müsste man kritisch fragen: Wenn keine normalen Tage gemeint sind, warum wird dem Leser dann das Zeitmaß: „und aus Abend und Morgen wurde der erste Tag, zweite Tag, dritte …“ usw. mitgeliefert? Im Dekalog in 2. Mose 20 wird das Sabbatgebot von den Schöpfungstagen abgeleitet. Auch hier würde niemand behaupten, es seien keine normalen Tage gemeint. An allen Stellen in der Bibel, an denen das Wort „jom“ für Tag mit einem Zahlenwort vorkommt, ist die Bedeutung ausschließlich ein normaler irdischer Tag, wie im heutigen Sprachgebrauch auch. Wenn hier ein Tag symbolisch für lange Zeiträume stehen würde, dann würde damit kein Problem wirklich gelöst. Es wären die Pflanzen vor den Insekten geschaffen worden, was der Evolution widersprechen würde. Außerdem hätte die Erde genauso wie die Pflanzen (3.Tag) schon lange vor Erschaffung von Sonne, Mond und Sternen am 4 Tag bestehen müssen. Das ist im Rahmen einer Evolution absurd. Die Obstbäume wären lange vor den Würmern erschaffen worden und Vögel hätten schon lange vor den Landtieren die Erde bevölkert. Dies lässt sich alles nicht mit der Evolutionstheorie in einen sinnvollen Einklang bringen. Bei der Berufung auf 2. Petrus 3,8 oder Ps 90: „Und ihr sollt wissen, liebe Freunde, dass ein Tag für den Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag,“ haben wir das gleiche Problem. Außerdem will uns dieser Vers kein Übersetzungsmaß zwischen irdischer Zeit und Gottes Zeit liefern, sondern die Zeitunabhängigkeit von Gott zeigen. Wenn hier nicht normale Tage gemeint wären und der Schreiber trotzdem die Definition eines Tages mitliefert, dann dürfte man nicht lesen, was dasteht. Zum Schluss: Wie müsste man den Ruhetag Gottes im Sinne eines langen Zeitraumes in der Evolution unterbringen? In der kritischen Forschung besteht ein weitgehender Konsens, dass in Gen 1 gewöhnliche Tage gemeint sind, während einige evangelikale und kirchlich-konservative Exegeten (gegen den Wortsinn) zu Schöpfungsperioden gelangen, weil sie den Schöpfungsbericht mit langen geologischen Zeitaltern in Einklang bringen wollen.

3. Manche Ausleger sind der Meinung, die Formulierung: „… die Erde bringe hervor lebendiges Getier….. „(1.Mose 1,24)deute auf einen evolutiven Prozess hin. Hierzu muss allerdings gesagt werden, dass auch in diesen Versen am Anfang: „Und Gott sprach: …“und am Ende: „Und es geschah so. Und Gott machte…“ steht. Es kann also hier nicht hineininterpretiert werden, dass die Erde selbst schöpferisch tätig oder auf einen Prozess einer langen Entwicklung angespielt werde. Man darf hier nicht das grammatikalische Subjekt mit dem handelnden Subjekt verwechseln. Auch in diesen Versen ist es Gott, der spricht und der macht. Wenn man es als eine Andeutung auf eine lange Entwicklung auffasst, wieso dann nur an der Stelle und nicht auch bei anderen Schöpfungsakten. Es lässt sich aus dem Text heraus nicht erkennen, dass der Verfasser hier eine Ausnahme im Schöpfungshandeln Gottes signalisieren wollte. Die einfachere und plausiblere Erklärung ist der Wunsch des Verfassers nach stilistischer Abwechslung. Trotzdem bleibt vielleicht beim einen oder anderen der Zweifel: Könnte es nicht doch sein, dass hier auf lange Zeiträume angespielt wird?  Das „Und Gott sprach“ deutet immer auf ein unmittelbares, wirkmächtiges Handeln im selben Moment des Sprechens hin. Nirgendwo in der Bibel folgt auf –und Gott sprach- eine allmähliche langsame Verwirklichung dessen, was er spricht. Ps 33,9: „Denn wenn er spricht, so geschieht`s“; Jes.48,13:“… meine Hand hat die Erde gegründet und meine Rechte hat die Himmel ausgespannt. Ich rufe und alles steht da.“ Die Unmittelbarkeit ist hier extra betont. Das passt überhaupt nicht zu einer allmählichen Entwicklung und unterstreicht nochmal das oben Gesagte. Auch bei Jesus besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen „Er sprach“ und der sofortigen Erfüllung eines Wunders (siehe z.B. Die Auferweckung des Lazarus).

4.) Der Mechanismus der Evolution beruht auf der notwendigen Voraussetzung einer Massenproduktion von Individuen über zahlreiche Generationen und Jahrmillionen hinweg, des massenhaften Todes von Individuen einschließlich des Menschen, des Überlebenskampfes und der Selektion der bestangepassten Individuen sowie der Aussonderung der kranken und behinderten Formen. Die Fossilien dokumentieren in ihrem Auffindungskontext häufig diesen Überlebenskampf und einen gewaltsamen Tod. Dies dürfte wohl das schwerwiegendste Argument gegen die theistische Evolution sein. Wie lassen sich diese Prinzipien mit einem liebenden Gott vereinbaren? Der Tod, der die Folge des Sündenfalls ist, wäre der Motor der Evolution, den Gott gebraucht hätte, um schließlich den Menschen hervorzubringen. Der Mensch selbst wäre das Produkt einer langen Kette von Tod, Krankheit und Leid, Überleben von wenigen sowie massenhafter Vermehrung, ohne die eine natürliche Auslese durch Überlebenskampf nicht möglich wäre. Eine seltsame Vorstellung von Gottes Schöpfungshandeln. Glauben wir ernsthaft, Gott habe sich solcher Prinzipien bedient. Peter J. Bowler (2009) ( Biologie-Historiker)„Selektion passte die Arten immer wieder veränderten Umwelten an, und sie erreichten das durch das Töten von nutzlosen Varianten in einem mitleidlosen Kampf ums Dasein. Dies schien nicht die Art des Prozesses zu sein, den ein gütiger Gott eingerichtet haben könnte“. „Natürliche Selektion ersetzte die Güte Gottes als eine Erklärung der Anpassung.“ Eigentlich ist doch der Tod erst nach der Erschaffung des Menschen durch die Sünde in die Welt gekommen. Der Sündenfall des Menschen wäre sinn- und gegenstandslos, weil Gott den Menschen schon sündig geschaffen hätte. Folgende Aussagen deuten darauf hin, dass die Welt von Gott ursprünglich ohne Tod geschaffen wurde: 1.Mose 2,17 „Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.“ 1.Mose 1,30: „Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so.“ Tiere waren als Nahrungsquelle zunächst nicht vorgesehen. Pflanzen gelten in der Bibel nicht als Lebewesen. Nur Gott hat die Welt sehr gut geschaffen. Jedes Schöpfungswerk wurde mit dem Attribut: „Siehe es war gut“ versehen. Beim Menschen heißt es dann: „Siehe es war sehr gut“. Spricht das nicht vielmehr dafür, dass Gott die Welt ursprünglich vollkommen geschaffen hat? An welcher Stelle der Evolution sollte Gott im Übergangsfeld zwischen Affen und Menschen dann die Würde der Ebenbildlichkeit dem Menschen gegeben haben. Darüber hinaus ist nach der Evolutionstheorie die Entwicklung nicht abgeschlossen, Sie geht ja weiter. Die Bibel erwähnt mit keinem Wort eine derartige Vorstellung. Sie würde allen Facetten des biblischen Menschenbildes widersprechen. Nochmal möchte ich auf den Tod als Triebfeder der Evolution zu sprechen kommen. Röm. 5,12 „Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben“. Der Tod kam nach Paulus erst durch den Sündenfall in die Welt. Dass hier nicht nur der geistliche Tod gemeint sein kann, wie von manchen behauptet, zeigt eine andere Stelle 1.Kor.15,21: „Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten“. Paulus schreibt diesen Vers im Kapitel, in dem es um die Bedeutsamkeit der leiblichen Auferstehung geht, folglich kann es sich hier nur um den leiblichen Tod handeln mitleidlosen Kampf ums Dasein.

5.) Der Schöpfungsbericht sei von der Gattung her Dichtkunst und sei deshalb nicht historisch zu verstehen. Außerdem weist er Parallelen zu Schöpfungsmythologien aus der altorientalischen Umgebung auf. Kontra: Die Gattung des Schöpfungsberichtes ist nicht leicht zu bestimmen. Er enthält poetische Elemente vor allem im 2. Teil. Darüber hinaus zeichnet er sich durch einen strukturierten Aufbau aus. Er weist Bicola und Tricola auf (zwei- und dreigliedrige Verse) Trotzdem kann man ihn aufgrund seiner Nüchternheit und fehlender ausschmückender Bildsprache im 1.Teil hauptsächlich als Bericht auffassen, der historisch verstanden werden will. Auch wenn man ihn als Lied verstehen wollte, spräche das keineswegs gegen den Anspruch der Historizität. Das Argument der Gattung wurde häufig benutzt, um den fehlenden Anspruch auf ein reales Geschichtsverständnis zu untermauern.  Dies ist allerdings nur ein Scheinargument, denn wieso sollte ich nicht auch durch ein Lied oder ein Gedicht reale Geschichte ausdrücken können? Nun zum Argument der mythologischen Parallelen: Der Schöpfungsbericht zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er keine Mythologien wie andere Weltschöpfungsepen enthält. G. von Rad spricht von einer „sauberen Ausschmelzung alles Mythologischen“. „Der Text von Gottes Weltschöpfung… ist seinem Wesen nach nicht Mythus und nicht Sage, sondern Priesterlehre, d.h. uraltes sakrales Wissen“.  Auch eine literarische Abhängigkeit von anderen Schöpfungsmythen ist nicht nachgewiesen. Selbst der akkadische Weltschöpfungsepos Enuma Elish und das Gilgamesch- Epos weisen ein völlig anderes Gottes-, Menschen- und Weltbild auf. Zum Schluss noch zu einem weiteren Argument, das häufig vorgebracht wird, dem Schöpfungsbericht läge ein veraltetes Weltbild zugrunde. Hier beruft man sich hauptsächlich auf das hebräische Wort: raqia für Feste oder Firmament in Genesis 1,8. „Und Gott nannte die Feste Himmel.“ Eine genaue Textanalyse anhand von anderen Bibelstellen, wo das Wort raqia oder verwandte Worte vorkommen, hat allerdings ergeben, dass mit raqia fast nirgends etwas über Form und Festigkeit ausgesagt werden will. Auch die genannte Textstelle selbst zeigt, dass raqia als Synonym für schamajim = Himmel verwendet wird. Ein dreistufiges Weltbild oder das Käseglockenmodell sind eingefleischte moderne Phantome oder Vorurteile, die aber leicht zu widerlegen sind.  

6.) Im Schöpfungsbericht heißt es 10 mal, dass Gott die Pflanzen und die Tiere nach ihrer Art schuf. Das ist ein sehr interessanter Befund. Gerade der Übergang der Arten bzw. die Entstehung von neuen Bauplänen ist bis heute im Evolutionsmodell ein großes Rätsel. Auch der Fossilbericht zeigt einerseits, dass die Übergänge fehlen, andererseits, dass Arten über lange geologische Zeiträume oft sehr stabil bleiben. Die Libelle beispielsweise hat vor 300 Millionen Jahren genauso ausgesehen und war genauso konstruiert, wie die heutige Libelle. Das ist erstaunlich, wenn man annimmt, dass sich in der gleichen Zeit die Pflanzen- und die Tierwelt grundlegend verändert haben sollen. Bei diesem Thema sollte allerdings beachtet werden, dass der biblische Begriff der Art weiter gefasst wurde als der heutige biologische Artbegriff. Dem biblischen Artbegriff entspricht heute der Begriff des Grundtyps oder etwa der einer Familie oder Gattung.  

7.) Gemäß Hebr.11,3 ist das jetzt Sichtbare nicht aus dem entstanden, was sicht- und greifbar ist, sondern aus dem Nichts. Creatio ex nihilo. „Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.“Genau übersetzt müsste es eigentlich heißen: nicht aus dem Erscheinenden, d.h. nicht aus dem schon Vorhandenen.

Das  würde ebenfalls der Vorstellung einer langsamen Entstehung aller Lebewesen aus deren Vorstufen widersprechen.

9.) Adam als erster Mensch und Eva als erste Mutter

Nach 1.Mose 3,20 ist Eva als erste Frau die Mutter aller Lebenden. Das schleißt aus, dass es schon vor Adam und Eva Menschen gab. Außerdem gibt es eine Stelle im NT, wo Paulus von einem Menschen spricht, aus dem sich das ganze Menschengeschlecht entwickelt hat.

1.Mose 3,20: „Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben“. Apg.17,26 „Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, …“.Paulus hat den Schöpfungsbericht so verstanden, dass Adam tatsächlich der erste Mensch war, das kann man an den bereits weiter oben zitierten Versen nochmal deutlich machen.

Röm. 5,20: „Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben“.

1.Kor 15,21: „Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten“.

10.) Die gesamte Urgeschichten sowie die Vätergeschichten sind auf der gleichen Ebene der Erzählform und der Historizität geschrieben. Sie bauen aufeinander auf und sind verbunden durch 10  Toledot-Formeln über die gesamte Genesis (Dies ist die Geschichte von) Genesis 1,1-2,3 ist ein Teil des Buches Genesis in seiner Gesamtheit. Wo in der Genesis sollte die Historizität beginnen, wenn nicht in Gen 1? Es gibt keine sprachliche Markierung, ab der man den Anspruch auf Geschichtlichkeit festmachen könnte. Die Genealogien in 1.Mose 5 und 11 deuten ebenfalls darauf hin, dass die ganze Urgeschichte historisch gelesen werden will. Adam war der erste Mensch, von dem eine Abstammungs-Linie über Noah bis zu Abraham reicht. Die Genesis erzählt eine fortlaufende Geschichte von Adam über Noah bis zu Josef und will damit einen fortlaufenden Bericht von den Anfängen der Welt bis zur Entstehung des Volkes Israel abgeben. G.v.Rad schreibt: Mit 1.Mose 1,1 hebt das Geschichtswerk an, das nun durchläuft bis zur Sinaioffenbarung und der Landnahme der Stämme… Es ist also daran festzuhalten, dass hier ein Tatsachenbericht gegeben werden will“. Zu behaupten, die Urgeschichte wolle keinen historischen Tatsachenbericht abgeben, würde dem Selbstzeugnis der Urgeschichte widersprechen.

1.) Auch das NT einschließlich Jesus versteht die Genesis historisch. Für Paulus habe ich das schon weiter oben nachgewiesen; auch an anderen Stellen im NT wird deutlich, dass man die Figuren der Urgeschichte und der gesamten Genesis als historischen Personen aus Fleisch und Blut versteht, die wirklich gelebt haben.

Mt. 19,4: Habt ihr nicht gelesen: Der am Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau und sprach: ……“

Mt. 24:37 oder Lukas 17:26: „Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohns.“

Mt. 23:35, Luk.11:51 „…. Von dem Blut des gerechten Abel an bis auf das Blut des Secharja, des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar.“

Hebräer 11: „Durch den Glauben hat Abel Gott ein besseres…; durch den Glauben wurde Henoch entrückt…; durch den Glauben hat Noah…; durch den Glauben wurde Abraham…; durch den Glauben empfing Sara…; durch den Glauben wurde Mose…“

Francis A. Schaeffer:

„An allen Stellen, wo sich das Neue Testament auf die erste Hälfte der Genesis bezieht, setzt es ausnahmslos voraus oder behauptet es ausdrücklich, dass die Genesis geschichtliche Aussagen macht, und dass sie in normaler Weise gelesen sein will, und Worte und Syntax so benutzt, wie jedes andere geschichtliche Buch.“

Der Versuch einer Harmonisierung der Evolutionstheorie mit dem biblischen Schöpfungsglauben bringt erhebliche theologische Probleme mit sich. Die Evolution basiert auf Mutation und Selektion über große Zeiträume hinweg. Ohne diese Faktoren wäre eine Entwicklung nicht möglich. Die meisten Mutationen sind negativ, d.h. führen zu einem Nachteil für das entsprechende Lebewesen. In der Vorstellung der Evolutionisten komme es hin und wieder auch zu positiven Mutationen, die dann einen Überlebensvorteil darstellen. Der Vorteil einer positiven Mutation ist durch die höhere Überlebenswahrscheinlichkeit infolge einer besseren Anpassungsfähigkeit und infolge einer höheren Zahl an Nachkommen definiert. Damit sich dieser Vorteil jedoch über eine gesamte Population ausbreiten kann und zur Ausgangsbasis für weitere aber seltene vorteilhafte Mutationen werden kann, sind unzählige Generationen und sehr lange Zeiträume erforderlich. Dies geschieht mit Hilfe der natürlichen Selektion (natürliche Auslese) eigentlich ein logischer Vorgang. Mutationen sind ungerichtet und geschehen zufällig. Die Sektion gibt die Richtung vor wie bei einer Ventilfunktion oder einem Filter. Im Kampf um das Überleben setzen sich die Individuen durch, die stärker oder weniger anfällig für Krankheiten sind, und die höhere Zahlen an Nachkommen produzieren können, sich also insgesamt besser an die Umwelt anpassen können. Gleichzeitig werden die schwächeren, Individuen, die negative Mutationen aufweisen, im Laufe von langen Zeiträumen ausgesondert und im Entwicklungsprozess eliminiert. Man nennt diesen Prozess deshalb natürlich, weil er auf den von der Natur vorgegeben Gesetzmäßigkeiten beruht. In der theistischen Evolution trägt man sich mit der Vorstellung, dass Gott genau diesen Mechanismus gebraucht habe, um schließlich den Menschen als Ziel der Schöpfung entstehen zu lassen. Diese Vorstellung ist aber aus mehreren Gründen problematisch.

Bei genauer Betrachtung lässt sich die theistische Evolution mit dem biblischen Gottesbild allgemein und mit dem in der Genesis geschilderten Schöpfungshandeln im Speziellen kaum vereinbaren, und zwar selbst dann, wenn man den Schöpfungsbericht nicht wörtlich versteht. Gott hätte sich eines Mechanismus bedient, der im Kampf um das Dasein den Stärkeren auf Kosten des Schwachen überleben lässt. Hat sich Gott nicht in vielfältiger Weise immer wieder als derjenige geoffenbart, der auf der Seite der Schwachen, der Kranken und Ausgestoßenen steht und uns dazu aufgefordert, dasselbe zu tun? (5.Mose 24; Bergpredigt: Mt.5) Daneben müsste man bei einer theistischen Evolution die Tatsache akzeptieren, dass Gott einen Vorgang benutzt hat, bei dem die Massenproduktion und der massenhafte Tod von Lebewesen unabdingbare Voraussetzung für die Entwicklung des Lebens und schließlich des Menschen wird. Der Fossilbefund zeugt von diesem Überlebenskampf und vom Sterben vieler Tiere sowie vom Aussterben ganzer Tiergruppen. Dies dürfte wohl einer der schwerwiegendsten Einwände gegen die Annahme einer theistischen Evolution sein. Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Der Tod ist der letzte Feind Gottes, der am Ende zerstört werden wird. Wie sollte Gott ausgerechnet den Tod benützt haben, um Leben zu schaffen? Es ist auch eine merkwürdige Vorstellung, warum Gott sich eines Vorgangs bedient haben sollte, der Jahrmillionen braucht, um zu funktionieren. Würde das nicht vielmehr bedeuten, dass Gott ganz anders ist als wir uns ihn vorstellen? Dann würde dies allerdings wiederum seiner schriftlichen Offenbarung völlig widersprechen, in der er uns als handelnder, übernatürlich eingreifender Gott offenbart wird, bei dem im gleichen Augenblick das geschieht, was er spricht.  Es würde eine massive Diskrepanz zwischen dem Schöpfungshandeln und seinem schriftlich geoffenbarten Wort bestehen. An der Stelle erkennen wir einmal mehr, wie eng sich die Voraussetzungen der TE und der liberalen Theologie berühren. Die Übernahme der Evolutionstheorie in eine wie auch immer geartete Schöpfungs-Theologie kann nur unter der Voraussetzung der Denkkategorien der historisch- kritischen Methode gelingen. Es ist deshalb überhaut nicht überraschend dass, die liberale Theologie die Gedanken der Evolutiontheorie verinnerlich hat.

 Schon weiter oben haben wir gesehen, dass nach der Evolutionstheorie der Tod von der ersten Urzelle an die Triebfeder für die Höherentwicklung bis hin zum Menschen ist. Das aber widerspricht unzweideutig dem biblischen Schöpfungszeugnis, in dem der Tod erst nach der Erschaffung des Menschen und dessen Sündenfall eintritt (siehe oben). Das gleiche gilt für die Sünde. Wenn der Mensch von den Tieren abstammen würde, wäre die Sünde eine automatische Begleiterscheinung oder besser ein notwendiger Bestandteil des schöpferischen Handelns Gottes und nicht Folge des Ungehorsams des ersten Menschenpaares. Der erste Mensch wäre im Rahmen einer TE schon sündig „erschaffen“ worden und könnte nicht mehr für seine Sünde verantwortlich gemacht werden. Die Bedeutung der Sünde für das Todesschicksal des Menschen (und der Tierwelt, siehe Röm.8) und damit auch für die Heilsgeschichte, die im Kreuzesstod Jesu ihren Höhepunkt findet, wäre aufgehoben. Die Kreuzestheologie der Bibel wäre hinfällig. Von daher erklärt sich auch, warum viele liberale Theologen auch mit der Kreuzestheologie Jesu nicht mehr viel anfangen können und zu alternativen Erklärungen und Deutungen des Sterbens Jesu neigen. Es ist übrigens auch ein klares Beispiel dafür, dass bei einer Aufgabe der historischen Wirklichkeit die theologische Bedeutung verloren geht. Ohne historisches Fundament verliert die theologische Bedeutung ihre Aussagekraft, wie es in meinen Ausführungen an vielen Stellen deutlich wurde.

Die liberale Theologie scheut sich nicht davor, auf die Unstimmigkeiten hinzuweisen, die entstehen, wenn man einerseits an der Idee von einer über Jahrmillionen dauernden graduellen Höherentwicklung und andererseits an der biblisch dokumentierten Heilsgeschichte festhalten will. Der Episkopale John Shelby Spong, emeritierter Bischof der Diözese Newark, sagt dazu:

Am Anfang der Bibel steht die Annahme, dass Gott eine fertige und vollkommene Welt geschaffen hatte, von der die Menschen in einem kosmischen Aufstand abfielen. [Nach dem Sündenfall] befand sich alles Leben im Zustand der Erbsünde. Darwin setzte stattdessen eine unvollendete und somit unvollkommene Schöpfung voraus . . . Die Menschen sind [bei Darwin] nicht aus der Vollkommenheit in die Sünde gefallen, wie die Kirche seit Jahrhunderten gelehrt hat . . . Das hebt den Grundmythos der Christenheit auf, nach dem Jesus als Gottesgesandter angesehen wird, der kam, um die Opfer des Sündenfalls von den Folgen der Erbsünde zu erretten.

Viele Vertreter einer theistischen Evolution arrangieren sich heute mit der Vorstellung, dass die Entstehung des Lebens und ihre Vielfalt durch rein natürliche Mechanismen erklärbar ist. Gott steht dabei nur im Hintergrund als Grund allen Seins, dessen Schöpfungshandeln völlig nebulös und unklar bleibt.  Richard Dawkins, ein Vertreter des neuen Atheismus, beschrieb dieses Verständnis mit dem Bild des blinden Uhrmachers: Die Lebewesen, die noch viel fantastischer konstruiert sind als ein Uhrwerk, sind ohne Planung entstanden, ihr „Schöpfer“ war blind für Ziele und Zwecke. Ähnlich drückte sich auch Darwin aus. Richards hat die heutige Diskussion treffend charakterisiert, indem er schrieb: „Heutzutage versuchen die meisten theistischen Evolutionisten den Theismus irgendwie mit Darwin’scher Evolution zu versöhnen… Obwohl es nicht immer einfach zu verstehen ist, was sie sagen, wollen viele theistische Evolutionisten die These vom „blinden Uhrmacher“ in ihre Theologie integrieren.“  Welche Rolle spielt unter diesen Umständen Gott als Schöpfer überhaupt noch?  Wenn Evolution als rein gesetzmäßiger, natürlicher Vorgang verstanden wird, allein bedingt durch das Wechselspiel von Mutation und Selektion, wie oben erklärt, dann kann man diesen Prozess eigentlich nicht mehr Schöpfung nennen? Reinhard Junker dazu: Das wäre ein Etikettenschwindel. Genauso wenig, wie der Inhalt einer Flasche durch ihre Aufschrift bestimmt wird, wird ein ungesteuerter natürlicher Vorgang dadurch zu Schöpfung, dass man ihm ein entsprechendes Etikett verpasst. Wenn Gott nicht wenigstens in irgendeiner Weise steuernd im Evolutionsprozess wirkt, ist der Begriff Schöpfung entleert. Schöpfung durch Evolution ist dann keine Bereicherung, wie manche behaupten, sondern eine Entleerung. Die Frage ist nur, worin das steuernde Eingreifen Gottes bestehen sollte. Ist es überhaupt denkbar, dass die Mutationen im Evolutionsprozess nicht blind und zufällig erfolgt sind, sondern dass Gott sie so gelenkt hat, dass neue Arten von Lebewesen entstehen. Könnte Evolution so doch zielorientiert und deshalb auch weniger grausam sein? Diese Vorstellung ist aus 2 Gründen problematisch. 1.) Sie widerspricht dem evolutionstheoretischen Grundansatz. Man könnte nicht mehr von einem natürlichen Vorgang sprechen. 2.) Sie steht im scharfen Widerspruch zu unzähligen heutigen Beobachtungen, die ja den Ausgangspunkt für die Evolutionstheorie bilden. Heutige Beobachtungen sind vielfach von Überlebenskampf und Grausamkeit sowie von fehlenden Hinweisen auf eine positive Lenkung oder Planung gekennzeichnet. Genanalysen haben gezeigt, dass auf unzählige negative Mutationen nur wenige positive Mutationen kommen. Daran schließt sich die Frage an: Warum sollte ein weiser Schöpfer den Umweg über unzählige negative oder schädliche Mutationen wählen, um schließlich durch wenige positive Mutationen immer wieder einen Entwicklungssprung nach oben herbeizuführen? Welche Rolle sollten die schädlichen Mutationen in einer vom Schöpfer gelenkten, Evolution spielen? Wir kommen zwangsläufig wieder auf das Bild des blinden Uhrmachers zurück. Manche suchen einen Ausweg darin, zu sagen, dass Gott den natürlichen Vorgang vorprogrammiert habe oder dass er die Erstursache eines solchen Vorgangs sei. Bei genauer Betrachtung dieses Arguments fällt jedoch auf, dass man das Problem dadurch nicht kleiner macht, sondern grösser. Einen über weite Strecken destruktiven Mechanismus zu programmieren, bei dem es nur sporadisch zu Entwicklungssprüngen kommt, die dann wieder über viele Generationen stabilisiert werden müssen, um Ausgangspunkt für graduelle Neuerungen zu werden, wäre noch seltsamer, als von Zeit zu Zeit korrigierend in den destruktiven Mechanismus einzugreifen. Manche Christen wollen eine theistische Evolution mit der Ontogenes (Entwicklung eines Menschen im Mutterleib) vergleichen. Hier würden wir auch davon sprechen, dass Gott einen Menschen geschaffen hat, obwohl es ein ganz natürlicher Vorgang sei. Dagegen ist jedoch einzuwenden, dass es hier um die Erhaltung der Schöpfung geht (Creatio continua) und nicht um die Erstschöpfung eines Lebewesens. (Creatio ex nihilo) Jeder neue Mensch ist genau genommen schon im ersten Menschen (Adam) miterschaffen worden. (Adam ist unser „Ur-Großvater“) Bei der Verschmelzung von Ei- und- Samenzelle entstehen keine neuen Gene, sondern nur neue Genkombinationen, die den Menschen ausmachen. Zudem entsteht ein Fetus nicht über den Weg von vielen Fehlentwicklungen, die ständig eliminiert werden müssten, um schließlich ein gesundes Neugeborenes zur Welt kommen zu lassen. (Übrigens auch ein schlüssiges Argument für die Erbsünde, die in Adam angelegt wurde.) Auch dieses Argument greift viel zu kurz. Es bleibt die Frage: Wie könnte man noch von Schöpfung angesichts eines ungesteuerten, natürlichen, gesetzmäßig beschreibbaren Prozesses sprechen? Hätte der Schöpfungsbegriff dann überhaupt noch eine Entsprechung zur menschlichen Erfahrung? Wäre Gott überhaupt noch erkennbar? Will uns nicht ausgerechnet der Schöpfungsbericht mit dem Attribut der Ebenbildlichkeit des Menschen eine gewisse Ähnlichkeit mit Gottes Wesen attestieren? Gleichzeitig setzt die Möglichkeit der Kommunikation mit Gott eine gewisse Wesensgleichheit voraus. Kann unsere Fähigkeit zur Kreativität nicht auch als Abbild der schöpferischen Tätigkeit Gottes verstanden werden? Es gibt zahlreiche Bibelstellen, in denen ausgedrückt wird, dass wir Gottes Größe, Gottes Macht, Weisheit und Verstand (Jer.10,12) gerade auch in der Schöpfung erkennen können. (Röm.1,20) Ohne Entsprechung zwischen Schöpfungshandeln Gottes und der menschlichen Kreativität wären diese Bibelstellen sinnlos. Man würde doch Gott nicht etwa für einen vom Wind zufällig zusammengewehten Blätterhaufen als Zeichen der Größe Gottes loben wollen. Gerade in der liberalen Theologie wird dieser Aspekt zu wenig beachtet, indem man das Verständnis von Gott als Schöpfer auf eine andere Ebene des Verstehens verschiebt, die für uns Menschen nicht mehr greifbar ist. Gott wird zum ganz anderen oder zum völlig verborgenen Gott. (Deus abscondidus). Im Deismus geht man davon aus, dass Gott zwar die Initialzündung für die Entwicklung des Lebens gegeben hat, dann aber die Welt sich selbst überlässt. Deismus und evolutiver Theismus grenzen in Fragen des Ursprungs des Lebens eng aneinander. Gottes Wirklichkeit und die menschliche Realität haben zumindest in der Schöpfung nichts mehr miteinander zu tun. Reinhard Junker dazu: Gott als Schöpfer in die Tiefen der Wirklichkeit zu verbannen, ist ein Fehlweg. „Der das Ohr gepflanzt, sollte der nicht hören? Und der das Auge gebildet, sollte der nicht sehen.“ (Psalm 90,9 nach Menge).

Die Evolutionstheorie lässt sich kaum mit dem biblischen Gottesbild und erst recht nicht mit dem biblischen Schöpfungszeugnis harmonisieren. Wer es trotzdem versucht, muss sich zwangsläufig über viele theologische Probleme, die dabei auftreten, oder evolutionistische Hypothesen hinwegsetzen. Er gerät zwischen 2 Stühle, die ihm keinen sicheren Sitz gewährleisten. Weder von biblischer Seite noch von evolutionistischer Seite bekommt er Halt. Er tut sich schwer, sich gegen beide Seiten zu verteidigen. Ich kann natürlich verstehen, dass viele Christen heutzutage angesichts des öffentlichen Meinungsdrucks und der angeblichen Wissenschaftlichkeit der Evolutionstheorie den Glauben an die Historizität des Schöpfungsberichtes aufgegeben haben. Viele nehmen auch die Haltung ein, dass sie sagen, ob ich nun den Schöpfungsbericht wörtlich nehme oder nur symbolisch verstehe, davon hängt mein Glaube nicht ab. Das ist natürlich bis zu einem bestimmten Grad richtig. Die wenigsten werden sich jedoch über die tiefere theologische Dimension einer solchen Haltung bisher Gedanken gemacht haben. Wer ernsthaft darüber nachdenkt, wie die Bibel richtig zu verstehen oder auszulegen ist, der kommt an der Frage nach der Urgeschichte und dem Schöpfungsbericht nicht vorbei. Will man die Bibel als Offenbarung ernst nehmen, lässt sie uns, wie wir gesehen haben, wenig Interpretationsspielraum. Ich vermute, dass wenigen Christen bewusst ist, dass sie bei einer Akzeptanz einer theistischen Evolution die Denkvoraussetzungen der historisch- kritischen Theologie übernehmen. Mir selbst wurde erst im Laufe meiner Beschäftigung mit diesem Thema klar, dass unser Bibel- und Gottesverständnis auf der theoretischen Erkenntnisebene sehr stark mit dem Schöpfungsverständnis zusammenhängen. In praktischer Hinsicht spielt es vermutlich eher eine untergeordnete Rolle. Hier gelingt es den meisten, die obengenannten Probleme auszuklammern und manche Fragen einfach unbeantwortet stehen zu lassen. In einer Auseinandersetzung mit dem wachsenden Einfluss der liberalen Theologie in Kirchen, Freikirchen und Religionsunterricht und in der Konfrontation mit einer abnehmenden Bindung an das Wort Gottes in unseren Gemeinden sind die Fragen natürlich von immenser Bedeutung. Ich habe volles Verständnis dafür, wenn jemand zum Thema eine indifferente Haltung einnimmt und Fragen dazu offenlassen will. Nicht jeder kann sich so intensiv mit diesen Fragen beschäftigen, wie es nötig ist, um hier mehr Klarheit zu bekommen. Wofür ich allerdings kein Verständnis habe, wenn Theologen so tun, als sei die Frage nach der Historizität des Schöpfungsberichtes naturwissenschaftlich und theologisch längst geklärt. Damit wird nämlich verschwiegen, dass es sehr wohl ernsthafte und grundsätzliche Probleme gibt, wie wir gesehen haben. Probleme gibt es nur dann nicht, wenn ich ein völlig anderes Bibelverständnis zugrunde lege, und genau das geschieht in der liberalen Theologie. Weil dies von immens wichtiger Bedeutung ist, und weil es uns die ganze Tragweite der Kritischen Sicht vor Augen führt, möchte ich es im Folgenden nochmal grundlegend darstellen.

In der liberalen Theologie versteht man den Schöpfungsbericht und die Urgeschichte als Glaubenszeugnisse, in denen kollektive religiöse Erfahrungen in Worte gefasst wurden. Die Bibel sei als reines Menschenwort Reflexion lebendiger menschlicher Religiosität. Die Bibel sei nicht von Gott oder vom Heiligen Geist eingegeben worden, es sei denn, man identifiziere den Geist Gottes mit der religiösen Erfahrung des Menschen.( nach Bernhard Kaiser) Diese Erfahrungen seien in die Form von Mythen und legendenhaften Erzählungen gepackt worden und erhöben deshalb nicht den Anspruch auf Historizität. Wir würden deshalb einen großen Fehler machen, wenn wir den Texten ein tatsächliches Geschehen unterstellen würden. So liegt es auf der Hand, dass der Schöpfungsbericht als zeitloser Mythos viel leichter mit der naturwissenschaftlichen Weltanschauung zu vereinbaren ist. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die religiöse Weltdeutung eine völlig andere ist als die, die wir mit unseren naturwissenschaftlichen Methoden erfassen können. Während man die religiöse Welt nur intuitiv, also nur innerlich ohne äußere Gründe erfassen könne, sei die äußere Gegenstandswelt messbar, zählbar und wissenschaftlich erforschbar. Während der Glaube für die inneren, geistlichen Wahrheiten zuständig ist, sei die Wissenschaft für die äußeren konkret greifbaren Wahrheiten zuständig. Religiöse Weltdeutung und naturwissenschaftliche Erkenntnisse haben dann nichts mehr miteinander zu tun, sie haben keine Berührungspunkte mehr. Beide Erkenntniswege liegen auf völlig verschiedenen Ebenen, wie es in vielen Diskussionen von liberalen Theologen immer wieder betont wird. Man nennt diese duale Wirklichkeitsbeschreibung auch Parallelismus. Deshalb ergibt sich auch kein Widerspruch zwischen Genesis und Evolutionstheorie und zwischen Glauben und Naturwissenschaft. Hier drückt sich das Grundgedankengut der liberalen Theologie aus. Der Glaube wird unabhängig vom äußeren Ding, von der tatsächlichen Geschichte, von der Frage, ob Wunder tatsächlich geschehen sind, ob man die Auferstehung tatsächlich leiblich oder geistig deuten muss.

Durch die Ablehnung der Historizität vieler biblischer Erzählungen einschließlich des Schöpfungsberichtes ergibt sich ein Trend vom Faktischen zum Fiktiven, indem Gottes Handeln in der geschichtlichen Realität auf innerliche Vorgänge reduziert wird. So kann man heute beispielsweise sagen: Die Schöpfung sei nicht wirklich so geschehen. Gott habe im Glauben der damaligen Menschen das Bewusstsein dafür geschaffen, dass Gott die Welt und den Menschen gemacht hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger wollten uns die Schöpfungsberichte in Genesis sagen. Wie er sie tatsächlich gemacht hat, sei nicht entscheidend. Hauptsache wir glauben an Gott den Schöpfer.

Auf der gleichen Linie befindet sich die Aussage, Gott habe bei der Auferstehung nicht am Leichnam Jesu, sondern am Glauben der Jünger gehandelt. Das sei aber völlig ausreichend, um Jesus als Auferstandenen zu bekennen. Das gleiche ließe sich auch für die Jungfrauengeburt und für viele Wunderberichte im AT und NT sagen. 

Entsprechend vollzieht sich der Glaube nur noch im Bewusstwerden und im Erkennen von geistig-religiösen Einsichten und inneren Erfahrungen, die keinen Bezug zur Natur-Schöpfung und zur äußeren Wirklichkeit mehr haben. Wenn Gott handelt, dann handelt er nicht im Äußeren, sondern im Inneren, im Bewusstsein des Menschen. Es handelt sich letztendlich um einen mystischen, einen rein philosophischen Glauben. Im Grunde bedeutet dies nichts anderes als einen Rückzug in einen sicheren Bereich, in dem der Glaube durch die ratio nicht mehr angreifbar ist. Bernhard Kaiser nennt diesen Vorgang den Verlust der Geschöpflichkeit, der sich in allen Bereichen der liberalen Theologie manifestiert. Bernhard Kaiser dazu: Damit wird deutlich: Schon der Glaubensbegriff dieser Theologie entbehrt dessen, was Luther das „äußerlich Ding“ nannte: des äußeren, objektiven Wortes Gottes und damit einer Größe, die nicht im menschlichen Bewusstsein, sondern in der Schöpfung steht: als menschliches, diesseitiges, geschriebenes oder gepredigtes Wort. So zeigt schon das Verständnis von Glauben und Christsein das Ausfallen der geschöpflichen Dimension. Mit dem Ausfallen der geschöpflichen Dimension verkommt der Glaube zu einer gnostischen und unwirklichen Größe. Er wird zu einer hohlen Gläubigkeit, die mit den unterschiedlichsten religiösen Anschauungen gefüllt werden kann. Damit hängt zusammen, dass die neuere Theologie auch die Bezüge der Offenbarung Gottes zur geschöpflichen Dimension problematisiert, sei dies die Fleischwerdung des Sohnes Gottes oder das Eingehen des Heiligen Geistes ins biblische Wort. Für die neuere Theologie ist Jesus in der Regel nur ein Mensch und das Göttliche an ihm ist sein religiöses Bewusstsein. Aber wesenhaft Gott ist er für sie nicht…Ähnlich verhält es sich mit Gottes Wort: Die neuere Theologie lehnt es ab, es mit der Bibel zu identifizieren, mithin also im Sinne der Lehre von der Theopneustie (Inspiration) der Heiligen Schrift das äußere, menschliche Wort als Gotteswort anzusehen. Gottes Wort ist für sie ein Ereignis im Horizont der menschlichen Existenz, was aber nichts anderes heißt, als dass es in einer inneren religiösen Erfahrung oder in einem Bewusstseinsakt besteht.

Ich habe diese Sätze von Bernhard Kaiser deshalb so ausführlich zitiert, weil sie grundlegend für das Verständnis der liberalen Theologie sind. Sie sind quasi der Generalschlüssel, mithilfe dessen ich mir jede liberale Interpretation von biblischen Einzelereignissen erschließen kann. Durch diese Brille sieht ein liberaler Theologe die ganze Bibel. Man fragt sich hier, was ist das für ein Gott? Was tut Gott wirklich? Hat er die Welt überhaupt geschaffen? Gibt es denn überhaupt keine Spuren seiner Existenz in der Schöpfung (Die meisten theistischen Evolutionsbiologen akzeptieren heute einen rein natürlichen Prozess) oder in der Geschichte? Warum hat er sich nicht offenbart in seinem Wort? Wenn es alles ganz anders war, als es im Schöpfungsbericht steht, warum hat er uns dann nicht mitgeteilt, wie es wirklich war? Warum hat er uns unserer eigenen subjektiven Weltdeutung (Schöpfungsbericht) überlassen? Wir spüren, dass wir durch diese Fragen in eine unerträgliche Spannung kommen, nicht nur, weil sie unser Bild von einem liebenden, persönlichen Gott, der sich den Menschen in erkennbarer Weise zuwendet und mitgeteilt hat, stark in Frage stellen, sondern auch, weil sie ein zur Bibel diametral entgegengesetztes Gottesbild zeichnen. Wird nicht gerade in der Bibel vom ersten bis zum letzten Vers vom Handeln Gottes in dieser Welt gesprochen. Gott schafft die Welt, offenbart sich erkennbar und hörbar, begnadigt und straft, wirkt Wunder und greift in die Geschichte ein, kommt schließlich selbst in unsere Welt, unternimmt alles, um uns zu retten, bevor die Welt zu Ende geht und er einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, wie passt das alles in eine rein geistlich-religiöse Schöpfungswirklichkeit, die für unsere Sinne und unsere ratio nicht fassbar sein soll. Die Bibel widerspricht jedenfalls einer derartigen Auffassung eindeutig. Andererseits zeigt sich daran, wie sich die Grundauffassung der liberalen Theologie von der Heiligen Schrift längst völlig verschoben hat. Das Schöpfungsverständnis der Bibelkritik ist längst zur Blaupause für andere heilsbedeutende Wahrheiten geworden. Die Heilige Schrift darf uns nicht mehr sagen, wie sie verstanden werden will, sondern die HKM sagt, wie die Bibel zu verstehen ist. Bemerkenswert ist auch, dass die Menschen, die Gottes Handeln in ihrem Leben persönlich erfahren haben, oft viel weniger Probleme haben, den Schöpfungsbericht so zu akzeptieren, wie er ist. Ihre konkreten Erfahrungen lassen sie auch in der Bibel eher mit einem gegenständlichen Handeln Gottes rechnen. Andersrum gilt dies möglicherweise noch mehr. Je mehr mich die Geschichten über die Wunder in der Bibel ins Staunen versetzen, desto eher werde ich auch in meinem Alltag Wunder erwarten und gemäß der biblischen Zusagen auch erleben, ohne sagen zu wollen, dass Wunder abrufbar wären wie Zigarrettenpackungen aus dem Automat. Eine abstrakte Schöpfungswirklichkeit, wie sie oben beschrieben ist, ist nach meiner Meinung viel weniger in der Lage, den Glauben an einen konkret handelnden Gott zu stärken. Gott wird fremd, rückt weiter weg, ist nicht mehr versteh- und greifbar. Je weiter Gott für mich wegrückt, desto mehr muss ich selbst in meinem Innern arbeiten, dass er nicht in der Ferne verschwindet. Den Schöpfungsbericht und damit auch Gott auf eine abstrakte Verstehensebene zu verschieben, um mit den vermeintlich objektiven, wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht zu kollidieren ist eine nur vordergründige Lösung, weil sie erst mal viel Druck aus dem Kessel der Auseinandersetzung nimmt. Am Ende erweist sie sich aber für den Ausleger, der die Bibel in ihrer Aussageintention ernst nehmen will, als nicht tragfähig, weil sie sich nicht verträgt mit dem biblischen Schöpfungs- und Gottesbild.  Erneut zeigt sich, dass der Ausleger in einen extremen Konflikt gerät und dass er das ursprüngliche Problem nicht gelöst, sondern nur verschoben hat.   

Viele Christen halten es für unverantwortlich, am geschichtlichen Verständnis des Schöpfungsberichtes festzuhalten, weil hier der Glaube an Jesus mehr oder weniger unbewusst von einer wörtlichen Interpretation der Urgeschichte abhängig gemacht werde. Hierdurch werde der Kern des Evangeliums mit intellektuellen Widersprüchen unnötig belastet und gefährlich angreifbar. Man glaubt deshalb, die Historizität aufgeben zu müssen und gleichzeitig ein intellektuelles Hindernis auf dem Weg zum Glauben aus dem Weg räumen zu können. Bei all diesen Diskussionen wird aber übersehen, dass es möglicherweise genau umgekehrt ist. Skeptischen Zeitgenossen wird der Glaube nicht dadurch glaubwürdiger erscheinen, dass wir immer nur sagen, so war das nicht gemeint, das muss man heute anders verstehen, der Schöpfungsbericht will nicht historisch verstanden werden. In öffentlichen Diskussionen kommt genau dieses Phänomen immer wieder zum Tragen. Die Vertreter der atheistischen Seite wundern sich immer wieder darüber, wie man den bibeleigenen Wahrheitsanspuch der Urgeschichte theologisch beiseite schieben kann und andererseit dann mit relativ hohem Absolutheitsanspruch die Lehre Jesu als verbindlich ansehen kann. Wer sagt uns denn, dass Jesus verbindlich sein soll ,das AT jedoch nicht. Wer sagt uns, welcher Teil von Jesus als verbindlich anzusehen ist und welcher nicht, wenn Gott seine eigenen Propheten und Apostel im irrtümlichen Glauben ließ, dass es sich um historische Berichte und Personen handelte. Es entsteht eine Beliebigkeit, die für atheistische Wissenschaftler oder Philosophen eher abstoßend wirkt. Jedenfalls gibt es hier einige Diskussionen, in denen ich das so erlebt habe. Für einen unvoreingenommenen Leser ist es schwer nachvollziehbar, dass er die Bibel, nachdem er sie inhaltlich verstanden hat, nicht so lesen darf, wie sie selbst verstanden werden will. Helge Stadelmann sagt dazu: Vielmehr werden sie (die Skeptiker) fragen, was denn von einem Glauben zu halten ist, der in den überprüfbaren Bereichen als durch Fakten falsifiziert anzusehen wäre und sich daraufhin in kühnem Sprung auf die Tellsplatte einer unüberprüfbaren existentiellen Innerlichkeit zurückzieht und dies in der Folge mit großer Geste als christologisch motivierte Notwendigkeit ausgibt.

Darüber hinaus steht es nicht in unserer Verantwortung, den Zugang zu Gottes Wort dadurch zu erleichtern, dass man Teile davon wegstreicht.

Wolfgang Huber (2007), der frühere Ratsvorsitzende der EKD, bezeichnet Kreationismus als Verkehrung des Glaubens.“..  Ebenso hat die EKD sich offiziell zu einer Ablehnung des Kreationismus bekannt.

 Zusammenfassung:

Die Urgeschichte und der Schöpfungsbericht wollen historisch verstanden werden, was von den meisten alttestamentlichen Wissenschaftlern bestätigt wird. Evolution und der biblische Schöpfungsbericht lassen sich, wenn überhaupt, nur äußerst schwer miteinander vereinbaren. Viele Teile der Evolutionstheorie stehen im krassen Gegensatz zum biblischen Gottesbild. Bei einer Trennung von theologischer Botschaft und historischer Wirklichkeit laufe ich Gefahr, bedingt durch den dann entstehenden Subjektivismus, nicht nur einen großen Teil der theologischen Aussagen in den ersten Kapiteln der Bibel , sondern auch wichtige Heilstatsachen zu verlieren. Der Kern der christlichen Botschaft über Sünde und den Kreuzestod Jesu wird ausgehöhlt. Was übrig bleibt, ist häufig nur die Aussage, dass Gott diese Welt in der Hand hält, wofür nur der erste Satz der Bibel genügt hätte. Die Vereinbarkeit von Evolution und Schöpfung kann nur vor dem Hintergrund einer historisch- kritischen Weltanschauung begründet werden. Eine komplette Trennung der Wirklichkeit in eine geistige für den Glauben fassbare und eine wissenschaftliche erforschbare Wirklichkeit ist nichts anderes als eine Flucht vor der Wirklichkeit und wird dem biblischen Gottesbild, das uns schon im Schöpfungsbericht vorgestellt wird, keinesfalls gerecht. Ein mystischer Glaube, wie ihn viele liberale Theologen letztlich pflegen und propagieren ist nur haltbar, wenn ich die Bibel auf den Kopf stelle. Gleichzeitig erweist sich die Notwendigkeit der Akzeptanz der Evolution nur dann als gegeben, wenn ich evolutionistische Vorannahmen zugrunde lege. Die Evolution ist aber nicht bewiesen. Sie beruht auf zahlreichen nicht bewiesenen Hypothesen. Genauso gut kann ich den Spies umdrehen und sagen, die moderne Naturwissenschaft bestätigt gerade, dass ein natürlicher Entstehungsmechanismus unwahrscheinlich ist. Die modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse stehen dem Schöpfungsglauben überhaupt nicht im Weg, im Gegenteil sie bringen mich zu der Erkenntnis, dass ein intelligenter Schöpfer die Welt geplant haben muss. Moderne Wissenschaft und Glauben haben sehr viel miteinander zu tun. Nicht die Wissenschaft zwingt mich zu einer Annahme der Evolution, sondern bestimmte weltanschauliche Deutungen von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen. Die gleichen Forschungsergebnisse können mich auch zu einem Schöpfungsglauben führen. Die Wissenschaft steht auf der Seite der Bibel, weil Gott ein in der Welt handelnder ist und zahlreiche Spuren seines Wirkens hinterlassen hat. Der Glaube basiert nicht vorwiegend auf inneren religiösen Einsichten, sondern auf realen geschichtlichen und schöpfungsmäßigen und damit wissenschaftlich fassbaren Tatsachen. Das macht die Einzigartigkeit des biblischen Glaubens aus. Wir loben Gott als Schöpfer, nicht weil er uns das Zeugnis der Menschen darüber hinterlassen hat oder das Bewusstsein dafür schenkt, sondern weil er tatsächlich der Schöpfer ist und in Raum und Zeit Tatsachen geschaffen hat, die wir entweder akzeptieren oder ablehnen können. Die Spuren seiner Schöpfung und seines geschichtlichen Handelns sind äußerlich gut erkennbar und wissenschaftlich erfassbar. Am Ende bleibt es natürlich ein Glaubensakt- wir können Gott nicht im wissenschaftlichen Sinn beweisen- aber zu behaupten, Wissenschaft und Glauben stünden auf zwei unverbundenen Ebenen, ist nur für den richtig und sicher, der die Argumente einseitig abwägt, der die weltanschaulichen Hypothesen und tatsächliche wissenschaftliche Fakten nicht trennt. Glaube und Wissenschaft gehen nicht ineinander auf, stützen sich aber gegenseitig. Es ist völlig falsch, egal von welcher Seite, zu behaupten, dass unser Glaube völlig unabhängig wäre von begreifbaren äußeren Faktoren. Der Auferstehungsglaube der Jünger und späteren Aposteln basierte für sie auf selbst erlebten historisch dokumentierten Tatsachen. Die Schöpfung hat uns Gott geschenkt, um sich in seiner Allmacht und in seiner Weisheit zu erkennen zu geben. Was wollen wir mehr. Auf diesem Hintergrund ist es mir völlig rätselhaft, wie man die Wirklichkeit Gottes auf ein rein innerliches Bewusstsein verschieben kann. Sich auf die Seite der Gegner des Kreationismus zu stellen, zeugt also von weltanschaulicher Voreingenommenheit und macht deutlich, wie sehr man sich von der Autorität der Heiligen Schrift entfernt hat. Die Selbstverständlichkeit und Vehemenz, mit der das auch von Seiten der EKD geschieht, kann nur als trauriger Beweis dafür gewertet werden, dass es nicht darum geht, objektive Wissenschaft zu verteidigen, sondern vorgefertigte institutionalisierte Meinungen zu schützen, ähnlich wie das in der katholischen Kirche praktiziert worden ist. In Wirklichkeit geht es darum, dass man die vernunftbasierten Errungenschaften der Theologie nicht aufgeben will. Das Dogma der liberalen und angeblich wissenschaftlichen Theologie macht mit ihrem Absolutheitsanspruch heute genau das, was es ursprünglich bekämpfen wollte. Die Offenheit der EKD für viele zeitgeistige Strömungen würde man sich auch dem Kreationismus gegenüber wünschen. Warum man sich hier kategorisch verschließt, kann nur darin begründet sein, dass die EKD in zunehmender Weise die ideologischen Züge und die Meinungshoheit der HKT übernimmt. Zu einer modernen aufgeklärten Welt gehört es nach meiner Einschätzung auch, die wissenschaftlich fundierten Argumente des Kreationismus anzuhören und ernst zu nehmen, egal wie man sich am Ende persönlich entscheidet. Sie aber von vorherein abzulehnen oder sie gar zu verteufeln, bringt nicht diejenigen in Verruf, die abgelehnt werden, sondern die, die diese Ablehnung in frommer Manier protuschieren. Die historisch kritische Theologie und die EKD gibt sich beim vorliegenden Thema nicht nur als stolzer Feind des reformatorischen Schriftverständnisses zu erkennen, sondern auch einer bibelgemäßen Hermeneutik und tritt hier in die selbstgestellte Falle, indem sie heute genau das macht, was in der Paradiesgeschichte zum Verhängnis wurde: „Sollte Gott gesagt haben.“