{"id":81,"date":"2022-04-03T12:09:50","date_gmt":"2022-04-03T12:09:50","guid":{"rendered":"https:\/\/martin.quitesmall.de\/?page_id=81"},"modified":"2023-04-10T09:32:11","modified_gmt":"2023-04-10T09:32:11","slug":"der-charme-der-liberalen-theologie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=81","title":{"rendered":"Der Charme der liberalen Theologie"},"content":{"rendered":"\n<p>Die liberale Theologie h\u00e4tte sich nicht so stark ausbreiten k\u00f6nnen, wenn sie unserem westlichen aufgekl\u00e4rten Denken vordergr\u00fcndig nicht an vielen Stellen entgegenkommen w\u00fcrde. Ungepr\u00fcft strahlt sie h\u00e4ufig einen enormen Charme aus, weil sie den Schein von Wissenschaftlichkeit und verstandesm\u00e4\u00dfiger Eing\u00e4ngigkeit tr\u00e4gt. Die Argumente klingen h\u00e4ufig zun\u00e4chst einleuchtend und naheliegend, was dazu f\u00fchrt, dass man sich ihnen nicht ohne weiteres entziehen kann. So hat mich das Argument immer beeindruckt, dass der Sch\u00f6pfungsbericht mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit in der Zeit der babylonischen Gefangenschaft (um 580 v.Chr.) entstanden sei, weil er Parallelen zum babylonischen Weltsch\u00f6pfungs- Mythos enthalte. Die hebr\u00e4ischen Sklaven h\u00e4tten in der Zerstreuung bei drohendem zunehmendem Identit\u00e4tsverlust nun auch ihre eigene Vorstellung von der Welt- Sch\u00f6pfung entwickelt und dabei Teile aus dem babylonischen Mythos \u00fcbernommen. Nachdem ich mich allerdings genauer mit dieser Thematik befasst habe, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass dies nur ein kleiner Teil der Wahrheit ist. Die Unterschiede zum Weltsch\u00f6pfungsepos der Babylonier sind viel gr\u00f6sser als die Parallelen, wenn man \u00fcberhaupt von Parallelen sprechen kann. (siehe ENUMA ElISCH). Im Gegensatz zu anderen altorientalischen Kosmogonien ist der biblische Sch\u00f6pfungsbericht frei von jeder mythologischen Darstellung (keine G\u00f6tterk\u00e4mpfe, keine Entstehung materialistischer Elemente (Erde\/Himmel, S\u00fc\u00dfwasser\/Salzwasser) aus Gottheiten). Die Welt ist nicht g\u00f6ttlich. Walter Hilbrands schreibt dazu (in Genesis Sch\u00f6pfung Evolution S.173): <em>\u201eBei keinem einzigen Bibeltext ist eine direkte literarische Abh\u00e4ngigkeit von altorientalischen Paralleltexten bisher nachgewiesen.\u201c <\/em>Die bibelkritische Datierung der Abfassung des biblischen Sch\u00f6pfungsberichtes lange nach Mose steht auf \u00e4u\u00dferst t\u00f6nernen F\u00fcssen. Auch weitere Argumente, die h\u00e4ufig f\u00fcr die Sp\u00e4tdatierung ins Feld gef\u00fchrt werden, entpuppen sich bei genauer Untersuchung als \u00e4u\u00dferst fragw\u00fcrdig oder k\u00f6nnten teilweise genauso gut f\u00fcr eine fr\u00fchere Datierung kurz nach der \u00e4gyptischen Fremdherrschaft herangezogen werden (siehe Pentateuchkritik). Ein anderes Beispiel ist die Behauptung, dass der Petrusbrief nicht von Petrus selbst stammen k\u00f6nne, weil ein einfacher Fischer niemals so gut griechisch sprechen, lesen (griechische Zitate aus der Septuaginta) und schreiben h\u00e4tte k\u00f6nnen. (Pseudoepigraphie) Das klingt f\u00fcr den Laien zun\u00e4chst \u00fcberzeugend. Bei n\u00e4herer Betrachtung verliert dieses Argument jedoch enorm an \u00dcberzeugungskraft. Im heidnischen Galil\u00e4a der damaligen Zeit mussten die Menschen zumindest einfaches Griechisch k\u00f6nnen, um sich auf dem Markt verst\u00e4ndigen zu k\u00f6nnen. Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass viele Menschen damals zweisprachig aufwuchsen. Au\u00dferdem ist es nicht stichhaltig, dass ein einfacher Fischer nicht bildungsf\u00e4hig und intelligent sein konnte. Es gibt auch in unserer Zeit viele Menschen, die einen einfachen Beruf gelernt haben, obwohl sie durchaus die intellektuellen F\u00e4higkeiten f\u00fcr eine Akademikerlaufbahn gehabt h\u00e4tten. Und sicher f\u00e4llt jedem Leser ein Prediger ein, der von einem einfachen Beruf herkommend zu einem vollm\u00e4chtigen Prediger geworden ist. Warum sollte man dies Petrus nicht zutrauen, zumal auch der Heilige Geist seinen Beitrag geleistet haben d\u00fcrfte. Au\u00dferdem war es damals \u00fcblich, Briefe zu diktieren, sodass auch die M\u00f6glichkeit besteht, dass Petrus selbst zwar nicht den schreibstift f\u00fchrte, wohl aber den Text m\u00fcndlich diktierte und dabei  vielleicht auch teilweise die Formulierungsvorschl\u00e4ge des Schreibers \u00fcbernahm.  \u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Erst bei genauer Untersuchung f\u00e4llt auf, dass es f\u00fcr viele ihrer angeblich wissenschaftlichen Argumente mindestens ebenso viele Gegenargumente gibt, die eher f\u00fcr die Echtheit der Bibel sprechen. An der Stelle bin ich dankbar f\u00fcr die vielen evangelikalen Wissenschaftler und Theologen, die sich die M\u00fche machen, die liberalen Argumente genau unter die Lupe zu nehmen und gut durchdachte Alternativerkl\u00e4rungen aufzustellen und zu ver\u00f6ffentlichen. Am Einzelfall m\u00fcsste man Kritik und Gegenkritik jeweils gegeneinander abw\u00e4gen, um zu einigerma\u00dfen objektiven Ergebnissen zu gelangen. Merkw\u00fcrdigerweise geschieht dies aber gerade nicht. In der liberalen Theologie geht man selbstverst\u00e4ndlich davon aus, dass die Kritik, wenn sie einen breiten Konsens gefunden hat, aufgrund der Mehrheitsmeinung immer richtig und berechtigt ist. Die moderne Theologie erhebt einen Alleinvertretungsanspruch f\u00fcr wissenschaftliche Theologie. Dabei ignoriert sie h\u00e4ufig die Alternativerkl\u00e4rungen, die von Seiten bibeltreuer Forscher vorgebracht werden. Der breite Konsens wiegt immer schwerer als das Einzel-Argument. Gegenargumente tragen von vornherein das Etikett &#8211; Vorwissenschaftlich oder naiv-, sodass es f\u00fcr einen jungen Theologen schwer sein d\u00fcrfte, berechtigte Kritik zu etablieren. In der medizinischen Wissenschaft werden gerne Studien unter den Tisch gekehrt, die ein unvorteilhaftes Ergebnis f\u00fcr ein bestimmtes zu bewerbendes Medikament erbracht haben. Nach allen meinen Recherchen scheint dies in der Theologie nicht anders zu sein, wobei es in der Theologie weniger um Geld als vielmehr um wissenschaftliche Reputation geht. &nbsp;Eta Linnemann best\u00e4tigt dies, indem sie schreibt (in Original oder F\u00e4lschung, S.48): <em>\u201eUm einen akademischen Grad in der Gottgelehrsamkeit zu erhalten, muss ich mich entscheiden, in meinem Denken dem Atheismus Raum zu geben. Fromme Gef\u00fchle wird man mir freundlicherweise erlauben, aber mein Denken hat die atheistische Grundsatzentscheidung nachzuvollziehen und methodisch vorzugehen- ut si Deus non daretur\u201c (= als ob es Gott nicht g\u00e4be).<\/em> Schon dem theologischen Laien f\u00e4llt hier auf, dass diese Grundsatzentscheidung dem Untersuchungsgegenstand nicht angemessen sein kann. Wie will ich ein Buch richtig beurteilen, das von der ersten bis zur letzten Seite von \u00fcbernat\u00fcrlichen Geschehnissen berichtet, wenn ich die \u00fcbernat\u00fcrlichen Geschehnisse von vornherein ausschlie\u00dfe. Im Kapitel \u00fcber die Wunder habe ich dazu einiges geschrieben. Hier geht es mir darum zu zeigen, wie diese Grundsatzentscheidung, die als Voraussetzung f\u00fcr die akademische Reputation gilt, zwangsl\u00e4ufig auch ihre Ergebnisse beeinflussen muss. Das dies kein aus der Luft gegriffener Vorwurf ist, zeigt auch die Tatsache, dass ein evangelikaler Theologe, der an der historischen Glaubw\u00fcrdigkeit der Bibel festh\u00e4lt, kaum eine Chance hat, einen Lehrstuhl an einer staatlichen, theologischen Fakult\u00e4t in Deutschland zu bekommen. Sowohl die Dozenten als auch und insbesondere die jungen Theologiestudenten stehen unter einem enormen vielfach unbewussten Gruppendruck, die Ergebnisse vieler Theologengenerationen anzuerkennen und in ihr eigenes Denken zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eta Linnemann als ehemalige Insiderin der universit\u00e4ren Theologie schreibt: Die Herangehensweise der liberalen Theologie sei immer: \u201e<em>So wie es dasteht, kann es nicht gewesen sein.\u201c<\/em> Warum eigentlich nicht? Weil es das liberale Weltbild, an dem sich die ganze bibelkritische Forschung orientiert, ins Wanken bringen w\u00fcrde und damit viele ihrer Hypothesen. Die Theologie erweist sich hier als Kartenhaus, das nur in sich selbst stabilisiert ist. F\u00e4llt eine Karte, st\u00fcrzt das ganze Kartenhaus ein. Deshalb sucht ein Bibelkritiker nicht vorwiegend nach den Kriterien, die die Echtheit eines Textes oder die Historizit\u00e4t untermauern w\u00fcrden, sondern nach den Kritikpunkten, die den Verdacht auf fiktive Eintr\u00e4ge lenken. Die wissenschaftliche Arbeit innerhalb der universit\u00e4ren Bibel-Forschung besteht inzwischen darin, die Unstimmigkeiten zu finden. Es ist auff\u00e4llig, dass in der liberalen Theologie zu fast jedem Text der Bibel immer die Unstimmigkeiten und Widerspr\u00fcche herausgestellt werden und nie die Schl\u00fcssigkeit und die \u00dcbereinstimmung mit anderen Aussagen oder Texten der Bibel. Es gilt einen Konsens mit dem Text zu vermeiden. Jeder Text der Bibel wird unter den Generalverdacht gestellt, er sei unecht. Nur wenige Texte k\u00f6nnen sich diesem Verdacht entziehen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Theologe auch bei diesen Texten \u201eseinen Beweis\u201c f\u00fcr die Unechtheit auftischt. Die Suche nach Unstimmigkeiten und Widerspr\u00fcchen geh\u00f6rt heute zur existentiellen Aufgabe der Theologen wie die Suche der Eichh\u00f6rnchen nach Nahrung f\u00fcr den Winter. Unstimmigkeiten sind der eigentliche Forschungsgegenstand, an dem sich der Ehrgeiz der Theologen entz\u00fcndet nicht zuletzt auch deshalb, weil sie einen wichtigen Teil der akademischen Legitimation darstellen. Wer die Einheit innerhalb und au\u00dferhalb eines Textes bejaht und f\u00f6rdert, hat verspielt. Nur wer die mangelnde Stichhaltigkeit nachweist, kann sich als erfolgreicher Theologe auf die Schulter klopfen. Findet man nur das kleinste Anzeichen von Ungereimtheiten, nimmt man dies zum Anlass, die ganze Geschichte drumherum f\u00fcr unecht zu erkl\u00e4ren und darauf seine weiteren Schl\u00fcsse aufzubauen. Der Nachweis von Fehlern und Widerspr\u00fcchlichkeiten bildet die Grundlage f\u00fcr alle weiteren Interpretationen, ohne zu ber\u00fccksichtigen, dass schon die Annahme von Unstimmigkeiten eventuell einem Irrtum unterliegt. Diese Vorgehensweise ist nicht wissenschaftlich! Der Generalverdacht von Unstimmigkeiten und Widerspr\u00fcchen ist nicht redlich, weil es statistisch v\u00f6llig unwahrscheinlich ist, dass so viele Texte erfunden, mythologisch ausgeschm\u00fcckt oder Jesus in den Mund gelegt wurden. Es gibt liberale Theologen, die von nur 15 % echter Jesusworte ausgehen. In der neueren Theologie des Jesus-Seminars in den USA gibt es Stimmen, die das Neue Testament f\u00fcr komplett erfunden halten. Au\u00dferdem ergeben sich viele Unstimmigkeiten nur unter der Voraussetzung von weltanschaulichen Vorurteilen (z.B. Wunder kann es nicht geben), sodass die Schlussfolgerung nichts anderes ist als das, was man schon von vornherein angenommen hat. Die historisch kritische Methode ist ein sich selbst stabilisierendes System. Am Ende kommt immer das raus was, man schon am Anfang reingesteckt hat, wie eine Schuhfabrik, die Schuhe produziert, die sie schon fertig geliefert bekommt. Als Beispiel m\u00f6chte ich die Erz\u00e4hlung der Jungfrauengeburt anf\u00fchren, bei der man das Fehlen der Kindheitsgeschichten bei Markus als dem \u00e4ltesten Evangelium als Hinweis darauf sieht, dass die Lehre der Jungfrauengeburt eine nachtr\u00e4gliche Entwicklung sei. Genauso sei es auff\u00e4llig, dass Paulus die Jungfrauengeburt nicht expressis verbis erw\u00e4hnt. Es ist das \u00fcbliche und h\u00e4ufig eingesetzte Argument des Schweigens- ein argumentum ex silentio. Wenn es im \u00e4ltesten Evangelium und in den \u00e4ltesten Briefen von Paulus nicht erw\u00e4hnt wird, dann hei\u00dft das automatisch, es sei nicht tats\u00e4chlich geschehen. Dieses Argument funktioniert aber nur dann, wenn man voraussetzt, dass die nach\u00f6sterliche Gemeinde theologisch kreativ war und eine bis dahin nicht bestehende Lehre in Reflexion \u00fcber die Auferstehungserfahrung erfunden hat. Es braucht ja eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, wie es sonst zu dieser Lehre gekommen ist. Das ist aber eine a-priori- Annahme, die nicht beweisbar ist und ihrerseits nur auf einem innerweltlichen Gottesbild aufbaut. Hier schlie\u00dft sich der Kreis der Argumentation. Die liberale Theologie beruht nicht nur auf einem geschlossenen Weltbild, sondern auf einer in sich selbst geschlossenen und stabilisierenden Argumentation. Dass es au\u00dferhalb dieses Kreisdenkens zahlreiche Gr\u00fcnde und Indizien f\u00fcr die Echtheit der Erz\u00e4hlung gibt, spielt f\u00fcr die liberalen Theologen dann keine Rolle mehr. Dass es 2 Evangelien gibt, die die Jungfrauengeburt unabh\u00e4ngig voneinander erz\u00e4hlen (Matth\u00e4us und Lukas), und zwar mit allen dazugeh\u00f6rigen Details, dass Paulus z.B.im Philipperbrief die Jungfrauengeburt indirekt voraussetzt und dass es zahlreiche weitere Indizien f\u00fcr die Jungfrauengeburt als von Anfang an bestehende Lehre gibt, wird nicht gen\u00fcgend respektiert. An der Stelle wird klar, dass die Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Ablehnung der Echtheit von Texten h\u00e4ufig nur ihre Kraft durch au\u00dferwissenschaftlichen Vorannahmen bekommen. Im vorliegenden Beispiel bekommen sie ihre Kraft nur durch die Voraussetzung: eine Jungfrauengeburt ist medizinisch nicht m\u00f6glich, deshalb muss es eine kreative Gemeinde gegeben haben, die diese Lehre theologisch entwickelt hat. (Siehe dazu: William Lane Craig zur Jungfrauengeburt oder entsprechendes Kapitel in diesem Skript). Der unbedarfte Laie bekommt den Eindruck, es handele sich um Wissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem wissenschaftlich orientierten Theologen w\u00fcrde ich erwarten, dass er verschiedene Erkl\u00e4rungen zun\u00e4chst ergebnisoffen pr\u00e4sentieren kann. Der bekannte Wissenschaftstheoretiker Karl Popper ist der Meinung, dass ein empirisch-wissenschaftliches System an der Erfahrung scheitern k\u00f6nnen muss also falsifizierbar (widerlegbar) sein muss, um als wissenschaftlich gelten zu k\u00f6nnen. Das hei\u00dft, dass Wissenschaft bereit sein muss, ihre Argumente auch durch Widerspruch in Frage stellen zu lassen und letztlich auch widerlegen zu lassen. Dass dies in der liberalen Theologie nur rudiment\u00e4r geschieht, zeigt sich vor allem daran, dass die Daten, die die Echtheit von biblischen Texten st\u00fctzen, allenfalls am Rande erw\u00e4hnt werden oder gar nicht kommuniziert werden. Stattdessen bem\u00fcht man h\u00e4ufig irgendwelche Strohmann-Argumente oder Polemik, wie in der Politik, wenn man wenig sachlich gute Argumente f\u00fcr den eigenen Standpunkt zur Verf\u00fcgung hat. Wie oft habe ich schon das Argument geh\u00f6rt, die Bibel sei nicht vom Himmel gefallen, oder die Bibel sei kein naturwissenschaftliches Lehrbuch. Ganz ehrlich, ich bin noch nie einem evangelikalen Christen begegnet, der so etwas behauptet h\u00e4tte. Man argumentiert gerne auf dem Hintergrund einer fiktiven extremen Gegenposition, die keiner vertritt. Die echten Gegenargumente gegen die liberale Sichtweise tauchen in der Diskussion nicht auf. Nicht-Theologen gegen\u00fcber vermittelt dies den Eindruck, liberale Theologie sei wissenschaftlich. In Wirklichkeit beruhen die Erkenntnisse der liberalen Theologie wegen fehlender Abw\u00e4gung von Pro- und Contra-Argumenten nicht auf Wissenschaft, sondern auf unwissenschaftlichen Vorentscheidungen, wie ich es in diesem Skript mehrfach dargestellt habe. Diese Vorentscheidungen werden aber nicht klar kommuniziert, sodass der Eindruck der Sachlichkeit bestehen bleibt. In der Medizin kennt man die Praxis, dass Studien, die ein negatives Ergebnis erbracht haben, nicht ver\u00f6ffentlicht oder unter den Tisch gekehrt werden. In der Theologie scheint das nicht anders zu sein, wenn es gilt, die eigenen weltanschaulichen Pr\u00e4missen zu untermauern. Dabei will ich nicht behaupten, dass dies immer mit b\u00f6ser Absicht geschieht, nein, viele Theologen sind in ihren Bem\u00fchungen durchaus ehrlich- viele geben auch zu, dass sie nicht anders k\u00f6nnen. Vielleicht liegt es aber wirklich daran, dass sie in ihrem Denken schon so stark gefangen sind, dass ihnen die Offenheit f\u00fcr einen anderen Denkansatz v\u00f6llig verwehrt ist. Das innerweltliche Gottesbild hat sich schon so fest in ihrem Denken eingegraben, dass ein Umdenken nicht m\u00f6glich ist. Dies ist eigentlich der Grundmechanismus einer Verf\u00fchrung oder einer Irrlehre.\u00a0 Man l\u00fcgt sich in die eigene Tasche, ohne dass weder der ehrliche, renommierte Theologe noch der nicht wissenschaftlich orientierte Laie oder auch der junge unbedarfte Student es merkt. Echte wissenschaftliche Arbeit sollte aber auch die Gegenargumente gegen die Kritik ber\u00fccksichtigen. Nicht einmal da, wo sich die liberale Theologie offensichtlich geirrt hatte (z.B. bei der fehlenden Schreibf\u00e4higkeit zur Zeit Moses oder bei diversen Falschangaben von historischen Daten bei Lukas) ist sie bereit, von ihrem Standpunkt abzur\u00fccken und mit dem dringend erforderlichen Selbstzweifel zu beginnen. Die liberale Theologie hat sich in ihrem vernunftorientierten und mensch-zentrierten Denken eingelullt. Das ist der eine Aspekt, der mir beim Studium der HKT aufgefallen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Ein weiterer Aspekt bei der Frage nach dem Charme der liberalen Theologie ist folgender: Wenn man sich mit Kritik an der Bibel bzw. an biblischen Geschichten besch\u00e4ftigt, dann wird irgendwann klar, dass sich f\u00fcr alle geschichtlichen, auch nicht biblischen Ereignisse Kriterien finden lie\u00dfen, mit denen die Echtheit oder die Historizit\u00e4t dieser Geschichten in Frage gestellt werden k\u00f6nnten. Die profanen Literaturkritiker haben dies l\u00e4ngst erkannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Olof Gigon (1912-1998), klassischer Philologe: \u201e<em>Die Literarkritik hat eine Tendenz zur Hypertrophie. Es ist n\u00e4mlich m\u00f6glich, jeden beliebigen Text so zu analysieren, dass er sich in ein Konglomerat von heterogenen Bruchst\u00fccken aufl\u00f6st. Der Philologe ist in Gefahr, gewisserma\u00dfen ein mal \u00f2cchio zu erwerben und \u00fcberall nur noch Unstimmigkeiten, Gedankenspr\u00fcnge und Stilbr\u00fcche zu entdecken \u2026 Der Fehler, der dabei begangen wird, ist nat\u00fcrlich der, dass der Interpret stillschweigend vom Bild eines perfekt koh\u00e4renten, nach Form und Gehalt untadelig geschlossenen Textzusammenhanges ausgeht, als ob dergleichen in der historischen Wirklichkeit \u00fcberhaupt zu finden w\u00e4re- \u2026\u201c <\/em>&nbsp;Um es nochmal einfacher auszudr\u00fccken: wenn ich es darauf anlege, dann kann ich in jedem x-beliebigen historischen Text Kriterien finden, die die Glaubw\u00fcrdigkeit dieses Textes in Frage stellen. Es liegt in der Natur von Texten, von Sprache und unserer Denkstruktur begr\u00fcndet, dass in jedem Text Unstimmigkeiten auftreten. Im Kapitel \u00fcber Irrt\u00fcmer der Schrift habe ich erkl\u00e4rt, dass unsere Sprache an vielen Stellen mehrdeutig ist und nur im \u00fcbergeordneten Zusammenhang richtig verstanden werden kann. &nbsp;Auch der Kommentar des bekannten Historikers, Henri Irenee Marrou 1904-1977 bringen die Gefahr von Fehlinterpretationen zum Ausdruck:<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201e<em>Der Historiker darf gegen\u00fcber den Zeugen der Vergangenheit nicht jene verdrie\u00dfliche, kleinliche und m\u00fcrrische Haltung annehmen wie ein schlechter Polizist, dem jede vorgeladene Person a priori bis zum Beweis des Gegenteils als verd\u00e4chtig und schuldig gilt; eine solche \u00dcberspitzung des kritischen Geistes w\u00e4re f\u00fcr den Historiker alles andere als eine Qualit\u00e4t, vielmehr ein grundlegendes Laster, das ihn praktisch unf\u00e4hig macht, die wirkliche Bedeutung der zu untersuchenden Dokumente , die ihrer Tragweite und ihren Wert zu erkennen; eine solche Haltung ist in der Geschichte ebenso gef\u00e4hrlich wie die Furcht get\u00e4uscht zu werden; es ist nicht so leicht, ein Dokument zu verstehen, zu wissen was es ist, was es sagt und was es bedeutet. Oft genug hat einem Kritiker dort, wo er ein Verstehen oder einen Irrtum entdeckt zu haben glaubte, der weitere Gang der Forschung zu seiner Besch\u00e4mung gezeigt, dass er nicht zu verstehen vermocht hatte.\u201c<\/em> &nbsp;Mit diesen S\u00e4tzen beschreibt Marou genau die Art und Weise, mit der viele Theologen mit biblischen Texten umgehen. Jeder biblische Text wird von vorherein verd\u00e4chtigt, nicht echt oder manipuliert zu sein. Wissenschaftlich bedeutet in der liberalen Theologie die Verdachtsmomente oder die Unstimmigkeiten zu finden. Passend dazu gibt es kaum Geschichten \u00fcber oder Aussagen von Jesus im NT, die nicht schon mal von einem Theologen f\u00fcr unecht erkl\u00e4rt worden w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage ist also nicht, ob es solche Kriterien gibt, sondern mit welchem Vorurteil ich an einen historischen Text herangehe und wie plausibel die Kriterien im \u00fcbergeordneten Zusammenhang sind. Die Plausibilit\u00e4t ist wiederum abh\u00e4ngig von den Spuren, die die behaupteten Geschichten hinterlassen haben und von evtl. vorhanden Augenzeugen und deren Glaubw\u00fcrdigkeit. Es ist offensichtlich, dass man die Spuren der biblischen Geschichte in der liberalen Theologie genauso wie die Augenzeugenschaft h\u00e4ufig nicht ernst nimmt. Man verwirft also die wichtigsten Befunde, die f\u00fcr eine hohe Plausibilit\u00e4t sprechen w\u00fcrden. Das entscheidende Argument f\u00fcr deren Ablehnung ist der Vorwurf der ideologischen Voreingenommenheit der Augenzeugen oder der interessensabh\u00e4ngigen Interpretation von Ereignissen und Spuren. Beim Thema der leiblichen Auferstehung argumentiert man von Seiten der liberalen Theologie, es habe keine neutralen Augenzeugen gegeben. Allerdings ist dies schon sehr merkw\u00fcrdig, denn welcher Augenzeuge k\u00f6nnte noch neutral bleiben, wenn er den Gekreuzigten pl\u00f6tzlich leibhaftig vor sich sehen w\u00fcrde. Dabei sollte man jedoch beachten, dass es keinen antiken Historiker gibt, der nicht aus einer pers\u00f6nlichen Perspektive schreibt. William Lane Craig schreibt dazu: <em>\u201eEs ist wichtig, zu verstehen, dass alle antiken Historiker aus einem Blickwinkel schrieben. Herodot, Thukydides, Tacitus \u2013 alle von ihnen hatten etwas, wof\u00fcr sie sich einsetzten. F\u00fcr sie war die Geschichte ein Mittel, ihr Verst\u00e4ndnis oder ihre Position zu verteidigen. Somit gr\u00fcndet sich in diesem Sinne die gesamte griechisch-r\u00f6mische Geschichte auf Dokumente, die eine gewisse Voreingenommenheit widerspiegeln. Dies hindert jedoch nicht den klassischen griechisch-r\u00f6mischen Historiker daran, die Vergangenheit so zu rekonstruieren, wie sie wirklich geschah.<\/em> Eine gewisse Voreingenommenheit ist also kein Beweis daf\u00fcr, dass das Ereignis, von dem berichtet wird, nicht wirklich geschehen ist. Im Fall der Auferstehung k\u00f6nnte man gerade umgekehrt argumentieren: Ist es nicht geradezu ein Beweis f\u00fcr die Echtheit der leiblichen Auferstehung, dass es keine neutralen Beobachter, keine endg\u00fcltigen Zweifler mehr gab, sondern nur noch verwandelte Zeugen, die das Evangelium mit gro\u00dfer \u00dcberzeugung und unter Lebensgefahr verk\u00fcndeten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Argument der Voreingenommenheit kann ich also die Glaubw\u00fcrdigkeit jedes Augenzeugen und Interpreten von Spuren in Frage stellen. Dadurch verliere ich allerdings jegliches Kriterium, um der Wahrheit n\u00e4her zu kommen. Au\u00dferdem haben wir es in der Bibel nicht mit herk\u00f6mmlicher Geschichtsschreibung zu tun, sondern mit au\u00dfergew\u00f6hnlichen den pers\u00f6nlichen Glauben herausfordernden Ereignissen, deren Anspr\u00fcche und Fragen nach ihrer Echtheit nicht nur meine Gelehrsamkeit erh\u00f6hen, sondern m\u00f6glicherweise \u00fcber mein Leben und meine Ewigkeit entscheiden. Dies gilt sowohl f\u00fcr den Autor als auch f\u00fcr den Historiker bzw. den Theologen, der die Glaubw\u00fcrdigkeit des Geschriebenen untersucht. Eine Neutralit\u00e4t ist hier schwer aufrechtzuerhalten, wenn nicht sogar unm\u00f6glich. Entweder ich stimme zu oder ich lehne die Glaubw\u00fcrdigkeit ab. Gerade das Urteil der ideologischen Voreingenommenheit w\u00fcrde den modernen Theologen genauso wie seinen literarischen Untersuchungsgegenstand treffen. Wenn ich also die Glaubw\u00fcrdigkeit eines Zeugen aufgrund der ideologischen Voreingenommenheit ablehne, dann k\u00f6nnte der Theologe, der dies tun w\u00fcrde, nicht f\u00fcr sich selbst diese Glaubw\u00fcrdigkeit beanspruchen, denn auch er w\u00e4re ideologisch vorbelastet, wie wir vielfach gesehen haben. Die Voreingenommenheit kann niemals ein alleiniger Grund f\u00fcr die Ablehnung einer Aussage oder der Historizit\u00e4t eines Ereignisses sein. Der unbedarfte Hobby-Theologe gewinnt hier allerdings ein weiteres Mal den Eindruck, als ob die Ablehnung der Glaubw\u00fcrdigkeit auf wissenschaftlichem Boden stehe. Die liberale Theologie manipuliert also an zwei Stellen die Sichtweise von Menschen. Einerseits werden die Argumente, die die Kritik in Frage stellen h\u00e4ufig verschwiegen, andererseits werden die Argumente, sofern sie offen zu Tage liegen, dadurch geschw\u00e4cht, dass man die Glaubw\u00fcrdigkeit von Augenzeugen und die Plausibilit\u00e4t von Spuren in Frage stellt. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein weiterer Punkt ist mir aufgefallen: In medizinischen Studien werden in der Regel zu Beginn die Ein- und Ausschluss- Kriterien f\u00fcr eine Studie genannt. So gewinnt der einfache Mediziner einen \u00dcberblick \u00fcber die Aussagekraft der Ergebnisse. In der Theologie verschweigt man diese Kriterien. Au\u00dfer bei den theologischen Ausf\u00fchrungen des Jesus-Seminars werden in der liberalen Theologie die Denkvoraussetzungen in der Regel nicht genannt. Fairerweise m\u00fcsste die liberale Theologie zu Beginn einer wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichung immer ihre weltanschaulichen Pr\u00e4missen darlegen. Sie m\u00fcsste klarstellen, dass sie von einem rein innerweltlichen Gottes- und Jesus-Verst\u00e4ndnis ausgeht. Dies traut man sich nat\u00fcrlich nicht, weil der Zweifel und die Verunsicherung eher geeignet sind, eine Weltanschauung zu unterminieren, als eine klare Gegenposition, die jeder sofort an den Konsequenzen pr\u00fcfen k\u00f6nnte. Die liberale Theologie wei\u00df genau, dass ein Offenlegen der Pr\u00e4missen aufgrund der weitreichenden Konsequenzen sich weitaus schlechter verkaufen lie\u00dfe. Der Charme der liberalen Theologie l\u00e4sst sich also nur erhalten durch eine nach au\u00dfen sichtbare indifferente Haltung und durch eine massive, versteckte Umdeutung von Begriffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit w\u00e4re ich bei einem weiteren wesentlichen Punkt, der f\u00fcr den Charme der liberalen Theologie verantwortlich ist. In der Mineralogie gibt es den Begriff der Pseudomorphose. Das bedeutet, dass ein Mineral nicht mehr seine urspr\u00fcngliche Form und Gestalt zeigt (Kristallsystem), sondern die Gestalt eines anderen Minerals angenommen hat. Das ist nach meiner Einsch\u00e4tzung ein sehr sch\u00f6nes Bild daf\u00fcr, was in der liberalen Theologie geschieht. Viele christliche Begriffe wie Gottes Sohn, Auferstehung, Erbs\u00fcnde, Glaube, Gebet, Wort Gottes, Pfingsten, Himmelfahrt, Gott, Jesus, werden ihres urspr\u00fcnglichen Sinnes entleert und mit einem neuen Inhalt gef\u00fcllt. Man glaubt an alles und gebraucht das gleiche Vokabular aber eben in einer v\u00f6llig anderen Bedeutung. Eta Linnemann schreibt dazu: <em>\u201eDass Jesus Gottes Sohn ist, wird z.B. vielfach nicht so verstanden, dass er Gott von Gott, Licht von Licht. Wahrhaftiger Gott aus wahrhaftigem Gott ist, sondern lediglich als eine Chiffre, die aussagen soll, das am historischen Jesus etwas Besonders ist, wodurch er sich von anderen Gro\u00dfen der Geschichte unterscheidet und dass wir es in ihm-irgendwie mit Gott zu tun bekommen.\u201c<\/em>&nbsp; Die Auferstehung versteht man nicht als leibhaftige Auferstehung, sondern als Reanimation (Wiederbelebung) der Wirkungskraft des vorbildhaften Lebens Jesu. Das Gebet ist kein Reden des Herzens mit einem pers\u00f6nlichen Gott, sondern eine fromme Selbstmeditation. Die Jungfrauengeburt wird als besonderes glaubens-technisches Mittel verstanden, die W\u00fcrde des historischen Jesus herauszustellen. Heilungs- Wunder sind nur im Rahmen von psychosomatischen Vorg\u00e4ngen denkbar. Indem man jedoch das gleiche Vokabular verwendet, erkennt der Unwissende keinen Unterschied. Die wahre Bedeutung und der eigentliche Hintergrund werden verdeckt, sodass eine derartige Pseudomorphose eine weit geringere Angriffsfl\u00e4che f\u00fcr Kritik bietet. Die liberale Theologie kommt im frommen Gewand daher, indem sie das gleiche Vokabular ben\u00fctzt und ihren Glauben an dieses Vokabular bezeugt. Unser Glaube ist aber nicht an Begriffe gebunden, sondern an die Bedeutung, die hinter den Begriffen stehen. Insofern kann man nicht vom gleichen Glauben sprechen, auch wenn die Begrifflichkeit und die Predigt die gleichen sind. Prof. Armin Baum schreibt dazu: <em>\u201eOb zwei Menschen den gleichen Glauben haben, l\u00e4sst sich meines Erachtens nicht einfach daran ablesen, ob sie die gleichen Begriffe verwenden. Ein solches Urteil h\u00e4ngt davon ab, welche Inhalte sie mit den Begriffen meinen.\u201c<\/em> Prof. Armin wei\u00df, warum er dies schreibt.Trotzdem wird dies als Zeichen gesehen, \u201edass man doch gar nicht so weit voneinander entfernt ist\u201c- nach meiner Meinung ein wesentlicher Grund, warum die liberale Theologie es geschafft hat, sich auszubreiten und in allen Kirchen Fu\u00df zu fassen. Durch die Pseudomorphose entsteht der Eindruck einer Harmonisierung zwischen evangelikalem und liberalem Glaubensverst\u00e4ndnis, sodass auf beiden Seiten der Wind aus den Segeln der Kritik genommen wird. Es entsteht eine Art Pseudovereinbarkeit beider Richtungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausf\u00fchrungen zeigen deutlich: Nicht \u00fcberall, wo Wissenschaft draufsteht, ist Wissenschaft drin. Das gilt vermutlich auf allen Gebieten der Wissenschaft, insbesondere wenn damit bestimmte Interessen verbunden sind. Das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die eigene Sichtweise. Es ist der liberalen Theologie nicht der Vorwurf zu machen, dass sie das Blaue vom Himmel herunter phantasiert, nein die Argumente haben f\u00fcr einen wissenschaftlich orientierten Menschen einen gewissen Charme. Diesen verliert sie jedoch sehr schnell, wenn man sich die Argumente genau anschaut und wenn man erkennt, dass wichtige Kriterien wie Augenzeugen und arch\u00e4ologische sowie historische Indizien ignoriert werden. Der gr\u00f6\u00dfte Vorwurf gegen die liberale Theologie ist allerdings, dass sie ihre weltanschaulichen Pr\u00e4missen \u00fcber ein geschlossenes Weltbild nicht offenlegt und klar bekennt, dass sie ein dem biblischen Zeugnis diametral entgegengesetztes Gottes- und Jesusbild hat. Immer wieder bei meinen Recherchen hatte ich sogenannte Aha-Erlebnisse, weil ich pl\u00f6tzlich merkte, dass es auch die andere Seite, eine gut begr\u00fcndete Gegenposition gibt. Man sollte sich deshalb nicht zu voreilig von den Argumenten der HKT beeindrucken lassen. Es gibt auch sachlich korrekte, nicht weniger wissenschaftliche Begr\u00fcndungen f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit der Bibel. Ich kann mit der gleichen Gewissenhaftigkeit und wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit zu v\u00f6llig anderen Ergebnissen kommen. Zwar bin ich auch in meiner Weltanschauung voreingenommen, aber zu behaupten, diese Haltung sei weniger wissenschaftlich, halte ich f\u00fcr unredlich. Genauso ist es unredlich zu behaupten, dass es keine v\u00f6llig verschiedenen Glaubenseinstellungen sind. Der Gegensatz zwischen liberalem Bibelverst\u00e4ndnis und evangelikalem Bibelverst\u00e4ndnis und damit auch zwischen den Glaubensarten k\u00f6nnte krasser nicht sein. Letztlich ist es immer eine Entscheidung, die ich treffen muss. Halte ich an der Bibel als dem autoritativen Wort Gottes und der pers\u00f6nlichen Offenbarung fest oder \u00f6ffne ich mich einem rein innerweltlichen Gottesverst\u00e4ndnis, nach dem die Bibel nur Glaubenszeugnisse der damaligen Menschen enth\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die liberale Theologie h\u00e4tte sich nicht so stark ausbreiten k\u00f6nnen, wenn sie unserem westlichen aufgekl\u00e4rten Denken vordergr\u00fcndig nicht an vielen Stellen entgegenkommen w\u00fcrde. Ungepr\u00fcft strahlt sie h\u00e4ufig einen enormen Charme aus, weil sie den Schein von Wissenschaftlichkeit und verstandesm\u00e4\u00dfiger Eing\u00e4ngigkeit tr\u00e4gt. 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