{"id":78,"date":"2022-04-03T12:08:28","date_gmt":"2022-04-03T12:08:28","guid":{"rendered":"https:\/\/martin.quitesmall.de\/?page_id=78"},"modified":"2022-04-03T12:08:28","modified_gmt":"2022-04-03T12:08:28","slug":"gemaessigte-kritik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=78","title":{"rendered":"Gem\u00e4\u00dfigte Kritik"},"content":{"rendered":"\n<p>Viele Christen gehen den Weg der mehr oder weniger ausgepr\u00e4gten gem\u00e4\u00dfigten Kritik. Ich behaupte, auch viele Pfarrer haben erkannt, dass man auf der Grundlage der radikalen Kritik keine Gemeindearbeit gestalten kann. Gem\u00e4\u00dfigte Kritik bedeutet: Dort, wo sie meinen pers\u00f6nlichen Glauben wenig tangiert, kann ich Kritik an der Bibel akzeptieren, wo sie jedoch zentrale Glaubensfragen betrifft, lehne ich sie ab. Gem\u00e4\u00dfigte Kritik ist immer ein Kompromiss zwischen Bibelkritik und Bibeltreue. Wo es mir vern\u00fcnftig erscheint, stimme ich den Erkenntnissen der historisch-kritischen Theologie zu: Ob der Sintflutbericht nun tats\u00e4chlich historisch gelesen werden muss, das ist ja f\u00fcr meinen pers\u00f6nlichen Glauben nicht so entscheidend, ob ich aber an die Auferstehung Jesu glaube, das w\u00fcrde ich allerdings als essenziell, als unverzichtbar ansehen. Diese Haltung teilen viele Christen, auch im evangelikalen Lager. Meistens beruft man sich bei dieser Haltung auch auf die Bibel und deren Aufforderung, Frieden zu \u00fcben oder einander anzunehmen, wie Christus uns angenommen hat. Oder man verweist auf die theologische Auseinandersetzung zwischen Paulus und Petrus um das richtige Verst\u00e4ndnis der Heidenmission, deren L\u00f6sung ebenfalls in einem angeblichen Kompromiss bestand. Hier stellt sich eine ganze Reihe von wichtigen Fragen, die ich nacheinander abarbeiten m\u00f6chte?<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste und wichtigste Frage lautet: Ist eine Haltung, in der ich bibelkritische und bibeltreue Ansichten mische, intellektuell vertretbar?<\/p>\n\n\n\n<p>Nach meiner Einsch\u00e4tzung ist diese Haltung intellektuell nicht vertretbar. Selbstverst\u00e4ndlich will man Gottes Wort nicht kritisieren, also versucht man ein Kriterium zu finden, nach dem man zwischen unverbindlichem Menschenwort und ewig-g\u00fcltigem Gotteswort unterscheiden kann. Gr\u00fcndlich nachgedacht, kommt man zwangsl\u00e4ufig in Teufels K\u00fcche. Man landet schnell dort, wo die historische Kritik am empfindlichsten zu kritisieren ist. Beim Kriterium der menschlichen Vernunft, die zum Richter \u00fcber Gottes Wort wird. Man leistet unbewusst dem Vorschub, was man eigentlich vermeiden m\u00f6chte. Wie wir vielfach gesehen haben, liefert uns die Bibel selbst kein Kriterium, also muss ich das Kriterium au\u00dferhalb der Bibel finden, und das kann nur die wissenschaftliche Vernunft sein oder die individuelle Erfahrung. Es n\u00fctzt auch nichts, die Christologie gegen den Rest der Bibel auszuspielen so nach dem Motto: Hauptsache wir glauben an Jesus. Zu welchen intellektuellen Widerspr\u00fcchen das f\u00fchrt, wurde ausf\u00fchrlich er\u00f6rtert. Wie man es dreht und wendet, wir kommen jedes Mal auf den Punkt zur\u00fcck, an dem wir eine au\u00dferbiblische Instanz der Offenbarung vorsetzen m\u00fcssen. Entweder unser eigenes religi\u00f6ses Empfinden oder eine menschliche Wissenschaft, die zwangsl\u00e4ufig wiederum von menschlichen Vorannahmen abh\u00e4ngig ist. Eine gem\u00e4\u00dfigte Kritik ist also aus evangelikaler Sicht angesichts ihrer gemeinsamen Grundeinstellung mit der radikalen Kritik intellektuell nicht vertretbar. Sie ist sowohl von evangelikaler Seite angreifbar als auch von der radikalen Kritik. Akzeptiert man die Kritik an der radikalen Kritik, kann ich nicht auf sachlicher Ebene die gem\u00e4\u00dfigte Kritik stehen lassen. Es w\u00e4re ein Widerspruch in sich, ein philosophisches Oxymoron. Man k\u00f6nnte es auch anders klar machen: Stellen sie Sich vor, sie befinden sich in einer Diskussion mit einem radikalen Kritiker. Dieser sei der Meinung, die leibliche Auferstehung sei keine historische Wahrheit, sondern sei nur theologisch zu verstehen. Sie wollen ihm aber klarmachen, dass das ganz wichtig ist f\u00fcr den Glauben. Wie k\u00f6nnten sie im begreifbar machen, dass die Tats\u00e4chlichkeit einer leiblichen Auferstehung wichtig ist, wenn sie auf der anderen Seite behaupten, bei der Jungfrauengeburt k\u00e4me es nur auf die theologische Dimension der Erz\u00e4hlung an. Sie k\u00f6nnten sich nicht auf die Bibel berufen, denn die Bibel bezeugt beide Erz\u00e4hlungen als historische Ereignisse. Sie k\u00f6nnten sich nur auf die Erkenntnisse der HKT berufen, die sie aber im Falle der Auferstehung ablehnen wollen. Dieses Beispiel k\u00f6nnen sie auf alle historisch bezeugten Ereignisse in der Bibel \u00fcbertragen, sie werden immer wieder auf das gleiche Problem zur\u00fcckgeworfen. Oder von Gott her betrachtet m\u00fcsste man sie kritisch fragen, wenn Gott die leibliche Auferstehung historisch verstanden haben will, wieso sollte er es dann beim Sintflutbericht oder beim Auszug aus \u00c4gypten nicht auch tun wollen, obwohl alle Berichte auf der gleichen Ebene der Historizit\u00e4t erz\u00e4hlt werden. Bei all dem haben wir uns noch nicht mal mit der Wunderfrage besch\u00e4ftigt. Bei der Wunderfrage stellt sich genau das gleiche Problem. In einem Fall, wie bei der Auferstehung, gestehe ich Gott zu, dass er ein \u00fcbernat\u00fcrliches Wunder tut. Im andern Fall spreche ich den Wundern die Historizit\u00e4t ab. Mit der Haltung der gem\u00e4\u00dfigten Kritik spielen sie den radikalen Kritikern voll in die H\u00e4nde. Sie best\u00e4tigen damit die Richtigkeit der Denkvoraussetzungen der historisch-kritischen Theologie. Ich glaube, wir erkennen, dass eine gem\u00e4\u00dfigte Kritik, die Teile der Bibelkritik akzeptiert und andere ablehnt, in einen unl\u00f6sbaren Konflikt m\u00fcndet, und wenn man sie konsequent durchdenkt, den radikalen Kritikern nur Recht gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>2 Frage: Fordert uns die Bibel tats\u00e4chlich zum Kompromiss auf, wie oben kurz dargestellt?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bibel kennt bez\u00fcglich ihres eigenen Schriftverst\u00e4ndnis keine Kompromisse. Wie dargestellt, sieht sich die Bibel durchweg als das von Gott inspirierte Wort. H\u00e4ufig besteht eine selbstverst\u00e4ndliche Identit\u00e4t zwischen &#8211;<em>Gott spricht<\/em>&#8211; und- <em>die Schrift sagt<\/em>. Beides ist in der Bibel vielfach austauschbar, und zwar vor allem dann, wenn das NT \u00fcber das Alte Testament redet. Auch Jesus sagt in der Bergpredigt, deren Antithesen (\u201eIch aber sage Euch&#8230;\u201c) manchmal als Beweis f\u00fcr eine Kritik Jesu am AT herangezogen werden: \u201eIhr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzul\u00f6sen; ich bin nicht gekommen aufzul\u00f6sen, sondern zu erf\u00fcllen\u201c (eine genauere \u00dcbersetzung w\u00e4re:- zu erg\u00e4nzen bzw. zu erweitern, siehe auch fortschreitende Offenbarung). Jesus bekennt sich hier eindeutig zur vollen G\u00fcltigkeit des Alten Testamentes. Die Diskrepanz, die sich f\u00fcr Fragen der Reinheitsgebote, Zeremonialgebote oder der Todesstrafe und der Gewaltanwendung ergibt, kann mithilfe der biblisch bezeugten fortschreitenden Offenbarung, die sich nicht zuletzt auch in der Bergpredigt widerspiegelt, ohne weiteres aufgel\u00f6st werden. Trotzdem taten sich die Judenchristen damals und teilweise bis heute schwer, ihre vom AT bestimmten Traditionen einfach aufzugeben. Paulus geht darauf ausf\u00fchrlich ein und erkl\u00e4rt, was nun f\u00fcr Christen noch G\u00fcltigkeit hat und wo nun das neue geistliche Gesetz Jesu alte Traditionen \u00fcberfl\u00fcssig macht. Beispielsweise werden alle 10 Gebote aus 2.Mose 20 bis auf eine Ausnahme (Sabbatgebot) im NT in ihrer G\u00fcltigkeit best\u00e4tigt. Andererseits sind zum Beispiel die Feiertagsgebote, die Opferpraxis und die Speisegebote nach Kol.2 16 f\u00fcr Christen nicht mehr verbindlich. Auch die j\u00fcdische Verpflichtung zur Beschneidung und das Verbot des gemeinsamen Essens mit Heiden werden aufgehoben. Der Theologenstreit zwischen Paulus und Petrus entz\u00fcndet sich genau am letzten Punkt, und zwar nicht deshalb, weil die Aufhebung des Verbots zwischen Petrus und Paulus strittig gewesen w\u00e4re, sondern weil Petrus nicht seiner eigenen Erkenntnis gem\u00e4\u00df gehandelt hat. Man darf annehmen, dass Paulus und Petrus angesichts des biblischen Zeugnisses in diesem Punkt einig waren. Eine Spannung hat sich nur aufgrund der Haltung einiger falscher Br\u00fcder (aus dem Lager der pharis\u00e4ischen Juden (Apg 15,5)), wie Paulus sie im Galaterbrief nennt, ergeben, die die Beschneidung aller Neu-Bekehrten und das Einhalten mosaischer Vorschriften, zu denen auch das Verbot der Tischgemeinschaft geh\u00f6rte, gefordert hatten. In Apostelgeschichte 15 wird uns berichtet, dass man sich am Ende einigte. Deshalb ist es auch nicht zul\u00e4ssig, daraus eine Rechtfertigung f\u00fcr eine gem\u00e4\u00dfigte Kritik zu konstruieren. Au\u00dferdem w\u00fcrde dies zu einer unzul\u00e4ssigen Ausweitung der Bedeutung der Streitigkeiten in den ersten Gemeinden f\u00fchren. Was also f\u00fcr uns verbindlich ist und was nicht, das wird uns von Paulus klar gesagt, das steht im Neuen Testament. Daf\u00fcr brauche ich keine au\u00dferbiblische Erkenntnisquelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem modernen Gebot der Toleranz steht im neuen Testament ein vehementer Aufruf zum Festhalten an der gesunden Lehre und eine radikale Abgrenzung gegen Irrlehren gegen\u00fcber. Dies sollte auch den gem\u00e4\u00dfigten Kritikern zu denken geben. Wenn es um den Inhalt der Lehre geht, kennt Paulus oder auch Johannes keine Kompromisse. Sogar wenn ein Engel vom Himmel k\u00e4me und ein anderes Evangelium predigte als das von Gott offenbarte und von den Aposteln bezeugte, solle man dem nicht folgen. Er spricht sogar von Verflucht-Sein (Gal.1), so sehr war Paulus von der G\u00fcltigkeit seiner Lehre \u00fcberzeugt. Auch Timotheus sch\u00e4rft er in seinem letzten Testament, dem Timotheusbrief vor seinem Tod nochmal ein, sich zu h\u00fcten vor falschen Kompromissen. Paulus ruft uns zwar zur Einigkeit und gegenseitigen Annahme auf, gleichzeitig warnt er uns auch vor dem Einfluss von Irrlehren. Da eine Irrlehre immer dadurch gekennzeichnet ist, dass sie falsches mir richtigem vermischt, ist sie besonders gef\u00e4hrlich und braucht deshalb ein hartes Urteil. Auch die gem\u00e4\u00dfigte Kritik mag zwar eine fromme Intention der Vermeidung von Streitigkeiten beinhalten, tr\u00e4gt aber doch die Kennzeichen einer Irrlehre, indem sie Teile der radikalen Kritik \u00fcbernimmt und sollte deshalb auch als solche gekennzeichnet werden. Gleichzeitig ist sie auch schwerer zu durchschauen, weil sie viel Wahres enth\u00e4lt. Sie \u00fcbt deshalb ihren Einfluss sozusagen von hinten oder im Verborgenen aus, was die Gef\u00e4hrlichkeit noch mehr erh\u00f6ht. Nur so kann man Paulus\u00b4 radikales Einschreiten f\u00fcr die Wahrheit erkl\u00e4ren. Man kann den Apostelstreit oder andere Teile der Bibel nicht f\u00fcr eine gem\u00e4\u00dfigte Kritik instrumentalisieren, auch wenn dies in positiver Absicht geschieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun m\u00f6chte ich wieder wie in anderen Kapiteln, andere Autoren, die sich mit der Frage der gem\u00e4\u00dfigten Kritik auseinandergesetzt haben, zu Wort kommen lassen. Einer dieser Autoren ist Dr. Helge Stadelmann, ehemaliger Direktor der freien theologischen Akademie in Gie\u00dfen, die ich selbst mal durch einen dort studierenden Freund besuchen durfte. (Aus Evangelikale Theologie)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Theologe oder Christ, der gem\u00e4\u00dfigte Kritik betreibt, hat oft noch enorm viel biblische Substanz vorzuweisen. Das, wof\u00fcr er positiv einsteht, ist oft hoch verdienstvoll. Und die gem\u00e4\u00dfigte-kritischen Punkte fallen h\u00e4ufig kaum auf. Nicht selten liegt die eigentliche Intention, der eigentliche Schwerpunkt bei solchen positiven Theologen auch gar nicht auf diesen Rest-Elementen gem\u00e4\u00dfigter Kritik\u2026. (manch einer) hat sich tapfer durch ein vielleicht stark liberales Theologiestudium geschlagen, hat viele radikal-kritische Positionen als solche erkannt \u2026 und \u00fcberwunden und doch sind gewissen Reste gem\u00e4\u00dfigter Bibelkritik bei ihm noch da. Vielleicht, weil er sie selbst als solche nicht erkennt, vielleicht weil er an diesen Punkten keine Alternative sieht. Insgesamt aber ist die Tendenz bei ihm positiv\u2026\u2026 aber irgendwann wirft irgendein Punkt der biblischen Lehre oder des christlichen Ethos bei ihm Fragen auf; und er entscheidet sich das, was er als biblisch erkennt, nicht anzuerkennen, sondern in Zweifel zu ziehen. Vielleicht folgt ein zweiter und ein dritter Punkt. Alles ist noch im gem\u00e4\u00dfigten Bereich. Aber die Tendenz ist, sich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck von biblischen Positionen zu emanzipieren. Der Weg mancher Kirchen und Freikirchen in einen zunehmenden Liberalismus hat so begonnen\u2026Jede gem\u00e4\u00dfigte Bibelkritik schlie\u00dft eine Grundsatzentscheidung in der Schrifthaltung in sich, den Verstand (zumindest grunds\u00e4tzlich) der Schrift \u00fcberzuordnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In allen Ausf\u00fchrungen haben wir gemerkt, dass eine Abgrenzung zwischen gem\u00e4\u00dfigter und radikaler Kritik weder von der Bibel noch von der intellektuellen Redlichkeit her m\u00f6glich ist. Gem\u00e4\u00dfigte Kritik ist immer zugleich Einfallstor f\u00fcr radikale Kritik. Die Kritik bleibt nicht auf halbem Wege stehen. Von Seiten derjenigen, die die Bibel auf ein rein menschliches Wort reduzieren, m\u00fcssen sich gem\u00e4\u00dfigte Bibelkritiker, die gro\u00dfe Teile der Christologie stehen lassen, immer den Vorwurf der Inkonsequenz und der Widerspr\u00fcchlichkeit gefallen lassen. Au\u00dferdem f\u00e4llt bei gem\u00e4\u00dfigten Kritikern h\u00e4ufig ein gro\u00dfer Verlust an reichen Glaubensinhalten, die in der Bibel neben der Soteriologie (Lehre von der Rettung) ebenfalls vertreten sind, auf. Man glaubt zwar an die Erl\u00f6sung, aber wo ist der Rettungseifer eines Paulus, wo ist die Faszination von schon erf\u00fcllter und noch zu erf\u00fcllender biblischer Prophetie? Wo ist das tiefe Vertrauen auf die Macht des Gebetes und die Freude \u00fcber Gebetserh\u00f6rungen. Wo ist die Begeisterung f\u00fcr das Bibellesen. Wo ist das Interesse f\u00fcr die Darstellung der Heilsgeschichte. Wo ist das praktische Rechnen mit Wundern. Wo bleibt der Aspekt des Glaubenskampfes? Wie ist das Verst\u00e4ndnis der Heiligung? Wo ist die Praxis des Gebetes um Heilung? ( Man gibt sich zufrieden mit der Kreuzestheologie und der Seelsorge und dem Trost. Die Bibel h\u00e4lt allerdings weitaus mehr vor. Auch die genannten Punkte geh\u00f6ren zu einem ganzheitlichen Bibelkonzept, um einen Begriff aus der modernen Medizin zu gebrauchen. Ein ganzheitliches Bibelkonzept ist in der gem\u00e4\u00dfigten Bibelkritik nicht vorgesehen, da es ja gerade die nicht direkt christozentrischen Aspekte des Glaubens h\u00e4ufig wegkritisiert oder verw\u00e4ssert. Der gem\u00e4\u00dfigte Bibelkritiker solidarisiert sich h\u00e4ufig mit einer Bibelhaltung, bei der diese Faktoren als fr\u00f6mmelnd \u00fcbertriebener Glaubenseifer in Frage gestellt werden. Spricht man gem\u00e4\u00dfigte Kritiker auf diese Aspekte an, f\u00e4llt h\u00e4ufig eine relativierende Abwehrhaltung auf. Anstatt derartige Impulse freudig aufzunehmen, zieht man sich auf das N\u00f6tigste, n\u00e4mlich die Soteriologie zur\u00fcck, um niemand unter geistlichen Druck zu setzen. Die konservierenden Elemente sind gut, die herausfordernden werden relativiert. Die Bibel dient zwar als gro\u00dfes Trostpflaster, sie soll uns aber bitte im Trost nicht st\u00f6ren. Freilich d\u00fcrfen diese Aspekte nicht dazu dienen, uns in unserem Stolz \u00fcber andere Glaubensgeschwister zu erheben, aber es w\u00e4re genauso falsch, sie in falscher Demut zu ignorieren.&nbsp; 2. Petrus 1,3 ff: &nbsp;Alles, was zum Leben und zur Fr\u00f6mmigkeit dient, hat uns seine g\u00f6ttliche Kraft geschenkt durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine Herrlichkeit und Kraft. &nbsp;Durch sie sind uns die kostbaren und allergr\u00f6\u00dften Verhei\u00dfungen geschenkt, damit ihr durch sie Anteil bekommt an der g\u00f6ttlichen Natur, wenn ihr der Verg\u00e4nglichkeit entflieht, die durch Begierde in der Welt ist. So wendet allen Flei\u00df daran und erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis und in der Erkenntnis M\u00e4\u00dfigkeit und in der M\u00e4\u00dfigkeit Geduld und in der Geduld Fr\u00f6mmigkeit und in der Fr\u00f6mmigkeit Br\u00fcderlichkeit und in der Br\u00fcderlichkeit die Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier spricht Petrus sogar davon, allen Flei\u00df daran zu setzen. H\u00f6rt man sowas heute noch in einer Predigt? Wenn wir die Herausforderungen, die die Bibel an uns stellt, weglassen, verlieren wir denn dadurch nicht einen gro\u00dfen Teil des Reichtums, der uns in Jesus und in seinem Wort zus\u00e4tzlich neben der Rettung zuteil wird? In Wirklichkeit steckt hinter solchen Einstellungen der Einfluss der gem\u00e4\u00dfigten liberalen Theologie, die gerade die zus\u00e4tzlichen Geschenke und Segnungen einer lebendigen Gottesbeziehung unterbelichtet. Gem\u00e4\u00dfigte Kritik ist also nicht nur in Gefahr, in radikalere Kritik zu m\u00fcnden, sondern auch den \u00fcbrigen Reichtum einer lebendigen Beziehung zu diesem Jesus im Alltag zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres, meiner Meinung nach, schwerwiegendes Problem tritt in der gem\u00e4\u00dfigten Kritik zutage. Die gem\u00e4\u00dfigte Kritik besteht gerade darin, extreme Teile der Bibelkritik abzulehnen. Wenn ich als gem\u00e4\u00dfigter Kritiker nun erkannt habe, dass radikale Infragestellung der Echtheit vieler Berichte oder Wunder der falsche Weg ist, dann geh\u00f6rt es zu meiner Verantwortung, davor zu warnen oder auch \u00f6ffentlich dagegen meine Stimme zu erheben. Genau diese Reaktion vermisst man aber grunds\u00e4tzlich im Lager der gem\u00e4\u00dfigten Kritiker. Eher wird der Eindruck gesch\u00fcrt, als seien beide Wege von der Bibel her m\u00f6glich und die Entscheidung liege im Ermessen jedes einzelnen Gl\u00e4ubigen. Es wird so getan, als sei es reine Geschmackssache, ob ich beispielsweise an eine leibhaftige Auferstehung oder ob ich nur an eine theologische Dimension der Auferstehung glaube, sprich, ob das Grab nun leer war oder voll. Man selbst glaubt zwar daran, aber man gesteht dem andern zu, auch auf dem Boden der Bibel zu stehen, wenn er sie ablehnt. Kann das eine von der Bibel her legitimierte Einstellung sein? Genau das ist das Problem bei Worthaus. Siegfried Zimmer und Thorsten Dietz, beides wichtige Referenten bei Worthaus, die beide nach ihren eigenen Aussagen an eine leibhaftige Auferstehung glauben, werben f\u00fcr ihre Plattform, auf der auch zwei andere Referenten (Helmut Breuer und Schreiber) die leibhaftige Auferstehung \u00f6ffentlich leugnen d\u00fcrfen. Das bedeutet, den Bef\u00fcrwortern komme es nicht darauf an, dass man an eine leibhaftige Auferstehung glaubt. Sie selbst glauben zwar daran, aber sie signalisieren mit ihrer passiven Haltung, dass es nicht wichtig ist, daran festzuhalten. Den H\u00f6rern wird damit eine indifferente Einstellung als legitim vermittelt. Thorsten Dietz als Theologieprofessor an der (ehemals) evangelikalen theologischen Hochschule Tabor in Marburg, sagte selbst, dass es nicht glaubensentscheidend ist, ob man nun an das leere Grab glaubt oder nicht. Es gebe keinen <em>Platzhalter, wo man unterschreiben m\u00fcsse<\/em>. Das Beispiel des leeren Grabes k\u00f6nnte man auf zahlreiche andere wichtige Glaubensinhalte \u00fcbertragen, genauso, wie ich die Einstellung von Thorsten Dietz zahlreichen gem\u00e4\u00dfigten Kritikern zuschreiben k\u00f6nnte. Als w\u00e4re die Bibel ein Steinbruch von Glaubensinhalten, in dem jeder nach seinem eigenen Gutd\u00fcnken die Steine heraussucht, die ihm f\u00fcr sich selbst passend erscheinen. In einer politischen Partei hat man erkannt, dass man vom Parteiprogramm abweichende Meinungen einzelner Mitglieder nicht auf Dauer tolerieren kann, weil man sich sonst unglaubw\u00fcrdig und angreifbar macht. In der christlichen Gemeinde leistet man sich die Toleranz auch der radikalen Kritik gegen\u00fcber. Paulus hat sich dem Markt der M\u00f6glichkeiten nicht angeschlossen und argumentiert im 1. Kor.15 ausf\u00fchrlich gegen die Auferstehungsleugner. Das Thema der leibhaftigen Auferstehung ist unabdingbarer Bestandteil des christlichen Glaubens. Ohne das leere Grab w\u00e4re der Glaube und seine Predigt vergeblich. Paulus meint hier auch nicht nur eine geistliche Auferstehung, wie es im Gesamtkontext deutlich wird. Der Auferstehungsglaube ist nach Paulus Dreh und Angelpunkt aller christlichen Lehre und die Grundlage f\u00fcr die Hoffnung auf unsere eigene einstige Auferstehung. Wenn die leibliche Auferstehung nicht entscheidend ist, was ist es dann, m\u00fcsste man die gem\u00e4\u00dfigten Kritiker fragen. Hier sp\u00fcren wir, in welche Schieflage auch die gem\u00e4\u00dfigte Kritik kommt, wenn sie sich nicht entschieden gegen die radikale Kritik abgrenzt. Verliert sie dadurch nicht auch ihre Glaubw\u00fcrdigkeit gerade im Blick auf ihre Unterscheidbarkeit von der radikalen Kritik? Wir kommen nun auf die Anfangsfrage zur\u00fcck. Nach welchem Kriterium will sie sich denn abgrenzen? Antwort: Es gibt keines, es sei denn, es ist rein subjektiv und deshalb intellektuell nicht \u00fcberzeugend. W\u00e4re es nicht \u00fcberzeugender, einfach die ganze Bibel als offenbartes Wort Gottes anzuerkennen? W\u00e4re es nicht an der Zeit, jegliche Form der Bibelkritik endlich als das zu bezeichnen, was es ist, n\u00e4mlich eine menschliche Lehre, die auf atheistischen Denkvoraussetzungen aufgebaut ist? W\u00e4re es nicht glaubw\u00fcrdiger, uns bei Glaubensfragen nicht an zweifelhaften menschlichen Theorien zu orientieren, sondern an Erkenntnissen, die uns Gott in seinem Wort offenbart hat? &nbsp;Eine objektive Wissenschaft, die sich nicht von vornherein einem offenen Weltbild verschlie\u00dft, zwingt uns nicht zu einer gem\u00e4\u00dfigten Kritik, es ist eine falsche H\u00f6rigkeit einer Theologie gegen\u00fcber, die selbst getrieben wird von der Angst, ihren wissenschaftlichen Stolz und Anspruch zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit der Aufkl\u00e4rung gab es bezeichnenderweise keine Lehrzucht mehr. Ist das ein Zeichen daf\u00fcr, dass man den Glauben an die Wahrheit aufgegeben hat, oder ist es gar die einzige noch geglaubte Wahrheit, dass es keine Wahrheit gibt? W\u00e4re eine Reformation tats\u00e4chlich m\u00f6glich gewesen ohne die Gewissheit der Reformatoren, ausschlie\u00dflich in der Bibel verbindliche Wahrheiten f\u00fcr unser Leben zu finden? Ist nicht gerade dieses Vertrauen in eine absolut g\u00fcltige Wahrheit, die uns in der Heiligen Schrift offenbart ist, die entscheidende Haltung, die die Kirche am Leben erh\u00e4lt? Wenn das zu bejahen ist, dann w\u00e4re es absolut ratsam, dieses Vertrauen nicht st\u00e4ndig zu schw\u00e4chen durch die Einschl\u00e4ge der Kritik und sollten wir uns dann nicht vielmehr stark machen daf\u00fcr, diesem Wort absolut zu vertrauen? Eine amivalente Bibelhaltung, wie sie in der gem\u00e4\u00dfigten Kritik zutage tritt und dabei offen ist f\u00fcr beide Seiten, kann hier nicht hilfreich sein. Vielmehr signalisiert sie gerade durch ihre offene Haltung, dass ihr die Toleranz Andersdenkender gegen\u00fcber wichtiger ist als das Vertrauen auf Gottes Wort. Dass dies un\u00fcbersehbare Folgen hat f\u00fcr das Glaubensleben vieler Gemeinden, liegt auf der Hand. Man entfernt sich langsam aber stetig, Schritt f\u00fcr Schritt von den Aussageabsichten der Heiligen Schrift, bis man am Ende da steht, wo man urspr\u00fcnglich in der gem\u00e4\u00dfigten Kritik nicht landen wollte, n\u00e4mlich bei der radikalen Kritik. Gleichzeitig erweist man dem abnehmenden Gottesdienstbesuch einen B\u00e4rendienst, weil man zu sp\u00e4t erkannt hat, dass die Kirche nicht auf einem Meinungspluralismus aufgebaut ist, sondern auf dem Vertrauen auf Gottes verbindlichen Wort.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend nochmal Helge Stadelmann: \u201e<em>Damit liegen die Probleme der gem\u00e4\u00dfigten Kritik offen zutage: Ihr Urdatum ist die Aufkl\u00e4rung; ihre Topinstanz die Vernunft; ihr Problem ein Inspirations- und Wahrheitsverst\u00e4ndnis hinsichtlich der Heiligen Schrift, das das Selbstzeugnis der Heiligen Schrift nur in unzureichender Weise aufgreift und sich deutlich vom klassischen Schriftverst\u00e4ndnis unterscheidet. Die St\u00e4rke der gem\u00e4\u00dfigten kritischen Theologen liegt in den Bereichen, in denen sie die heilige Schrift gelten lassen; ihre Schw\u00e4che da, wo sie die eigene Vernunft der Heiligen Schrift \u00fcberordnen bzw. diese gar gegen die Bibel wenden. Evangelikale Theologie steht vor der Frage, ob es ihr und ihrem Gegenstand, der Heiligen Schrift angemessen erscheint, die Weichen in Richtung gem\u00e4\u00dfigter Bibelkritik und ihrer Voraussetzungen zu stellen: Wer die Weiche so stellt, hat eine Grundsatzentscheidung getroffen. Er hat das Verh\u00e4ltnis von Schrift und kritischer Vernunft so bestimmt, dass ihn nur noch subjektive Einzelentscheidungen und graduelle Unterschiede von extremen Formen der Bibelkritik trennen. Ihm scheint es zumindest im Grundsatz angemessen, auf g\u00f6ttliche Offenbarung mit menschlicher Kritik zu antworten. Reformatorische und evangelikale Theologie haben dies allerdings von Anfang an anders gesehen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4\u00dfigte Kritik ist ein fauler Kompromiss. Sie f\u00fchrt uns auf einen falschen Weg, auf dem uns die Tiefe des Reichtums seiner Erkenntnis verborgen bleibt und der Segenstrom eines unbehinderten Vertrauens auf Gottes Wort versagt bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>C.H. Spurgeon 1891: <em>Wir wollen niemals versuchen, die H\u00e4lfte der Wahrheit dadurch zu retten, dass wir einen Teil von ihr wegwerfen. Wir wollen zu allem stehen oder zu nichts. Wir wollen eine ganze Bibel haben oder gar keine.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Christen gehen den Weg der mehr oder weniger ausgepr\u00e4gten gem\u00e4\u00dfigten Kritik. Ich behaupte, auch viele Pfarrer haben erkannt, dass man auf der Grundlage der radikalen Kritik keine Gemeindearbeit gestalten kann. Gem\u00e4\u00dfigte Kritik bedeutet: Dort, wo sie meinen pers\u00f6nlichen Glauben wenig tangiert, kann ich Kritik an der Bibel akzeptieren, wo sie jedoch zentrale Glaubensfragen betrifft, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=78\" class=\"more-link\">Mehr <span class=\"screen-reader-text\">\u00fcber &#8222;Gem\u00e4\u00dfigte Kritik&#8220; <\/span>Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-78","page","type-page","status-publish","hentry"],"featured_media_urls":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/78"}],"collection":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=78"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/78\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":80,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/78\/revisions\/80"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=78"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}