{"id":66,"date":"2022-04-03T12:01:10","date_gmt":"2022-04-03T12:01:10","guid":{"rendered":"https:\/\/martin.quitesmall.de\/?page_id=66"},"modified":"2023-04-10T15:36:00","modified_gmt":"2023-04-10T15:36:00","slug":"die-degeneration-der-kirche","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=66","title":{"rendered":"Die Degeneration der Kirche"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Zahl der Kirchenmitglieder hat sich in den letzten 50 Jahren nahezu halbiert und zwar sowohl in der evangelischen Kirche als auch in der katholischen Kirche. Der Anteil der regelm\u00e4\u00dfigen evangelischen Gottesdienstbesucher lag vor der Corona-Pandemie bei ca. 3,6%. In der katholischen Kirche sind es marginal mehr. Betrachtet man nur die protestantische Seite, dann bedeutet das, dass in Deutschland ungef\u00e4hr gleich viele freikirchliche wie landeskirchliche Christen regelm\u00e4\u00dfig in den Gottesdienst gehen, obwohl es viel mehr eingetragene Mitglieder der Landeskirche gibt. Bezogen auf den Anteil der aktiven Gottesdienstbesucher d\u00fcrfte der Anteil evangelikaler Christen den Anteil liberal eingestellter Christen bei weitem \u00fcbersteigen. Die genannten Zahlen sollten uns zu denken geben. Es w\u00e4re nat\u00fcrlich nicht sachlich, den Kirchenschwund allein auf die zunehmende Liberalisierung der Kirchen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Sicher tragen Faktoren wie veraltete Gottesdienstformen und Missbrauchs-Skandale genauso dazu bei wie der gesamtgesellschaftliche Wandel in einer pluralistischen Welt. Trotzdem sollte man nicht ignorieren, dass das Bibelverst\u00e4ndnis eine ganz ma\u00dfgebliche Rolle in der Frage der Glaubensbindung spielt. Ich selbst bin in einer Erweckungsbewegung in Hohenlohe in den 70ger Jahren zum Glauben gekommen. Damals haben sich viele Menschen durch Evangelisationen, die von pietistisch gepr\u00e4gten, bibeltreuen Christen getragen wurden, bekehrt. Die Bibel und das Gebet waren dabei tragende Elemente. Gleichzeitig wurde diese Bewegung von vielen Pfarrern in der Umgebung kritisch kommentiert. Nur wenige der Pfarrer und Dekane haben sich damals solidarisiert. Vielfach bestand eine regelrecht ablehnende Haltung dieser Bewegung gegen\u00fcber. Seit der damaligen Zeit habe ich durch meine Musikt\u00e4tigkeit zahlreiche Christen aus den unterschiedlichsten Gemeinden und deren kirchlichem Leben in ihrer jeweiligen Region kennengelernt. Dabei ist mir immer wieder, wie in meiner urspr\u00fcnglichen Heimat, aufgefallen, dass Gottesdienste evangelikaler Pr\u00e4gung voll waren, w\u00e4hrend liberale Gottesdienste oft nur d\u00fcnn besetzt waren. Dazu passend war es offensichtlich, dass die aktive Mitarbeit in der kirchlichen Jugendarbeit, im Kindergottesdienst oder im Konfirmandenunterricht sowie in der regionalen und \u00fcberregionalen Evangelisationsarbeit deutlich st\u00e4rker von pietistischen als von liberalen Mitarbeitern getragen wurde, ganz zu schweigen von der weltweiten Mission. In den Kirchengemeinden meiner ehemaligen Heimat kamen fast alle Kindergottesdienst-Mitarbeiter aus der oben genannten Erweckungsbewegung. Dieser Zusammenhang war oft so ausgepr\u00e4gt, dass man von der Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit eines Gemeindegliedes in einer Kirchengemeinde auf deren geistlichen Hintergrund schlie\u00dfen konnte.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0Bis heute l\u00e4sst sich nach meiner Einsch\u00e4tzung erkennen, dass von pietistischen Kreisen eine weitaus st\u00e4rkere missionarische Kraft ausgeht als von liberalen Kreisen. Teilweise wird dies auch von liberaler Seite anerkannt, wobei hier gerne argumentiert wird, dass es doch gar nicht auf die Masse ankomme. Zun\u00e4chst mal klingt das bescheiden fromm. Aber mit anderen Worten hei\u00dft dies im Klartext, es komme demjenigen, der so etwas sagt, gar nicht darauf an, dass m\u00f6glichst viele Menschen den Weg zu Jesus finden. Aber Hallo, kann das eine fromme Absicht sein, nur wenige Menschen zu retten? Das ist ungef\u00e4hr so, wie wenn ich sagen wollte, bei einer Rettungsaktion von Fl\u00fcchtlingen im Mittelmeer komme es nicht auf die Masse der Menschen an, die gerettet werden. Nat\u00fcrlich ist mir dabei auch bewusst, dass dies nicht nur in unserer Hand liegt. Wir k\u00f6nnen keine Erweckung machen. Trotzdem sollte man sich klarmachen, dass der Boden, auf dem Frucht entsteht, auch von uns Menschen bereitet oder verdorben werden kann. Man k\u00f6nnte hier unz\u00e4hlige Beispiele daf\u00fcr anf\u00fchren, dass Glauben eher auf bibeltreuen als auf bibelkritischen Boden w\u00e4chst. \u00a0R\u00f6m 10,17: So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes. Wie vielfach angesprochen, beruht das Predigen in der liberalen Theologie auf Menschenwort. Es werde erst dann zum Wort Gottes, wenn es den Menschen anspreche. Man k\u00f6nnte hier also folgerichtig vom Ergebnis her urteilen: Wenn sich doch zeigt, dass Menschen eher zum lebendigen Glauben kommen auf dem Hintergrund eines traditionellen Bibelverst\u00e4ndnisses, dann erweist sich doch eine bibeltreue Haltung als bessere und wirkungsvollere Grundlage, auf der ich mein Verst\u00e4ndnis vom Wort Gottes aufbaue. Andernfalls w\u00e4re das o.g. Kriterium f\u00fcr Gottes Wort hinf\u00e4llig oder ich m\u00fcsste einen Glauben, der sich in aktiver Mitarbeit oder in einem starken Interesse sowohl am Gottesdienstbesuch als auch am Heil des anderen \u00e4u\u00dfert, als falschen Glauben deklarieren. Damit w\u00fcrde sich die liberale Kirche selbst abschaffen. Wenn sich das Wort Gottes in seiner Wirkung erweist, dann w\u00fcrden die bisherigen Ausf\u00fchrungen ja gerade die Richtigkeit einer bibeltreuen Haltung best\u00e4tigen. Oder anders formuliert: Die Identit\u00e4t des Wort Gottes nur in seiner Wirkung zu sehen, wie es in der liberalen Theologie oft versucht wird, w\u00fcrde genau das, was sie mit dieser Sichtweise kritisieren wollen, n\u00e4mlich eine Bibeltreue im Sinne einer g\u00f6ttlichen Inspiration, umso mehr st\u00fctzen. Nach all dem bisher Gesagten w\u00fcrde ich sogar soweit gehen, zu behaupten, dass die liberale Kirche vielfach nur noch existiert, weil sie von den Fr\u00fcchten der evangelikalen Bewegung lebt. Wenn die liberale Kirche heute oft etwas sp\u00f6ttisch \u00fcber die Naivit\u00e4t der Bibeltreue l\u00e4chelt, dann verkennt sie damit, dass sie ihr eigenes \u00dcberleben eigentlich denjenigen verdankt, die sie bel\u00e4chelt. In vielen Kirchengemeinden stellen pietistische Bewegungen wie EC, CVJM, CJB, S\u00fcddeutsche, auch Teile des EJW in Baden W\u00fcrttemberg, Hendsoltsh\u00f6her Gemeinschaftsverband usw. die Jugendarbeit, soweit es sie \u00fcberhaupt gibt, und damit den Nachwuchs der kirchlichen Mitarbeiter. Erweckliche Kr\u00e4fte in der Kirche und lebendige neue Gottesdienstformen gehen h\u00e4ufig von erweckten Mitarbeitern und Pfarrern aus, die selbst in pietistischen Kreisen gepr\u00e4gt worden sind. Um so trauriger ist es zu beobachten, dass sich nicht wenige, die sich aufgrund ihres urspr\u00fcnglichen Glaubens f\u00fcr ein Theologiestudium entscheiden, sich w\u00e4hrend ihres Studiums von diesem Glauben abwenden, der sie selbst urspr\u00fcnglich zum Studium motiviert hat. Prof. Zimmer als Theologieprofessor aus dem liberalen Lager, der selbst viele Religionsp\u00e4dagogen ausgebildet hat, berichtet, dass sie 2\/3 der Theologiestudenten auf ihre Seite ziehen k\u00f6nnen. Ich selbst wei\u00df von einigen Theologiestudenten, die ihren Glauben w\u00e4hrend des Studiums radikal ver\u00e4ndert haben. H\u00e4ufig wird diese Ver\u00e4nderung mit der Begr\u00fcndung vollzogen, man habe jetzt zu einem reiferen, freiheitlicheren Glauben gefunden. Vielleicht braucht man psychologisch diese Begr\u00fcndung jedoch manchmal, um sich nicht eingestehen zu m\u00fcssen, dass sonst viele Jahre des Studiums und der Ausbildung in die Tonne gestampft werden m\u00fcssten. Nicht wenige Studenten geraten in eine derartige Spannung, dass sie ihr Studium nicht mehr fortsetzen k\u00f6nnen. Klaus Berger (im Interview mit IDEA<em>): Viele Theologiestudenten brechen ihr Studium ab, weil sie w\u00e4hrend ihres Theologiestudiums ihren Glauben verlieren. Das hat vor allem mit der Bibelauslegung zu tun. Die Bibel wird auseinandergenommen und demoliert, sodass von ihr fast nichts mehr \u00fcbrigbleibt. Um das auszuhalten, muss man schon einen au\u00dferordentlich gefestigten Glauben haben.<\/em>\u201c  Corrie ten Boom berichtet von einer ihrer zahllosen Eins\u00e4tzen auf der ganzen Welt, sie sei in Korea einem \u00fcberaus traurigen Theologiestudenten begegnet: <em>&#8222;Ich habe meinen Weg verloren, sagte er traurig. Als ich Christ wurde, lehrte mich mein Pfarrer zu glauben, dass die Bibel wahr sei. Damals war ich sehr gl\u00fccklich. Aber seit ich Rudolf Bultmann, einen ber\u00fchmten Gelehrten studiere, der sagt, dass die Bibel voller Mythen und Legenden sei, habe ich meinen Weg verloren. Ich wei\u00df nicht mehr, wo der Himmel ist.&#8220; Es schien mir nicht recht, dass diese einfachen Jungen von Korea von dieser schrecklichen Theologie durcheinandergebracht wurden. Sie studieren lange Zeit an den Universit\u00e4ten. Zum Teil doppelt so lange wie die Studenten in Europa und Amerika, und viele verlieren dar\u00fcber ihren Glauben&#8220; <\/em>( aus Corrie ten Boom: Mit Gott durch dick und d\u00fcnn).<\/p>\n\n\n\n<p>Nach meiner Meinung l\u00e4sst sich eine bibelkritische Haltung nicht mit Ehrlichkeit sich selbst und anderen gegen\u00fcber vereinbaren. Die Spannung zwischen Bibeltreue und Bibelkritik l\u00e4sst sich konsequenterweise nur in eine Richtung aufl\u00f6sen. In diesem fortgesetzten Zwiespalt zu leben und dem Zuh\u00f6rer gegen\u00fcber zu vertreten, ist nur m\u00f6glich, wenn ich viele widerspr\u00fcchliche Aspekte ausblende. Dazu Gerhard Maier: \u201e<em>Wer beides vereinigen will, die Autorit\u00e4t der Offenbarung und die historische Kritik, der ger\u00e4t in eine unertr\u00e4gliche Spannung, die sich am Ende nach einer der beiden Seiten aufl\u00f6sen muss.\u201c<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Um nicht den Eindruck zu erwecken, dass meine Ausf\u00fchrungen eine isolierte Privatansicht sind, m\u00f6chte ich auf einige gemeindesoziologischen Untersuchungen eingehen, die ich bei meiner Recherche gefunden habe. C.A.Schwarz, der ein Konzept zur nat\u00fcrlichen Gemeindeentwicklung auf dem Boden des biblischen Gemeinde- und Gemeinschaftsverst\u00e4ndnisses entwickelt hat, hat 1000 Gemeinden in 32 L\u00e4ndern untersucht. Dabei hat er festgestellt, dass liberale Theologie und Gemeindewachstum in einem negativen Zusammenhang stehen. Das hei\u00dft, wie ich oben schon selbst beobachtet habe, dass liberale Kirchen eher schrumpfen, w\u00e4hrend evangelikale Kirchen eher wachsen. Evangelikal ist hier nicht im Sinne von Traditionalismus gemeint. Der Traditionalist h\u00e4lt sich an Traditionen, an vom Menschen selbst geschaffenen Formen und Rezepten von gestern und vorgestern. Bibeltreue bedeutet auch nicht, dass man die traditionellen Formen 1 zu 1 auf jede Gesellschaft auf jede Kultur \u00fcbertr\u00e4gt. Nein, Bibeltreue bedeutet den Griechen ein Grieche den Juden ein Jude usw. im Sinne des Vorbildes von Paulus oder eines Hudson Taylors. In den USA gibt es l\u00e4ngst Untersuchungen, die zeigen, dass Denominationen, die sich dem theologischen Liberalismus \u00f6ffnen, unweigerlich schrumpfen. Dazu Helge Stadelmann: <em>Eine vergleichende Langzeitstudie dreier Denominationen macht deutlich, dass in den vereinigten Staaten zwischen 1776 und 1990 die Kirche die deutlichsten Einbr\u00fcche erlebt hat, die sich dem Liberalismus am st\u00e4rksten ge\u00f6ffnet hat. Letzteres traf f\u00fcr die Methodistenkirche zu, w\u00e4hrend bei der zwischen Konservatismus und Liberalismus schwankenden Katholischen Kirche noch keine eindeutige Tendenz erkennbar war und sich bei den s\u00fcdlichen Baptisten, die sich am st\u00e4rksten gegen Bibelkritik abgrenzen, ein bemerkenswertes Gesamtwachstum und die gr\u00f6\u00dfte Stabilit\u00e4t zeigten. Weiterhin f\u00fchrt Helge Stadelmann aus, dass die Predigt des Wortes Gottes den Hauptwachstumsfaktor bildet\u2026 W\u00e4hrend sich die Evangelische Kirche innerhalb der letzten 50 Jahre von 43 Millionen auf jetzt 26 Millionen Mitglieder reduzierte also nahezu halbierte, wachsen evangelikale Kirchen in der Zweidrittel-Welt der s\u00fcdlichen Erdhalbkugel in einer in der gesamten Kirchengeschichte nie dagewesenen Weise.<\/em> Es w\u00e4re nat\u00fcrlich nicht korrekt, die statistischen Ergebnisse einer breiten Untersuchung auf jede einzelne Gemeinde zu \u00fcbertragen und zu behaupten, dass ein leerer Gottesdienst auf einen liberalen Pfarrer schlie\u00dfen lasse. Es gibt hier in beide Richtungen Ausnahmen. Trotzdem sollte eine statistische Tendenz Anlass genug sein, das Konzept der liberalen Theologie in ihren Auswirkungen auf die weltweite Kirche zu hinterfragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der kanadische Professor f\u00fcr Religion und Kultur David M. Haskell hat f\u00fcr seine Studie 2255 Besucher von 22 verschiedenen Gemeinden befragt. Die Ergebnisse wurden ver\u00f6ffentlicht unter der \u00dcberschrift: \u201eTheology matters\u201c \u2013 \u201eTheologie spielt eine Rolle\u201c. F\u00fcr die Washington Post hat Haskell im Jahr 2017 die Ergebnisse seiner Studie unter einer provokanten \u00dcberschrift zusammengefasst: \u201eLiberale Gemeinden sterben. Aber konservative Gemeinden gedeihen.\u201c Haskell schreibt in seinem Artikel unter anderem: (Aus Markus Till: Aufatmen in Gottes Gegenwart Der Blog)<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIn den 5 Jahren haben meine Kollegen und ich eine Studie mit 22 Gemeinden aus gro\u00dfen Denominationen in der Provinz Ontario durchgef\u00fchrt. In der Stichprobe verglichen wir Gemeinden mit wachsendem Gottesdienstbesuch mit solchen, die kleiner wurden. Nachdem wir die Umfrageergebnisse von \u00fcber 2.200 Gemeindegliedern und von ihren Geistlichen statistisch analysiert hatten, kamen wir zu einer Entdeckung, die man intuitiv nicht erwarten w\u00fcrde: Die konservative protestantische Theologie mit ihrem \u201ew\u00f6rtlicheren\u201c Blick auf die Bibel ist ein wichtiger Pr\u00e4diktor (d.h. Vorhersagevariable) f\u00fcr Gemeindewachstum, w\u00e4hrend liberale Theologie zum Niedergang f\u00fchrt\u2026Zum Beispiel fanden wir heraus, dass 93 Prozent der Geistlichen und 83 Prozent der Gemeindeglieder aus wachsenden Gemeinden der Aussage \u201cJesus ist von den Toten auferstanden, mit einem echten K\u00f6rper aus Fleisch und Blut, der ein leeres Grab hinterl\u00e4sst\u201d zustimmten. Im Vergleich dazu taten das 67 Prozent der Gemeindeglieder und 56 Prozent der Geistlichen aus schrumpfenden Gemeinden. Dar\u00fcber hinaus stimmten alle Geistlichen wachsender Gemeinden sowie 90 Prozent ihrer Gemeindeglieder darin \u00fcberein, dass \u201cGott als Antwort auf Gebete Wunder vollbringt\u201d, verglichen mit 80 Prozent der Gemeindeglieder und nur 44 Prozent der Geistlichen aus schrumpfenden Gemeinden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In Holland hat man den Glauben von Pfarrerinnen und Pfarrern untersucht und kam zu einem erschreckenden Ergebnis, das in einer Ausgabe von Deutschlandfunk Kultur im Jahre 2007 ver\u00f6ffentlicht wurde. Darin ist zu lesen: (von Michael Hollenbach):&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Viele, die als Pastorinnen und Pastoren von Berufs wegen an Gott glauben m\u00fcssten, wissen nicht mehr so recht, woran sie glauben sollen, sagt der niederl\u00e4ndische Religionssoziologe Hijme Stoffels. Er hat den Glauben holl\u00e4ndischer Pfarrerinnen und Pfarrer untersucht. Eines seiner Ergebnisse: F\u00fcr die meisten Theologen ist Gott so etwas wie Licht, Kraft oder eine Vaterfigur, aber ein allm\u00e4chtiger Sch\u00f6pfer des Himmels und der Erde ist er nur noch f\u00fcr 40 Prozent der evangelischen Theologen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Berger f\u00fchrt das eindeutig auf den langj\u00e4hrigen Einfluss der liberalen Theologie in den Niederlanden zur\u00fcck. In einer seiner \u00c4u\u00dferungen beklagt er, dass das langj\u00e4hrige Wirken des bekannten liberalen Theologieprofessors, Gustaaf Adolf van den Berg van Eysinga (1874-1957), zu einem Niedergang der Kirchen gef\u00fchrt habe. Viele urspr\u00fcnglich sch\u00f6ne Kirchen seien heute zu Museen umgewandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland sind die Verh\u00e4ltnisse vermutlich noch nicht so extrem wie in Holland. Trotzdem zeichnet sich auch hier ein Trend ab, der in die obengenannte Richtung zeigt. Auch in Deutschland werden zentrale Glaubensinhalte zunehmend wegdiskutiert oder geraten immer mehr in Zweifel. Siehe vorausgegangene Kapitel. Nur noch 30% der Kirchenmitglieder glauben an die Jungfrauengeburt. An eine Verdammnis glauben nur noch 10-20%. Es braucht nicht betont zu werden, dass das Folgen der historisch kritischen Theologie sind. Alexander Garth, seit 2016 Pfarrer in Wittenberg, Gr\u00fcnder auch der Jungen Kirche in Berlin (aus Idea Heft 35, 2021), sagt dazu: <em>\u201eKommunikationsforscher beobachten bei der evangelischen Kirche eine weich gesp\u00fclte und unsichere Sprache, die zudem oft von der Alltagssprache entfernt ist. Oft wird die Botschaft verk\u00fcndet, an die man anscheinend selbst nicht glaubt. Weil man zu den biblischen Kernthemen-S\u00fcnde, Erl\u00f6sung, Heiligung, ewiges Leben- nicht mehr viel zu sagen hat, weichen Verk\u00fcndiger oft auf soziale oder politische Themen aus. Dazu kommt: Das Church Design, also das Auftreten der Kirche in Musik und Liturgie, ist fast nur noch kompatibel f\u00fcr ein konservatives Bildungsb\u00fcrgertum\u201c.<\/em> In dem Interview, das der Idea-Reporter Karsten Huhn mit ihm f\u00fchrt, kommt die Sprache auf den gemeinsamen Nenner-Jesus. Der EKD komme es nach ihren eigenen Aussagen doch auch auf Jesus als wichtigstes Kernthema an. Karsten Huhn zitiert aus den Leits\u00e4tzen der EKD den Satz: \u201eWir bezeugen Jesus Christus in der Welt.\u201c Daraufhin Alexander Garth: <em>\u201cPrima, das klingt richtig gut! Man muss dann nur nachfragen, welcher Jesus gemeint ist: Ist er der Retter und Erl\u00f6ser der Welt, oder ist er nur ein Sozialreformer, ein moralischer Influencer oder einfach ein frommer Jude, der etwas Tolles wollte, aber leider gescheitert ist? All diese unterschiedlichen Christus-Bilder finden sich in der Theologie. Wir haben den Glauben h\u00e4ufig auf einen Wohlf\u00fchlglauben verd\u00fcnnt. Es gibt keine Klarheit, keine Einheit mehr, sondern unsere Theologie hat sich zersplittert und ausdifferenziert. Es ist typisch postmodern: Wir haben einen Patch-Work-Jesus, und jeder bestimmt selbst, wer Jesus f\u00fcr ihn ist. Wenn ich in Afrika unterwegs bin, sagen mir die Pastoren dort: Wenn du willst, dass dein Dienst ohne Frucht bleibt, \u00fcbernimm die Theologie Europas!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0Wenn in der Bibel (R\u00f6m. 10,17) steht, dass der Glaube aus der Predigt und die Predigt aus dem Wort Gottes kommt, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, dass mit einer zunehmenden Infragestellung der Autorit\u00e4t der Bibel auch ein Verlust an Glaubenssubstanz einhergeht, was wiederum zwangsl\u00e4ufig zu einem Kirchenmitgliedsschwund f\u00fchrt. Ein konservatives Bibelverst\u00e4ndnis korreliert eindeutig mit Gemeindewachstum. Wer in der Kirche keine klaren Antworten mehr auf existentielle und \u00fcber dieses Leben hinausreichende Fragen vom Wort Gottes her bekommt, der hat keinen Anlass mehr, in die Kirche zu gehen. Wenn Gottesdienste dazu missbraucht werden, gesellschaftspolitische Probleme oder philosophische Gedanken in den Vordergrund zu stellen, dann macht sich die Kirche selbst \u00fcberfl\u00fcssig, denn dies kann ich in anderen Diskussionsforen besser tun. Die Kirche schafft sich selbst ab, wenn sie ihren eigenen Markenkern, n\u00e4mlich die Frage nach dem Heil nicht mehr kommuniziert. Wenn Leiter der Kirche selbst nur noch teilweise das glauben, was in der Bibel steht und teilweise ihren Glauben aus ihren eigenen theologischen und philosophischen \u00dcberlegungen zusammenbasteln, darf ich mich nicht wundern, dass viele Kirchg\u00e4nger  verunsichert werden und sich dieser Verunsicherung nicht mehr aussetzen wollen, ganz gleich, von welchen Standpunkt sie starten. Hat in der Bibel nur noch das an Lehren und Werten G\u00fcltigkeit, was gerade vor dem Tribunal der angeblich wissenschaftlichen Theologie Bestand hat, dann kann ich nicht erwarten, dass dies von biblisch gepr\u00e4gten Kirchg\u00e4ngern mit gro\u00dfer Zustimmung quittiert wird. Wenn es eh nur subjektiv ist, dann ist die Suche nach Objektivit\u00e4t v\u00f6llig umsonst. Subjektive Wahrheiten finde ich nur subjektiv. Da brauche ich keine Kirche. Im ber\u00fchmten Bibel-Psalm in Ps.119,9 steht: \u201eWie wird ein junger Mann seinen Weg unstr\u00e4flich gehen? Wenn er sich h\u00e4lt an deine Worte. Ich suche dich von ganzem Herzen, lass mich nicht abirren von deinen Geboten. Ich behalte dein Wort in meinem Herzen\u2026\u201c. Einen festen Halt kann es nur geben, wenn das, woran ich mich festhalte, au\u00dferhalb von mir\u00a0 fest verankert ist und nicht in meinen eigenen W\u00fcnschen und Vorstellungen. Die liberale Theologie hat aber genau dies getan, sie hat den Halt im Menschlichen bestimmt. Das ist so, wie wenn ich mich in einer Klamm an einer Haltestange festhalte, die nicht in die Felswand geschraubt ist, sondern die ich selbst mitbringe. Da kann ich mich festhalten so stark ich will, sie wird mich nicht vor dem Absturz retten. Wir brauchen den Halt in seinem geoffenbarten Wort, das nicht vom Wind des Zeitgeistes wie eine Fahne umhergeweht wird. Die Anpassung der Predigt an den Zeitgeist unter der Vorstellung, man k\u00f6nne damit mehr Menschen zum Gottesdienstbesuch motivieren, hat zum Gegenteil gef\u00fchrt. In der liberalen Theologie gibt es das Argument, man k\u00f6nne dem modernen Menschen den Glauben an Wunder und Engel nicht mehr zumuten. Die Schlussfolgerung, dem modernen Menschen einen Zugang zur Bibel schaffen zu k\u00f6nnen, indem man Wunder und Engel aus dem Glaubenskontingent streicht, hat sich als Trugschluss herausgestellt. Wir brauchen keine wunderfreie Theologie, wir brauchen einen Gott, der Wunder tut. Hudson Taylor: \u201e<em>Wir brauchen keinen gro\u00dfen Glauben, wir brauchen einen Glauben an einen gro\u00dfen Gott.<\/em> Was wir brauchen, ist letztlich eine Umkehr, eine R\u00fcckkehr zum Wort Gottes. Gro\u00dfe Bekehrungswellen oder Erweckungsbewegungen waren immer assoziiert mit einer R\u00fcckbesinnung bzw. R\u00fcckkehr zur Autorit\u00e4t der Bibel. Erweckungsbewegungen waren Bibelbewegungen. Schon im alten Testament spiegelt sich diese Erfahrung wider. (2.K\u00f6n.22,23; Jes. 8,20; Jer.6,16; Neh. 9). Das f\u00fchrt mich zu meiner Behauptung, dass von evangelikaler Theologie eine wesentlich st\u00e4rkere missionarische Kraft ausgeht als von einer liberalen Theologie.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Wer Kirche bauen will, der sollte sich fragen, auf welches Fundament er baut. Auf das Wort Gottes oder auf die historisch- kritische Theologie? Wem an der Kirche was liegt, der stellt sich nicht auf die Seite der Kritiker, denn Kritik an der Bibel ist immer zugleich Kritik an der Gemeinde Jesu. Eine Christuszentrierte Kirche ist zugleich bibelzentriert. Ein lebendiger Glaube lebt vom H\u00f6ren auf sein Wort. Dazu brauchen wir nicht den zweifelhaften und zweifels\u00e4enden Filter der historischen Kritik. Wer Zweifel am Wort Gottes s\u00e4t, wird Disteln ernten. Wer Vertrauen s\u00e4t, wird Fr\u00fcchte ernten. Wir brauchen den Zuspruch aus der Ewigkeit heraus, weil wir an unserer eigenen Welt verzweifeln m\u00fcssen. Da, wo die Kirche dies praktiziert, dass sie auf die ewigg\u00fcltigen Worte Gottes in der Bibel vertraut, wird sie auch Fr\u00fcchte f\u00fcr die Ewigkeit ernten, auch wenn viele dieser Fr\u00fcchte erst in der Ewigkeit sichtbar werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Zum Schluss dieses Kapitels erlaube ich mir, einen der gr\u00f6\u00dften Erweckungsprediger und dessen Bibelverst\u00e4ndnis zu Wort kommen zu lassen: C.H. Spurgeon (1834-1892): \u201eDenn es steht geschrieben: Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen und den Verstand der Verst\u00e4ndigen will ich verwerfen\u201c (1 Kor.1,19) <em>Dieser Vers ist eine Drohung, was die weltlich Klugen anbelangt, aber f\u00fcr den einfachen Gl\u00e4ubigen ist er eine Verhei\u00dfung. Leute, die sich f\u00fcr gelehrt ausgeben, versuchen immer wieder den Glauben schlichter Gotteskinder zunichte zu machen, aber ihre Versuche schlagen fehl, ihre Beweise halten nicht Stich, ihre Theorien versinken unter ihrem eigenen Gewicht.<\/em> Diese Worte aus dem Munde eines gro\u00dfen Erweckungspredigers und eines Kenners der liberalen Theologie in England zu h\u00f6ren, sollte all diejenigen zum Schweigen bringen, die sich mit einem \u00dcberlegenheitsgestus \u00fcber die verh\u00e4ngnisvolle Wirkungsgeschichte der liberalen Theologie hinwegsetzen und meinen, man k\u00f6nne die Kirche retten, indem man sie befreit von den veralteten Gottesvorstellungen der Bibel. Auf einer Pastorenkonferenz hielt C.H Spurgeon einen seiner letzten Vortr\u00e4ge seines Lebens- er wurde deshalb auch als Spurgeons Testament bezeichnet. Darin sprach sich dieser baptistische Nachfahre der Puritaner und Pietisten f\u00fcr ein vorbehaltloses Vertrauen in die Heilige Schrift aus, und zwar in einer Zeit, in der die Bibelkritik in theologischen Kreisen l\u00e4ngst an der Tagesordnung war: <em>\u201eUnsere unfehlbare Grundlage ist das: Es steht geschrieben. Die Bibel die ganze Bibel und nichts als die Bibel ist unser Bekenntnis\u2026 (Sie) ist das Wort Gottes und damit die reine irrtumslose Wahrheit. Dieses gro\u00dfartige, unfehlbare Buch ist unser einziges Appelationsgericht\u2026 Unsere Ehrfurcht vor dem gro\u00dfen Urheber der Heiligen Schrift sollte uns jede fl\u00fcchtige Behandlung seiner Worte verbieten. Keine \u00c4nderung der Schrift kann irgendwie eine Verbesserung sein.\u201c <\/em>Daneben lehnt Spurgeon jede Bibelkritik ab: <em>\u201cWir haben den Papst aufgegeben, denn er hat sich oft und schrecklich geirrt, und wir werden nicht an seiner Stelle eine Horde kleiner P\u00e4pste, die frisch von der Universit\u00e4t kommen, zur Herrschaft erheben. Sind diese Kritiker unfehlbar? Ist es sicher, dass unsere Bibel nicht recht hat, aber dass die Kritiker recht haben m\u00fcssen?&#8230; Wir wollen niemals versuchen, die H\u00e4lfte der Wahrheit dadurch zu retten, dass wir einen Teil von ihr wegwerfen. Wir wollen zu allem stehen oder zu nichts. Wir wollen eine ganze Bibel haben oder gar keine.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zahl der Kirchenmitglieder hat sich in den letzten 50 Jahren nahezu halbiert und zwar sowohl in der evangelischen Kirche als auch in der katholischen Kirche. Der Anteil der regelm\u00e4\u00dfigen evangelischen Gottesdienstbesucher lag vor der Corona-Pandemie bei ca. 3,6%. In der katholischen Kirche sind es marginal mehr. Betrachtet man nur die protestantische Seite, dann bedeutet &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=66\" class=\"more-link\">Mehr <span class=\"screen-reader-text\">\u00fcber &#8222;Die Degeneration der Kirche&#8220; <\/span>Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-66","page","type-page","status-publish","hentry"],"featured_media_urls":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/66"}],"collection":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=66"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/66\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":110,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/66\/revisions\/110"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=66"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}