{"id":60,"date":"2022-04-03T11:57:28","date_gmt":"2022-04-03T11:57:28","guid":{"rendered":"https:\/\/martin.quitesmall.de\/?page_id=60"},"modified":"2022-04-03T11:57:28","modified_gmt":"2022-04-03T11:57:28","slug":"die-kreuzestheologie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=60","title":{"rendered":"Die Kreuzestheologie"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer meint, in der Auseinandersetzung mit der liberalen Theologie gehe es nur um belanglose Randfragen, der irrt sich gewaltig. Immer wieder versucht man den Graben zwischen liberaler Theologie und evangelikaler Theologie einzuebnen mit beschwichtigenden Worten wie, das ist alles gar nicht so entscheidend. Im Kern sind wir uns doch einig. Nat\u00fcrlich gibt es viele Randfragen in der Theologie oder in der Bibel, aber das, worum es in diesem Abschnitt geht, sind keine Randfragen. Auch setzt man sich bei einer Aufarbeitung der liberalen Theologie leicht dem Vorwurf aus, man wolle andere ausgrenzen oder sogar dem anderen den Glauben absprechen, das sei nicht im Sinne Jesu und deshalb abzulehnen. Aus diesem Bewusstsein heraus und aufgrund einer falsch verstandenen Verpflichtung zur Toleranz trauen sich viele nicht mehr, sich gegen die Unwahrheit und gegen Irrlehren zu erheben. Man vergisst dabei meistens, dass die Reformation und viele geistliche Aufbr\u00fcche in der Kirchengeschichte wie zum Beispiel die Bekenntnisbewegung im 19. Jahrhundert nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4ren ohne mutige Christen, die sich gegen den wachsenden Einfluss von falschen Lehren gewehrt haben. Schon zu Zeiten des Apostels Paulus machten sich Irrlehren breit, gegen die Paulus immer wieder vehement seine Stimme erhob. Der Anspruch, die Wahrheit zu verk\u00fcnden und die Verantwortung, diese gegen\u00fcber Irrlehren zu verteidigen, wurde so hoch eingesch\u00e4tzt, dass Paulus die Irrlehrer sogar verfluchen kann. Gal.1,8: \u201eAber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen w\u00fcrden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein anderes Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.\u201c In meinen Ausf\u00fchrungen bisher d\u00fcrfte auch immer wieder klar geworden sein, wie sich unser Bibelverst\u00e4ndnis und damit eng verbunden auch unser Gottesbild ver\u00e4ndern, wenn wir beginnen, die Denkvoraussetzungen der liberalen Theologie zu \u00fcbernehmen. Liberale Theologie ver\u00e4ndert unser ganzes Denken. Erinnern wir uns noch an den kleinen Finger, von dem Ernst Troeltsch spricht, wenn er das Potential beschreibt, mit dem die liberale Theologie unser ganzes Denken einnimmt. Deshalb k\u00f6nnen wir nicht einfach um des lieben Friedens willen schweigen zu dem, was l\u00e4uft. Wer schweigt, f\u00f6rdert das, was zugange ist. In der liberalen Theologie findet nicht nur eine Renovierung statt, sondern eine radikale Zerst\u00f6rung des alten Lehrgeb\u00e4udes. Dies geschieht allerdings langsam, aber stetig und so, dass es von vielen kaum bemerkt wird. \u00c4hnlich wie bei einem Frosch, den man ganz langsam wachsenden Wassertemperaturen aussetzt, sodass er es erst bemerkt, wenn es zu sp\u00e4t ist. Sp\u00e4testens bei den folgenden Themen sollte es uns allen wie Schuppen von den Augen fallen, was passieren kann und auch tats\u00e4chlich passiert!<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Worthaus-Vortrag bezieht Prof. Thomas Breuer Stellung zur Kreuzestheologie: Er beginnt mit den Worten: <em>\u201eHeute geht\u2019s ans Eingemachte\u201c. \u2026 Jesu Tod an sich ist sinnlos. Erl\u00f6send ist nicht der Tod am Kreuz, erl\u00f6send ist allein die Liebe Gottes.<\/em><em> Ein Gott, der gleichzeitig seinen Feinden vergibt und Menschenopfer f\u00fcr die Vergebung braucht, w\u00e4re schizophren\u201c.<\/em> Die traditionelle Kreuzestheologie wird heutzutage zunehmend auch von wichtigen Kirchenvertretern in Frage gestellt. So auch von dem katholischen Erzbischof Zollitsch aus Freiburg, der sich \u00f6ffentlich dazu bekennt, die Lehre vom S\u00fchnetod Jesu abzulehnen. Oder auch Nikolaus Schneider, ein ehemaliger EKD-Ratsvorsitzender und evangelischer Pfarrer, der sich kritisch zur S\u00fchnetodtheologie ge\u00e4u\u00dfert hat. Prof. Zimmer bei Worthaus: <em>\u201eAbendmahl ist die Zuwendungslust und Mitteilungsfreudigkeit Gottes\u201c.<\/em> Konsequenterweise m\u00fcssen die Theologen, die mit der S\u00fchnetheologie nichts anfangen k\u00f6nnen oder wollen, auch behaupten, dass die Einsetzungsworte: \u201eDies ist mein Leib, f\u00fcr Euch gegeben, \u2026dies ist mein Blut f\u00fcr Euch vergossen\u201c<strong>, <\/strong>Jesus von der nach\u00f6sterlichen Gemeinde in den Mund gelegt worden sind. Andernfalls w\u00fcrden sie mit ihrer Ablehnung Jesus selbst widersprechen. Das wiegt nat\u00fcrlich schwerer, als Paulus zu widersprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Aber es kommt noch schlimmer:<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus- Peter J\u00f6rns: ( In den neuen Gesichtern Gottes) einer Umfrage zufolge: <em>\u201eNur 50 {829020f0ca71a38f515c4e1454f4821e0b4f160772efa0a07baea5100c1b91f6} der Pfarrer glauben, dass die Kreuzigung was mit Erl\u00f6sung zu tun hat.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hierbei muss man wissen: Klaus Peter J\u00f6rns ist ein liberaler Theologe. Die obengenannte Aussage ist also keine b\u00f6se Verleumdung durch Evangelikale. Diese Umfrageergebnisse wurden im wichtigsten evangelischen Zeitschriften-Magazin, Chrismon, ver\u00f6ffentlicht. Das Erschreckende daran ist, dass es keinerlei Aufschrei daraufhin gegeben hat. J\u00f6rns vermutet selbst, dass es deshalb kaum Gegenreaktionen gegeben hat, weil sich viele Pfarrer in diesem Bild wiedererkannt haben. Um noch einen wichtigen Kommentar zu bringen:&nbsp; Chrismon: Prof. Klaus-Peter J\u00f6rns: <em>\u201eWer Jesus diese Gottesliebe glaubt, dem bleiben die alten Kreuzes- und Abendmahlslieder beim Singen im Halse stecken. Sehr viele Pfarrerinnen und Pfarrer empfinden es als Qual, aus den f\u00fcr die Passionszeit vorgesehenen Liedern und biblischen Lesungen etwas f\u00fcr die Gottesdienste auszuw\u00e4hlen. Sie wollen keine S\u00fchneopfertheorie mehr reproduzieren, die auf den Kopf stellt, was sie von Jesus und seiner Verk\u00fcndigung wissen\u2026.. eine solche ( S\u00fchneopfer) Deutung ist zeitbedingt, ein glaubensgeschichtliches Dokument, kein f\u00fcr immer g\u00fcltiges Glaubensgesetz.\u201c <\/em>&nbsp;Ganz sicher bleiben manchem Leser dieser S\u00e4tze die Worte im Hals stecken. Mancher mag sie wohl zweimal lesen, um sicher zu sein, dass er hier richtig gelesen hat. Ja aber, es stimmt: Die S\u00fchneopfertheologie wird heute dem modernen Wahrheitsbewusstsein geopfert. Man will nicht an einen Gott glauben, der durch den Tod seines eigenen Sohnes eine S\u00fchne f\u00fcr die Menschheit schafft. Was die Bibel dazu sagt, mag zwar eindeutig sein, aber was der moderne Mensch davon h\u00e4lt, mag genauso eindeutig sein, n\u00e4mlich nichts. Er f\u00fchlt sich autorisiert, eine Jahrtausende geltende grundlegende Wahrheit abzulehnen und damit sich auch offen gegen das in der Heiligen Schrift geoffenbarte Heilsangebot Gottes zu stellen. Mehr Rebellion, mehr antichristliche Irrlehre geht nicht&nbsp;&nbsp; Es ist erschreckend, wie offen heutzutage in der liberalen Theologie grundlegende Glaubenswahrheiten in Frage gestellt werden. Gleichzeitig zeigt die Dogmatik und die Heilslehre hier ihre Abh\u00e4ngigkeit vom prinzipiellen Bibelverst\u00e4ndnis. Das liberale Bibelverst\u00e4ndnis ist der Ausgangspunkt f\u00fcr eine derartige fehlgeleitete Kreuzestheologie. Wenn eine Rechnung am Anfang falsch ist, dann wird man am Ende kein richtiges Ergebnis erwarten k\u00f6nnen. Deshalb ist es so wichtig, die Denkvoraussetzungen der historisch- kritischen Theologie zu kennen und zu pr\u00fcfen. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her. Es macht keinen Sinn, die historisch- kritische Methode als hilfreiches Instrument der Bibelauslegung zu streicheln und das antichristliche Ergebnis am Ende wirksam bek\u00e4mpfen zu wollen. Nicht nur das Ziel ist verkehrt, sondern der Weg dorthin ist schon falsch. Wir sollten endlich aufh\u00f6ren, so zu tun, als k\u00f6nnte man den evangelikalen Weg und die liberale Sichtweise gleichwertig nebeneinanderstellen. Beide Wege k\u00f6nnten gegens\u00e4tzlicher nicht sein. Das sollte man sich bewusst machen, um nicht in die fromm verbr\u00e4mte, christlich motivierte Toleranzfalle zu tappen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun wird mancher versucht sein zu sagen: Diese Ablehnung der zentralen S\u00fchneopfertheologie ist ja auch ein Extremum und wird vermutlich auch nur von radikalen liberalen Theologen vertreten. Dass dies ein bedauerlicher Irrtum ist, habe ich vor kurzem erfahren. Die Kommentare zu diesem Thema in einem im Juli 2021 erschienen Buch (Glauben, lieben, hoffen) aus der freikirchlichen Szene geben traurigen Aufschluss dar\u00fcber. 12 freikirchliche Pastoren und ein Theologieprofessor an der theologischen Hochschule Ewersbach (FEG) haben darin ihre liberale Einstellung zum Ausdruck gebracht. Beim vorliegenden Thema stellt der Autor die Opferfunktion des Kreuzestodes Jesu folgenderma\u00dfen in Frage: &nbsp;<em>\u00bbJesus hat am Kreuz f\u00fcr uns Menschen die Schuld ges\u00fchnt, obwohl eigentlich wir den Tod verdient h\u00e4tten.\u00ab So oder \u00e4hnlich kann man es oft h\u00f6ren. \u2026 Stellvertretend tritt Jesus in die verh\u00e4ngte Strafe ein und nimmt sie auf sich. So s\u00fchnt er unsere Schuld. Lange und wirkm\u00e4chtig hat diese Vorstellung die Verk\u00fcndigung des Evangeliums in der Kirche gepr\u00e4gt. Durch eine falsche Voraussetzung hat diese Vorstellung lange eine Fehldeutung erfahren. Es entsteht das Missverst\u00e4ndnis, dass nicht die Menschen die S\u00fchne br\u00e4uchten, sondern Gott. \u2026 Dieses Motiv geh\u00f6rt eng mit der S\u00fchne- und Gerichtsvorstellung zusammen. Jesus tritt stellvertretend f\u00fcr uns ein und nimmt die Konsequenzen unserer S\u00fcnden auf sich. Probleme bereitet die Vorstellung, dass Stellvertretung manchmal als \u00dcbernahme von Strafe interpretiert wird. \u2026 Der Opferbegriff wird im Neuen Testament stellenweise f\u00fcr das Kreuz Jesu in Anspruch genommen \u2013 und das, obwohl Jesus durch die R\u00f6mer hingerichtet worden ist und sein Tod in keinem religi\u00f6s-rituellen Kontext stand.\u201c (S. 180-183).<\/em> Die S\u00fchne- und der Opferaspekt werden hier nicht so radikal abgelehnt, wie im obigen Text von Prof J\u00f6rns, doch man sp\u00fcrt auch hier die distanzierende Tendenz des Autors zu dieser Theologie. Wenn man das Buch liest, erkennt man jedoch an vielen Stellen, dass diese freikirchlichen Pastoren die Denkvoraussetzungen der liberalen Theologie verinnerlicht haben und offen propagieren. Wunder und die leibliche Auferstehung werden genauso in Frage gestellt wie Prophetie. Wer also einen Schnellkurs in liberaler Theologie machen m\u00f6chte, der kann dieses Buch lesen. Erschreckend nur, dass die liberale Theologie hier von freikirchlichen Pastoren vertreten wird. An der Stelle will ich erneut auf Dr. Markus Till hinweisen, der sich mit diesem Buch auseinandergesetzt hat und dazu einiges schreibt in seinem blog: Aufatmen in Gottes Gegenwart. Au\u00dferdem kann ich das Buch von Dr. Markus Till- \u201eZeit des Umbruchs\u201c- empfehlen, in dem er auch die neue Theologie der Ablehnung der S\u00fchneopfertheologie unter die Lupe nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man diese Kommentare zur S\u00fchneopfertheologie liest, bekommt man vielleicht den Eindruck, dass die Argumentationsweise und der Verweis auf die Liebe Gottes ganz eing\u00e4ngig und fromm sind. Wer die S\u00fchneopfertheologie ablehnt, muss sich bewusst sein, dass er sich nicht nur gegen ein altes Dogma der Kirche auflehnt. Er unterstellt damit Paulus ein falsches Kreuzesverst\u00e4ndnis, doch nicht nur Paulus, sondern allen anderen Aposteln, Martin Luther, allen Reformatoren, vielen Kirchenv\u00e4tern und christlichen Liederdichtern, den Bekenntnisbewegungen, dem Pietismus, den Erweckungsbewegungen und vielen Pfarrern auch heute. Eine derartige diametral dem Evangelium entgegengesetzte Sicht ist nur durch die Brille der historisch-kritischen Theologie denkbar. Der Theologe Werner Thiede spricht vom Kernbestand und innersten Heiligtum aller gro\u00dfen Konfessionen. Markus Till schreibt dazu: \u201e<em>Wer die Kreuzestheologie \u00e4ndert, verpasst dem Christentum keinen neuen Haarschnitt- er nimmt eine Herztransplantation vor.\u201c<\/em> Hier gibt es nichts mehr zu lachen. Die Ablehnung der biblischen S\u00fchneopfertheologie stellt sich offen gegen Gottes Rettungshandeln. Welche Anma\u00dfung, zu meinen, wir w\u00fcssten es besser, wie Gott uns unsere Schuld vergibt. Wir h\u00e4tten es wohl lieber, wenn Gott auf uns zuk\u00e4me und einfach sagen w\u00fcrde, Schwamm dr\u00fcber. Die Dornenkrone Jesu Christi ist uns ein Dorn im Auge. Das Bild von einem zornigen Gott, der S\u00fchne f\u00fcr unsere Vergehen fordert, gef\u00e4llt uns nicht, deshalb h\u00e4ngen wir es einfach ab. Mir kommt das vor wie ein Angeklagter vor Gericht, der selbst \u00fcber die Art der Strafe f\u00fcr seine Schuld verf\u00fcgen will. Im Kreuzestod kommt nicht nur Gottes Liebe zum Ausdruck, sondern auch seine Heiligkeit und Gerechtigkeit. Wer Jesu Tod als S\u00fchne f\u00fcr uns Meschen ablehnt, macht Gott zu einem guten alten Opa mit Rauschebart, der nicht mehr so genau hinschaut. Das ist der Grund, warum viele liberale Theologen auch mit dem Alten Testament nichts mehr anfangen k\u00f6nnen, weil hier Gott oft als richtender Gott auftritt. Allerdings w\u00fcrden wir ohne AT dem Kreuz einen Balken abbrechen. Gott wei\u00df, warum er vor das Kreuz die Zeit des Alten Testamentes gesetzt hat. Das Kreuz zeigt, wie schwer S\u00fcnde und Schuld vor Gott wiegen. Seine Liebe am Kreuz und den Wert der Vergebung kann ich nur ermessen, wenn mir die Schwere meiner S\u00fcnden vor Gott bewusst werden. Genau das will Paulus den R\u00f6mern in den ersten Kapiteln seines Briefes sagen. Gottes Liebe und Gottes heiliger Zorn, die im Kreuz verbunden sind, sind der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Rechtfertigung. Wer den heiligen Zorn Gottes streicht, hat die Rechtfertigungslehre, wonach der Mensch allein durch Glauben gerettet wird, nicht verstanden. Wir k\u00f6nnen diese beiden Komponenten des Kreuzes genauso wenig trennen, wie wir Jesu g\u00f6ttliche Natur von Jesu menschlicher Natur trennen k\u00f6nnen. &nbsp;Man sieht hier ein weiteres mal, wie die historisch kritische Theologie wichtige Zusammenh\u00e4nge der gesamten Heilslehre zerst\u00f6rt. Um an diesen Kern des Evangeliums ranzukommen, muss die liberale Theologie allerdings vorher viele andere diesen Kern umgebende Wahrheiten zerst\u00f6ren. Der Entscheidende Schlag gegen das Zentrum der guten Botschaft kann nur gelingen, wenn ich vorher die Echtheit vieler Evangelien-Texte und die Authentizit\u00e4t der Briefe im NT ausreichend unglaubw\u00fcrdig gemacht habe. Andernfalls w\u00fcrde ein liberaler Theologe, der die S\u00fchnetheologie leugnet, sich dem vernichtenden Urteil Gottes in Galater 1 aussetzen, \u00e4hnlich einem Politiker, der dem schlechten Urteil \u00fcber seine Politik dadurch entkommt, dass er seinen Kontrahenten vorher unglaubw\u00fcrdig macht. Um dies nochmal deutlich vor Augen zu f\u00fchren, m\u00f6chte ich R\u00f6mer 3 zitieren. Man wird diese Verse, die stellvertretend f\u00fcr viele \u00e4hnlich lautende Verse der Bibel stehen, nochmal mit einer ganz anderen Wahrnehmung lesen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDenn es ist hier kein Unterschied: Sie sind allesamt S\u00fcnder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erl\u00f6sung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott f\u00fcr den Glauben hingestellt zur S\u00fchne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die S\u00fcnden vergibt, die fr\u00fcher begangen wurden in der Zeit der Geduld Gottes, um nun, in dieser Zeit, seine Gerechtigkeit zu erweisen, auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.\u201c 2.Petrus 2:1: Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch sein werden, falsche Lehrer, die verderbliche Irrlehren einf\u00fchren und verleugnen den Herrn, der sie erkauft hat\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Was hei\u00dft erkauft? Er hat f\u00fcr uns bezahlt. Er hat einen Preis bezahlt, und zwar den des eigenen Todes! 1.Johannes 2:1: Und er ist die Vers\u00f6hnung f\u00fcr unsere S\u00fcnden, nicht allein aber f\u00fcr die unseren, sondern auch f\u00fcr die der ganzen Welt. Hier wird doch eindeutig klar, dass die S\u00fchneopfertheologie keine Erfindung von irgendwelchen blutr\u00fcnstigen, raches\u00fcchtigen Christen im Fr\u00fchchristentum oder gar im Mittelalter war, sondern ureigenste christologische Lehre der Bibel. Jesus selbst hat sie eingef\u00fchrt im Abendmahl kurz vor seiner Kreuzigung. Da mag unser modernes psychologisch motiviertes Verst\u00e4ndnis von Schuld und Vergebung oder unser liberal kontaminiertes Gottesbild noch so sehr seine Bedenken anmelden, nach den Aussagen der Bibel starb Jesus am Kreuz, um f\u00fcr unsere Schuld zu bezahlen. Wenn das nicht mehr gilt, dann gilt nichts mehr, dann kann ich einpacken und die Bibel aufgeben. Wenn ich eine derartig eindeutig in der Heiligen Schrift verankerte Wahrheit nicht mehr stehen lasse, worauf kann ich dann \u00fcberhaupt noch bauen. Glauben denn die Vertreter der Kreuzes-ablehnungstheologie tats\u00e4chlich, sie w\u00fcssten besser, wie Gott Schuld vergibt? &nbsp;Im Vertrauen auf diese S\u00fchne hat auch Ludwig Graf von Zinzendorf das Lied geschrieben: \u201eChristi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid\u201c oder ein anderes Lied von Johann Heerman: \u201e<em>Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? Ach, meine S\u00fcnden haben dich geschlagen. Ich mein Herr Jesu, habe dies verschuldet, was du erduldet.&nbsp; Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet f\u00fcr die Schafe. Die Schuld bezahlt der Herr, der Gerechte, f\u00fcr seine Knechte.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>John Stott schreibt dazu: \u201e<em>Wir m\u00fcssen an der biblischen Offenbarung des lebendigen Gottes festhalten, der das B\u00f6se hasst, von ihm angewidert und erz\u00fcrnt ist und sich weigert, sich jemals damit abzufinden. Doch dem modernen Menschen sind diese Gedanken fremd. Die Art von Gott, die den meisten Menschen heute genehm w\u00e4re, w\u00fcrde unsere \u00dcbertretungen gelassen tolerieren. Er w\u00e4re sanft, freundlich, entgegenkommend und h\u00e4tte keinerlei heftige Reaktion. Ungl\u00fccklicherweise scheinen wir selbst in der Kirche die Vision der Majest\u00e4t Gottes verloren zu haben. Es gibt viel Seichtigkeit und Leichtfertigkeit unter uns\u2026 . Nur wer die Gr\u00f6\u00dfe des Zorns kennt, wird von der Gr\u00f6\u00dfe des Erbarmens \u00fcberw\u00e4ltigt.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Beim vorliegenden Thema wurde mir einmal mehr bewusst, wie das eigene Denken und das subjektive menschliche Empfinden zum Ma\u00dfstab f\u00fcr die Beurteilung von Glaubensinhalten gemacht wird. Nicht was in der Bibel eindeutig steht, ist der Ma\u00dfstab f\u00fcr mein Denken und Handeln, sondern was mir mein modernes Empfinden sagt. Wenn mich die Kreuzestheologie von Paulus st\u00f6rt, dann muss ich sie mir eben gef\u00fcgig machen. Mit einem wahnsinnigen \u00dcberlegenheitsgestus erlaube ich mir, im Neuen Testament gut verankerte und jahrhundertealte Glaubensinhalte \u00fcber Bord zu werfen und sie dem vermeintlich fortschrittlichen Denken unserer Zeit zu opfern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt die ber\u00fchmten S\u00e4tze von Paulus an die Korinther in 1. Kor 1:18:\u201eDenn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden ist es eine Gotteskraft. Denn es steht geschrieben (Jesaja 29:14) Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verst\u00e4ndigen will ich verwerfen. Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt, selig zu machen, die daran glauben.<\/p>\n\n\n\n<p>An der ver\u00e4nderten Kreuzestheologie zeigt die liberale Theologie ihr wahres Gesicht. Sie macht in Wirklichkeit vor nichts Halt, was ihr an umfassend bezeugten und gut verankerten biblischen Glaubensinhalten im Weg steht. Keine Wahrheit ist ihr so heilig, dass man sie nicht mit scheinbar frommer Motivation in den geistlichen M\u00fcll werfen k\u00f6nnte. Eine Sache, die an der Ablehnung der S\u00fchnetheologie auch sehr sch\u00f6n erkennbar ist: Hat man erst mal angefangen, Teile der Bibel als heute nichtmehr tragbar zu entfernen, wie die Strafgerichte im AT, dann lassen weitere Verluste auch von neutestamentlichen Wahrheiten nicht lange auf sich warten. Warum ist das so?&nbsp; Weil die Kreuzestheologie auf das gesamte AT, angefangen vom S\u00fcndenfall bis zur R\u00fcckkehr aus der babylonischen Gefangenschaft, aufbaut.&nbsp; &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Allvers\u00f6hnung = Apokatastasis<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist kein ausschlie\u00dflich in der historisch kritischen Theologie angesiedeltes Thema. Es gab auch namhafte, einflussreiche pietistische Pfarrer, wie Johann Albrecht Bengel (gest. 1752), die an eine Allvers\u00f6hnung geglaubt haben. In neuerer Zeit ist Karl Barth zu nennen oder Hans Joachim Eckstein, die die Lehre von der Allvers\u00f6hnung vertreten. Nach meiner Einsch\u00e4tzung gibt es 2 Arten einer Allvers\u00f6hnung: 1.Alle Menschen kommen gleich nach dem Tod in den Himmel. 2. Nach einer Zeit der Strafe kommen schlie\u00dflich auch die zu Lebzeiten Ungl\u00e4ubigen in den Himmel. F\u00fcr beide Versionen der Allvers\u00f6hnungslehre gibt es in der Bibel kaum Anhaltpunkte. In der Bibel ist die Lehre vom Straf-Gericht und von der H\u00f6lle durch viele Aussagen von Jesus und den Aposteln gut verankert. Die Sprache von Rettung und Verlorenheit sowie von Verdammnis, die vor allem auch Jesus gebraucht, w\u00e4re sinnlos, wenn es diese Welten nicht g\u00e4be. Dass sich dieser Sprachgebrauch nur auf das diesseitige Leben bezieht, wie manchmal behauptet wird, ist auch nicht denkbar, weil diese Zustandsbegriffe h\u00e4ufig dem Himmel oder dem ewigen Leben bei Gott gegen\u00fcbergestellt werden. Ich m\u00f6chte jetzt keine differenzierte Betrachtungsweise der Allvers\u00f6hnungslehre hier liefern. Mein Thema ist die Stellung der historisch- kritischen Theologie zu diesem Thema. Nach meiner Einsch\u00e4tzung geh\u00f6rt die Allvers\u00f6hnungslehre zu den Kennzeichen der liberalen Theologie. Um es noch etwas sch\u00e4rfer zu sagen: Die liberale Theologie hat die Lehre vom doppelten Ausgang des Gerichtes bzw. von der H\u00f6lle aus ihrem Predigtarsenal gestrichen. Es d\u00fcrfte schwer sein, unter den liberalen Theologen, noch einen zu finden, der eine H\u00f6llentheologie vertritt. Hierzu gibt es einen guten Vortrag von Bibel und Bekenntnis von einem Schweizer Professor, den ich sehr empfehlen kann. Die Organisation -Bibel und Bekenntnis- wei\u00df nat\u00fcrlich, warum sie einen Vortrag zu diesem Thema auf die Agenda setzt. Weil die Predigt \u00fcber dieses Thema in der Kirche allgemein nicht mehr pr\u00e4sent ist. F\u00fcr die liberale Theologie ist es meistens ein rotes Tuch. Warum, weil es wieder das von der Aufkl\u00e4rung gepr\u00e4gte menschliche Empfinden extrem st\u00f6rt. Prof. Zimmer dazu: <em>\u201eEs gibt keine wie auch immer geartete H\u00f6lle, der Glaube an eine ewige Verdammnis zeuge von einem eiskalten Glauben und primitiver Moral. Der Teufel sei (sehr wahrscheinlich) keine Person. Wer in der Schlange im Sch\u00f6pfungsbericht den Teufel erkennt, sei balla balla\u201c<\/em> aus Markus Till unter Worthaus, universit\u00e4re Theologie f\u00fcr Evangelikale? Die liberale Theologie hat es schon l\u00e4ngst geschafft, es aus dem Kern der Botschaft von Jesus zu entfernen. S\u00fcnde, Schuld, S\u00fchne, Strafe sowie H\u00f6lle und Verdammnis geh\u00f6ren nicht mehr zum Vokabular der liberalen Theologie. Meist kommt dann das Argument, man d\u00fcrfe doch den Menschen keine Angst machen. Niemand k\u00f6nne doch wollen, dass Menschen aus Angst sich an Jesus wenden. S\u00e4tze wie:\u201c Das Evangelium sei doch keine Drohbotschaft, sondern Frohbotschaft\u201c, werden hier ins Feld gef\u00fchrt. Das ist so, wie wenn man einem Arzt sch\u00e4ndliche Angstmacherei vorwerfen wollte, wenn er einen Raucher auf die sch\u00e4dlichen Folgen des Rauchens hinweisen w\u00fcrde. Ich will nicht ausschlie\u00dfen, dass man dieses Thema in der Kirchengeschichte missbraucht hat, um Bekehrungsunwillige unter Druck zu setzen. Heute fallen wir allerdings ins gegenteilige Extrem und \u00fcbersehen allzu leicht, dass Jesus hier kein Blatt vor den Mund genommen hat. \u00dcber die Methoden der Evangelisation kann man sich streiten, aber zu behaupten, die H\u00f6lle und der Teufel sei ein Relikt aus dem Mittelalter und geh\u00f6re zur Geister- und Wunderwelt des Neuen-Testamentes, das man getrost streichen kann, ist nach meiner Einsch\u00e4tzung fatal. Dass dieses Thema verschwiegen wird, h\u00e4ngt \u00fcberwiegend damit zusammen, dass man nicht glauben will, dass es diese Dinge gibt. Die liberale Theologie hat ihren Sch\u00fclern ausgeredet, dass es eine Verdammnis gibt. Die Lehre von der ewigen Verdammnis passt nicht in das Bild von Jesus, das man mit der historischen Kritik gemalt hat. Nat\u00fcrlich kann man alle Stellen im neuen Testament \u00fcber dieses Thema mit Hilfe der selbstgew\u00e4hrten Freiheit in der Bibelkritik ohne weiteres als unecht erkl\u00e4ren und der Gemeindebildung in die Schuhe schieben. Man erinnere sich an den Satz von Prof. Klaus Berger: \u201e<em>Das Unechte ist meist das Unbeliebte\u201c<\/em>. Wenn es die Verdammnis aber doch gibt, dann machen wir einen schweren Fehler, dann ist das im h\u00f6chsten Grad verantwortungslos. Wenn ich mein Kind nicht warne vor den schlimmen Gefahren einer Giftflasche im Kellerregal, dann mache ich mich mitverantwortlich, wenn was passiert. Markus Till vergleicht die h\u00f6llenlose liberale Theologie mit einer Firma, die Rettungsringe produziert, die nicht schwimmf\u00e4hig sind. Man wirft Ertrinkenden diese Rettungsringe zu. Die Lehre von der Allvers\u00f6hnung, wonach alle Menschen durch die Vergebung unabh\u00e4ngig von ihrem Glauben gerettet werden, ist die furchtbarste Botschaft, die man sich denken kann. Wir kennen die Geschichten, in denen irgendwelche selbsternannte Wunderheiler Krebskranke von einer kurativen (lebensrettenden) Behandlung abhalten. Es ist wie ein Kfz-Mechaniker, der die Reifen eines Kunden wechselt, dabei die Schrauben aber nicht anzieht und ihn dann mit dem Auto losschickt in der Gewissheit, das alles in Ordnung ist. Wichtig ist auch, zu unterscheiden zwischen Drohung und Verdammung. Eine Drohung ist etwas anderes als jemand konkret zur H\u00f6lle zu verdammen. Eine Drohung hat die Funktion der intensiven Mahnung, wobei uns immer bewusst sein sollte, dass nicht wir Menschen das letzte Urteil sprechen, sondern Gott. Das ist gemeint, wenn Jesus sagt, dass wir nicht richten sollen oder wenn Paulus den Korinthern sagt, dass sie nicht vor der Zeit richten sollen. 1.Kor4,5:&nbsp;\u201eDarum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und das Trachten der Herzen offenbar machen wird. Dann wird auch einem jeden von Gott Lob zuteilwerden.\u201c &nbsp;Das \u00e4ndert aber nichts daran, dass Paulus zwei Kapitel sp\u00e4ter Kriterien nennt, die vom Reich Gottes ausschlie\u00dfen. ( Lasterkatalog: 1.Kor 6.9 ff). F\u00fcr den modernen Leser klingt das zun\u00e4chst hart und schl\u00e4gt genau in die Kerbe der Drohbotschaft. Liest man aber die ganze Stelle mit Vers 11, dann wird hier auch der Weg zum Heil deutlich gemacht. Paulus bleibt nicht bei der Drohung stehen, sondern zeigt die L\u00f6sung: (1.Kor 6,11) \u201eUnd solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.\u201c Jesus w\u00e4scht rein. Jesus rettet von der Verdammnis. Eine Drohbotschaft ist nur dann brutal, wenn sie einem \u00fcberbracht wird, der keine Chance zur Umkehr hat. Doch bei Jesus gibt es keine Menschen, die nicht umkehren k\u00f6nnten. Insofern ist die Drohbotschaft in Wirklichkeit eine dem eigensinnigen Menschen angemessene Liebesbotschaft. Sie ist das Werben um die notwendige Umkehr zu Jesus mit verst\u00e4rkten Mitteln der Ernsthaftigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich ist es mit der Angst. Die Rede vom Strafgericht ist keine Angstmacherei. Angstmacherei w\u00e4re sie, wenn sie keinen realen Bezug h\u00e4tte. Das Neue Testament macht aber unzweideutig klar, dass es ein Gericht geben wird, und zwar f\u00fcr die, die es ignorieren oder leugnen. Johannes 3, 18: \u201eWer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Der Weg aus dem Gerichtsurteil Gottes ist nicht etwa, die Ernsthaftigkeit der Folgen herunterzuspielen, sondern die Folgen ernst zu nehmen und seine Vergebung in Anspruch zu nehmen. Das ist mit Glauben an den Namen des eingeborenen Sohnes gemeint, der f\u00fcr die gesamte Heilsbedeutung Christi steht. Deshalb warnt Jesus und das NT so eindringlich vor Ignoranz oder Arroganz der einfachen Botschaft der Bed\u00fcrftigkeit der Bu\u00dfe gegen\u00fcber. Sie wegzulassen bedeutet, jemand sich selbst zu \u00fcberlassen. Gott kennt den Menschen zu genau, als dass er nicht w\u00fcsste, dass er viele Taten nur aus Angst l\u00e4sst. Man k\u00f6nnte auch sagen: Angst ist ein lebensnotwendiges Gef\u00fchl, das uns sch\u00fctzt vor den Bedrohungen des Lebens. Abgesehen von krankhafter oder \u00fcbersteigerter Angst ist sie ein wichtiger Faktor, um unbeschadet leben zu k\u00f6nnen. Dass ich beim Fahrradfahren einen Helm trage, ist der Angst vor einer schweren Kopfverletzung geschuldet. Aber auch bei gro\u00dfen politischen Entscheidungen steht die Angst vor einer Bedrohung im Hintergrund. Klaus Berger f\u00fchrt hier als Beispiel den Atomausstieg an. \u201e<em>Er wurde vollzogen, weil Menschen Angst bekommen haben, dass es ihnen bald so ergeht wie den Menschen in Fukushima\/Japan.\u201c Nicht die theoretische Einsicht bescherte den Ausstieg, sondern die sehr konkrete Angst. Und alles Angst machen hat immer den Sinn, noch gr\u00f6\u00dfere Katastrophen zu verhindern. So ist das Angstmachen eine konkrete Form der Liebe, eben dann, wenn gutes Zureden und theoretische Einsicht nichts helfen, weil Menschen immer wieder vor allem um ihren Besitz f\u00fcrchten; um diesen zu sichern, warten sie oft, bis es zu sp\u00e4t ist.- Und so ist es auch mit der Allvers\u00f6hnung.\u201c <\/em>&nbsp;Eine angstfreie Allvers\u00f6hnung zu predigen w\u00e4re angesichts des klaren biblischen Zeugnisses vom Endgericht verantwortungslos. Es w\u00e4re um ein Vielfaches verantwortungsloser, als die Gefahren der Atomenergie herunterzuspielen. Man w\u00fcrde doch dem Alpenverein nicht Angstmacherei vorwerfen, wenn sie einen auf Wanderkarten vor den Gefahren mancher Strecken warnen. Genauso wenig kann man der Heiligen Schrift vorwerfen, dass sie uns vor den Konsequenzen unseres s\u00fcndhaften Handelns warnt und auf die Rettung vor diesen Konsequenzen hinweist. Insofern kann man die Predigt vom Endgericht nicht eliminieren, ohne die Notwendigkeit der Umkehr zu verlieren und dadurch den Weg zum ewigen Leben zu verfehlen. Gerade durch das Aufzeigen der Gerichtskonsequenz ergibt sich der hohe Wert und die Bedeutung des Kreuzestodes Jesu. Auf diesem Hintergrund schreibt Paulus an die Philipper 2,12 dass wir mit Furcht und Zittern danach streben sollen, selig zu werden. Oder deshalb sagt Jesus selbst: Matth 10,28: \u201eUnd f\u00fcrchtet euch nicht vor denen, die den Leib t\u00f6ten, doch die Seele nicht t\u00f6ten k\u00f6nnen; f\u00fcrchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der H\u00f6lle.\u201c Wir merken also, es geht hier nicht um eine psychologisch kontaminierte Angstdiskussion, sondern es geht um reale Bedrohungen, vor denen uns die Bibel in konkreter Weise aber nie ohne den warmen gewinnenden Unterton warnt. In Philipper 2,13 hei\u00dft es: \u201e\u2026denn Gott ist es, der beides vollbringt das Wollen und das Vollbringen\u201c, und in Matth. 10,29f : &nbsp;\u201eDennoch f\u00e4llt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gez\u00e4hlt. Darum f\u00fcrchtet euch nicht; ihr seid kostbarer als viele Sperlinge.\u201c &nbsp;In der Bibel baut die Einladung zur Bekehrung immer auf dem Ernst des Verlorenseins auf. Gerade weil es um alles geht, n\u00e4mlich um das ewige Leben, gebraucht die Bibel das harte Wort. Es gibt einen klaren Grund, warum die Bibel nicht darauf verzichten kann, mit kr\u00e4ftigen Worten unsere Angst anzusprechen. Das ist unser Eigensinn und unsere Scheinunabh\u00e4ngigkeit. Der Mensch und ganz besonders der aufgekl\u00e4rte Mensch der Neuzeit will sich von niemand etwas vorschreiben lassen. Er wei\u00df alles immer besser. Und vor allem hat er es aus eigener Kraft mithilfe des liberalen Bibelverst\u00e4ndnisses geschafft, die Bedrohung durch ein Verlorensein, was man auch H\u00f6lle nennen kann, abzuschaffen. Ohne H\u00f6lle keine Angst, ohne Gericht keine Schuld, ohne Verdammnis keine Notwendigkeit zur Umkehr mehr. Die Allvers\u00f6hnung klingt verlockend, weil sie unser eigentliches unangenehmes Problem, n\u00e4mlich die S\u00fcnde, theologisch eliminiert. Sie ist wie die Binde, die ich anlege, um keine Angst mehr haben zu m\u00fcssen vor dem Absturz. <em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Viele Christen auch in evangelikalen Kreisen \u00fcberlegen sich krampfhaft, wie sie den Glauben schmackhaft machen k\u00f6nnen. Lebenshilfe, ein neues Selbstwertgef\u00fchl, Halt im Leben, neue Gemeinschaft in der Gemeinde, alles Dinge, die man durch Jesus bekommen kann, allerdings brauchen das viele Menschen gar nicht, weil sie diese Werte auch ohne Jesus besitzen. Zumindest in den reichen L\u00e4ndern. \u00dcber das, was sie nicht haben, aber auch brauchen, n\u00e4mlich das ewige Leben, schweigen wir. Was sage ich den Menschen, die in muslimischen L\u00e4ndern zu Jesus kommen wollen. Wenn die zum christlichen Glauben \u00fcbertreten, dann verlieren sie alle oben genannten Werte. In der westlichen Welt bieten wir Menschen Antworten auf Fragen an, die sie gar nicht stellen. Die frohe Botschaft besteht nicht in erster Linie darin, dass ich den Leuten eine Antwort auf Fragen zur Zufriedenheit im Leben anbieten kann, zumal manche Probleme erst mit dem Glauben beginnen, sondern dass sie gerettet werden f\u00fcr Zeit und Ewigkeit. Der Glaube ist kein Wellnesshotel, in dem ich f\u00fcr eine begrenzte Zeit entspannen kann. Die wichtigste Frage im Leben ist: Wie komme ich in den Himmel? Da haben wir Christen eine Antwort darauf. Zuerst muss ich allerdings sagen, dass sie ohne Jesus verloren gehen. Joh.3,16: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Nach Rettung kann ich nur fragen, wenn es ein Verlorengehen gibt. Die Rede von der Rettung macht nur vor dem Hintergrund einer drohenden Katastrophe Sinn<strong>. <\/strong>\u201eIch bin gekommen, um zu retten, was verloren ist.\u201c K\u00f6nnte es sein, dass sich deshalb so wenig Menschen heute bekehren, weil sie die Notwendigkeit nicht mehr sehen. Die historisch kritische Theologie hat hier einen gro\u00dfen Beitrag dazu geleistet.<\/p>\n\n\n\n<p>Dietrich Bonhoeffer schreibt dazu:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf geht heute um die teure Gnade. Billige Gnade hei\u00dft Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderten Trost, verschleudertes Sakrament; Gnade als unersch\u00f6pfliche Vorratskammer der Kirche, aus der mit leichtfertigen H\u00e4nden bedenkenlos und grenzenlos ausgesch\u00fcttet wird; Gnade ohne Preis, ohne Kosten. \u2026 Wer sie bejaht, der hat schon Vergebung seiner S\u00fcnden. \u2026 In dieser Kirche findet die Welt billige Bedeckung ihrer S\u00fcnden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht w\u00fcnscht. \u2026Das ist billige Gnade als Rechtfertigung der S\u00fcnde, aber nicht als Rechtfertigung des bu\u00dffertigen S\u00fcnders, der von seiner S\u00fcnde l\u00e4sst und umkehrt. \u2026 Billige Gnade ist die Gnade, die wir mit uns selbst haben. Billige Gnade ist Predigt der Vergebung ohne Bu\u00dfe, ist Taufe ohne Gemeindezucht, ist Abendmahl ohne Bekenntnis der S\u00fcnden, ist Absolution ohne pers\u00f6nliche Beichte. Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch zu Zeiten von Bonhoeffer war die billige Gnade bzw. die Allvers\u00f6hnung ein gro\u00dfes Thema. Wer heute genau hinh\u00f6rt, vernimmt \u00fcberall den Fl\u00fcsterton der billigen Gnade. Menschen werden angesprochen, aber nicht herausgefordert. Menschen werden mit dem Weihrauch der Allvers\u00f6hnung benebelt, statt sie mit der klaren Botschaft von Bu\u00dfe und Bekehrung zu rufen. Das Abendmahl wird heute drinnen gefeiert, w\u00e4hrend Jesus immer noch drau\u00dfen vor der T\u00fcr steht. Anstatt reinen Wein einzuschenken, jubeln wir den Leuten billigen Fusel unter, der nicht nur krank macht, sondern schlie\u00dflich t\u00f6dlich endet. &nbsp;Der Aufruf zur Bekehrung erweckt im Denken der liberalen Theologie den Vorwurf, man setze die Menschen unter Druck. In Wirklichkeit ist die Allvers\u00f6hnungslehre geistlicher Missbrauch. Wer heute auf die Predigt von Gericht und Verdammnis verzichtet, der hat sich nicht nur von der HKT einsch\u00fcchtern lassen, sondern stellt sich offen gegen das Evangelium von der teuren Gnade. Von einem Erweckungsprediger stammt der Satz: <em>Man sollte den Leuten nicht mit so viel falscher Liebe begegnen, als sie viel mehr durch ein scharfes Wort vor der Verdammnis retten.<\/em> Echte Liebe zeigt sich gerade darin, dass ich den Weg zum ewigen Leben aufzeige. Das ewige Leben ist mehr als ein bisschen Zufriedenheit oder Selbstwertgef\u00fchl. Das ewige Leben ist ein Leben in ewiger und unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer meint, in der Auseinandersetzung mit der liberalen Theologie gehe es nur um belanglose Randfragen, der irrt sich gewaltig. Immer wieder versucht man den Graben zwischen liberaler Theologie und evangelikaler Theologie einzuebnen mit beschwichtigenden Worten wie, das ist alles gar nicht so entscheidend. 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