{"id":57,"date":"2022-04-03T11:55:09","date_gmt":"2022-04-03T11:55:09","guid":{"rendered":"https:\/\/martin.quitesmall.de\/?page_id=57"},"modified":"2022-04-03T11:55:09","modified_gmt":"2022-04-03T11:55:09","slug":"jungfrauengeburt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=57","title":{"rendered":"Jungfrauengeburt"},"content":{"rendered":"\n<p>An den deutschen staatlichen theologischen Fakult\u00e4ten gibt es wohl kaum noch Theologieprofessoren, die an eine Jungfrauengeburt glauben oder dies f\u00fcr wichtig halten. Wenn man heute eine Umfrage zur Historizit\u00e4t der Jungfrauengeburt an den theologischen Ausbildungsst\u00e4tten machen w\u00fcrde, dann w\u00e4re dieses Thema an oberster Stelle der Abschussliste. Die Jungfrauengeburt wird heute in der Regel nur noch auf einer theologischen Ebene f\u00fcr glaubhaft gehalten. Die Historizit\u00e4t wird zumindest stark in Frage gestellt, meist mit dem Zusatz, das sei auch gar nicht so wichtig. Auch in Texten der EKD, die ich gelesen habe, verwendet man eine derartige unspezifische Sprache. Als allseits bekannte Theologin und ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, die eine historische Dimension der Jungfrauengeburt ablehnt, w\u00e4re Margot K\u00e4\u00dfmann zu nennen. Sie \u00e4u\u00dfert in einem Spiegelinterview: <em>\u201eDa bin ich ganz Theologin des 21.Jahrhunderts, Ich glaube, dass Maria eine junge Frau war, die Gott vollkommen vertraut hat, aber dass sie im menschlichen Sinn Jungfrau war, das glaube ich nicht\u201c. <\/em>Nichts anderes vertritt auch der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider. In einem IDEA-Interview bekennt er, dass f\u00fcr ihn Jesus der leibliche Sohn von Josef sei, der erst bei der Taufe als \u201eSohn Gottes\u201c adoptiert wurde. Die Aussage im Glaubensbekenntnis, \u201egeboren von einer Jungfrau\u201c, <em>sei f\u00fcr den Glauben \u201enicht entscheidend\u201c<\/em> und er f\u00fcgt hinzu: <em>\u201eVern\u00fcnftige Menschen fragen sich, was in Glaubensfragen mehr oder weniger wichtig ist. Wer alles gleich wichtig nimmt, ist ein Fundamentalist!\u201c<\/em> \u00a0Genauso ablehnend steht der Jungfrauengeburt der neue EKD-Ratsvorsitzende Prof. Heinrich Bedford-Strohm gegen\u00fcber. Er meint: <em>\u201eWenn man von der Jungfrauengeburt spricht, ist das Entscheidende, dass Jesus als ein ganz besonderer Mensch gekennzeichnet werden soll \u2026 Es geht darum zu zeigen, dass dieser Mensch vom Geist Gottes beseelt war &#8211; und das von Anfang an.\u201c<\/em> F\u00fcr ihn sei die Jungfrauengeburt \u201ekein zentraler Bestandteil des Glaubens\u201c. (Aus: \u201eStreit um Weihnachten\u2013 Geboren von der Jungfrau Maria?\u201c von Alexander Schick). <em>\u00a0<\/em>Olav Latzel, ein evangelikaler Bremer Pfarrer, der vielen aus dem Internet bekannt sein d\u00fcrfte, hat in einem Vortrag berichtet, wie bei einer Weihnachtsfeier von vielen Pfarrerinnen und Pfarrern man sich gewundert habe, dass es noch wenige Pfarrer gebe, die an eine Jungfrauengeburt glaubten. Er sei auf die Behauptung einer Rednerin, \u201ean die Jungfrauengeburt glaube wohl heute keiner mehr\u201c, zusammen mit wenigen anderen aufgestanden und habe protestiert: \u201eDoch wir schon noch\u201c! Ich kann mich erinnern, dass ich w\u00e4hrend meiner Schulzeit auch von meinem damaligen liberalen Religionslehrer, der uns die Methodenschritte der historisch kritischen Theologie n\u00e4herbringen wollte, mit den Zweifeln an der Jungfrauengeburt konfrontiert worden bin. Dass man vielleicht einzelne Elemente der Urgeschichte historisch in Frage stellt, habe ich damals noch verstehen k\u00f6nnen, dass man jedoch so einen zentralen Punkt wie die Jungfrauengeburt in Frage stellte, das konnte ich zun\u00e4chst nicht verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum stellt man die Jungfrauengeburt in Frage?<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"1\"><li>Eine Jungfrauengeburt sei biologisch-medizinisch nicht m\u00f6glich. Sie widerspreche den Naturgesetzen<\/li><li>Das \u00e4lteste Evangelium, das Markusevangelium, enthalte keine Kindheitsgeschichte. Nur Matth\u00e4us und Lukas berichten dar\u00fcber und dann auch in sehr unterschiedlichen Weisen. Das Matth\u00e4us und Lukas-Evangelium seien j\u00fcnger und seien deshalb von der nach\u00f6sterlichen Gemeinde aufgrund einer im Vergleich zum 1. Evangelium l\u00e4ngeren \u00dcberlieferungsschichte st\u00e4rker an die Glaubensinhalte der Gemeinde angepasst worden. So habe sich die Lehre von der Doppelnatur Jesu auch in der Auseinandersetzung mit den gnostischen Einfl\u00fcssen schon st\u00e4rker herauskristallisiert. Man habe deshalb Jesus eine Jungfrauengeburt angedichtet.<\/li><li>Matth\u00e4us habe eine prophetische Aussage \u00fcber eine Jungfrauengeburt in Jesaja 7,1 erf\u00fcllt sehen wollen. Matth\u00e4us erw\u00e4hnt dies in seinem Bericht, habe diese Stelle, wo nur von einer Geburt von einer jungen Frau die Rede sei, selbst missverstanden oder umgedeutet in eine Jungfrau.<\/li><li>Paulus spreche nirgends von einer Jungfrauengeburt. Dies scheine zu seiner Zeit noch nicht allgemein anerkannte Lehre gewesen zu sein. Paulus habe seine Briefe alle vor der Abfassung des Lukas- und Matth\u00e4us-Evangeliums geschrieben.<\/li><li>Es gebe auch in nichtj\u00fcdischen Kulturen der damaligen Zeit Erz\u00e4hlungen, in denen gro\u00dfe Helden (Alexander der Gro\u00dfe, Perseus und Heracles, Plato) aus einer Verbindung zwischen Gott und Mensch hervorgegangen seien. Die junge christliche Gemeinde habe diese Mythen aus anderen Kulturen \u00fcbernommen, um die G\u00f6ttlichkeit Jesu zu unterstreichen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Soweit mal. Das sind die wichtigsten Argumente, die man gegen eine tats\u00e4chliche Jungfrauengeburt ins Feld f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun m\u00f6chte ich aber auf die einzelnen Gegenargumente eingehen: Der Ausgangspunkt der Kritik an der Jungfrauengeburt (1. Punkt) ist eine Wunderunm\u00f6glichkeitstheorie (=WUT), die auf einem aus der Aufkl\u00e4rung stammenden Wissenschaftsverst\u00e4ndnis und dem damit verbundenen naturalistischen Weltbild basiert. Es ist also ein weltanschauliches Vorurteil, das wie eine Brille vor die Augen des Kritikers gesetzt wird, und dessen Wertigkeit heute als \u00e4u\u00dferst fraglich anzusehen ist. (Siehe Kapitel \u00fcber Wunder). Der Einwand, man wolle dem modernen Menschen eine derartige Geschichte nicht mehr zumuten, ist irref\u00fchrend, da ich ihm dann auch nicht zumuten kann, an eine Ewigkeit im Himmel zu glauben. Ein anderer an der Stelle h\u00e4ufig vorgebrachter Einwand lautet: Matth\u00e4us und Lukas h\u00e4tten selbst hier keine historischen Tatsachen berichten wollen, wieso sollten wir dann auf die Historizit\u00e4t insistieren. Gegenargument: Matth\u00e4us und Lukas berichten nicht nur in groben Z\u00fcgen, wie man dies bei einer Erz\u00e4hlung mit ausschlie\u00dflich symbolischer Bedeutungsabsicht tun w\u00fcrde (Gleichnisse Jesu), sondern berichten zahlreiche Details, die man nur bei tats\u00e4chlichem Geschehen erwartet. Zum Beispiel l\u00e4sst die Beschreibung der Reaktion Marias \u201eWie soll das geschehen, der ich von keinem Mann wei\u00df\u201c, auf die Absicht schlie\u00dfen, dass hier wirkliches Geschehen berichtet werden will. Das gleiche gilt f\u00fcr die Reaktion Josefs im Matth\u00e4us-Evangelium, der seine Frau verlassen will, weil er eine gesellschaftliche Schande bef\u00fcrchtet. W\u00e4ren diese Geschichten erfunden, dann m\u00fcsste man den Schreibern eine ausgekl\u00fcgelte trickreiche T\u00e4uschung unterstellen. Klaus Berger meint dazu: <em>\u201eSo eine Geschichte erfindet man doch nicht.\u201c<\/em> Die detailreiche Schilderung der Ereignisse legt Authentizit\u00e4t nahe. Wir wissen im \u00dcbrigen, dass Lukas in seinem Prolog in Lukas 1 auf eine genaue und sorgf\u00e4ltige Recherche mit Befragung von Augenzeugen Wert gelegt hat, also m\u00f6glicherweise sogar Maria selbst oder nahe Verwandte befragt hat. Dass die beiden Evangelien-Berichte gewisse Unterschiede aufweisen, ist nach meiner Auffassung auch kein gutes Argument. Man darf nicht erwarten, dass jeder Schreiber alles geschrieben hat, was er wusste und alles wusste, was tats\u00e4chlich geschah im Falle der Kindheitserz\u00e4hlungen. Die Unterschiede lassen sich auch gut durch ein unterschiedliches Zielpublikum, durch unterschiedliche Schwerpunktsetzungen, und durch individuelle Selektion aus dem zur Verf\u00fcgung stehenden Datenmaterial erkl\u00e4ren. Dies trifft generell auf alle synoptischen Berichte zu. Allerdings kommt bei den Erz\u00e4hlungen au\u00dferhalb der Kindheit noch das Argument der Selektion der Wahrnehmung bei Augenzeugen hinzu, was ja beim vorliegenden Thema nicht der Fall ist, da es keine Augenzeugen au\u00dfer Maria gab. Dass sich im Verlauf der \u00dcberlieferungsgeschichte das Zeugnis vom urspr\u00fcnglichen Geschehen stark ver\u00e4ndert hat, vielleicht ausgeschm\u00fcckt wurde, halte ich auch f\u00fcr \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich. Bei einer Datierung der Abfassung der Evangelien sp\u00e4testens im Zeitraum 70- 80 nach Christus, (Diese Datierung beruht allerdings auf historisch- kritischen Vorurteilen, siehe entsprechendes Kapitel), lebten mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit noch viele Ohrenzeugen der Generation von Jesus, die vermutlich eine verzerrte Darstellung des Lebens Jesu nicht akzeptiert h\u00e4tten. Andere Untersuchungen gehen sogar davon aus, dass Teile des Evangeliums schon kurz nach der Kreuzigung geschrieben worden sind. Stefan Gustavsson schreibt in seinem Buch: Kein Grund zur Skepsis: <em>\u201eDer theologisch liberale John A.T.Robinson publizierte 1976 ein viel beachtetes Buch, in dem er f\u00fcr eine Entstehung des gesamten Neuen Testamentes vor 70 n. Chr. argumentiert. Er sieht es als durchaus plausibel an<\/em>, <em>dass das erste Evangelium- Markus-, wie er meinte- bereits in den 40er Jahren geschrieben sein k\u00f6nnte\u2026. Professor James G Crossley von der Universit\u00e4t in Sheffield- selbst Atheist-, der auch eine Debatte mit dem bekannten christlichen Philosophen William Lane Craig \u00fcber die Auferstehung von Jesus gef\u00fchrt hat- datiert das Markusevangelium auf das Ende der 30er oder den Anfang der 40er Jahre.\u201c <\/em>Das r\u00fcckt die Schreiber noch n\u00e4her ran an das tats\u00e4chliche Geschehen. Wenn man akzeptiert, dass der Schreiber des Matth\u00e4usevangeliums der J\u00fcnger war, der mit Jesus jahrelang unterwegs war, dann ist das oben genannte Argument sowieso nicht mehr aufrechtzuhalten. Doch selbst bei einer sp\u00e4teren Datierung ist es unwahrscheinlich, dass sich in wenigen Jahren das Erz\u00e4hlgut schon so stark ver\u00e4ndert hat, dass unser Blick auf den historischen Jesus, wie vielfach behauptet, v\u00f6llig verstellt wurde. Im ung\u00fcnstigsten Fall betr\u00e4gt das Zeitintervall zwischen den Geschehnissen und der Abfassung des Matth\u00e4us- oder des Lukasevangeliums maximal 40 Jahre. Erz\u00e4hlungen \u00fcber Meilensteine der Geschichte und des Lebens Jesu haben sich auch in 40 Jahren nicht unkontrolliert wesentlich ver\u00e4ndert au\u00dfer sie wurden mutwillig manipuliert. Bei der wissenschaftlichen Untersuchung der leiblichen Auferstehung Jesu werde ich auf den Prozess der \u00dcberlieferungsgeschichte nochmal n\u00e4her eingehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur alttestamentlichen Prophetie einer Jungfrauengeburt: Matth\u00e4us schreibt: \u201eDas ist aber alles geschehen, damit erf\u00fcllt w\u00fcrde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7:1) \u201eSiehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn geb\u00e4ren, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das hei\u00dft \u00fcbersetzt: Gott mit uns\u201c In Jesaja steht dann noch: \u201eDarum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe eine\u2026\u201c<strong>.<\/strong> An der Stelle in Jesaja steht ein hebr\u00e4isches Wort (<em>alma<\/em>), das junge Frau aber auch Jungfrau bedeuten kann. F\u00fcr Jungfrau gebe es ein anderes hebr\u00e4isches Wort (<em>bethulah<\/em>). F\u00fcr die Kritiker ein klarer Beweis daf\u00fcr, dass Matth\u00e4us selbst die Stelle zu seinen Gunsten umgedeutet hat. Dann muss man sich allerdings fragen, worin das besondere Zeichen bestand. Dass ein Sohn von einer jungen Frau geboren wird, ist das normalste der Welt. Es kann sich nur um die andere wenn auch seltenere Bedeutung- Jungfrau- gehandelt haben. Dar\u00fcber hinaus gibt es Hinweise, dass schon vor Jesus dieses Wort als Jungfrau aufgefasst wurde. In der Septuaginta, der griechischen \u00dcbersetzung des AT, die im dritten Jahrhundert (285-246 v. Chr.) vor Jesu Geburt abgefasst wurde, wird das hebr\u00e4ische Wort <em>alma<\/em> mit Jungfrau (parthenos) \u00fcbersetzt. Offensichtlich gab es damals schon j\u00fcdische Gelehrte, die in der Jesaja-Stelle eine Jungfrau vor Augen gehabt haben. Ein weiteres Indiz ist die Beobachtung, dass das seltene Wort <em>alma<\/em> insgesamt nur 6 x im AT auftaucht und mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit jedes Mal nicht im Sinne einer verheirateten Frau gebraucht wird, sondern nur im Sinne einer unverheirateten.&nbsp; (Hellmut Frey, bzw. Karl Baral in Handbuch der bibl. Glaubenslehre S. 216). Nun k\u00f6nnte man sich fragen, warum Jesaja nicht das eigentliche Wort f\u00fcr Jungfrau, n\u00e4mlich \u201ebethulah\u201c verwendet hat, wenn er die Jungfr\u00e4ulichkeit betonen wollte. Bethulah bezeichnet die Unber\u00fchrte.&nbsp; Der Bezug zum Alter ist hier weniger relevant. Alma bezeichnet die junge geschlechtsreife, heiratswillige Frau. Im Normalfall ist im j\u00fcdischen Denken auch die Unber\u00fchrtheit in dieser Bezeichnung vorausgesetzt. Josh Mc Dowell schreibt als Zitat von M.F. Unger: <em>\u201eDer Heilige Geist gebraucht durch Jesaja nicht das Wort \u201ebethulah\u201c, weil die Gedanken der Unber\u00fchrtheit und des heiratsf\u00e4higen Alters in einem Wort zusammengefasst werden mussten, um der gegebenen historischen Situation ebenso wie dem prophetischen Aspekt, mit dem von der Jungfrau geborenen Messias im Mittelpunkt, gerecht zu werden.\u201c<\/em> \u00dcbrigens, j\u00fcngere griechische \u00dcbersetzer wie Aquila, Symmachus oder Theodotion \u00fcbersetzten Jesaja 7.14 mit- Jungweib. Hier l\u00e4sst sich aber das voreingenommene Motiv deutlich erkennen, weil sie als Juden vermutlich in einer heftigen Auseinandersetzung mit den jungen christlichen Gemeinden standen, die die Beglaubigung der Jungfrauengeburt aus der Jesajastelle ableiteten. (aus Karl Baral: Handbuch der biblischen Glaubenslehre).<\/p>\n\n\n\n<p>Paulus:<\/p>\n\n\n\n<p>Als n\u00e4chstes wollen wir das 4. Argument n\u00e4her betrachten. Es stimmt, dass au\u00dferhalb der beiden genannten Evangelien die Jungfrauengeburt nicht expressis verbis erw\u00e4hnt wird. Dies ist das Argument des Schweigens, das in der bibelkritischen Forschung h\u00e4ufig gebraucht wird (Argumentum ex silentio): Wenn so wichtige Vertreter des fr\u00fchen Glaubens wie Paulus, Petrus oder Jakobus die Jungfrauengeburt nicht erw\u00e4hnten, dann k\u00f6nne sie nicht zum fr\u00fchen Glaubensgut der ersten Christen geh\u00f6rt haben und habe sich erst sp\u00e4ter entwickelt. Wie stichhaltig ist dieses Argument nun? William Lane Craig sagt dazu: <em>\u201eDas Fehlen des Beweises ist noch nicht der Beweis f\u00fcr das Fehlen.\u201c<\/em> Er macht in diesem Zusammenhang deutlich, dass wir f\u00fcr viele historische Ereignisse, die wir glauben, keine Beweise h\u00e4tten. Im Falle der Jungfrauengeburt h\u00e4tten wir eine ganze Reihe von Beweisen, z.B. den Bericht eines bekannten zuverl\u00e4ssigen Historikers, n\u00e4mlich Lukas, insofern sei es nicht berechtigt, das Fehlen der Jungfrauengeburt im \u00fcbrigen NT als Beweis f\u00fcr eine nachtr\u00e4gliche Erfindung zu werten. Dar\u00fcber hinaus stimmt es auch nicht, dass die Lehre von der Jungfrauengeburt z.B. bei Paulus nicht nachweisbar w\u00e4re. Ich m\u00f6chte das anhand einiger aufschlussreicher Aussagen von Paulus zeigen: Der Vers, mit dem man das Fehlen untermauert, ist Galater 4:4. Hier schreibt Paulus: \u201eAls aber die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetzt getan.\u201c Hier ist tats\u00e4chlich nicht von einer Jungfrau die Rede. Aus dem Kontext (unter das Gesetzt getan) ist zu entnehmen, dass es Paulus hier vor allem darum ging, den menschlichen Teil der Herkunft von Jesus in den Vordergrund zu stellen. Dazu ist es aufschlussreich zu wissen, dass der fr\u00fchchristliche Doketismus, nach dem Jesus nur einen Scheinleib hatte, damals zunehmend Einfluss gewann. Nach doketischer Lehre ist alle Materie niedrig und schlecht. Jesus sei deshalb ganz Gott geblieben und h\u00e4tte w\u00e4hrend seines irdischen Daseins nur einen Scheinleib angenommen, sodass die menschliche Natur Jesu verneint wurde. Auf diesem Hintergrund macht es Sinn, dass Paulus hier ganz besonders die menschliche Seite seiner Doppelnatur betonte. Im \u00dcbrigen l\u00e4sst sich am Gesamtzeugnis, das uns Paulus hinterlassen hat, durchaus erkennen, dass Paulus unausgesprochen von der Jungfrauengeburt ausging. Au\u00dferdem sollte man sich bewusst machen, dass Paulus von Lukas jahrelang begleitet wurde und die Jungfrauengeburt mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit zum selbstverst\u00e4ndlichen gemeinsamen Glaubensgut zwischen beiden geh\u00f6rte. Oder anders gesagt, es ist unwahrscheinlich und es g\u00e4be keinerlei Anzeichen daf\u00fcr, dass Lukas und Paulus hier unterschiedliche Auffassungen von der Geburt Jesu vertraten. Um einige Bibelstellen zu nennen, in denen indirekte Hinweise auf die Lehre von der Jungfrauengeburt zu finden sind: Philipper 2:6: \u201eEr, der in g\u00f6ttlicher Gestalt war, hielt es nicht f\u00fcr einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern ent\u00e4u\u00dferte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt\u2026\u201c. Hier wird klar die Doppelnatur Jesu bzw. die Pr\u00e4existenz, also, dass Jesus schon vor seiner irdischen Geburt im Himmel bei seinem Vater lebte, bezeugt. Die Pr\u00e4existenz macht eine Jungfrauengeburt erforderlich. Eine rein biologische Zeugung von Jesus w\u00fcrde eine Pr\u00e4existenz theologisch ausschlie\u00dfen. Karl Baral schreibt dazu in Form eines Zitats von G.Ebeling und Walter K\u00fcnneth: <em>\u201eDie pr\u00e4existente Sohnschaft schlie\u00dft \u2026 die\u2026 Lehre von der Adoption des Menschen Jesus durch Gott aus und betont seine wesenhafte, analogielose Gemeinschaft mit dem Vater, die Seinswirklichkeit des Sohnes jenseits der Zone erw\u00e4hlter prophetischer Menschen oder Zeugen des Glaubens\u201c.<\/em> Tats\u00e4chlich glauben viele Leugner der Jungfrauengeburt nicht an die Pr\u00e4existenz Jesu, oder sie glauben sie nur auf einer geistlich-theologischen Ebene, also quasi nur in der Theorie. Unabh\u00e4ngig davon m\u00fcssten sie hier doch wenigstens anerkennen, dass bei Paulus der Glaube an die Pr\u00e4existenz Jesu und damit auch indirekt an eine Jungfrauengeburt vorhanden war. \u00dcbrigens stellt dieser Sachverhalt ein sehr sch\u00f6nes Beispiel dar, wie beim Verlust der historischen Wirklichkeit auch die theologische Wahrheit fl\u00f6ten geht. Will man diese Stelle aber nicht als ausreichenden Beweis akzeptieren, so k\u00f6nnte man eine weitere Stelle im Brief an die R\u00f6mer anf\u00fchren: R\u00f6mer 5:18f. Paulus stellt hier Adam als den Ausgangspunkt der Menschheit Christus als dem Ausgangspunkt einer neuen Menschheit gegen\u00fcber: \u201eWie nun durch die S\u00fcnde des Einen die Verdammnis \u00fcber alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen f\u00fcr alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben f\u00fchrt. Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu S\u00fcndern geworden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten.\u201c W\u00fcrde die Gegen\u00fcberstellung Sinn machen, wenn Jesus auf nat\u00fcrlichem Wege geboren worden w\u00e4re? Ich glaube nicht. Wie k\u00f6nnte Jesus s\u00fcndlos sein, wenn er auch komplett von Adam abstammen w\u00fcrde? Es w\u00fcrde der Logik der Erbs\u00fcnde und der Heilslehre, die Paulus hier aufstellt und die er in allen seinen Briefen vertritt, widersprechen. R\u00f6m.3,10: \u201eDa ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer.\u201c Andererseits m\u00fcsste man fragen, wie k\u00f6nnte Jesus unsere Schuld s\u00fchnen, wenn er selbst Dreck am Stecken h\u00e4tte, wenn er nicht dank seiner g\u00f6ttlichen Herkunft s\u00fcndlos geblieben w\u00e4re? R\u00f6m.3.25: \u201eDen hat Gott f\u00fcr den Glauben hingestellt zur S\u00fchne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die S\u00fcnden vergibt\u2026\u201c. Eine weitere Stelle, an der Paulus die Pr\u00e4existenz Jesu unzweideutig zum Ausdruck bringt, ist Kol.1:15f: \u201eEr ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Sch\u00f6pfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder M\u00e4chte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen.&nbsp;Und er ist vor allem, \u2026\u201c Eine g\u00f6ttliche Pr\u00e4existenz, die Mensch wird, und die die Schuld der Welt auf sich nimmt, kann im Denkrahmen von Paulus nur durch eine Jungfrauengeburt ins irdische Dasein gebracht werden, auch wenn er sie nicht expressis verbis formuliert. Wer die Theologie der Jungfrauengeburt bei Paulus verneint, der muss die Dogmatik von Paulus insgesamt in Frage stellen. Es ist nicht m\u00f6glich, Paulus zu unterstellen, er habe noch keine Jungfrauengeburt vertreten und gleichzeitig seine \u00fcbrige Heilslehre zu akzeptieren. Das ist so, wie wenn ich einen Apfel essen wollte aber den Zucker, der in ihm steckt, vermeiden wollte. F\u00fcr einen liberalen Theologen gibt es diesen Widerspruch nicht, da er auch die Theologie von Paulus insgesamt als tendenzi\u00f6s abwertet.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes-Evangelium:<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht weniger kann man den Gedanken der Pr\u00e4existenz im Johannesevangelium im ber\u00fchmten Johannes-Prolog nachweisen: \u201eAm Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort\u2026 und wurde Fleisch. Im Verlauf dieses Prologs wird deutlich, dass Johannes indirekt von der Dreieinigkeit spricht, also auch von der Pr\u00e4existenz Jesu, der die Welt miterschaffen hat. Auch wenn das Johannesevangelium als das j\u00fcngste Evangelium gilt, ist es doch bemerkenswert, dass Johannes die Pr\u00e4existenz Jesu vertrat, aber ebenso wie Markus keine Geburtsgeschichte in sein Evangelium aufnahm. Man k\u00f6nnte dies auch so erkl\u00e4ren, dass die Kindheitsgeschichten Jesu in den christlichen Gemeinden allgemein bekannt waren und es keinen Anlass gab, sie nochmal zu erw\u00e4hnen, zumal Johannes bei der Geburtsgeschichte vermutlich \u00fcber keine zus\u00e4tzlichen Informationen verf\u00fcgte. Beim Auferstehungsbericht und anderen gemeinsamen Erz\u00e4hlungen best\u00fcnde der Unterschied allerdings darin, dass es Johannes hier im Gegensatz zur Geburtsgeschichte wichtig war, seine eigene Augenzeugenschaft und seine pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke zu erg\u00e4nzen bzw. zur Geltung zu bringen und die Historizit\u00e4t damit zu unterstreichen. Beim Johannesevangelium k\u00f6nnen wir aus einem Bericht eines Sch\u00fclers des Evangelisten, Ignatius, schlie\u00dfen, dass Johannes die Jungfrauengeburt vertrat und lehrte. Ignatius schrieb z.B. von einem Zeitgenossen und Gegner des Johannes mit Namen Cerinthos, er sei von Johannes in einem \u00f6ffentlichen Bad gesehen worden, worauf er dann ausrief, man solle fliehen, falls das Bad einst\u00fcrze, weil Cerinthos, ein Feind der Wahrheit, anwesend sei. Von Iren\u00e4us wissen wir, dass Cerinthos die Lehre vertrat, dass unser Herr von Maria und Josef gezeugt wurde, also von zwei normalen Menschen, wie jeder andere Mensch auch. (aus Die Bibel im Test von Josh Mc Dowell S.175 Taschenbuch, S 175). Au\u00dferdem vertrat Ignatius als Sch\u00fcler des Apostels Johannes selbst die Jungfrauengeburt (Siehe unten), wobei es nicht wahrscheinlich ist, dass er in einem so wichtigen Punkt eine andere Ansicht vertrat als sein Lehrer. Wir sehen also, dass, obwohl Johannes die Jungfrauengeburt nicht explizit in seinem Evangelium erw\u00e4hnte, er sie dennoch vertrat. Das Argument des Schweigens verliert somit seine Bedeutung, wenn man eine Gesamtschau vornimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Markus-Evangelium:<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Schlie\u00dflich will ich nochmal auf Markus zur\u00fcckkommen. Hat Markus nicht vielleicht auch schon die Jungfrauengeburt als selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt? In Markus 6,3: \u201eIst dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und ein Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Und sind nicht seine Schwestern hier bei uns? Und sie nahmen Ansto\u00df an ihm.\u201c Normalerweise w\u00fcrde hier nach den strengen Regeln der j\u00fcdischen Namensgebung der Name des Vaters genannt und nicht der Name der Mutter, auch wenn der Vater schon gestorben war. Der Name des Vaters wurde nur dann nicht genannt, wenn er unbekannt war. Dies ist ein direkter Hinweis darauf, dass die Vaterschaft Jesu in der \u00d6ffentlichkeit nicht gekl\u00e4rt war. Daneben taucht in seinem Evangelium auch das Bekenntnis zur ewigen Gottes-Sohnschaft Jesu auf, als Jesus vom Hohenpriester explizit danach gefragt wird. MK14,61: \u201eDa fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus aber sprach: Ich bin&#8217;s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.\u201c Wohlgemerkt: Jesus wurde nicht zum Tode verurteilt, weil er hier eine ethische Seelenverwandtschaft, sondern weil er eine Wesensgleichheit mit Gott dem Hochgelobten bezeugt hat, wodurch der Tatbestand der Gottesl\u00e4sterung erf\u00fcllt war. Die Frage, die sich hier stellt, lautet: Setzt die Gottessohnschaft im damaligen Denken und im vorliegenden Kontext nicht automatisch eine Inkarnation bzw. eine Jungfrauengeburt voraus? Bei Paulus l\u00e4sst sich dieser Zusammenhang indirekt, wie oben beschrieben, nachweisen. Will man diese Frage verneinen, dann m\u00fcsste man aber gleichzeitig den Verdacht ausr\u00e4umen, dass man hier nicht die liberalen, vielschichtigen modernen Umdeutungen von Inkarnation und Gottessohnschaft zum Ausgangspunkt der Interpretation gemacht hat. Das hei\u00dft, die Doppelnatur Jesu h\u00e4tte weder bei Markus noch bei Paulus zum vorausgesetzten Bestandteil ihrer Glaubens\u00fcberzeugung geh\u00f6rt. Das scheint mir aufgrund der Datenlage \u00e4u\u00dfert fragw\u00fcrdig zu sein. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend k\u00f6nnen wir also annehmen, dass die Pr\u00e4existenz und die Jungfrauengeburt zum fr\u00fchen Glaubensinhalt der ersten Christen geh\u00f6rte und unstrittiger Bestandteil des erweiterten Bekenntnisses war. Paulus und die \u00fcbrigen Schreiber des NT haben sie zwar nicht explizit erw\u00e4hnt, sie haben sie aber vorausgesetzt, wie man es aus ihren Aussagen entnehmen kann. Das ergibt sich auch nicht zuletzt aus der Gesamtheit ihrer Heilslehre. Die Jungfrauengeburt weist auf die ewige g\u00f6ttliche Sohnschaft Gottes hin. Sie passt sich hervorragend ein in das heilsgeschichtliche Handeln Gottes und ist zweifelsfrei ein wunderbares, aber auch koh\u00e4rentes (schl\u00fcssiges) Element im Glaubenssystem der Bibel insgesamt, wenn man die Theologie der Dreieinigkeit als von der Bibel vorgegeben begreift. Es ist ein hervorragendes f\u00fcr uns Menschen nachvollziehbares Bindeglied zwischen Altem- und Neuem Testament und unterstreicht die Einheit der Schrift, die eben nicht nur einen beliebig ausgew\u00e4hlten Teil der Heiligen Schrift umfasst, sondern einen Bogen spannt von Genesis 1 bis zur Offenbarung. Wenn man also annimmt, die Jungfrauengeburt sei erfunden, dann m\u00fcsste man den Erfindern nicht eine reiche Fantasie bescheinigen, sondern einen Geniestreich von hoher philosophisch-theologischer Kompetenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun noch zum Argument der Parallelen in anderen Mythologien. Erz\u00e4hlungen von einer Art Jungfrauengeburt gibt es tats\u00e4chlich vor allem in der griechischen Kultur der damaligen Zeit. Bei Plato weisen einige Berichte darauf hin, dass er ohne Geschlechtsverkehr gezeugt wurde. Von Alexander dem Gro\u00dfen glaubt man, er sei nicht von einem irdischen Vater, sondern vom griechischen Hauptgott, Zeus selbst gezeugt worden. Perseus, eine mythologische Heldenfigur der griechischen G\u00f6ttersagen, soll aus einer Verbindung von Danae und Zeus hervorgegangen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegenargument: Das Argument der Parallelen in anderen Kulturen hatte fr\u00fcher immer Eindruck auf mich gemacht, bis ich mir die Sache n\u00e4her angeschaut habe. Dass es in anderen Kulturen \u00e4hnliche Geburtserz\u00e4hlungen bei Helden gibt, ist noch l\u00e4ngst kein Beweis daf\u00fcr, dass es bei Jesus nicht tats\u00e4chlich so passiert ist. Vom Standpunkt des Kritikers aus sch\u00fcrt es im g\u00fcnstigsten Fall einen Verdacht, der aber durch andere Verdachtsmomente untermauert werden m\u00fcsste, um nicht wieder in sich zusammenzubrechen. Die anderen m\u00f6glichen Verdachtsmomente beruhen allerdings auf Hypothesen, wie oben gezeigt wurde, sodass das Argument der Entlehnung des Motivs aus der griechischen G\u00f6tterwelt \u00e4u\u00dferst schwach ist. An der Stelle sollten wir uns fragen, wie wahrscheinlich es wohl ist, dass sich Matth\u00e4us und Lukas tats\u00e4chlich in der griechischen G\u00f6tterwelt bedient haben. Prof. Klaus Berger schreibt dazu: <em>\u201cDie anderen antiken Erz\u00e4hlungen erz\u00e4hlen jeweils vom Ehebruch eines Gottes, der sich pikanterweise mit einer menschlichen Frau einl\u00e4sst. Hatten fr\u00fchchristliche Evangelisten nichts anderes zu tun, als Jesus direkt mit diesen heidnischen Sex-Geschichten in Verbindung zu bringen. Man bedenke, die Kindheitsgeschichten stammen aus judenchristlichem Milieu, das gegen\u00fcber der Frivolit\u00e4t der heidnischen Geschichten besonders empfindlich war.\u201c<\/em>Es ist also \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich, dass die Autoren der Evangelien die Darstellung der Geburt Jesu plagiiert haben (\u00fcbernommen und gef\u00e4lscht haben). Denn warum sonst h\u00e4tten sie dies tun sollen, wenn es nicht einen realen historischen Anlass dazu gegeben h\u00e4tte? Das Argument ist nicht mehr stichhaltig, sobald man es sich genauer anschaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kommt noch ein weiterer Aspekt mit dazu: Wir haben gelernt, dass schon im 2. Jahrhundert vor Christus die Vorstellung nachweisbar ist, dass der Messias von einer Jungfrau geboren wird. Bedenkt man au\u00dferdem, dass es hier nur um eine \u00dcbersetzung ging, deren hebr\u00e4ischer Originaltext auf das 7. Jahrhundert vor Christus zur\u00fcckgeht, (Jesaja) dann l\u00e4sst sich zumindest vermuten, dass die Erwartung oder das Motiv einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Geburt im Sinne einer Jungfrauengeburt schon lange vor unserer Zeitrechnung vorhanden und eventuell auch verbreitet war. Klaus Berger schreibt dazu (in die Bibelf\u00e4lscher S.242): <em>\u201eSo gibt es eine Tradition im Judentum, nach der Gott sich selbst, aber als Mensch, zeigen wird.\u201c Diese Hoffnungen bewegen sich im Horizont der erweiterten Bundesformel. <\/em>3.Mose 26,12:\u201eIch will meine Wohnung unter euch haben und eurer nicht \u00fcberdr\u00fcssig werden. Und ich will unter euch wandeln und will euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein.\u201c Hesekiel 37,27: \u201eMeine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein, damit auch die V\u00f6lker erfahren, dass ich der HERR bin, der Israel heilig macht, wenn mein Heiligtum f\u00fcr immer unter ihnen sein wird.\u201c Es gibt also eine Hoffnung im Alten Testament, dass Gott selbst zu den Menschen kommen wird, die auf die Zeit des Bundesschlusses am Sinai zur\u00fcckgehen k\u00f6nnte. Nimmt man noch die messianische Prophetie in Ps.2,7 mit dazu, in der es hei\u00dft: \u201eDu bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt\u201c, dann ergibt sich das schon alte Bild der Erwartung einer Menschwerdung Gottes, das im alten Judentum nur konturenhaft angelegt war, aber erst mit dem tats\u00e4chlichen Kommen Jesu richtig sichtbar wurde. Angesichts dieser Erkenntnis schwindet die Kraft des Arguments, es habe eine Abh\u00e4ngigkeit des Motivs der Jungfrauengeburt von anderen Kulturen gegeben. Demnach k\u00f6nnte das Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis auch umgekehrt sein, als von liberalen Theologen behauptet. Nicht die Schreiber der Evangelien h\u00e4tten sich in der griechischen G\u00f6tterwelt bedient, sondern die Griechen h\u00e4tten Motive aus der Erwartung der Juden \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Genauso gut k\u00f6nnten es aber auch v\u00f6llig unabh\u00e4ngige Entwicklungen sein. Dass man einem Helden mit gro\u00dfen \u00fcbermenschlichen F\u00e4higkeiten\u201c eine besondere Geburt andichtet und diese mit einer g\u00f6ttlichen Zeugung in Verbindung bringt, k\u00f6nnte auch aus einem allgemeinen Versuch oder einer menschlichen Grund- Motivation entspringen, eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr Ph\u00e4nomene von au\u00dfergew\u00f6hnlicher menschlicher Begabung zu liefern. Die H\u00e4ufigkeit solcher Geschichten \u00fcber g\u00f6ttliche Zeugungen von K\u00f6nigen oder au\u00dfergew\u00f6hnlichen Menschen in anderen Kulturen spr\u00e4che daf\u00fcr. Hierzu brauche ich keine Parallele in anderen Kulturen, die mir Pate steht. Deshalb w\u00e4re es nach meiner Einsch\u00e4tzung auch denkbar, dass die Vorstellung einer \u00fcbernat\u00fcrlichen Zeugung von Menschen in den griechischen Mythologien unabh\u00e4ngig von den alten Erwartungen einer Jungfrauengeburt im fr\u00fchen Judentum entstanden sind. Das fr\u00fche Vorhandensein der Erwartung einer Jungfrauengeburt schon Jahrhunderte vor Jesus l\u00e4sst in jedem Fall eine literarische Abh\u00e4ngigkeit von griechischen G\u00f6ttermythologien unwahrscheinlich erscheinen. Dieser Aspekt kann nur dann au\u00dfer Acht gelassen werden, wenn ich voraussetze, dass die Vorstellung der biblischen Jungfrauengeburt erst mit dem fr\u00fchen Christentum aufkam. Da dies allerdings nach all den genannten Untersuchungen nicht der Fall ist, muss ich die M\u00f6glichkeit ernsthaft in Betracht ziehen, dass keine Abh\u00e4ngigkeit oder eine umgekehrte Abh\u00e4ngigkeit besteht. Sicherlich l\u00e4sst sich die Richtung der Abh\u00e4ngigkeit schwer beweisen. Eines l\u00e4sst sich jedoch klar sagen, dass das Argument des Plagiats, also des Abkupferns aus antiken umliegenden G\u00f6ttermythologien nicht haltbarer ist als sein Gegenteil. An der Stelle m\u00f6chte ich nochmal Prof. Klaus Berger zu Wort kommen lassen, der das Gedanken-Milieu der universit\u00e4ren Theologie genau kennt und mit folgenden Worten beschreibt: \u201e<em>Ich muss davon ausgehen, dass der Evangelist wusste, was er schrieb. Er war nicht naiv und dumm, er hat nicht irgendwelche Legenden vor sich hingeplappert. Das letztere aber ist f\u00fcr die aufgekl\u00e4rt rationalistische Forschung eine ausgemachte Sache. Anders als Juristen l\u00e4sst man nicht die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Betrugs gelten, sondern lauert auf Indizien, um zuzuschlagen. Selbst das geringste Indiz gen\u00fcgt vollauf. Dann ist der Evangelist bereits \u201eerledigt\u201c. Das Verfahren der Forschung erinnert an einen gerade (2012) in der Entstehung begriffenen Beruf, den \u201ePlagiatsnachweisf\u00fchrer f\u00fcr Politikerdissertationen\u201c. Das ist kein Sport, wie oft gesagt wird, sondern ein (auch, wie man h\u00f6rt, bezahlter) Job, der deshalb so erfolgreich ist, weil der geringste Verdacht in der Regel gen\u00fcgt, um eine Person zum Kippen zu bringen. Seit Reimarus stehen die biblischen Autoren im Verdacht, aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden \u201efalsche\u201c (d.h. der Vernunft spottende) Schriften (noch dazu oft mit falschen Verfasserangaben) unter das Volk gebracht zu haben. Der Exeget verh\u00e4lt sich wie ein Verdachtsfindungsbeauftragter. Er h\u00e4lt seinen Auftrag f\u00fcr grenzenlos und versteht sein Tun als Schutz der Menschenrechte im Allgemeinen und der Vernunft im Besonderen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nun, was spricht noch f\u00fcr die Historizit\u00e4t der Jungfrauengeburt und gegen die oben genannten Argumente?<\/p>\n\n\n\n<p>Das schwerwiegendste Argument f\u00fcr die Historizit\u00e4t der Erz\u00e4hlung ist die mehrfache Bezeugung. Nach den Kriterien von Historikern ist eine Geschichte, die mehrfach unabh\u00e4ngig berichtet wird, wahrscheinlicher echt als erfunden, \u201e<em>denn es w\u00e4re \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnlich, wenn zwei Autoren unabh\u00e4ngig voneinander dieselbe Geschichte \u00fcber dasselbe Ereignis erfinden.\u201c (William Lane Craig)<\/em> In den beiden Evangelien (Matth\u00e4us und Lukas) haben wir bemerkenswerterweise zwei unabh\u00e4ngige Berichte \u00fcber die Jungfrauengeburt Jesu. Beide Berichte sind zumindest in ihren Quellen unabh\u00e4ngig, was man vor allem an den unterschiedlichen Erz\u00e4hlperspektiven erkennt. Matth\u00e4us schreibt aus der Perspektive Josefs und Lukas aus dem Blickwinkel von Maria. Allein diese Tatsache spricht f\u00fcr die Authentizit\u00e4t der Berichte. Oft wird behauptet, dass sich beide Erz\u00e4hlungen widerspr\u00e4chen. Dies tun sie jedoch nur auf den ersten Blick, wenn man die unterschiedlichen Erz\u00e4hlperspektiven au\u00dfer Acht l\u00e4sst. Geht man jedoch vorurteilsfrei und unter dem Aspekt unabh\u00e4ngiger Quellen an die beiden Schilderungen heran, dann stellt man fest, dass sie erstaunliche \u00dcbereinstimmungen enthalten und einer inneren Harmonie folgen. Geburt unter Herodes, Empf\u00e4ngnis durch den Heiligen Geist; Geburt durch die Jungfrau Maria; Verlobung mit Josef; Abstammung von David; Geburtsort- Betlehem; Name \u201eJesus\u201c durch den Befehl Gottes. Ank\u00fcndigung der Funktion Jesu als Retter, \u00dcbernahme der elterlichen Verantwortung durch Josef; Begleitung der Geburt von Offenbarungen und Visionen; Wohnort nach der Geburt: Nazareth. Widerspr\u00fcchlich erscheinen die unterschiedlichen Stammb\u00e4ume. Aber auch hier l\u00f6st sich der Widerspruch auf, wenn man erkennt, dass das Matth\u00e4usevangelium den Stammbaum Josefs aufreiht und das Lukasevangelium den Stammbaum Marias. Gerade die Spannungen, die sich beim ersten Lesen ergeben, sind nach den Kriterien der Historiker eher ein starkes Indiz f\u00fcr ihre Authentizit\u00e4t und widersprechen der Vorstellung, dass man sie erfunden hat. Bei einer nachtr\u00e4glichen Konstruktion h\u00e4tte man scheinbare Widerspr\u00fcche vermieden. Im Ganzen betrachtet sprechen die zweifache unabh\u00e4ngige Bezeugung der Geburtsgeschichte, die fehlenden eindeutigen Widerspr\u00fcche und die starke innere \u00dcbereinstimmung sowie die Spannungen, die sich beim ersten Lesen ergeben, f\u00fcr ihre Historizit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Kriterium f\u00fcr die Echtheit ist das fr\u00fche Vorhandensein des Glaubens an die Jungfrauengeburt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben oben gesehen, dass f\u00fcr eine Mythenbildung um die Jungfrauengeburt zwischen der Himmelfahrt Jesu und der Abfassung der beiden die Kindheitsgeschichte Jesu enthaltenden Evangelien zu wenig Zeit blieb. Es ist schwer vorstellbar, dass sich w\u00e4hrend der Lebenszeit von zahlreichen Augen und Ohrenzeugen oder auch der Generation danach eine fiktive Geschichte um Jesu Geburt so stark verbreiten konnte und auch akzeptiert wurde. Manche Autoren vertreten die Meinung, dass der fr\u00fche Glaube an die Jungfrauengeburt auch ohne das Zeugnis von Lukas und Matth\u00e4us nachweisbar w\u00e4re, und zwar anhand der Dokumente der fr\u00fchen Kirchenv\u00e4ter wie Ignatius von Antiochia, Aristides, Justin dem M\u00e4rtyrer und Iren\u00e4us von Lyon. Insbesondere bei Ignatius von Antiochia, der ein Sch\u00fcler des Apostels Johannes war, finden wir ein ganz fr\u00fches Zeugnis (um 110 n.Chr.) der weiten Verbreitung des Glaubens an die Jungfrauengeburt, wenn er in einem Brief an die Epheser schreibt (aus \u201eDie Bibel im Test\u201c von Josh Mc Dowell TB S.175): <em>\u201eDenn unser Gott, Jesus der Christus, wurde von Maria empfangen, nach dem Heilsplan Gottes zwar aus dem Samen Davids, aber vom heiligen Geiste \u2026 Und es blieb dem F\u00fcrsten dieser Welt verborgen die Jungfrauenschaft Marias und ihr Geb\u00e4ren, ebenso auch der Tod des Herrn; drei rufende Geheimnisse, die in der Stille Gottes vollbracht wurden.\u201c<\/em> Bei Ignatius sollten wir ber\u00fccksichtigen, dass seine Schriften zu den fr\u00fchesten christlichen Schriften nach der Entstehung der neutestamentlichen B\u00fccher geh\u00f6ren. Er war selbst ein Leiter der wachsenden Kirche. Somit sind seine Lehren nicht die eines fanatischen Au\u00dfenseiters, sondern repr\u00e4sentieren die von der Kirche vorrangig anerkannten Glaubensgrunds\u00e4tze. Brandon D. Crowe schreibt dazu in seinem B\u00fcchlein -Wurde Jesus von einer Jungfrau geboren? :\u201e<em>Dar\u00fcber hinaus ist festzustellen, dass Ignatius nicht <u>f\u00fcr<\/u> die Jungfrauengeburt <u>argumentiert<\/u>; vielmehr stellt er sie bereits zu diesem fr\u00fchen Zeitpunkt als allgemein anerkannte Glaubensmeinung dar.\u201c <\/em>Beim Apostel Johannes konnten wir die Verankerung der Lehre von der Jungfrauengeburt bereits nachweisen. (s.o.). Aristides, auch ein nachapostolischer Verfasser sagt (ca. 125 n.Chr.) \u00fcber die Jungfrauengeburt: <em>\u201eDie Christen nun leiten ihre Abkunft von Jesus Christus her. Dieser wird der Sohn des h\u00f6chsten Gottes genannt, und es hei\u00dft (von ihm), dass er (als) Gott vom Himmel niederstieg und von einer hebr\u00e4ischen Jungfrau Fleisch nahm und anzog, und in einer Menschentochter der Sohn Gottes Wohnung nahm.\u201c <\/em>Justin der M\u00e4rtyrer (150.n.Chr.) gibt eine Reihe von Hinweisen auf den Glaubenssatz der Jungfrauengeburt.Hier sei nur einer zitiert:<em> \u201e\u2026die Kraft Gottes (kam) \u00fcber die Jungfrau, beschattete sie und bewirkte, dass sie obgleich sie Jungfrau war, schwanger wurde.\u201c &nbsp;<\/em>Auch wenn die genannten Zeugnisse der Jungfrauengeburt alle \u00fcberwiegend aus der ersten H\u00e4lfte des zweiten Jahrhunderts nach Christus stammen, so zeigen sie dennoch, dass das Bekenntnis zur Jungfrauengeburt zum fr\u00fchen allgemeinen Glaubensbekenntnis geh\u00f6rte. Gresham Machen schreibt dazu (aus Die Bibel im Test): <em>\u201eSelbst wenn im NT kein Wort \u00fcber dieses Thema st\u00fcnde, bewiese doch das Zeugnis des zweiten Jahrhunderts, dass der Glaube an die Jungfrauengeburt lange vor Ende des ersten Jahrhunderts- um es vorsichtig auszudr\u00fccken- aufgekommen sein muss<\/em>\u201c. Vielleicht sollten wir uns an der Stelle auch nochmal bewusst machen, dass die Kirchenv\u00e4ter als Vertreter der Glaubensgrunds\u00e4tze vieler Gemeinden sich in ihren Schriften und Briefen immer dem\u00fctig unter die Autorit\u00e4t der Apostel gestellt haben, worauf letztlich auch der Kanon des NT zur\u00fcckgeht. Somit ist es nicht denkbar, dass eine Lehre, die im zweiten Jahrhundert Allgemeingut war, nicht auch bei den Aposteln im ersten Jahrhundert vertreten wurde. Oder anders ausgedr\u00fcckt, es w\u00e4re nicht vorstellbar, dass die Lehre der Jungfrauengeburt sich im Gegensatz oder in Abgrenzung zu Petrus, Paulus, Matth\u00e4us, Jakobus, Thomas, Johannes, Andreas usw. erst gegen Ende des ersten Jahrhunderts entwickelt hat.&nbsp; &nbsp;Will man anerkennen, dass der Strom des Heiligen Geistes nicht mit dem letzten Apostel pl\u00f6tzlich abgebrochen ist, so darf man darauf vertrauen, dass die Lehre der Jungfrauengeburt einen historischen Hintergrund und damit einen g\u00f6ttlichen Ursprung hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich w\u00fcrde ich gerne noch eine ganz fr\u00fche Gruppe von sogenannten Ebioniten erw\u00e4hnen, die um 66\/67 nach Tansjordanien und Syrien ausgewandert sind. Sie waren der Meinung, man m\u00fcsse Jes. 7,14 mit -junge Frau- \u00fcbersetzen und nicht mit -Jungfrau. Daraus l\u00e4sst sich entnehmen, dass die Gemeinde an die Jungfrauengeburt glaubte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gibt es noch ein weiteres wichtiges Indiz f\u00fcr die fr\u00fche Entstehung des Bekenntnisses zur Jungfrauengeburt. Es gab unter den j\u00fcdischen Gegnern des Christentums schon sehr fr\u00fch das Argument, Jesus sei von einer Ehebrecherin geboren worden. Ethelbert Stauffer schreibt (aus Bibel im Test): \u201e<em>In einem j\u00fcdischen Geschlechtsregister aus der Zeit vor 70 erscheint Jesus als Bastard von einem Eheweibe. Schon der Evangelist Matth\u00e4us kannte offenbar solche Geschlechtsregister und k\u00e4mpfte dagegen. Die Rabbinen der Folgezeit nennen Jesus ohne weiteres den Sohn der Ehebrecherin, den Sohn der Hure. Sie wissen auch ganz genau wie der unbekannte Vater hie\u00df: Panthera. Schon in den altrabbinischen Texten h\u00f6ren wir mehrfach von Jesus ben Panthera\u2026\u201c.<\/em> Hugh Schonfield, ein j\u00fcdischer Skeptiker, der die Zeugnisse der j\u00fcdischen Gegner untersucht hat, kommt zu dem Schluss, <em>\u201edass die Verleumdung Jesu als Bastardsohn sehr fr\u00fchen Datums sei.\u201c&nbsp; <\/em>Die Frage, die sich hier stellt, lautet: Warum hat man Jesus \u00fcberhaupt mit einer unehelichen Zeugung in Verbindung gebracht, wenn es das christliche Zeugnis der Jungfrauengeburt noch gar nicht gegeben hat? Weiter oben haben wir gesehen, wie schon im Markusevangelium ein Hinweis auftaucht, dass die Vaterschaft Jesu ungekl\u00e4rt war. Betrachtet man nun diesen Hinweis, den Hinweis im Johannesevangelium (Joh. 8) und das Zeugnis der j\u00fcdischen Gegner, so erg\u00e4be sich ein koh\u00e4rentes Gesamtbild: Die Behauptung der Jungfrauengeburt hat sich nicht erst sp\u00e4t entwickelt, sondern war schon sehr fr\u00fch (vor 70 n. Christus) in den fr\u00fchchristlichen Gemeinden vorhanden, sodass es f\u00fcr die Gegner einen Grund gab, eine alternative Erkl\u00e4rung zu finden und zu ver\u00f6ffentlichen. Wenn es dieses fr\u00fche Zeugnis nicht gegeben h\u00e4tte, h\u00e4tte es keinen Anlass gegeben, Jesus als Bastard zu diffamieren, um die wundersame Empf\u00e4ngnis durch den Heiligen Geist damit zu beseitigen. F\u00fcr uns heute ist es im Grunde eine Best\u00e4tigung daf\u00fcr, dass das Bekenntnis zur Jungfrauengeburt Jesu schon sehr fr\u00fch, ja -ich w\u00fcrde sogar sagen- schon zu Lebzeiten Jesu aufgekommen ist. E. Stauffer schreibt dazu: \u201e<em>In der Logienquelle erfahren wir, dass man Jesus als Fresser und Weins\u00e4ufer beschimpfte (Mt.11,19; Lk. 7,34). \u2026 Mit diesem Scheltwort aber bek\u00e4mpfte man im antiken Pal\u00e4stinajudentum einen Menschen, der aus einer illegitimen Verbindung stammte und durch seinen Lebenswandel und Glaubensstand den Makel seiner Geburt verriet. Genau in diesem Sinne haben die Pharis\u00e4er und ihre Freunde dieses Kampfwort auf Jesus angewandt: Er ist ein Bastard!\u201c <\/em>&nbsp;All das Geschriebene deutet doch darauf hin, dass die Frage nach der Vaterschaft Jesu von Anfang im Raume stand. Es musste daf\u00fcr einen Anlass gegeben haben. Welchen Anlass sollte es daf\u00fcr gegeben haben, wenn nicht die Behauptung einer Jungfrauengeburt. Selbstverst\u00e4ndlich sind das keine Beweise f\u00fcr eine Jungfrauengeburt. Man fragt sich allerdings, wie es zu diesen Fragen kam, wenn Jesus ganz normal von Vater und Mutter gezeugt worden w\u00e4re und die Jungfrauengeburt erst eine sp\u00e4tere Erfindung der sp\u00e4ten nach\u00f6sterlichen kreativen Gemeinde gewesen ist, um die W\u00fcrde Jesu besonders herauszustellen. Die beste Erkl\u00e4rung ist nach meiner Einsch\u00e4tzung immer noch, dass sie ganz fr\u00fcher Bestandteil des Bekenntnisses und des Glaubensinhaltes war. Und wenn das Bekenntnis sehr fr\u00fch entstanden ist, dann ist es umso unwahrscheinlicher, dass es sich erst im Laufe von Jahrzehenten entwickelt hat. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaftlichkeit sollte bedeuten, dass man das F\u00fcr und Wider gegeneinander abw\u00e4gt. Leider geschieht das in der liberalen Theologie zu wenig, weil man das geschlossene Weltbild verteidigen will. Im vorliegenden Fall kann man sich nur f\u00fcr eine Seite entscheiden, wenn man sich vorher f\u00fcr eine weltanschauliche oder philosophische Pr\u00e4misse entschieden hat. In einem Fall w\u00e4re es das Weltbild eines Sch\u00f6pfers, der seinen Sohn aus der ewigen Gemeinschaft mit dem Vater in die Gesch\u00f6pflichkeit der diesseitigen Welt geschickt hat, um uns aus dem Mechanismus von S\u00fcnde und Tod zu befreien, im anderen Fall das geschlossene Weltbild, in dem ein rein biologisch gezeugter Mensch dank seiner hohen menschlichen F\u00e4higkeiten sich einen g\u00f6ttlichen Anspruch erworben hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum ist das Festhalten der Jungfrauengeburt als heilsgeschichtliches historisches Ereignis wichtig? Ich glaube der folgende Text ist hier eindeutig!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Jesu Botschaft ist nicht herzuleiten aus menschlichem Nachdenken, und sein Werk ist nicht zu verstehen als Gipfelpunkt menschlichen Heldenmutes. Denn in diesem Falle h\u00e4tte die Menschheit ihren Erl\u00f6ser selbst hervorgebracht \u2013 und h\u00e4tte sich damit selbst erl\u00f6st. Eben das aber stellte das Evangelium g\u00e4nzlich auf den Kopf. Denn das Evangelium besagt gerade nicht, dass die Menschheit sich in Christus auf ihre h\u00f6chste H\u00f6he hinaufgeschwungen habe, sondern dass Gott sich in Christus in die tiefste Tiefe hinabgebeugt hat. Christus ist nicht der erste Mensch, dem es gelang, Adams S\u00fcnde abzusch\u00fctteln und sich aus der Barbarei des Unglaubens emporzuarbeiten. Er ist kein \u201eSpitzenprodukt\u201c menschlicher Religionsgeschichte, das Gelehrsamkeit und Erziehungskunst eines sch\u00f6nen Tages hervorgebracht haben, sondern er ist Gottes Wunder allein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Und weil das die eigentliche Pointe unseres Bekenntnisses zur Jungfrauengeburt ist, darum ist dieses Bekenntnis hochaktuell. Denn es setzt allen Versuchen eine Grenze, Christus aus den religi\u00f6sen Str\u00f6mungen seiner Zeit zu \u201eerkl\u00e4ren\u201c. Viele sto\u00dfen sich ja daran, dass Christen ihn \u201eGottes Sohn\u201c nennen. Viele m\u00f6chten ihn lieber einreihen in die lange Liste der j\u00fcdischen Propheten, Lehrer und Sektengr\u00fcnder \u2013 und m\u00f6chten ihn damit relativieren. Sie m\u00f6chten uns Christus pr\u00e4sentieren als einen Menschen, der Gott besonders nahekam. Unser Bekenntnis lautet aber, dass er Gott war und den Menschen besonders nahekam. Das ist ein gravierender Unterschied! Denn w\u00e4re der Erl\u00f6ser ein Produkt der Menschheit, so m\u00fcsste in der Bibel stehen, in Christus habe sich die Menschheit mit Gott vers\u00f6hnt. Es hei\u00dft dort aber, dass Gott sich in Christus mit den Menschen vers\u00f6hnte. Das eine w\u00e4re der triumphale Aufstieg der Menschheit zu Gott. Das andere ist das barmherzige Herabsteigen Gottes zu den Menschen. Und nur dies letztere ist Grundsatz des Glaubens. Zu Recht wird also in den Weihnachtsliedern die Jungfrauengeburt besungen und verk\u00fcndigt. Zu Recht halten wir an ihr als einem Bestandteil unseres Glaubensbekenntnisses fest.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Karl Barth<\/p>\n\n\n\n<p><em>,,Die Kirche wei\u00df wohl, was sie getan hat, indem sie dieses Dogma sozusagen als Wache vor die T\u00fcr zu dem Geheimnis der Weihnacht stellte. Sie wird es niemals guthei\u00dfen k\u00f6nnen, wenn jemand an dieser Wache vorbeieilen zu k\u00f6nnen meint. Sie wird ihn darauf aufmerksam machen, dass er damit einen Privatweg betritt auf eigene Rechnung und Gefahr &#8230; &#8222;. <\/em>Besser kann man es nicht sagen.<strong> \u2022<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Jungfrauengeburt ist integraler Bestandteil der biblischen Glaubenslehre. Die Jungfrauengeburt und die leibliche Auferstehung bilden die geschichtliche und theologische Klammer, die das Evangelium in eine biblische Logik fasst. Das ist zwar kein Beweis f\u00fcr ihre g\u00f6ttliche G\u00fcltigkeit, aber doch einer der vielen Hinweise auf eine von Gott ausgehende und vom Menschen nachvollziehbare Wirklichkeit zwischen Himmel und Erde, zwischen Jenseits und Diesseits, zwischen Gottes Reich und dem irdischen Reich, verbunden mit der Gewissheit, dass Gott tats\u00e4chlich zu uns gekommen ist, um uns da abzuholen, wo wir sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Datierung der Abfassung der 3 synoptischen Evangelien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist allgemeiner Konsens, dass die 3 synoptischen Evangelien (Markus-, Matth\u00e4us und Lukas-Evangelium erst nach 70 nach Christus geschrieben wurden. Warum? Weil in allen 3 Evangelien die Zerst\u00f6rung Jerusalems vorausgesagt wird. Die Zerst\u00f6rung Jerusalems fand 70 nach Christus satt. Da es eine echte Prophetie nicht geben kann aufgrund des wunderkritischen Paradigmas in der HKM, muss das \u00e4lteste Evangelium, das Markus-Evangelium, fr\u00fchestens 70 nach Christus geschrieben worden sein. Man habe die prophetischen Worte Jesus nachtr\u00e4glich in den Mund gelegt, um seine G\u00f6ttlichkeit zu bezeugen. Man nennt diese Art von Prophetie ein Vaticinium ex eventu, eine Vorhersage aus dem Ereignis heraus. In meiner Stuttgarter Erkl\u00e4rungsbibel, die voller historisch-kritischer Bemerkungen ist, wird erkl\u00e4rt, dass es so gut wie sicher ist, dass das Markus-Evangelium nach 70 nach Christus geschrieben wurde. Eine Begr\u00fcndung f\u00fcr diese Behauptung wird nicht geliefert, vielleicht weil es au\u00dfer der oben genannten keine guten Gr\u00fcnde gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist nun von dieser angeblich wissenschaftlichen Behauptung zu halten?<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Armin Baum schreibt dazu<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Bei allen Divergenzen im Einzelnen stimmen s\u00e4mtliche altkirchlichen Angaben darin \u00fcberein, dass die Entstehung und Verbreitung der drei synoptischen Evangelien im zeitlichen Umfeld der r\u00f6mischen Wirksamkeit und des r\u00f6mischen Martyriums von Paulus und Petrus erfolgte, also in den 60er Jahren des 1. Jahrhunderts. Die drei synoptischen Evangelien wurden somit an den \u00dcbergang von der Generation der Sch\u00fcler und Augenzeugen Jesu (30-70 n.Chr.) zur zweiten christlichen Generation datiert.<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mit altkirchlichen Angaben waren die fr\u00fchkirchlichen Kirchenv\u00e4ter, die also im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus gelebt haben, gemeint. Aus der Bibel selbst lassen sich tats\u00e4chlich keine direkten Angaben \u00fcber die genaue Abfassungszeit gewinnen. Trotzdem gibt es einige Beobachtungen, die indirekt auf eine fr\u00fchere Datierung hindeuten. Dazu wieder Armin Baum: <em>\u201eAus dem Text der Evangelien selbst lassen sich nur vage Hinweise zu ihrer Entstehungszeit gewinnen. Dass die Apostelgeschichte abrupt mit dem zweij\u00e4hrigen Romaufenthalt des Paulus (60-62 n.Chr.) endet, passt gut zu der Annahme, das lukanische Doppelwerk sei bald darauf ver\u00f6ffentlicht worden.<\/em>\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Markus Till fasst die Argumente f\u00fcr eine fr\u00fche Abfassung hervorragend zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Im ganzen Neuen Testament herrscht in Bezug auf die Zerst\u00f6rung des Tempels, die f\u00fcr die Juden ein absolut pr\u00e4gendes und traumatisches Ereignis gewesen sein muss, ein geradezu dr\u00f6hnendes Schweigen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Auch die M\u00e4rtyrertode von Paulus und vom Herrenbruder Jakobus (einem \u00c4ltesten der Urgemeinde in Jerusalem) in den 60er Jahren werden mit keinem Wort erw\u00e4hnt, stattdessen wird der M\u00e4rtyrertod des wesentlich unbedeutenderen Stephanus ausf\u00fchrlich geschildert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Apostelgeschichte des Lukas, die er nach seinem Evangelium verfasst hat, bricht noch vor dem Tod von Paulus pl\u00f6tzlich ab.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=3296\"><em>Textanalyse der Evangelien<\/em><\/a><em>&nbsp;belegt: Diese&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/blog.aigg.de\/?p=3296\"><em>Berichte weisen (ganz anders als die Apokryphen) alle Eigenschaften von fr\u00fchen, authentischen und kenntnisreichen Augenzeugenberichten auf<\/em><\/a><em> wie z.B. detaillierte und stimmige Kenntnisse von Orten, Namen, Gebr\u00e4uchen und weiteren Hintergrundinformationen. Aufgrund der vielen stimmigen Details k\u00f6nnen sie unm\u00f6glich das Ergebnis von langer m\u00fcndlicher Tradition darstellen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Apokryphen sind hier nicht etwa die uns bekannten zus\u00e4tzlichen Schriften im Alten Testament wie Judith, Tobias Makkab\u00e4er usw. gemeint, sondern zus\u00e4tzliche im 2. Und 3 Jahrhundert entstandene Evangelien und andere fr\u00fchchristliche Schriften, die zu Recht keinen Eingang in den Kanon des Neuen Testamentes gefunden haben. In diesen Schriften wird wohl teilweise die Zerst\u00f6rung Jerusalems erw\u00e4hnt und verarbeitet. Es gibt allerdings ein weiteres Indiz daf\u00fcr, dass die prophetischen Aussagen Jesu nicht nachtr\u00e4glich an die tats\u00e4chlichen Geschehnisse angepasst wurden. Das alles bestimmende Element der Zerst\u00f6rung Jerusalems war das Feuer bzw. der Brand. Josephus Flavius, der j\u00fcdische Geschichtsschreiber, berichtet dar\u00fcber sehr eindr\u00fccklich. Nun k\u00f6nnte man fragen: Wenn die Evangelisten Jesus tats\u00e4chlich hellseherische F\u00e4higkeiten andichten wollten, h\u00e4tten sie dann nicht dieses Hauptelement der Zerst\u00f6rung erw\u00e4hnt? Von einem Brand oder von Feuer ist aber in den Evangelien nirgendwo die Rede. Dies stellt f\u00fcr mich einen weiteren Grund dar, anzunehmen, dass die Schreiber der Evangelien die wirklichen Ereignisse nicht kannten oder -wenn sie sie kannten- trotzdem sie gewillt waren, die Aussagen Jesu dazu &nbsp;v\u00f6llig authentisch wiederzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus sollte noch erw\u00e4hnt werden, dass selbst bei einem Beweis einer sp\u00e4ten Datierung noch nicht bewiesen w\u00e4re, dass Jesus das Ereignis der Zerst\u00f6rung Jerusalems zu seinen Lebzeiten nicht vorausgesagt hat. Au\u00dferdem m\u00fcsste man im Falle eines Vaticinium ex eventu die synoptischen Evangelisten der T\u00e4uschung bezichtigen. Das ist f\u00fcr mich immer wieder schwer mit dem Wahrheitsanspruch des Evangeliums zu vereinbaren, insbesondere wenn man bedenkt, dass selbsternannte Propheten, die die Zukunft nicht richtig vorausgesagt haben, schon im Alten Testament bestraft wurden. Der Umgang mit prophetischen Aussagen war also ein heikles Gesch\u00e4ft und Menschen zur damaligen Zeit kannten genauso wie wir heute den Tatbestand der T\u00e4uschung. Wir d\u00fcrfen nicht immer glauben, dass die Menschen es mit der Wahrheit nicht so genau nahmen und die Vorspiegelung falscher Tatsachen leichtwertig akzeptiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Indizien sprechen eindeutig f\u00fcr eine fr\u00fcherer Abfassung der Evangelien. Warum setzt man sich damit nicht auseinander? Die Argumente, die f\u00fcr eine fr\u00fche Datierung sprechen, werden in der offiziellen Theologie nicht diskutiert. Sie werden einfach unter den Tisch gekehrt. Das erinnert mich immer wieder an Studien in der Medizin, die deshalb nicht ver\u00f6ffentlicht werden, weil sie f\u00fcr ein Pharmaunternehmen nachteilige Ergebnisse erbracht haben. Warum darf man nicht staunen d\u00fcrfen \u00fcber die Gr\u00f6\u00dfe Gottes, die sich eben auch in erf\u00fcllter Prophetie zeigt? Am Beispiel der Datierung der Abfassung der Evangelien kann man sehr sch\u00f6n zeigen, dass historisch kritische Meinungen nicht auf wissenschaftlichen Daten beruhen, sondern auf unbewiesenen wunderkritischen Hypothesen. Einmal habe ich erlebt, wie ein Diskussionspartner bei der Frage nach der Geschichtlichkeit im Alten Testament gemeint hat: \u201eWenn das stimmen w\u00fcrde, dann m\u00fcsste ich ja an alles glauben, was im Alten Testament steht.\u201c Man erkennt daran, dass die Autorit\u00e4t der Berichte durchaus von der Historizit\u00e4t abh\u00e4ngt. Genauso ist es auch in den Evangelien: Die Autorit\u00e4t des Berichteten und Gesagten w\u00e4chst mit dem Ma\u00df der Historizit\u00e4t. Oder andersherum gesagt: Wenn vieles nicht echt ist, was in der Bibel steht, dann kann ich mir meinen Glauben besser nach meinem Gutd\u00fcnken zurechtbasteln, dann kann ich mir das herausgreifen was mir gef\u00e4llt und das streichen, was mir missf\u00e4llt. Das ist nach meiner Einsch\u00e4tzung die Freiheit, die man gewinnt, wenn man ein naturalistisches Weltbild hat. Damit will ich nicht sagen, dass alle liberale Theologen bewusst ein biblisches Weltbild ablehnen, aber unbewusst kommt ihnen die Annahme einer Prophetie- kritischen Haltung sicher entgegen. Wie diese neue Freiheit ihnen beim Umgang mit vielen jahrhundertelang bestehenden zentralen Glaubensinhalten entgegenkommt, werde ich sp\u00e4ter noch zeigen.&nbsp; Zusammenfassend nochmal ein Kommentar von Prof. Armin Baum:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201e<em>Wer es f\u00fcr ausgeschlossen h\u00e4lt, dass Gott, der die Zukunft kennt, seinen Boten gelegentlich einen kleinen Ausschnitt der Zukunft enth\u00fcllt, wird die synoptischen Evangelien fr\u00fchestens 70 n.Chr. datieren. Wer (wie ich) vom Gottesbild des Alten und Neuen Testaments bzw. von einem offenen Gottesbild ausgeht, wird dem von Iren\u00e4us mitgeteilten Zeitfenster, den 60er Jahren des 1. Jahrhunderts, den Vorzug geben.<\/em>\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An den deutschen staatlichen theologischen Fakult\u00e4ten gibt es wohl kaum noch Theologieprofessoren, die an eine Jungfrauengeburt glauben oder dies f\u00fcr wichtig halten. Wenn man heute eine Umfrage zur Historizit\u00e4t der Jungfrauengeburt an den theologischen Ausbildungsst\u00e4tten machen w\u00fcrde, dann w\u00e4re dieses Thema an oberster Stelle der Abschussliste. Die Jungfrauengeburt wird heute in der Regel nur noch &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=57\" class=\"more-link\">Mehr <span class=\"screen-reader-text\">\u00fcber &#8222;Jungfrauengeburt&#8220; <\/span>Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-57","page","type-page","status-publish","hentry"],"featured_media_urls":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/57"}],"collection":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=57"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/57\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":59,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/57\/revisions\/59"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=57"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}