{"id":53,"date":"2022-04-02T18:53:48","date_gmt":"2022-04-02T18:53:48","guid":{"rendered":"https:\/\/martin.quitesmall.de\/?page_id=53"},"modified":"2022-04-02T18:53:48","modified_gmt":"2022-04-02T18:53:48","slug":"inspiration-der-bibel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=53","title":{"rendered":"Inspiration der Bibel"},"content":{"rendered":"\n<p>Was bis vor wenigen Jahrhunderten noch selbstverst\u00e4ndlich war, n\u00e4mlich dass die Bibel als das fehlerlose Wort Gottes angesehen wurde, ist heute mehr umstritten denn je. Der zentrale Begriff ist hier der Begriff der Inspiration. Inspiration bedeutet: Gott hat seine Worte den Schreibern der Bibel eingegeben (\u00a0 inspirare=einhauchen). Von einem solchen klassischen Verst\u00e4ndnis kann heute keine Rede mehr sein. In den Augen der historischen Kritik redet also beim Lesen der Texte nicht mehr in erster Linie Gott zu uns, sondern der Autor, der die Texte geschrieben hat. Zur Begr\u00fcndung werden haupts\u00e4chlich zwei Argumentationsstr\u00e4nge herangezogen 1.) Eine Inspiration im Sinne einer \u00fcbernat\u00fcrlichen Eingebung sei aufgrund weltanschaulicher Pr\u00e4missen (s.o.) nicht denkbar. Inspiration m\u00fcsse heute als innerweltlicher Erkenntnisprozess verstanden werden. 2.) Die Bibel enthalte zahlreiche Widerspr\u00fcche und naturwissenschaftliche Irrt\u00fcmer (s.o.) die sich mit Gottes Unfehlbarkeit nicht vereinbaren lie\u00dfen. Das Inspirationsverst\u00e4ndnis h\u00e4ngt sehr eng mit der Einstellung zur Frage nach der Fehlerhaftigkeit zusammen. Beide Argumentationsstr\u00e4nge bedingen und erg\u00e4nzen sich nat\u00fcrlich gegenseitig, sodass hier ein sich selbst stabilisierendes System entsteht. Die Bibel an sich kann nicht inspiriert sein, weil sie zahlreiche Fehler enth\u00e4lt und weil sie von fehlerhaften Menschen geschrieben wurde, muss sie Fehler enthalten. Ich gehe also schon mit der Erwartung an die Bibel heran, dass sie Fehler enth\u00e4lt. Beide genannten Argumentationsstr\u00e4nge haben sich in vorhergehenden Kapiteln als leichtfertiges Vorurteil erwiesen. Dass jedoch die g\u00f6ttliche Inspiration eine Irrtumslosigkeit im Blick auf ihre Aussageabsicht voraussetzt, ist unstrittig.\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0In diesem Kapitel will ich nun der Frage nachgehen, inwieweit die Bibel selbst ein Inspirationsverst\u00e4ndnis voraussetzt? Dahinter steckt der Kritische Vorwurf, der evangelikale Theologe st\u00fclpe der Bibel eine Inspirationslehre \u00fcber, die sie gar nicht enth\u00e4lt. Das Verst\u00e4ndnis der Inspiration ist seit der Reformation sehr stark hin- und hergeworfen und immer wieder kritisiert worden, was sich in den zahlreichen Begriffsbildungen widerspiegelt, die man im Laufe der Kirchengschichte bis heute verwendet hat, um damit ein bestimmtes Inspirationsverst\u00e4ndnis zum Ausdruck zu bringen: Verbalinspiration, Realinspiration, Diktattheorie, ekstatische Offenbarung Ganzinspiration, Personalinspiration, Teilinspiration. Was sich hinter diesen Begriffen im Einzelnen verbirgt, m\u00f6chte ich hier nicht weiter ausf\u00fchren. Um nicht f\u00fcr Verwirrung zu sorgen, gehe ich im Folgenden von einer Ganzinspiration aus. Um von vornherein einem Missverst\u00e4ndnis vorzubeugen: Das bedeutet nat\u00fcrlich nicht, dass die Autoren eine einheitliche g\u00f6ttliche Sprache verwendet h\u00e4tten. Eine Ganzinspiration stellt keinen Widerspruch zu der Tatsache dar, dass die Autoren der Bibel in ihrem eigenen Sprachstil, in ihrem kulturell-politischen Kontext sowie unter Beibehaltung ihres eigenen freien Willens und der eigenen Auswahl des Stoffes die Texte verfasst haben, was bei der Interpretation ber\u00fccksichtigt werden sollte. Auch diese Seite der Inspiration wird von der Heiligen Schrift aufgenommen: \u201e\u2026Menschen haben geredet\u201c (2.Petr.1,21). Eine Diktattheorie oder eine ekstatische Offenbarung, bei der die Pers\u00f6nlichkeit des Schreibers v\u00f6llig ausgeschaltet war, verbietet sich f\u00fcr mich genauso wie ein innerweltliches Inspirationsverst\u00e4ndnis, bei dem eine \u00fcbernat\u00fcrliche Leitung durch den heiligen Geist von vornherein ausgeschlossen wird. Wie sieht nun die Antwort der Offenbarung selbst auf die oben gestellte Frage aus?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage, ob die Schriften des Alten Bundes inspiriert sind, ist leichter zu beantworten als die Frage nach der g\u00f6ttlichen Eingebung des NT. In 2.Tim 3,16 u.17 steht:&nbsp; Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist n\u00fctze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.Hierzu schreibt G. Maier: \u201eAlle Schrift ist von Gott eingegeben\u201c ist die korrektere gegen\u00fcber der restriktiven \u00dcbersetzung: \u201eAlle Schrift, soweit sie von Gott eingegeben ist, \u2026\u201c <em>\u201eSchrift\u201c<\/em> meint hier das, was wir das AT nennen. Sie hat die Qualit\u00e4t einer Heiligen Schrift. Ber\u00fccksichtigt man den inhaltlichen und zeitlichen Kontext und den Adressaten dieser Worte, dann wird einem das Gewicht dessen, was Paulus hier sagt, noch mehr bewusst. Es ist mit gro\u00dfer Sicherheit einer seiner letzten Briefe, die Paulus sehr wahrscheinlich aus der Gefangenschaft in Rom geschrieben hat. Wir d\u00fcrfen annehmen, dass Paulus hier in der Vorahnung seines baldigen Todes sich nicht mehr an Nebens\u00e4chlichkeiten aufgehalten hat. Das, was er hier seinem geistlichen Ziehsohn, Timotheus, schreibt, ist ihm offensichtlich besonders wichtig. Au\u00dferdem stehen diese Worte im Zusammenhang mit einer Warnung vor Irrlehren, die er wohl vor allem in einer Abweichung vom geschriebenen und m\u00fcndlich bezeugten Wort Gottes gesehen hat. Doch zur\u00fcck zum Text: Schon die hier gezeigte Stelle erkl\u00e4rt, warum Paulus von Heiliger Schrift sprechen kann.&nbsp; (R\u00f6m1,2) Heilig ist sie in dem Sinne, dass hier die Worte Gottes vorliegen\u201c (R\u00f6m3,2): \u201eIhnen (Autoren des AT) ist anvertraut, was Gott geredet hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eine 2. klassische Stelle (locus classicus), an der das Inspirationsverst\u00e4ndnis des AT in unbestreitbarer Klarheit zum Ausdruck kommt, ist 2.Petr.1,21: \u201eDenn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben vom Heiligen Geist haben Menschen in Gottes Auftrag geredet.\u201cWenn man so will, k\u00f6nnte man diese Stelle als Definition des biblischen Inspirationsverst\u00e4ndnisses der Heiligen Schrift deklarieren. Es haben Menschen geredet, keine Griffel oder Schreibinstrumente, sondern ganz normale Menschen haben ihre normale menschliche Sprache gebraucht, keine Zungenrede oder dergleichen. Und sie waren getrieben vom Heiligen Geist. Sie haben also nicht ihre eigenen Ideen oder Gottesvorstellungen zum Ausdruck gebracht, sie haben im Auftrag Gottes geredet, haben als Botschafter der g\u00f6ttlichen Absichten geschrieben. Gott selbst war der Auftraggeber. Es h\u00e4tte nicht klarer geschrieben werden k\u00f6nnen. Die Klarheit der petrinischen Aussagen steht im scharfen Gegensatz zur Diversifikation (Vielfalt) des kirchengeschichtlichen Inspirationsverst\u00e4ndnisses. Bemerkenswerterweise haben wir ein derartiges Zeugnis der biblischen Inspirationslehre nicht nur von Petrus, sondern auch von Paulus. Einen Zweifel an der g\u00f6ttlichen Inspiration des AT und der bis dahin im Umlauf befindlichen apostolischen Texte hat es offenbar nicht gegeben. Wie sieht es nun aus, wenn wir in das AT selbst hineinschauen? &nbsp;Deut 4,2: \u201eIhr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon tun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes, die ich euch gebiete.\u201cEine \u00e4hnliche Stelle ist 5.Mose 13;1, oder Sp30,6. \u201eTu nichts zu seinen Worten hinzu, dass er dich nicht zurechtweise und du als L\u00fcgner dastehst.\u201c &nbsp;Auch hier wird Gottes Wort mit der Forderung verbunden, man solle nichts dazuf\u00fcgen. G. Maier schreibt: Aus Offb22,18 (hier wird vor eine Ver\u00e4nderung der Schrift gewarnt) kann man den Schluss ziehen, dass sp\u00e4testens in neutestamentlicher Zeit eine solche Unver\u00e4nderlichkeit gerade der Schriftform zukommt. Das wird bekr\u00e4ftigt durch Jesu Wort in Joh. 10:35: \u201e Die Schrift kann nicht gebrochen werden.\u201cEs ist auch gerade die Schriftform der Tora, die Josua zur aufmerksamsten Beachtung anbefohlen wird (Jos 1,8) Die Schriftform setzt auch Ps 119, 6.18 voraus. Gerhard Maier listet hier zahlreiche Textstellen im AT auf, an denen die Wichtigkeit, die Heiligkeit der Schriftform zum Ausdruck kommt. Ein Beispiel, das mir ziemlich eindr\u00fccklich erscheint, aber sich durchaus einreiht in zahlreiche andere \u00e4hnliche Textstellen, ist 1.K\u00f6n2,3 :\u201e\u2026,dass du wandelst in seinen Wegen und h\u00e4ltst seine Satzungen, Gebote, Rechte und Ordnungen, wie geschrieben steht im Gesetz des Mose, damit dir alles gelinge, was du tust und wohin du dich wendest;&nbsp;damit der HERR sein Wort erf\u00fclle, das er \u00fcber mich geredet hat\u2026!Der Grund f\u00fcr die Unab\u00e4nderlichkeit und Unzerbrechlichkeit der Worte in der Schrift kann nur sein, dass Gott selbst der Urheber ist. Es kommen noch weitere Beobachtungen in der Bibel hinzu die das Verst\u00e4ndnis der Inspiration unterst\u00fctzen: Mose gilt als Geisttr\u00e4ger.4.Mos.11,17: \u201e.. so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volks tragen und du nicht allein tragen musst.\u201c Ebenso die Propheten. Aber auch David wei\u00df, dass der Geist des Herrn durch ihn geredet hat. 2.Sam23,2: \u201eDer Geist des HERRN hat durch mich geredet, und sein Wort ist auf meiner Zunge.\u201cDamit h\u00e4ngt es auch zusammen, dass an vielen Stellen die Formulierung verwendet wird -Die Schrift sagt- nicht: -in der Schrift steht geschrieben-. Es sind die Schriften, die etwas verk\u00fcnden. G. Maier schreibt: <em>\u201eUnd es ist auch die Schrift selbst und nicht nur ein auserw\u00e4hlter Verk\u00fcndiger, die vom Geist erf\u00fcllt und gestaltet ist (2.Tim 3,16).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Das AT sieht sich selbst als von Gott inspiriert!<\/p>\n\n\n\n<p>Wie steht es nun mit dem NT. Auch im NT finden sich viele Stellen, die den Anspruch erheben, Gottes Wort zu sein und nicht Menschenwort. Eindeutig ist der Tatbestand <a>in Offb22,18:<\/a>\u201eIch bezeuge allen, die da h\u00f6ren die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn ihnen jemand etwas hinzuf\u00fcgt, so wird Gott ihm die Plagen zuf\u00fcgen, die in diesem Buch geschrieben stehen. 19&nbsp;Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht.\u201cDar\u00fcber hinaus zeigt 2.Petr 3,15, dass es wohl schon eine Sammlung von Briefen von Paulus gab, die im Umlauf waren. \u201e\u2026und erachtet die Geduld unseres Herrn f\u00fcr eure Rettung, wie auch unser geliebter Bruder Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat. &nbsp;Davon redet er in allen Briefen, in denen einige Dinge schwer zu verstehen sind, welche die Unwissenden und Leichtfertigen verdrehen werden, wie auch die anderen Schriften, zu ihrer eigenen Verdammnis.\u201c Vier Dinge kann man nach Gerhard Maier an dieser Schriftstelle ableiten: 1. Es handelt sich um mehrere Briefe, die in Umlauf waren. 2.) Paulus verfasste diese in von Gott gegebener Weisheit -Petrus verwendet hier das Passivum divinum. 3.) Diese paulinischen \u00c4u\u00dferungen werden wie eine heilige Schrift zitiert. (wie geschrieben hat. Vg.l R\u00f6. 2,4). &nbsp;4.) Die Paulusschriften werden mit den \u00fcbrigen heiligen Schriften auf eine Stufe gestellt. Man k\u00f6nne also sagen, dass die paulinischen Schriften schon zur Zeit der Abfassung des Petrusbriefes als heilige Schriften behandelt wurden. Petrus gesteht den Briefen von Paulus g\u00f6ttliche Autorit\u00e4t zu, was er am Ende des 2.Petrusbriefes klar zum Ausdruck bringt. Er sch\u00e4tzt hier den Anspruch auf g\u00f6ttliche Inspiration so hoch ein, dass er sogar vor der Verdammnis bei einer Verdrehung des apostolischen Zeugnisses warnen kann. Untersucht man nun die Paulusbriefe, dann begegnet einem der Anspruch, Gottes Wort zu sein, immer wieder. In unverkennbarer Deutlichkeit tritt uns dieser Anspruch in 1Thess.2.13 gegen\u00fcber: \u201eDarum danken wir auch Gott ohne Unterlass daf\u00fcr, dass ihr das Wort der g\u00f6ttlichen Predigt, das ihr von uns empfangen habt, nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Wort Gottes, der in euch wirkt, die ihr glaubt. 1.Kor.2,13 Und davon reden wir auch nicht mit Worten, welche menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge f\u00fcr geistliche Menschen.<strong>\u201c<\/strong>An der Stelle wollen wir nochmal zur\u00fcckkommen auf den Brief an Timotheus. Paulus beginnt seine Ermahnungen an Timotheus mit den Worten: \u201eDu aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du wei\u00dft ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus.\u201cPaulus stellt hier das, was Timotheus von ihm gelernt hat, auf eine Ebene mit der Heiligen Schrift, die Timotheus vermutlich durch seine gl\u00e4ubige j\u00fcdische Mutter kennengelernt hat. Das d\u00fcrfen wir ebenfalls als indirekten Hinweis auf die Inspiration der paulinischen Lehre auffassen, zumal Paulus im weiteren Verlauf der Ermahnungen vor den Einfl\u00fcssen falscher Lehren warnt. Im Kontext der bisherigen Ausf\u00fchrungen d\u00fcrfen wir meines Erachtens auch an der Locus- classicus-Stelle im 2. Petrusbrief erwarten, dass Petrus neben dem AT die bis dahin bekannten Schriften von Paulus und m\u00f6glicherweise sogar auch manche Teile der Evangelien im Blick hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Evangelien gibt es ebenfalls zahlreiche Hinweise auf eine Inspirationslehre: Joh 21,24: \u201eDies ist der J\u00fcnger, der das bezeugt und aufgeschrieben hat, und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.\u201cDer Begriff der Wahrheit umfasst in der Bibel eine umfassende Bedeutung. In Verbindung mit Jesu Aussage, der Weg die Wahrheit und das Leben zu sein oder mit Joh. 17,17: &nbsp;\u201eHeilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit\u201ckann man hier auch erkennen, dass der Verfasser von sich der Meinung ist, in Gottes Geist zu sprechen und damit auch inspiriert zu sein. Der Johannesprolog zu Beginn des Evangeliums ist unverkennbar z.T. bis in den Wortlaut hinein eine direkte Ankn\u00fcpfung an Gen1. \u201eAm Anfang schuf- Am Anfang war das Wort\u2026.\u201c Man kann dies nur so verstehen, dass Johannes hier sein Evangelium auf einer Ebene mit der Autorit\u00e4t und Legitimation der gesamten Heiligen Schrift sehen will. In die gleiche Linie passen auch die Stellen im Johannesevangelium, wo vom Kommen des Heiligen Geistes die Rede ist, der die Apostel in alle Wahrheit leiten will (z.B Joh. 16,13).Auch das Matth\u00e4us-Evangelium kn\u00fcpft vom Wortlaut an Genesis 5 an, und will damit in der Tradition des AT stehend verstanden werden. Man k\u00f6nnte hier noch weitere Hinweise auf den direkten oder indirekten Anspruch der g\u00f6ttlichen Verfasserschaft des NT anf\u00fcgen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es kann keinen Zweifel geben, dass die Autoren der Bibeltexte sich gegenseitig und sich selbst als die direkten Botschafter Gottes gesehen haben. Sie waren davon \u00fcberzeugt, dass dies, was sie niedergeschrieben haben, nichts anderes war als das von Gott inspirierte Wort. Wer also die Ganzinspiration der Bibel bestreitet, der kann das nur tun, indem er den Autoren eine Selbstt\u00e4uschung unterstellt. Nach meiner Einsch\u00e4tzung besteht hier allerdings die Gefahr der Selbstt\u00e4uschung eher auf der Seite der Ausleger, da dieser wiederum das nur tun kann, wenn er dies von einem Standpunkt au\u00dferhalb der Offenbarung tut. Er befindet sich damit au\u00dferhalb des von der Offenbarung zugewiesenen Bereichs der Erkenntnisf\u00e4higkeit. (n\u00e4mlich im Vertrauen auf Gottes Wort). Konsequenterweise m\u00fcsste also der Ausleger entweder die Bibel als das von Gott inspirierte Wort anerkennen, wie es die ersten Christen getan haben, oder er m\u00fcsste zugeben, dass er sich bei der Erkenntnis der Wahrheit nicht mehr auf die Bibel berufen kann. In der Regel fl\u00fcchtet man sich dann in eine verworrene Zwischenl\u00f6sung, die noch schlechter nachvollziehbar ist als eine ekstatische Inspirationslehre. Am Schluss m\u00f6chte ich nochmal auf die Kompromissl\u00f6sungen zu sprechen kommen. Manchmal versucht man Teile der Bibel aus der Inspiration herauszunehmen. Man glaubt damit eine vermeintliche Fehlerhaftigkeit der Bibel in menschlichen Belangen, d.h. auf dem Gebiet von naturwissenschaftlichen, historischen, geographischen Sachverhalten, theologisch begr\u00fcnden zu k\u00f6nnen. Es m\u00fcssten demnach die Teile, die einen menschlichen Ursprung haben von denen, die einen g\u00f6ttlichen Ursprung haben getrennt werden. Schnabel betont in diesem Zusammenhang zu Recht, dass in der Schrift Heilsaussagen mit historischen, geographischen und naturwissenschaftlichen Aussagen unl\u00f6sbar verbunden sind. Eine Teilinspiration w\u00fcrde uns die Grundlage f\u00fcr ein absolutes Vertrauen in die Schrift als ihr ureigenstes Ziel entziehen. Wo k\u00f6nnte ich der Bibel vertrauen und wo nicht? Die Heilige Schrift kennt eine derartige Frage nicht. F\u00fcr sie ist es klar, dass sie unser Vertrauen nur gewinnen kann, wenn der Anspruch der g\u00f6ttlichen Inspiration auf alle Teile zutrifft und wenn wir nicht erst durch langes Fragen und Abw\u00e4gen zu einem Ergebnis kommen, das sich vielleicht mit zunehmendem Wissen als falsch herausstellen k\u00f6nnte. Mit dem Inspirationsverst\u00e4ndnis steht und f\u00e4llt mein Vertrauen in die heilige Schrift. Ohne klares Inspirationsverst\u00e4ndnis kann es auch keine Heilsgewissheit geben. Nachdem in der liberalen Theologie nicht nur Randthemen in Frage gestellt werden, sondern auch alle Heilstatsachen fr\u00fch oder sp\u00e4ter auf dem menschlichen Pr\u00fcfstand stehen, werde ich nicht mehr sicher sein k\u00f6nnen, wie ich in den Himmel komme. Allerdings spielt diese Frage auf dem Hintergrund einer Allvers\u00f6hnung sowieso keine Rolle mehr, entgegen dem, was uns die Bibel sagt. Was macht die liberalen Theologen da so sicher? Ist ein kollektives menschliches Urteil in Form der historisch-kritischen Theologie sicherer als das Urteil desjenigen, der die Welt geschaffen hat und sich in seinem Wort geoffenbart hat? Sicher w\u00fcrde hier ein liberaler Theologe einwenden, dass es sich um eine unzul\u00e4ssige Gegen\u00fcberstellung handelt. Hier m\u00f6chte ich aber nochmal dran erinnern, dass unser Ausgangspunkt eine reduzierte Inspirationslehre, wie sie von der Bibelkritik vertreten wird, war. Die Frage ist hier nicht, ob es einen doppelten Ausgang gibt oder nicht, sondern wo ich in der Schrift den Weg zum Himmel finde, wenn ich nicht wei\u00df, nach welchem Schild ich mich richten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Inspirationslehre ist also keine Erfindung der postreformatorischen Orthodoxie. Sie ist eine sowohl im AT als auch im NT gut verankerte biblische Wahrheit. Setzt man allerdings die Denkkategorien der HKT voraus, dann muss die Inspirationslehre in ihrem klassischen Sinn abgelehnt werden. In einer Theologie, in der die Geschichten der Bibel als innerweltliches Zeugnis kollektiver religi\u00f6ser Erfahrungen angesehen werden, bleibt kein Platz f\u00fcr eine g\u00f6ttliche Eingebung. Der garstige Graben, mit dem Lessing in der Aufkl\u00e4rungszeit die Unm\u00f6glichkeit \u00fcbernat\u00fcrlicher Eingebungen und die Dominanz der menschlichen Vernunft zum Ausdruck bringen wollte, besteht nach wie vor. Im Grunde begeht ein bibeltreuer Christ in den Augen der modernen Theologie heute den Fehler, Gottes Reden mit rein menschlichen Erkenntnissen zu verwechseln. Fatal w\u00fcrden diese Fehler, wo man an alten nicht mehr zeitgem\u00e4\u00dfen Regeln festhalten will und sie zum Ma\u00dfstab f\u00fcr einen rechten Glauben dogmatisiert. Wie man unschwer erkennen kann, f\u00fchrt dies jedoch zu unkontrollierbaren Beliebigkeit und Subjektivit\u00e4t. Wenn ich nicht mehr sagen kann, was Gott gesagt hat, was kann ich dann \u00fcberhaupt sagen. Wenn die Bibel nicht das von ihm selbst geoffenbarte Wort ist, dann fehlt mir jegliche Orientierung. Die HKT wirft mich auf meinen eigenen Verstand zur\u00fcck, der aber nicht als neutrale Gr\u00f6\u00dfe gottgegeben ist, sondern der selbst von \u00e4u\u00dferen Faktoren abh\u00e4ngig ist wie Zeitgeist, Gef\u00fchlen, Weltanschauungen und soziologischen und politischen Einfl\u00fcssen. &nbsp;Nur in der Verbindung mit der Autorit\u00e4t des g\u00f6ttlichen Wortes in der Bibel wird mein Verstand zu einer positiven Gr\u00f6\u00dfe, die ich in vielf\u00e4ltiger und guter Weise in der Auseinandersetzung mit den brennenden Fragen dieser Welt und dieser Zeit nutzen kann. So und nur so ist die menschliche Vernunft als Geschenk Gottes anzusehen, f\u00fcr die ich dankbar sein kann. Genauso dankbar bin ich aber auch daf\u00fcr, dass Gott uns seinen Willen in seinem Wort mitgeteilt hat, dass er durch viele Autoren in der Heiligen Schrift sich geoffenbart hat und vor allem uns den Weg zum Himmel gezeigt hat.&nbsp; &nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bis vor wenigen Jahrhunderten noch selbstverst\u00e4ndlich war, n\u00e4mlich dass die Bibel als das fehlerlose Wort Gottes angesehen wurde, ist heute mehr umstritten denn je. Der zentrale Begriff ist hier der Begriff der Inspiration. Inspiration bedeutet: Gott hat seine Worte den Schreibern der Bibel eingegeben (\u00a0 inspirare=einhauchen). 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