{"id":50,"date":"2022-04-02T18:50:54","date_gmt":"2022-04-02T18:50:54","guid":{"rendered":"https:\/\/martin.quitesmall.de\/?page_id=50"},"modified":"2022-04-02T18:50:54","modified_gmt":"2022-04-02T18:50:54","slug":"irrtuemer-in-der-bibel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=50","title":{"rendered":"Irrt\u00fcmer in der Bibel"},"content":{"rendered":"\n<p>Es wird wohl keinen liberalen Theologen geben, der an der Irrtumslosigkeit der Bibel festh\u00e4lt. Die Tatsache, dass aus Sicht der liberalen Theologie die Bibel viele Irrt\u00fcmer oder Widerspr\u00fcchlichkeiten enth\u00e4lt, ist eine der Begr\u00fcndungen f\u00fcr die Ablehnung einer Ganzinspiration. Die Bibel k\u00f6nne nicht in toto das geoffenbarte Wort Gottes sein, weil sie viele Widerspr\u00fcche enthalte. Prof. Zimmer spricht von hunderten von Fehlern und Aussagen, die sich widersprechen. Nun, wie muss man diese Behauptung einsch\u00e4tzen. Prof. Gerhard Maier geht in seiner Hermeneutik ausf\u00fchrlich auf die Geschichte dieses Streitpunktes ein. Wenn man die Geschichte anschaut, dann f\u00e4llt auf, dass \u00fcber eine lange Zeit in der Kirchengeschichte bis auf wenige Ausnahmen Einigkeit dar\u00fcber bestand, dass die Bibel Irrtumslos sei. Justin (gest. ca. 165 n. Chr.) ist \u00fcberzeugt, dass keine Schriftstelle einer anderen widersprechen kann\u201c und er werde eher zugeben, \u201cdass ich das Gesagte nicht begreife\u201c, als von Widerspr\u00fcchen auszugehen. Iren\u00e4us leitet in der zweiten H\u00e4lfte des 2.Jahrhunderts die Vollkommenheit der Schrift aus ihrer Inspiration ab. Auch f\u00fcr Augustin (354-430 n.Chr.) ist die Schrift ohne Irrtum und Widerspruch. F\u00fcr Martin Luther ist die Schrift ein <a>Produkt des Heiligen Geistes und als solches \u201eein<em>rein gewiss Wort, das nicht tr\u00fcget noch fehlet, wie Menschenworte tun\u201c <\/em><\/a><em>Es ist f\u00fcr ihn \u201eunm\u00f6glich, dass die Schrift sich widerspricht; so erscheint es nur den gedankenlosen und widerspenstigen Heuchlern\u201c <\/em>Oder er konnte auch sagen:\u201c <em>Die Schrift ist Gottes Wort, nicht Menschenwort, welches l\u00fcgt, kein Jota ist umsonst.\u201c<\/em> Auch die anschlie\u00dfende protestantische Orthodoxie und der Pietismus gingen von der Irrtumslosigkeit der Schrift aus. Wenn wir uns fragen, wer nun Recht hat, sollten wir uns zun\u00e4chst klar machen, was die Schrift selbst zur Irrtumslosigkeit sagt. Wenn man die Bibel auf diese Frage abklopft, dann f\u00e4llt auf, dass sie nicht von Irrtumslosigkeit spricht. Genauso wenig spricht sie allerdings von Fehlern oder Irrt\u00fcmern. Um das Selbstverst\u00e4ndnis der Bibel zu diesem Thema analysieren zu k\u00f6nnen, wollen wir zun\u00e4chst die einschl\u00e4gigen Stellen dazu anschauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ps 33.4: \u201eSein Wort ist wahrhaftig und was er zusagt, das h\u00e4lt er gewiss.\u201c; Ps.33,9 \u201eDenn wenn er spricht, so geschieht\u00b4s; wenn er gebietet, so steht es da\u201c.In diesem Psalm ist insgesamt dreimal vom Wort Gottes die Rede, das zuverl\u00e4ssig und wirksam ist, und zwar wie bei der Sch\u00f6pfung, so auch bis in die Gegenwart. 2.Petrus 1,19: \u201eUmso fester haben wir das prophetische Wort, ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen.\u201c Joh. 10,35 : \u201eDie Schrift kann nicht gebrochen werden\u201c. Math 5.17: \u201eIhr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzul\u00f6sen; ich bin nicht gekommen aufzul\u00f6sen, sondern zu erf\u00fcllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein T\u00fcpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.\u201c In diesem Vers kommt auch zum Ausdruck, dass die Schrift in ihrer Gesamtheit als zuverl\u00e4ssig und wirksam verstanden wurde. Jesus hat diese S\u00e4tze in der Bergpredigt selbst gesprochen, was die ummittelbare Brisanz dieser Worte vielleicht umso st\u00e4rker unterstreicht. Ps 119,9: Wie wird ein Mann seinen Weg unstr\u00e4flich gehen, wenn er sich h\u00e4lt an deine Worte. Ps 119,105: Dein Wort ist meines Fu\u00dfes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. 2.Sam 7,28:&nbsp; \u201eDeine Worte sind Wahrheit\u201c; Joh.17,17: \u201eDein Wort ist Wahrheit.\u201c<strong> &nbsp;<\/strong>F\u00fcr Jesus besitzt das Alte Testament g\u00f6ttliche Autorit\u00e4t, wie wir es auch in anderen Kapiteln gesehen haben. Ebenfalls auf die entsprechenden anderen Kapiteln m\u00f6chte ich verweisen bei der Frage, inwiefern Paulus dem AT und den bis dahin bekannten schriftlichen und m\u00fcndlichen Zeugnisse von Jesus g\u00f6ttliche Autorit\u00e4t beigemessen hat. Campenhausen kam bei seiner ausf\u00fchrlichen Analyse des Schriftverst\u00e4ndnisses bei Paulus zu dem Fazit: \u201e<em>Man kann nicht schriftgl\u00e4ubiger sein als er. Warum? Die Schrift war f\u00fcr ihn das untr\u00fcgliche, unfehlbar offenbarte Wort Gottes. Die Schrift ist in allem was sie sagt absolut wahr.\u201c <\/em>Wir k\u00f6nnen aufgrund der Selbstaussagen der Bibel nun schon mal festhalten: Die Bibel weist selbst keinerlei Fehlerkultur auf, sie sieht sich in allen Teilen als das absolut zuverl\u00e4ssige Wort Gottes. Sie spricht zwar selbst nicht von Irrtumslosigkeit, setzt diese aber voraus, indem sie von der absoluten Verl\u00e4sslichkeit spricht. Dies f\u00fchrt uns zur Frage: Wenn man nun in der Kirchgeschichte \u00fcber viele Jahrhunderte hinweg und in der Bibel von der Irrtumslosigkeit ausgegangen ist, wie kommt es dann, dass man in der neueren Theologie pl\u00f6tzlich zahlreiche Widerspr\u00fcchlichkeiten und Irrt\u00fcmer in der Bibel entdecket? &nbsp;Gerhard Maier: <em>\u201eWarum hat die christliche Theologie ca.1700 Jahre so viel Gelehrsamkeit in die Behauptung der Fehlerlosigkeit investiert, wenn jetzt ebenso klar sein soll, dass es diese Fehlerlosigkeit nicht gibt?<\/em> Die Antwort kann nicht sein, dass der Kirche bis zum 18. Jahrhundert eine andere Bibel zur Verf\u00fcgung stand. Nach meiner Einsch\u00e4tzung liegt das haupts\u00e4chlich an zwei Punkten. Zum einen haben sich die Denkvoraussetzungen seit der Aufkl\u00e4rung ge\u00e4ndert. Die Bibel wird seit der \u00dcbernahme der Aufkl\u00e4rungsphilosophie in die Theologie nicht mehr als das von Gott inspirierte Wort Gottes gesehen, sondern als ein von Menschen geschriebenes Buch, das deshalb zwangsl\u00e4ufig menschliche Fehler und Irrt\u00fcmer enthalte. Der 2 Punkt folgt aus dem ersten: Die neue Sicht f\u00fchrte zu einer Neubewertung der Spannungen und der f\u00fcr den kritischen Leser sich zeigenden Widerspr\u00fcchlichkeiten in der Bibel. Dazu Gerhard Maier: <em>\u201eIn der Tat ist die Behauptung einer Widerspr\u00fcchlichkeit davon abh\u00e4ngig, dass man die menschlichen Glaubenszeugen zu den ma\u00dfgeblichen Autoren der Schrift ernennt und den g\u00f6ttlichen Autor verdr\u00e4ngt<\/em>. Es ist vielleicht noch wichtig zu sagen, dass beide Faktoren sich hierbei gegenseitig bedingen. Das Erkennen von Widerspr\u00fcchlichkeiten f\u00fchrt zur Annahme, dass es sich hierbei nicht um das inspirierte Gottes Wort handeln k\u00f6nne. Wenn es nicht Gottes Wort ist, dann sind Fehler erwartbar, also werden Spannungen und Ungereimtheiten zu echten Widerspr\u00fcchen. Um nun zu einer Bewertung dieses Sachverhaltes zu kommen, m\u00fcssen wir uns zun\u00e4chst mit einer ganzen Reihe von den o.g. angeblichen Fehlern auseinandersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der aufmerksame und ehrliche Leser wird in der Bibel auf den ersten Blick zwangsl\u00e4ufig zahlreiche Widerspr\u00fcche feststellen. Inwieweit es sich tats\u00e4chlich um echte Widerspr\u00fcche oder nur um scheinbare Widerspr\u00fcche handelt, werden wir im Verlauf sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Widerspr\u00fcche die sich aufgrund von Augenzeugenberichten ergeben:<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst wollen wir die letzten Jesus-Worte am Kreuz betrachten, die sich bei den verschiedenen Evangelisten unterscheiden. Ein kritischer Theologe wird hier ein Zeichen daf\u00fcr sehen, dass die Evangelisten sich widersprechen. Ein evangelikaler Ausleger wird hier die Freiheit des Autors sehen, sich einen priorisierten Ausschnitt des Geschehens rauszugreifen oder das zu berichten, was er eben mitbekommen hat. Klaus Berger schreibt dazu: \u201e<em>Die Verschiedenheiten in der \u00dcberlieferung der letzten Worte Jesu sind mit Sicherheit der Verworrenheit in dieser Lage der Katastrophe zu verdanken. Jesus kann sie alle ge\u00e4u\u00dfert haben. Die verschiedenen Versionen zeigen nur, was f\u00fcr den jeweiligen Evangelisten das Wichtigste war<\/em>.\u201c Beide Sichtweisen, die der liberalen und die der evangelikalen Theologie, stehen vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gleichwertig gegen\u00fcber. Welcher ich glauben schenke, h\u00e4ngt nicht etwa von objektiven wissenschaftlichen Faktoren ab, sondern von meiner Voreinstellung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gleiche Ph\u00e4nomen finden wir auch beim Vergleich der verschiedenen Auferstehungsgeschichten: Wem begegnet Jesus zuerst nach seiner Auferstehung?&nbsp; Mt.28,1 u. 9 : &nbsp;\u201eAls aber der Sabbat vor\u00fcber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen\u2026 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegr\u00fc\u00dft! Und sie traten zu ihm und umfassten seine F\u00fc\u00dfe und fielen vor ihm nieder.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mk.16,9 \u201eAls aber Jesus auferstanden war fr\u00fch am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria Magdalena, von der er sieben D\u00e4monen ausgetrieben hatte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Luk.24,10: \u201eEs waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern Frauen mit ihnen; die sagten das den Aposteln.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Joh 20,1: \u201eAm ersten Tag der Woche kommt Maria Magdalena fr\u00fch, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weggenommen war.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte hier einen Widerspruch sehen. Markus und Johanes waren sich einig, dass Maria, Magdalena jeweils die erste war, die Jesus begegnete. Im Matth\u00e4usevangelium ist noch eine andere Maria dabei. Lukas berichtet, dass etwas sp\u00e4ter dann noch eine Johanna und andere Frauen in das Geschehen eingeweiht waren, bevor sie es den \u00fcbrigen J\u00fcngern erz\u00e4hlten. Hier k\u00f6nnte es sich allerdings auch naheliegend um einen zeitlichen Versatz handeln. Diese Beschreibung muss sich nicht auf die erste Begegnung mit Jesus beziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Geschichte vom blinden Bartim\u00e4us (Lukas 18 und Markus 10) kommt es einmal zur Begegnung mit Jesus beim Eintreffen Jesu und einmal beim Weggehen aus der Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie wir an den Beispielen sehen k\u00f6nnen, sind die Unterschiede gering und \u00e4ndern an dem entscheidenden Grundvorgang der Geschichte \u00fcberhaupt nichts. Gerade die Unterschiedlichkeit ist aber ein klares Indiz f\u00fcr die Authentizit\u00e4t, also f\u00fcr die Echtheit dieser Geschichten. Bei der Zeugenvernehmung w\u00fcrde ein v\u00f6llig identischer Bericht eher den Verdacht sch\u00fcren, dass sich beide Zeugen abgesprochen haben, um die Wahrheit zu vertuschen. Eine derartige geringe Abweichung wie im Fall des blinden Bettlers oder der ersten Zeugen der Auferstehung spricht daf\u00fcr, dass hier Wahrheit erz\u00e4hlt wird. Kein menschlicher Richter w\u00fcrde in einem solchen Fall einen der Berichterstatter der L\u00fcge bezichtigen. Es ist aus Sicht der menschlichen Ged\u00e4chtnisleistung ein v\u00f6llig normaler Vorgang. Der anhand dieser Beispiele gezeigte Vorgang l\u00e4sst sich auf viele scheinbare Widerspr\u00fcchlichkeiten anwenden. Sie beruhen ganz einfach auf Augenzeugenberichten. Aus diesen Unterschieden aber den Schluss zu ziehen, die Berichte seien manipuliert worden oder w\u00fcrden teilweise auf einem Irrtum beruhen, ist keinesfalls sachlich.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Widerspr\u00fcche, die auf fehlenden Zusatzinformationen oder fehlender Kenntnis von Sachzusammenh\u00e4ngen beim Leser beruhen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber den Tod von Judas Iskariot berichtet Matth\u00e4us, dass er sich erh\u00e4ngte (Mt 27,5), nachdem er seinen Verr\u00e4terlohn gespendet hatte. In der Apostelgeschichte lesen wir aber, er sei gest\u00fcrzt, auseinandergeborsten und seine Eingeweide h\u00e4tten sich verteilt (Apg 1,18+19). Ist hier nun von zwei verschiedenen Todesarten die Rede? Dazu Thomas Jeising: <em>Es hat zu diesem Widerspruch schon zahlreiche Erkl\u00e4rungen gegeben, ich ziehe diese wegen ihrer Einfachheit vor. Der Baum am Rand des Ackers, an dem Judas sich au\u00dferhalb Jerusalems erh\u00e4ngte, lag wahrscheinlich nicht im Blickfeld, so dass er einige Zeit dort hing. Wer sich einmal sachkundig machen will, was mit einem Selbstm\u00f6rder geschieht, der einige Zeit aufgeh\u00e4ngt bleibt, der m\u00f6ge die Berichte des Tatortreinigers Peter Anders5 lesen, der schildert, welche Arbeit er in Wohnungen hat, wenn er in m\u00fchevoller Arbeit die Reste der aufgeplatzten K\u00f6rper entfernen muss, die nicht gleich nach ihrem Tod gefunden werden. Nicht sehr appetitlich, aber lehrreich. Wer das gelesen hat, dem wird bei Judas Tod in Zukunft kein Widerspruch mehr auffallen. Wahrscheinlich ist der K\u00f6rper des Judas nach einiger Zeit entweder noch h\u00e4ngend oder als man ihn abschnitt, aufgeplatzt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nochmal will ich zur\u00fcckkehren zu den Berichten \u00fcber die Heilung des blinden Bartim\u00e4us<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Luk 18;35: Es geschah aber, als er in die N\u00e4he von Jericho kam, da sa\u00df ein Blinder am Wege und bettelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mk10,46: Und sie kamen nach Jericho. Und als er aus Jericho hinausging, er und seine J\u00fcnger und eine gro\u00dfe Menge, da sa\u00df ein blinder Bettler am Wege, Bartim\u00e4us, der Sohn des Tim\u00e4us.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Ausgrabungsarbeiten des alten Jericho hat man die Grundmauern einer zweigeteilten Stadt gefunden. Wenn Bartim\u00e4us zwischen den beiden Stadtteilen bettelte, dann w\u00e4re dies eine einfache m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr die unterschiedlichen Schilderungen. Ein weiteres Beispiel f\u00fcr einen scheinbaren Widerspruch ist der Bericht von den Seligpreisungen. Matth\u00e4us verortet sie auf einem Berg, Lukas auf ein ebenes Feld. Das machte mich immer wieder stutzig, bis ich einen Vortrag von Roger Liebi geh\u00f6rt habe, in dem er \u00fcber die Bedeutung von Bergen in der Bibel spricht. Er berichtet darin, dass es auf dem Berg Tabor im Norden Israels auf halber H\u00f6he ein gro\u00dfes Plateau (= ebenes Feld auf dem Berg) gibt. Diese Stelle sei hervorragend geeignet, nicht nur wegen der guten Akustik eine Predigt vor viel Publikum zu halten, sondern auch den scheinbaren Widerspruch zwischen Lukas und Matth\u00e4us aufzul\u00f6sen. In den genannten F\u00e4llen h\u00e4tten wir also voreilig einen falschen Schluss gezogen, weil wir den Berg Tabor nicht kennen, oder weil wir nicht wussten, was mit einem Erh\u00e4ngten passieren kann, oder dass Jericho zweigeteilt war. Manche scheinbaren Widerspr\u00fcche ergeben sich also auch aufgrund fehlender Sachkenntnis. Wir d\u00fcrfen annehmen, dass hinter manchem solcher ungel\u00f6sten Ungereimtheiten ein derartiges Problem steckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Widerspr\u00fcche aufgrund mangelnder Sprachkenntnis der Ursprachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ein Beispiel aus der &nbsp;Apg.9 und in Apg 22. An beiden Stellen wird die Bekehrung von Paulus geschildert. In Apg.9 hei\u00dft es: Die Gef\u00e4hrten von Paulus h\u00f6rten zwar die Stimme, aber sahen niemanden. In Apg. 22 hei\u00dft es: Sie sahen zwar das Licht aber die Stimme dessen, der mit mir redete, h\u00f6rten sie nicht. Was nun. Ein eindeutiger Widerspruch? Keineswegs! Wenn man den griechischen Urtext anschaut, steht das H\u00f6ren einmal in Verbindung mit einem Genitiv und einmal mit Akkusativ. Das hei\u00dft einmal ist das H\u00f6ren allgemein gemeint im Sinne von: Sie h\u00f6rten zwar eine Stimme oder Stimmen, beim Akkusativ bedeutet das H\u00f6ren ein konkretes H\u00f6ren: Sie verstanden die Stimme nicht, die sie h\u00f6rten. Au\u00dferdem d\u00fcrfen wir beim gleichen Schreiber beider Stellen (Lukas), der uns aus seinem Prolog des Lukasevangeliums in den ersten Versen als akribisch genauer Historiker begegnet, annehmen, dass er selbst hier sich nicht auf kurzer Distanz widersprochen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Sam 15,11 \u201eEs reut mich, dass ich Saul zum K\u00f6nig gemacht habe; denn er hat sich von mir abgewandt und meine Befehle nichterf\u00fcllt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>1.Sam 15,29 \u201eAuch l\u00fcgt der nicht, der Israels Ruhm ist, und es gereut ihn nicht; denn er ist nicht ein Mensch, dass ihn etwas gereuen k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>1.Sam 15,35 \u201eUnd Samuel sah Saul fortan nicht mehr bis an den Tag sei- nes Todes. Aber doch trug Samuel Leid um Saul, weil es den HERRN gereut hatte, dass er Saul zum K\u00f6nig \u00fcber Israel gemacht hatte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte hier auch einen klaren Widerspruch sehen. Aufschluss \u00fcber diesen scheinbaren Widerspruch gibt uns ein Blick auf die hebr\u00e4ische Bedeutung von <em>bereuen<\/em>, das hier verwendet wird. Thomas Jeising schreibt dazu: \u201e<em>Das hebr\u00e4ische Wort \u201ereuen\u201c nicham enth\u00e4lt verschiedene Aspekte, den von \u201eleid tun, betrauern\u201c und den von \u201eBeschl\u00fcsse \u00e4ndern oder zur\u00fccknehmen\u201c. Es hei\u00dft \u00fcbrigens auch noch \u201etr\u00f6sten\u201c oder \u201esich tr\u00f6sten\u201c, weil die Suche nach Trost bzw. die Gabe des Trostes die Reaktion darauf ist, dass mich Leid betrifft und ich Mitleid empfinde.\u201c<\/em> Setzt man die entsprechenden \u00dcbersetzungen in die obengenannten Verse ein, so l\u00f6st sich der Widerspruch ohne weitere auf. Ein Indiz daf\u00fcr, dass wir manche Ungereimtheiten nicht verstehen, weil wir die alten Sprachen zu wenig kennen. Manch ein Widerspruch beruht m\u00f6glicherweise auch auf \u00dcbersetzungsfehlern. Wir sollten uns hier bewusst machen, dass wir bei der Bedeutung der hebr\u00e4ischen W\u00f6rter auf die Bibel selbst angewiesen sind. Im Gegensatz zur griechischen Sprache, deren Bedeutung wir auch aus profaner Literatur teilweise zumindest ableiten k\u00f6nnen. Beim alten Testament k\u00f6nnen wir nicht ausschlie\u00dfen, dass manche Stellen auch Fehler in der \u00dcbersetzung enthalten und so zu Ungereimtheiten gef\u00fchrt haben. Das betrifft beispielsweise Zahlenw\u00f6rter. Hier konnte bis heute nicht gekl\u00e4rt werden, inwieweit manche Zahlenangaben 1:1 auf unsere heutigen Zahlen \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Widerspr\u00fcche in Verbindung mit Zahlenangaben:<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Jeising schreibt: \u201e<em>Vielleicht bedeutet die Zahl 1000 im Alten Testament nicht immer 1000, sondern im Zusammenhang milit\u00e4rischer Z\u00e4hlung eher Tausendschaft, und bezeichnet damit eine Einheit, wie Regiment oder Bataillon, die nicht 1000 Personen umfassen musste. Bei widerspr\u00fcchlichen Zahlenangaben k\u00f6nnte es auch so sein, dass ein altes System in ein neueres umgerechnet wurde. So lie\u00dfen sich vielleicht Abweichungen zwischen den K\u00f6nigsb\u00fccher und den Chroniken erkl\u00e4ren. So sind auch die Ergebnisse der Volksz\u00e4hlung Davids unterschiedlich. H\u00e4tten wir genug Sachkenntnis \u00fcber die Volksz\u00e4hlung s\u00e4hen wir sicher keinen Widerspruch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>2.Sam. 24,9 Und Joab gab dem K\u00f6nig das Ergebnis der Musterung an. Und zwar gab es in Israel 800000 Wehrf\u00e4hige, die das Schwert zogen, und die M\u00e4nner von Juda waren 500000 Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>Chr. 21,5 Und Joab gab David das Ergebnis der Volksz\u00e4hlung an. Und zwar gab es in ganz Israel 1110000 Mann, die das Schwert zogen, und in Juda 470000 Mann, die das Schwert f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier gibt es nach meiner Kenntnis bisher keine plausible L\u00f6sung f\u00fcr die unterschiedlichen Angaben. Eine andere Sache ist die unterschiedliche Angabe \u00fcber den Zeitpunkt der Kreuzigung Jesu.<\/p>\n\n\n\n<p>Mk.15,25: Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten\u2026. Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis \u00fcber das ganze Land bis zur neunten Stunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Joh.18,14: Es war aber der R\u00fcsttag f\u00fcr das Passafest, um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Sehet, euer K\u00f6nig!<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kann es sein, dass Markus die Kreuzigung auf die 3.Stunde datiert, w\u00e4hrend bei Johannes Jesus um die 6 Stunde noch vor dem hohen Rat steht und gleichzeitig alle 3 Synoptiker sich einig sind, dass die Finsternis zwischen der 6. Und 9 Stunde dauerte. Hier gibt es eine einfache Erkl\u00e4rung. Die 3 Synoptiker (Matth\u00e4us, Markus und Lukas) benutzten die gew\u00f6hnliche damalige j\u00fcdische Zeitrechnung. Demnach ist Jesus um 9:00 gekreuzigt worden. Der Tag begann bei Sonnenaufgang, also um 6:00. Johannes, der sein Evangelium wesentlich sp\u00e4ter geschrieben haben d\u00fcrfte, verwendete die r\u00f6mische Zeitrechnung, in der der Tag \u00e4hnlich wie bei uns heute um Mitternacht begann. Um die sechste Stunde bedeutet also ungef\u00e4hr um 6:00 morgens. Das passt sehr gut zu den \u00fcblichen Angaben. Jesus stand um 6.00 morgens vor Hannas bzw. Kaiphas, zuvor, also noch in der Nacht hatte ihn Petrus drei Mal verraten und um 9:00 wurde er dann gekreuzigt. Es ist kein Widerspruch zu den \u00fcbrigen Evangelisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bisher aufgef\u00fchrten scheinbaren Widerspr\u00fcche befinden sich alle auf einem Niveau, das f\u00fcr das Inspirationsverst\u00e4ndnis entweder nur eine geringe oder gar keine Rolle spielt. Man k\u00f6nnte hier noch leicht sagen, ob nun sich ein Evangelist vielleicht geirrt hat bei der Angabe der ersten Zeugen, tut dem Glauben an die g\u00f6ttliche Autorenschaft der Schrift keinen Abbruch. Die angeblichen Widerspr\u00fcche, die wir bisher behandelt haben, sind gering. Ist es denn ausgeschlossen, dass der Heilige Geist nicht durchaus kleine Fehler zugelassen hat?&nbsp; Trotzdem werden diese kleinen nur angenommen Fehler von liberalen Theologen oft ins Feld gef\u00fchrt, um das Festhalten an gro\u00dfen Widerspr\u00fcchlichkeiten zu rechtfertigen, um schlie\u00dflich argumentieren zu k\u00f6nnen, dass die Bibel und Gottes Wort keine Identit\u00e4t aufweisen. Wir kommen hier ganz schnell wieder an den Punkt, dass ich im Falle einer Ablehnung einer Ganzinspiration wieder eine au\u00dferbiblische Instanz brauche, um zu entscheiden, was nun Gottes Wort und was reines Menschenwort ist. Ich werde darauf sp\u00e4ter nochmal eingehen. Jetzt m\u00f6chte ich die Art der gro\u00dfen Widerspr\u00fcchlichkeiten , von denen die liberalen Theologen ausgehen, beurteilen. Es geht dabei weiter um innerbiblische Aussagen und Texte, die sich angeblich widersprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Widerspr\u00fcche, die sich aus dem Verlust des Kontextes oder Einheit der Schrift ergeben<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel ist, zu behaupten, der Jakobusbrief widerspreche der Theologie von Paulus. Gelegentlich rechtfertigt man mit diesem Beispiel die Kritik an der Bibel insgesamt. Martin Luther hat bekanntlich den Jakobusbrief als strohernen Epistel bezeichnet, weil er nicht in sein radikales Konzept der Rechtfertigung allein aus dem Glauben passte. Wenn man allerdings Paulus genau auf dieses Thema untersucht, stellt man fest, dass Paulus durchaus auch von der Wichtigkeit der Werke genau wie Jakobusbrief sprechen kann. An den Stellen meint er allerdings nicht die Werke des mosaischen Gesetzes, sondern die Werke des Geistes. (Im Galaterbrief nennt er sie Fr\u00fcchte) Um nur ein Beispiel zu nennen: Titus 1:16: \u201eSie sagen sie kennen Gott, aber mit den Werken verleugnen sie ihn. Ein Gr\u00e4uel sind sie und gehorchen nicht und sind zu allem guten Werk unt\u00fcchtig.\u201c&nbsp; Oder Titus 2:14: \u201eEr reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig w\u00e4re zu guten Werken\u201c. Diese S\u00e4tze k\u00f6nnten genauso gut im Jakobusbrief stehen. Wer aus Jakobus und Paulus einen Gegensatz machen will, der hat die Rechtfertigungslehre von Paulus nicht verstanden. Die Theologie ist die gleiche. Nur die Betonung ist in diesem Augenblick des Schreibens eines Briefes oder innerhalb eines Briefes in Abh\u00e4ngigkeit vom Thema &#8211; besser in Abh\u00e4ngigkeit vom Ort des Gedankenganges- unterschiedlich. &nbsp;Wir m\u00fcssen uns hier allerdings nochmal bewusst machen, dass der konstruierte Gegensatz zwischen Paulus und Jakobus eine ganz andere Qualit\u00e4t hat als die zuvor genannten Widerspr\u00fcche. Hier geht es um tiefe theologische Aussagen, es geht um nichts weniger als um unser Heil, deshalb kann es hier keine Widerspr\u00fcche geben. Derartige Beispiele werden immer wieder angebracht, um die Autorit\u00e4t wichtiger biblischer Figuren zu untergraben. So wird Jesus gegen das Alte Testament ausgespielt, die Evangelien gegen die Briefe und umgekehrt, der nach\u00f6sterliche Jesus gegen den historischen Jesus, Paulus gegen Petrus. Am Ende bleibt nur noch ein H\u00e4ufchen Beliebigkeit, ein Hauch subjektiver Gef\u00fchle oder ein christlich garnierter Humanismus \u00fcbrig. Auch hier zeigt sich: Essentielle Widerspr\u00fcche kann ich aus der Bibel nicht herauslesen (Exegese), ich kann sie nur hineinlesen (Eisegese). Die Bibel bietet mir keine echten Widerspr\u00fcche an, wenn ich welche entdecke, dann habe ich sie vorher konstruiert. Aus diesem Beispiel k\u00f6nnen wir weitere wichtige Erkenntnisse im Umgang mit biblischen Texten gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist wichtig zu verstehen, dass manche sich scheinbar widersprechenden S\u00e4tze oder Aussagen nur der Betrachtung einer Sache aus unterschiedlichen Perspektiven oder mit unterschiedlicher Betonung geschuldet sind. Meist kann dies jedoch am Kontext erkannt werden. Die Unterschiede in der Betrachtung ergeben sich oft auch aus der Unterschiedlichkeit der Adressaten, an die ein Text gerichtet ist. Jakobus hat seinen Brief wahrscheinlich an Gl\u00e4ubige geschrieben, bei denen die Einheit zwischen Glauben und Werken bzw. zwischen Wort und Tat zu zerbrechen drohte. Bei den Recherchen zu diesem Thema ist mir aufgefallen, dass ich auch Widerspr\u00fcchlichkeiten bei Martin Luther finden k\u00f6nnte. Er konnte einerseits von <em>Fehlern in der Schrift<\/em> reden, aber andererseits schreiben, \u201e<em>die Schrift sei ein Produkt des Heiligen Geistes und als solches ein rein gewiss Wort, das nicht tr\u00fcget noch fehlet, wie Menschenworte tun.\u201c <\/em>So ist auch zu erkl\u00e4ren, dass Martin Luther manchmal gleichzeitig f\u00fcr das Argument und f\u00fcr das Gegenargument herangezogen werden kann. Es g\u00e4be zahlreiche Beispiele, mit denen man dies untermauern k\u00f6nnte Zum einen liegt das an der Unsch\u00e4rfe der Sprache, auf die ich sp\u00e4ter noch eingehen werde, zum andern an der fehlerhaften Ber\u00fccksichtigung des Zusammenhangs. Das zeigt uns, dass das Urteil \u00fcber Widerspr\u00fcchlichkeiten oft sehr subjektiv ist. Klaus Berger sagt dazu: <em>Das Unechte ist meist das Unbeliebte!<\/em> Vermeintliche Widerspr\u00fcche ergeben sich auch dadurch, dass es auf geistlichen Gebiet Glaubensinhalte gibt, die ich nicht exakt mathematisch erfassen kann oder die sich einer v\u00f6llig logischen Aufl\u00f6sung entziehen. Ich kann sie deshalb mit Hilfe der Sprache nur so darstellen, dass eine logische Spannung bleibt. Sie nach einer Seite aufzul\u00f6sen, w\u00fcrde die Bedeutung verf\u00e4lschen und den Boden bereiten f\u00fcr Irrlehren, was sich oft genug gezeigt hat. Das einfachste Beispiel ist die Doppelnatur Jesu. Einerseits ist es unm\u00f6glich, das zu denken. Der Vergleich mit den Aggregatszust\u00e4nden des Wassers ist zwar nicht schlecht, aber bleibt trotzdem hinter der tiefen Bedeutung der Doppelnatur Jesus zur\u00fcck, weil Jesus zu Erdenzeiten eben st\u00e4ndig zugleich Gott und Mensch war. Andererseits halte ich es f\u00fcr faszinierend, dass wir es doch denken k\u00f6nnen. Ich kenne kaum Christen, die da heute ernsthaft Probleme damit h\u00e4tten. Als Menschen sind wir in der &nbsp;Lage, auch abstrakt zu denken- vermutlich auch eine Qualit\u00e4t, die in der Ebenbildlichkeit Gottes begr\u00fcndet ist. &nbsp;Andere Beispiele f\u00fcr ein f\u00fcr unser logisches Denken nicht spannungsfrei erkl\u00e4rbare Wahrheiten sind das Verh\u00e4ltnis von Werken und Gnade, von Vorherbestimmtheit und freiem Willen von Tugend und Geschenk, von Richtgeist und Urteil \u00fcber Irrlehren usw. Nicht an jeder Stelle der Bibel werden beide Seiten eines Sachverhaltes immer sachgem\u00e4\u00df ber\u00fccksichtig oder manchmal wird nur eine Seite beleuchtet, weil die Angesprochenen in den Augen des Schreibers Zeichen einer Einseitigkeit erkennen lassen, wie im Jakobusbrief. In den meisten solcher F\u00e4lle werde ich die Bibel nur richtig verstehen, wenn ich von einer Einheit ausgehe, oder den Gesamtkontext ernst nehme. Dunkle Stellen werden von den hellen erleuchtet. Das ist das Prinzip der Selbstauslegung. (Sola sriptura ipsi sius interpres), die in der Reformation zur besonderen Geltung kam aber auch f\u00fcr uns heute das wichtigste Auslegungsprinzip geblieben ist. Dies funktioniert aber nur dann, wenn ich die Bibel als Einheit sehe und mir bewusst bin, dass die Einheit ein von Gott gestiftetes Geschenk ist. Andernfalls liegt es in der Natur der Sache, dass ich in manchen Aussagen der Schrift Widerspr\u00fcche sehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu Thomas Jeising: \u201e<em>Es geh\u00f6rt in der kritischen Theologie heute weitgehend zum System, die Einheit der Bibel v\u00f6llig abzustreiten und die Einheit einzelner B\u00fccher regelm\u00e4\u00dfig in Zweifel zu ziehen. Das hat einerseits seinen Ausgang in einem Widerspruch, den man zu entdecken meinte und f\u00fchrt andererseits dazu, dass auch jeder noch so kleine Unterschied in Nuancen zu einem Widerspruch stilisiert wird. Jeder gefundene Widerspruch wird dann zu einem Ankerpunkt f\u00fcr eine kritische Theorie, \u201esodass dar\u00fcber der Blick f\u00fcr die Einheit und umfassende Aussagen der Heiligen Schrift verloren gehen. Dann zerbr\u00f6ckelt der Pentateuch und jedes andere biblische Buch zu einem Konglomerat beziehungsloser Texte. Die alles verbindende Einheit wird nicht mehr gesehen, die Botschaft des Ganzen nicht mehr geh\u00f6rt\u2026\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach evangelikalem Verst\u00e4ndnis ist die Bibel zugleich Gottes Wort und Menschenwort. Auch hier besteht eine gewisse logische Spannung. Diese Spannung nach einer Seite aufl\u00f6sen zu wollen, w\u00e4re ebenfalls nicht richtig, weil sie dem Selbstverst\u00e4ndnis der Offenbarung im Gesamtkontext widersprechen w\u00fcrde. Hierbei sollten wir allerdings beachten, dass sich beide Komponenten nicht wie in der historisch- kritischen Theologie immer wieder geschehen, trennen lassen. Es w\u00e4re nicht richtig zu sagen, an manchen Stellen sei die Bibel Menschenwort und an manchen Gottes Wort. An den Stellen, an denen Irrt\u00fcmer auftauchen, sei sie eben nur Menschenwort. Jeder Vers ist immer beides gleichzeitig. Gelegentlich wird das Verh\u00e4ltnis beider Komponenten der Bibel mit der Doppelnatur Jesu verglichen, der eben auch beides war -Gott und Mensch gleichzeitig. Auf der menschlichen Seite seien deshalb auch Fehler m\u00f6glich. Wenn man schon diesen Vergleich ben\u00fctzt, dann kann man ihn aber nicht dazu verwenden, die Fehlernatur der Bibel plausibel zu machen, denn Jesus war als Mensch ebenso fehlerlos. Jesus war, wie bereits oben erw\u00e4hnt, gleichzeitig Gott und Mensch. \u00dcbrigens, um bei diesem Vergleich zu bleiben, w\u00e4re es nicht auch denkbar, entgegen den biblischen Aussagen, der Darstellung von Jesus im neuen NT Fehler zu unterstellen, z.B. bei der Tempelreinigung, wo Jesus zornig geworden ist? Jesus einen Fehler zu unterstellen, w\u00fcrde hier eher meinem subjektiven menschlichen Ma\u00dfstab entstammen und h\u00e4tte keinen R\u00fcckhalt in der Schrift selbst. Das w\u00e4re Eisegese.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Stelle sollten wir uns aber auch mit der menschlichen Seite der Schrift besch\u00e4ftigen. Worin kommt denn nun die menschliche Seite des Gotteswortes zum Tragen, wenn nicht in Fehlern? Die Bibel besitzt ohne Zweifel eine menschliche Seite. Die Autoren haben erkennbar in ihrem eigenen Sprachstil geschrieben. Auch der gesellschaftliche und zeitliche Kontext wird an vielen Stellen sichtbar oder kann eruiert werden. Um einen Text und die Aussageabsicht zu verstehen, geh\u00f6rt es daher auch immer dazu, nach dem Zielpublikum, nach dem kulturellen Kontext sowie nach dem heilsgeschichtlichen Zusammenhang zu fragen. Selbstverst\u00e4ndlich sollten wir kl\u00e4ren, welche Textgattung vorliegt. Ist es z.B. ein Gleichnis, will der Text tats\u00e4chliches Geschehen berichten? Die menschliche Seite der Bibel beinhaltet aber auch sprachliche Unsch\u00e4rfen, wie ich es oben schon teilweise erkl\u00e4rt habe, das liegt in der Natur der menschlichen Sprache. Nach diesem Konzept werde ich auch immer Fehler in der Bibel finden, wenn ich es darauf anlege bzw. wenn ich Fehler finden will, weil Sprache nie mathematisch exakt ist. \u00c4hnlich wie in einem Streitgespr\u00e4ch, in dem ich dem Gegner Widerspr\u00fcchlichkeiten vorwerfen k\u00f6nnte, indem ich den Kontext einer Aussage ignoriere. Trotzdem \u00e4ndert das nichts daran, dass ich eine Aussagen in seinem inhaltlichen Zusammenhang gut verstehen kann, wenn ich will. &nbsp;Zus\u00e4tzlich habe ich eine Vorkenntnis von der Pers\u00f6nlichkeit, die hinter einer Aussage steht, sodass die Bedeutungsbreite einer Aussage noch weiter eingeengt wird. Im Falle von biblischen Texten ist das Gott. Auch diese Vorkenntnis wird mir helfen, die Aussageabsicht eines Textes in seinem g\u00f6ttlichen Gesamtkontext noch besser zu verstehen. Wenn Gott als Autor ausscheidet, wie in der liberalen Theologie, dann fehlen mir zwei wesentliche Kriterien, biblische Texte zu erschlie\u00dfen und Widerspr\u00fcchlichkeiten zu beurteilen. Zum einen die Einheit der Schrift, die mir den Text im Gesamtkontext erschlie\u00dft, und zum andern die Vorkenntnis der g\u00f6ttlichen Autorenschaft. Fehler zu finden, liegt dann nicht am Gegenstand der Untersuchung, sondern an der mangelnden Bereitschaft, die Bibel als Einheit und als von Gott inspiriert anzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kommen wir zu Widerspr\u00fcchlichkeiten mit au\u00dferbiblischen Kenntnissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Widerspr\u00fcche zur historischen Forschung.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf keinem anderen Gebiet mussten Hypothesen der wissenschaftlichen Seite so h\u00e4ufig revidiert werden wie auf dem Gebiet der historischen Forschung. Teilweise bin ich da in anderen Kapiteln darauf eingegangen. Zun\u00e4chst die Pentateuchkritik, nach der man zahlreiche verschiedene Quellen entdeckt zu haben glaubte. Aufgrund unterschiedlicher Gottesnamen und unterschiedlicher Sprachstile und Themen ging man davon aus, dass urspr\u00fcnglich mehrere Sch\u00f6pfungsgeschichten und Erz\u00e4hlkulturen im Umlauf waren, die dann von einem Endredaktor am Ende oder nach der babylonischen Gefangenschaft in der heutigen Form zusammengetragen wurden. Auch Widerspr\u00fcchlichkeiten in den Quellen nahm man als Ausgangspunkt f\u00fcr eine Theorie, die die Verfasserschaft von Mose ablehnte und die dann wiederum dazu f\u00fchrte, dass man Widerspr\u00fcche geradezu finden musste, um die Theorie zu st\u00fctzen. Dass man hier nicht mehr von Wissenschaft prechen kann, ergibt sich nicht nur aus der Tatsache, dass keine der postulierten Quellen jemals gefunden wurde, sondern dass es inzwischen so viele sich widersprechende Theorien dazu gibt wie Wissenschaftler. Weitere Beispiele f\u00fcr Irrt\u00fcmer in der Wissenschaft sind unter anderen:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Schreibkunst gab es schon viel fr\u00fcher als urspr\u00fcnglich angenommen, als man die Autorenschaft Moses an seinen 5 B\u00fcchern in Frage zu stellen begonnen hat. Entgegen der fr\u00fcheren Annahme, dass es sich bei Abraham nur um eine fiktive Person handelte, hat man Tontafeln in der Gegend des fr\u00fcheren Ur gefunden, auf denen der Name Abraham erscheint. Der Auszug aus \u00c4gypten wurde historisch abgelehnt. (Finkelstein: Keine Posaunen vor Jericho) Durch eine Verschiebung der bisher angenommenen Chronologie, die sich vorwiegend an der \u00e4gyptischen Geschichtsforschung orientiert, ergibt sich ein Bild, das wunderbar zu den im Pentateuch geschilderten Ereignissen passt. Der Hiskia- Tunnel wurde wieder entdeckt- ich habe Teile davon bei meinen Israelreisen selbst gesehen-die Masse stimmen in erstaunlicher Weise mit den biblischen Angaben \u00fcberein. Man k\u00f6nnte die Reihe der \u00dcbereinstimmung von historisch- biblischen Berichten mit den arch\u00e4ologischen Funden problemlos forstsetzen. Ich werde dazu einen eigenen Vortrag erstellen. Auch der Gegenprobe h\u00e4lt die Bibel stand. Man k\u00f6nnte beispielsweise argumentieren: Wenn die Bibel tats\u00e4chlich ein rein menschliches Buch w\u00e4re, deren Inhalt wenigstens 2000 Jahre alt ist, und deren Geschichten mindestens teilweise Fantasieprodukte sind, warum ist es dann bis heute nicht gelungen, einen eindeutigen Widerspruch zur modernen Arch\u00e4ologie bzw. Geschichtsforschung nachzuweisen? W\u00e4re es nicht wahrscheinlich, dass man angesichts der langen Entwicklung des AT wenigstens ein paar wenige eindeutige Widerspr\u00fcche findet? Es gibt sie aber nicht! Warum wohl? Viele ehemals geglaubte Irrt\u00fcmer haben sich inzwischen als wahr erwiesen oder k\u00f6nnen als Irrt\u00fcmer stark in Frage gestellt werden. Die liberale Theologie ist nach meiner Einsch\u00e4tzung heute in der Bringschuld, wenn sie behauptet, dass viele Geschichten keine historische Grundlage h\u00e4tten. Sie baut hier auf viele veraltete wissenschaftliche Erkenntnisse, die sich inzwischen als falsch erwiesen haben. Trotzdem h\u00e4lt die HKT an ihrem Credo der fehlenden und nicht relevanten Historizit\u00e4t fest. Manchmal bekommt man den Eindruck, hier ist nicht eine echte Wissenschaftlichkeit am Werk, sondern eine institutionalisierte Befangenheit. Nicht selten liest man S\u00e4tze, wir k\u00f6nnen heute nicht mehr anders. Wir k\u00f6nnen nicht mehr hinter die Aufkl\u00e4rung zur\u00fcck. &nbsp;Ein Kommentar eines bekannten profanen Historikers gibt uns hier Aufschluss \u00fcber das Problem einer solchen Einstellung.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Henri Irenee Marrou 1904-1777<\/p>\n\n\n\n<p>Der Historiker darf gegen\u00fcber den Zeugen der Vergangenheit nicht eine verdrie\u00dfliche, kleinliche und m\u00fcrrische Haltung einnehmen wie ein schlechter Polizist, dem jede vorgeladene Person a priori bis zum Beweis des Gegenteiles als verd\u00e4chtig und schuldig gilt. Eine solche \u00dcberspitzung des kritischen Geistes w\u00e4re f\u00fcr den Historiker alles andere als eine Qualit\u00e4t, vielmehr ein grundlegendes Laster, das ihn praktisch unf\u00e4hig macht, die wirkliche Bedeutung der zu untersuchenden Dokumente, die Tragweite und ihren Wert zu erkennen; eine solche Haltung ist in der Geschichte ebenso gef\u00e4hrlich, wie im t\u00e4glichen Leben die Furcht, get\u00e4uscht zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn in der Bibel beispielsweise historische Irrt\u00fcmer stehen, dann impliziert das automatisch: Der Schreiber hat sich get\u00e4uscht, es hat sich nicht so zugetragen, es muss also anders gewesen sein. Warum hat es uns Gott dann nicht so \u00fcbermittelt wie es wirklich war? Gab es denn in dieser Zeit keine realen von Gott gewirkten Erfahrungen, die es Wert gewesen w\u00e4ren, sie der Nachwelt in schriftlicher Form zu \u00fcberlassen. Warum hat es Gott zugelassen, dass die unwahre Geschichte erz\u00e4hlt wurde und die wahre vergessen wurde. Eine fiktive Geschichte ist historisch gesehen immer der Ersatz f\u00fcr eine echte Geschichte. F\u00fcr den liberalen Theologen ist das eh keine Frage, weil er nicht mit einem in der Geschichte handelnden Gott rechnet, wie wir es vielfach gesehen haben. Wenn die Bibel also unabl\u00e4ssig davon spricht, absolut verl\u00e4sslich zu sein und zu halten was sie verspricht und darum wirbt, mich darauf einzulassen, dann passt dies keinesfalls zu der Annahme von zahlreichen Irrt\u00fcmern.<\/p>\n\n\n\n<p>Naturwissenschaftliche Widerspr\u00fcche<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es noch die naturwissenschaftlichen Irrt\u00fcmer. Hier wird jedem sofort als Paradebeispiel die Evolutionstheorie einfallen, auf die ich allerdings hier nicht eingehen werde, weil ich diesem Thema ein gro\u00dfes extra Kapitel gewidmet habe. So viel kann ich aber hier schon mal verraten: Einen Irrtum zu sehen, bedarf einer weltanschaulichen Vorentscheidung, die allein wissenschaftlich nicht sachlich durchzuhalten ist. Manchmal wird der Hase als Beispiel angef\u00fchrt, der unter die Wiederk\u00e4uer in 3.Mose 11,6 eingruppiert wird. Auch dieses Beispiel f\u00e4llt durch, weil man inzwischen wei\u00df, dass Hasen ihren eigenen Kot fressen, um Restn\u00e4hrstoffe zu verwerten. Man hatte dies offensichtlich damals genauer beobachtet als die Menschen bis ins 19. Jahrhundert, als man dieses Verhalten neu entdeckte. Oft wird dem Sch\u00f6pfungsbericht ein veraltetes Weltbild unterschoben. Im entsprechenden Kapitel werde ich dies ebenfalls widerlegen. Im Josuabuch wird davon berichtet, dass die Sonne stillstand. Das sei doch ein klarer Fall, dass die Menschen damals an ein geozentrisches Weltbild geglaubt haben. Wenn ich dies als Widerspruch deklariere, dann m\u00fcsste ich aber genauso dem heutigen Nachrichtensprecher ein mangelndes Allgemeinwissen unterstellen, wenn er vom Sonnenaufgang spricht. Nat\u00fcrlich haben diese Menschen die Sprache des Augenscheins verwendet, um nat\u00fcrliche Vorg\u00e4nge zu beschreiben, wie wir das heute auch vielfach tun. Physikalisch korrekt w\u00e4re es nicht einmal, davon zu reden, dass der Regen von oben kommt, oder dass der Mond scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun m\u00f6chte ich zum Schluss auf meine eingangs gestellte Frage zur\u00fcckkommen. Wie muss ich die Behauptung, die Bibel enthalte viele Widerspr\u00fcche, beurteilen?<\/p>\n\n\n\n<p>In den oben zitierten Bibelversen wird h\u00e4ufig das Bild des Weges, bzw. des Unterwegs-seins verwendet. Sein Wort hat also die Funktion, uns den Weg zu weisen, uns Orientierung zu bieten in der Dunkelheit, ja uns ans Ziel zu bringen oder uns vor Fehltritten oder vor Verirrung zu bewahren. Dabei bietet sein Wort mir einen festen Halt, und zwar solange diese Welt besteht. Es ist dabei absolut verl\u00e4sslich. Diese Funktion seines Wortes kann es aber nur dann erf\u00fcllen, wenn es eindeutig ist und nicht widerspr\u00fcchlich. Ich kann nicht von einem Pferd erwarten, dass es den richtigen Weg geht, wenn ich ihm widerspr\u00fcchliche Signale gebe. Die Absicht des Reiters muss f\u00fcr das Pferd erkennbar sein. Wir sehen also, es geht darum, dass Irrt\u00fcmer in der Heiligen Schrift seiner oben genannten Funktion als Wegweiser zuwiderlaufen w\u00fcrden. Die Voraussetzung f\u00fcr einen sicheren Halt oder f\u00fcr eine absolute Verl\u00e4sslichkeit der Schrift ist die Eindeutigkeit oder die Erkennbarkeit seiner Aussageabsicht. Fehler oder Widerspr\u00fcchlichkeiten w\u00fcrden die Eindeutigkeit der Aussageabsicht konterkarieren. Hier kommt allerdings noch ein zweiter Aspekt zum Tragen. Als derjenige, der auf die Verl\u00e4sslichkeit seines Wortes angewiesen ist, kann ich nicht der Schrift vorschreiben, wie sie mich f\u00fchren soll, was an seiner Wegweisung falsch ist oder was richtig ist. Sonst w\u00e4re ja das Licht oder die Wegweisung gar nicht n\u00f6tig. Ich muss bereit sein, hinzuh\u00f6ren und mich auf die Absichten Gottes einzulassen. Das nennt die Bibel Vertrauen. Irrt\u00fcmer in der Bibel w\u00fcrden also nicht nur die Eindeutigkeit seiner Aussageabsicht, sondern auch meine Reaktion in Form von Vertrauen untergraben. Wir k\u00f6nnen nun schon mal festhalten, dass die Bibel um unser Vertrauen und unseren Gehorsam wirbt, was aber nur unter der Voraussetzung ihrer Eindeutigkeit bzw. ihrer Widerspruchlosigkeit in ihrer Aussageabsicht m\u00f6glich w\u00e4re. Wir d\u00fcrfen also erwarten, dass sein Wort im Blick auf seine Aussageabsicht und im Blick auf mein Vertrauen keine Fehler enth\u00e4lt. Andernfalls w\u00fcrde Gott von uns etwas v\u00f6llig Unmenschliches erwarten. Die Bibel ist von Gott her gesehen also absolut verl\u00e4sslich in ihrer Aussageintention und damit auch fehlerlos. Deshalb hat die Lausanner Verpflichtung in ihrem Artikel 2 formuliert: \u201eDas Wort Gottes sei ohne Irrtum in allem was sie verk\u00fcndet.\u201c Man k\u00f6nnte hier noch erg\u00e4nzen: was es verk\u00fcnden will. Gerhard Meier schreibt dazu: a.) \u201e<em>Das zur Schrift gewordene Wort Gottes ist vollkommen verl\u00e4sslich und fehlerlos im Sinne seiner g\u00f6ttlichen Zwecke, also von Gott her betrachtet.<\/em> b.) <em>Der menschliche Ausleger muss die Offenbarung sagen lassen, was es sagen will. Er kann sie nicht seinen eigenen Anspr\u00fcchen unterwerfen und ihre Ausk\u00fcnfte abzwingen, die sie gar nicht geben will: Der Anspruch des Auslegers, der sich mit der Offenbarung auf dieselbe Stufe stellen will, wird zur Anma\u00dfung. Wir m\u00fcssen, um es mit Luther einpr\u00e4gsamen Formulierungen auszudr\u00fccken: \u201edie Apostel und Propheten lassen auf dem Pult sitzen und wir hinieden zu ihren F\u00fcssen h\u00f6ren, was sie sagen, und nicht sagen, was sie h\u00f6ren m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Konzept der Aussageabsicht wenden wir \u00fcbrigens in unserem Alltag st\u00e4ndig an, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Unsere menschliche Sprache ist so aufgebaut, das wir uns meistens nicht mathematisch exakt ausdr\u00fccken. Unsere Alltagssprache enth\u00e4lt zahlreiche Unsch\u00e4rfen. Wenn meine Frau zum Beispiel sagt: Ich gehe jetzt zum Einkaufen, dann wei\u00df ich, dass sie nicht wirklich geht, sondern mit dem Auto f\u00e4hrt. Trotzdem werde ich mich von meiner Frau nicht scheiden lassen, weil sie mich st\u00e4ndig bel\u00fcgt. Wir verwenden \u00dcbertreibungen oder Untertreibungen und sind uns trotzdem sicher, dass unsere Zuh\u00f6rer uns richtig verstehen.\u201c Ich hatte das in Null- Komma-Nix erledigt\u201c. Oder: \u201eich brauchte eine halbe Ewigkeit, um das zu erledigen.\u201c Keiner w\u00fcrde hier auf den Gedanken kommen, dass hier behauptet wird, man habe die Lichtgeschwindigkeit au\u00dfer Kraft gesetzt. Manchmal werden Unsch\u00e4rfen auch bewusst falsch verstanden, um eine Aussage oder Aufforderung zu untergraben. Ich sage zu meinem Sohn: Du k\u00f6nntest heute den Abfall runterbringen. Am Abend sehe ich dann, dass er es nicht gemacht hat, worauf mein Sohn antwortet: Du hast ja nur gesagt: Du k\u00f6nntest\u2026..! Viele Streitigkeiten beruhen auf derartigen Sprachunsch\u00e4rfen. Anders w\u00e4re es nicht zu erkl\u00e4ren, dass man den Gegner immer falsch verstehen kann, wenn man will. Der Buchstabe oder das einzelne Wort in der Sprache lassen im Grunde immer nur eine Breite der Interpretation zu, so dass eine Aussage nur im Kontext und nur bei wohlwollendem Zuh\u00f6ren im Sinne dessen, der die Aussage macht, richtig verstanden werden kann. Im normalen Alltag haben wir also keine Probleme mit diesen Sprachunsch\u00e4rfen. Wir bewerten Sprachunsch\u00e4rfen, die sich gar nicht vermeiden lassen, nicht als Fehler im Sinne von L\u00fcgen oder T\u00e4uschung. In der Regel ist die Aussageabsicht, die hinter unscharf formulierten S\u00e4tzen steht und die sich aus dem Kontext ergibt, das entscheidende, um den Sinn einer Aussage zu verstehen. Genauso ist es beim Umgang mit biblischen Aussagen. Auch hier ist die Aussageabsicht das entscheidende Kriterium, nicht der Buchstabe oder einzelne W\u00f6rter oder Zahlen, die ja ohnehin nur eine \u00dcbersetzung aus dem Urtext darstellen. Hier liegt nach meiner Einsch\u00e4tzung das Hauptproblem der liberalen Theologie im Umgang mit den scheinbaren Widerspr\u00fcchen. Als Gegner einer Ganzinspiration ist sie immer bestrebt, Widerspr\u00fcche zu finden, um damit ihre atheistisch gef\u00e4rbte Hermeneutik- die Bibel sei nur Menschenwort- zu untermauern. Sie ist nicht bereit, eine heilsgeschichtliche Einheit zu akzeptieren, und wird dadurch zu falschen Ergebnissen kommen. Scheinbare Widerspr\u00fcche werden zur Grundlage f\u00fcr eine Theologie, die in der Bibel nur noch ein Konglomerat von sich widersprechenden menschlichen Einzelansichten sieht, um sich schlie\u00dflich selbst als Richter \u00fcber (r)echt und un(r)echt inthronisieren zu k\u00f6nnen. In vielen Bibelauslegungen von historisch kritischen Theologen bekommt man den Eindruck, eine gute Exegese bestehe darin, die Widerspr\u00fcchlichkeiten in einem Text zu finden und damit eine weitere Best\u00e4tigung f\u00fcr die Unechtheit der Bibel pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen. Genauso bekommt man manchmal das Gef\u00fchl, jeder neu entdeckte Fehler werde mit dem Erfolgserlebnis eines Kindes verarbeitet, das in einem Suchbild die Fehler findet. Man reitet auf S\u00e4tzen rum, anstatt sich vom Textzusammenhang tragen zu lassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem bisherigen w\u00e4re also abzuleiten: Die Bibel enth\u00e4lt vom Menschen aus betrachtet vielleicht mathematisch- formalistische \u201eFehler\u201c, wie oben gezeigt. \u201eFehler\u201c, die im Wesen der Sprache selbst begr\u00fcndet sind, die auf sprachlichen Ungenauigkeiten oder auf der Unvollkommenheit der menschlichen Ged\u00e4chtnisleistung oder auf einer unterschiedlichen Wahrnehmung beruhen. Viele dieser angeblichen Widerspr\u00fcche ber\u00fchren aber die eigentliche Aussageabsicht des Textes \u00fcberhaupt nicht, sodass ich sie im Sinne der Heiligen Schrift gar nicht als Fehler bezeichnen kann. Sie w\u00fcrden auch in juristischer Hinsicht nicht als wirkliche Fehler bewertet werden. Ich kann solche Ungenauigkeiten vom kritischen Standpunkt aus als Irrt\u00fcmer ansehen oder ich sehe sie vom Standpunkt einer inspirierten Schrift nur als scheinbare Widerspr\u00fcchlichkeiten an. Eine ganz andere Kategorie von Irrt\u00fcmern und Widerspr\u00fcchlichkeiten haben wir im 2.Teil meiner obigen Ausf\u00fchrungen kennengelernt. Hier wurden Beispiele von angenommenen Widerspr\u00fcchen in der Aussageabsicht der Autoren angef\u00fchrt. Derartige Irrt\u00fcmer w\u00fcrden der Vertrauensbem\u00fchung Gottes in seinem Wort v\u00f6llig entgegenstehen und damit tats\u00e4chlich die Inspirationslehre zerst\u00f6ren. Nach ihrem Eigenverst\u00e4ndnis setzt die Bibel auch Irrtumslosigkeit bez\u00fcglich der Vertrauensbem\u00fchung Gottes voraus, wenn sie von absoluter Verl\u00e4sslichkeit spricht. Ein weiterer Aspekt kommt nach meiner Einsch\u00e4tzung noch dazu: Das Verstehen seines Wortes bzw. der Glaube vollzieht sich nach meiner Einsch\u00e4tzung auf 2 Ebenen, die aufeinander aufbauen: Die untere Ebene ist die Ebene meines Verstandes bzw. die Ebene des kognitiven Verstehens: Jeder Mensch kann das, was dasteht, verstehen. Dazu brauche ich keine besondere Begabung oder Ausbildung. Auch ein Ungl\u00e4ubiger kann einen Text nach menschlichen Kriterien richtig einordnen. Ob er das glaubt, was er verstanden hat, ist eine andere Sache, Die 2. Ebene ist die Ebene des Heiligen Geistes, der das, was ich kognitiv verstanden habe in eine innere pers\u00f6nliche Beziehung zum Gesagten, in ein Ergriffensein oder in eine positive Reaktion transformiert. So kann Glauben nie nur darin bestehen, Glaubensaussagen oder ein Lehrgeb\u00e4ude als richtig anzuerkennen. Gott zielt mit seinen Vertrauensbem\u00fchungen immer auf ein pers\u00f6nliches Beteiligtsein, eine konkrete Reaktion, eine Antwort. Glauben ist nicht die unbeteiligte Zustimmung zu Glaubensinhalten. So wie ich nicht schon verheiratet bin, wenn ich erkannt habe, dass jemand zu mir passt. Glauben ist immer ein pers\u00f6nliches Sich- Einlassen auf das, was ich kognitiv verstanden habe. &nbsp;Andererseits h\u00e4tte aber auch ohne die kognitive Dimension des Verstehens der Heilige Geist keinen Ansatzpunkt, keine Grundlage mehr, auf die er aufbauen kann. Die Gefahr w\u00e4re gro\u00df, in einen reinen Gef\u00fchls- und Erfahrungsglauben abzugleiten. Teilweise geschieht das in extremen charismatischen Kreisen. Es g\u00e4be dann kein Kriterium mehr, die Geister zu unterscheiden. Beide Ebenen des Verstehens geh\u00f6ren bei der Weckung des Glaubens also zusammen und sind nicht zu trennen. Wenn das stimmt, was hier gesagt wird, dann bedeutet das aber auch, dass Gott keine Irrt\u00fcmer in seinem Wort zulassen kann, weil sowohl das kognitive Verstehen als auch das darauf aufbauende Wirken des Heiligen Geistes, das mich zum Glauben f\u00fchrt, nicht mehr m\u00f6glich ist. Man k\u00f6nnte es auch so sagen: Wenn der Weg zum Glauben \u00fcber das Verstehen seines Wortes und \u00fcber das Wirken des Heiligen Geistes f\u00fchrt, dann wird er diesen Weg freihalten, indem er keine Widerspr\u00fcche zul\u00e4sst. Wir halten also nochmal fest: Die Bibel ist irrtumslos bez\u00fcglich seiner Aussageabsichten. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich nun sagen: Die Bibel spricht selbst nicht von Irrtumslosigkeit, wohl aber von absoluter Verl\u00e4sslichkeit. Wir d\u00fcrfen ihr nach ihren Selbstaussagen unterstellen, dass sie Irrtumslosigkeit bez\u00fcglich ihrer Aussageabsicht voraussetzt.&nbsp; &nbsp;W\u00fcrde die Bibel Irrt\u00fcmer und Fehler aufweisen, w\u00fcrde das das kognitive Verstehen und damit auch das Wirken des Heiligen Geistes beeintr\u00e4chtigen. Fehler w\u00fcrden die Vertrauensw\u00fcrdigkeit Gottes belasten, sodass Gott keine Fehler zugelassen haben kann. Wenn ich trotzdem Fehler oder Widerspr\u00fcche finde, dann kann das sehr unterschiedliche Gr\u00fcnde haben, wie wir oben gesehen haben.&nbsp; Viele vermeintliche Widerspr\u00fcche haben jedoch menschliche Gr\u00fcnde und entstammen eher einem subjektiven menschlichen Ma\u00dfstab. Sie sind daher eher im Betrachter begr\u00fcndet als in der Bibel selbst. Eindr\u00fccklich zeigte uns das der Kommentar eines profanen Historikers. Beim Lesen der Bibel w\u00fcrde immer ein Misstrauen mitschwingen, kann ich dem, was dasteht nun vertrauen oder nicht? &nbsp;Hier zieht man sich schnell auf eine Haltung zur\u00fcck, in der man heilsnotwendige Aussagen als irrtumslos stehen l\u00e4sst, und naturkundliche oder historische Aussagen preisgibt. Dabei wird allerdings grunds\u00e4tzlich \u00fcbersehen, dass in der Bibel alle heilsnotwendigen Lehren eng verzahnt sind mit historischen Begebenheiten. Gott hat die Geschichte durch sein Handeln ver\u00e4ndert. Die Frage ist auch, ob ein Verlust der geschichtlichen und naturkundlichen Dimension bzw. Irrt\u00fcmer nicht gerade das Vertrauen in Gottes Hilfe in meiner erfahrbaren, pers\u00f6nlichen Lebensgeschichte oder in meiner k\u00f6rperlich-naturkundlichen Not beeintr\u00e4chtigen w\u00fcrden? Oder positiv: W\u00e4re es nicht wesentlich ermutigender, wenn die Schreiber tats\u00e4chlich geschehene und erfahrene Ereignisse aufgeschrieben h\u00e4tten? Gott w\u00e4re ein grausamer Gott, wenn er zwar um Gehorsam oder Vertrauen werben w\u00fcrde, andererseits aber Irrt\u00fcmer in seinen Aussageabsichten zulassen w\u00fcrde. Er h\u00e4tte seine Vertrauensbem\u00fchung selbst untergraben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss m\u00f6chte ich noch auf eine wichtige Frage eingehen, die wir uns vielleicht immer wieder gestellt haben. Wenn wir beim Lesen biblischer Texte immer wieder auf vordergr\u00fcndige Widerspr\u00fcche sto\u00dfen, dann muss es einen Grund daf\u00fcr geben. Dieser Grund liegt in der Wirklichkeit Gottes begr\u00fcndet. Schon beim Versuch, die Komplexit\u00e4t des Menschen und insbesondere das Ich-Bewusstsein zu erkl\u00e4ren, scheitern wir. Wieviel mehr trifft das auf die Wirklichkeit Gottes zu? Alle Vielf\u00e4ltigkeit der Sprache reicht niemals aus, die Gr\u00f6\u00dfe und Faszination Gottes nur ann\u00e4hernd zu beschreiben. Trotzdem hat uns Gott in seinem Wort einen kleinen Teil seines Wesens und vor allem all das mitgeteilt, was f\u00fcr unseren Glauben und unser Heil notwendig ist. Beim Lesen seiner Mitteilung merken wir aber, dass sich die Glaubensinhalte nicht in ein geschlossenes logisches System pressen lassen. Es ist nicht m\u00f6glich, aus seinem Wort ein spannungsfreies f\u00fcr uns Menschen v\u00f6llig widerspruchfreies Lehrgeb\u00e4ude zu erstellen. Wer diese Spannungen aufl\u00f6sen wollte, w\u00fcrde sich in einem Netzt von st\u00e4ndig neu sich ergebenden Widerspr\u00fcchen verfangen. Schon zugleich von einem ewigen Gott zu sprechen, der alles in allem ist, und ihn als Person, die eigentlich Grenzen haben m\u00fcsste, anzusprechen, k\u00f6nnen wir logisch nicht erkl\u00e4ren. Oben habe ich die Doppelnatur Jesu angesprochen. Auch Jesus, der in seiner irdischen K\u00f6rperlichkeit trotzdem die ganze F\u00fclle der Gottheit in sich hatte, l\u00e4sst sich schl\u00fcssig nicht fassen. Und trotzdem ist es m\u00f6glich, dies alles irgendwo zu denken, weil wir von Gott die geistigen Voraussetzungen daf\u00fcr bekommen haben. Dieses Denken ist jedoch begrenzt. Wir k\u00f6nnen viele geistliche Dinge nur ann\u00e4herungsweise erfassen, wie wir auch die Fl\u00e4che eines Kreises nur ann\u00e4herungsweise berechnen k\u00f6nnen. F\u00fcr die Praxis des Glaubens spielt es jedoch ebenso keine Rolle wie f\u00fcr die Praxis der Berechnung einer Kreisfl\u00e4che. Einen Fehler w\u00fcrden wir allerdings machen, wenn wir alles wegstreichen w\u00fcrden, was unserem logischen Denken widerspricht, wie es auch ein Fehler w\u00e4re, vordergr\u00fcndige Widerspr\u00fcche zum Anlass zu nehmen, die Bibel umzudeuten oder sie an unsere menschlichen Anspr\u00fcche anzupassen, wie es in der HKT \u00fcblich ist. Nicht nur in der fr\u00fchen Christenheit (Arian oder Pelagius) auch in der sp\u00e4teren Christenheit haben Sekten immer wieder versucht, ein einfacheres oder ein vern\u00fcnftigeres Gottesbild zu entwerfen. Sie konnten sich nie durchsetzen, weil die Heilige Schrift entgegenstand. Die vordergr\u00fcndigen Widerspr\u00fcche lassen uns also auch erkennen, dass wir es mit einem Gott zu tun haben, der nicht einfach eine menschliche Projektion unserer frommen W\u00fcnsche ist, wie es Feuerbach behauptete, sondern der h\u00f6her als unsere Begrifflichkeit ist. Vordergr\u00fcndige Widerspr\u00fcche lassen sich in einem dialogischen Verh\u00e4ltnis, das das Mittel der menschlichen Sprache ben\u00fctzt, gar nicht vermeiden. W\u00e4re uns ein starres Lehrgeb\u00e4ude lieber als eine Wahrheit, die sich aus der geschichtlichen und sprachlich unvollkommenen biblischen Begegnung mit dem lebendigen Gott ergibt? Der Glaube basiert zwar auch auf festem Wissen, auch auf wissenschaftlichen Daten, wenn man so will, aber seine tiefere Dimension erf\u00e4hrt er erst in einer pers\u00f6nlichen Begegnung mit dem in seinem Wort geoffenbarten Gott. Vordergr\u00fcndige Widerspr\u00fcche k\u00f6nnen vielleicht eine schon vorher bestehende distanzierte Haltung verst\u00e4rken. F\u00fcr einen Gl\u00e4ubigen sind sie Zeichen einer lebendigen Beziehung zwischen dem ewigen Gott und den unvollkommenen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;Olof Gigon (1912-1998), klassischer Philologe<\/p>\n\n\n\n<p>Literarkritik hat eine Tendenz zur Hypertrophie. Es ist n\u00e4mlich m\u00f6glich, jeden beliebigen Text so zu analysieren, dass er sich in ein Konglomerat von heterogenen Bruchst\u00fccken aufl\u00f6st. Der Philologe ist in Gefahr, gewisserma\u00dfen ein mal \u00f2cchio zu erwerben und \u00fcberall nur noch Unstimmigkeiten, Gedankenspr\u00fcnge und Stilbr\u00fcche zu entdecken \u2026..Der Fehler, der dabei begangen wird, ist nat\u00fcrlich der, dass der Interpret stillschweigend vom Bild eines perfekt koh\u00e4renten, nach Form und Gehalt untadelig geschlossenen Textzusammenhanges ausgeht, als ob dergleichen in der historischen Wirklichkeit \u00fcberhaupt zu finden w\u00e4re, abgesehen vielleicht von der mathematisch-logistischen Formelsprache, die aber nun gerade mit einer Sprache im geschichtlichen Sinne nichts zu schaffen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird wohl keinen liberalen Theologen geben, der an der Irrtumslosigkeit der Bibel festh\u00e4lt. Die Tatsache, dass aus Sicht der liberalen Theologie die Bibel viele Irrt\u00fcmer oder Widerspr\u00fcchlichkeiten enth\u00e4lt, ist eine der Begr\u00fcndungen f\u00fcr die Ablehnung einer Ganzinspiration. 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