{"id":43,"date":"2022-04-02T18:47:21","date_gmt":"2022-04-02T18:47:21","guid":{"rendered":"https:\/\/martin.quitesmall.de\/?page_id=43"},"modified":"2022-04-03T12:24:29","modified_gmt":"2022-04-03T12:24:29","slug":"die-einheit-der-schrift","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=43","title":{"rendered":"Die Einheit der Schrift"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Einheit der Schrift ist eine aus der Schrift selbst herzuleitende, ureigene Eigenschaft der Offenbarung. Sie ergibt sich daraus, dass Gott als Urheber selbst hinter seinem Wort steht. Gott hat Menschen ben\u00fctzt, um uns seinen Willen, seinen Plan in Form von geschriebenen Worten mitzuteilen. Es ist eine direkte Folge der Inspiration. Gott hat sich nicht ge\u00e4ndert. Er ist in seiner Trinit\u00e4t immer der gleiche Gott. (Hebr.13,8) Gleichzeitig ist die Einheit der Schrift auch darin begr\u00fcndet, dass alle B\u00fccher der Heiligen Schrift zum Glauben an denselben einen Gott rufen. Der Gott des NT ist kein anderer Gott als der des NT. Der Vater Jesu Christi ist gleichzeitig der Gott der Urv\u00e4ter. Der Sch\u00f6pfer des Universums (1.Mos.1,1) ist kein anderer als der Sch\u00f6pfer eines neuen Himmels und einer neuen Erde. (Offb. 21,1) Die neue Stadt im Himmel hei\u00dft Jerusalem. (Offb.21,1,2) Wie durch einen Menschen die S\u00fcnde in die Welt kam und mit der S\u00fcnde der Tod, so geschieht die Rechtfertigung und damit der Sieg \u00fcber den Tod durch einen Menschen. ( R\u00f6m. 5,12 ff) Wie Abraham nur durch den Glauben an Gott gerecht werden konnte, so k\u00f6nnen auch wir nur durch Glauben an seine Erl\u00f6sung gerecht werden.( R\u00f6m.3 u.4). In Christus ist der Zaun zwischen dem auserw\u00e4hlten Volk und den \u00fcbrigen V\u00f6lkern abgebrochen. (Eph.2,14) Die Gl\u00e4ubigen des neuen Bundes werden eingepfropft in den \u00d6lbaum des alten Bundes (R\u00f6m. 11,17). So ist auch die heilige christliche Kirche \u00fcber alle Zeiten und alle Rassen hinweg entstanden durch eine einheitliche Botschaft der Bibel. Gerhard Maier dazu: \u201e<em>Zwar ist die Einheit der Kirche ein Glaubensartikel, das besagt aber nicht ihre mangelnde Realit\u00e4t, sondern nur ihre mangelnde Sichtbarkeit\u201c. <\/em>Die Einheit der Schrift ergibt sich f\u00fcr Gerhard Maier auch aus der einen Geschichte, die durch Gottes Wort geschaffen wurde. Der protologische Anfang, die christologische Mitte und das eschatologische Ende dieser jetzigen Welt bilden ein geschlossenes Ganzes. Jesus Christus ist zugleich der Anf\u00e4nger, der H\u00f6hepunkt und das Ziel des diesseitigen Lebens. In Jesus f\u00fchren alle F\u00e4den dieser Welt zusammen. Er ist der Anf\u00e4nger und der Vollender. Diese Dimension der Geschichte, die uns die Bibel selbst vorgibt, wird als Heilsgeschichte bezeichnet. Diese Heilsgeschichte ist aus seinem Wort hervorgegangen und berechtigt uns, von dem einen Wort Gottes zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Stelle m\u00fcssen wir allerdings einhaken. Dass Gott zu allen Zeiten der Gleiche war, bedeutet nun aber nicht, dass er zu allen Zeiten in gleicher Weise geredet hat. Wiederum aus der Bibel selbst erfahren wir, dass Gott zu unterschiedlichen Zeiten auf unterschiedliche Weise geredet hat. (Hebr.:1,1 -3). Erst mit Jesus kommt der volle Einblick in den Heilsplan Gottes. (Matth. 5,17). &nbsp;Eph.3,5 u.6): \u201eDies war in fr\u00fcheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist;&nbsp;n\u00e4mlich, dass die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leib geh\u00f6ren und Mitgenossen der Verhei\u00dfung in Christus Jesus sind durch das Evangelium\u2026.\u201c Paulus spricht hier \u00fcbrigens davon, dass dies Geheimnis ihm durch Offenbarung kundgemacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sprechen hier von einer fortschreitenden Offenbarung. Deshalb ist es auch nicht m\u00f6glich, <em>die Einheit der Schrift in einem abstrakten Lehrsystem darzustellen<\/em>, wie Gerhard Maier ausf\u00fchrt. Die fortschreitende Offenbarung bezieht sich dabei nicht nur auf eine erweiterte Auslegung alttestamentlicher Gebote (Bergpredigt, Antithesen) sondern auch auf die Aufhebung von bestimmten alttestamentlichen Geboten, insbesondere von Reinheitsgeboten und Zeremonialgeboten. Nicht alles, was dem Volk Israel geboten war, gilt f\u00fcr uns heute noch genauso. Dies wird uns aber von Paulus in seinen Briefen ziemlich klar erkl\u00e4rt. Ein anderes gro\u00dfes Thema w\u00e4re hier auch der unterschiedliche Umgang mit Gewalt und Gewaltlosigkeit, was jetzt allerdings nicht weiter vertieft werden kann. Unter dem Gesichtspunkt der fortschreitenden Offenbarung lassen sich scheinbare Spannungen, die von HK Theologen gerne gegen die Einheit der Bibel verwendet werden, gut l\u00f6sen. Gleichzeitig sch\u00fctzt er uns auch vor einer vorschellen Einseitigkeit der Auslegung, indem man einfach manche Eigenschaften Gottes (Gericht, heiliger Zorn) wegstreicht. Der trinitarische Gott bleibt der gleiche (Heb.1,12;Hebr.13,8) Wir erkennen also, dass man von dem Selbstverst\u00e4ndnis der Bibel aus betrachtet, die Spannung zwischen AT und NT nicht als Widerspruch oder als Hinweis auf menschliche Quellen ansehen muss. Die Bibel bleibt aus biblischer Perspektive eine Einheit. Ich w\u00fcrde sogar sagen, dass sich im Bewusstwerden der Einheit der Schrift \u00fcberhaupt erst die tiefen Geheimnisse des Wortes Gottes erschlie\u00dfen. Wenn das stimmt, dann wird man bei einer Ablehnung der Einheit keine verborgenen Sch\u00e4tze finden. Wie im echten Leben: Wer nicht an einen Schatz glaubt, der wird keinen finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen uns nun im Folgenden mit der Frage besch\u00e4ftigen: Was passiert nun, wenn die Einheit der Schrift abhandenkommt.?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einheit der Schrift ist eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr eine Schriftauslegung durch die Schrift. Sacra scriptura sui ipsi interpres: Die Schrift legt sich selbst aus. Das war auch der wichtigste hermeneutische Schl\u00fcssel der Reformation und hat letztlich die Grundlage f\u00fcr ein Priestertum aller Gl\u00e4ubigen (1.Petr.2,9) geschaffen, wonach auch der einfache Bibelleser die Bibel verstehen und auslegen kann. Die Einheit und die Klarheit der Schrift gehen Hand in Hand. Ohne dieses Konzept w\u00e4re auch die \u00fcberaus segensreiche Arbeit der Haus- und Bibelkreiskreisbewegung im Pietismus nicht m\u00f6glich gewesen. Die katholische Theologie ging davon aus, dass die Bibel f\u00fcr den einfachen Menschen nicht zug\u00e4nglich ist. Sie brauche die Auslegungs-Autorit\u00e4t des katholischen Lehramtes. Deshalb hat man einerseits in der Katholischen Kirche den Gebrauch einer deutschen Bibel und die \u00dcbersetzung ins Deutsche verurteilt und sogar verfolgt, andererseits hat man in der Reformation ein starkes Interesse entwickelt, dem einfachen Menschen eine in ihrer Sprache verst\u00e4ndliche Bibel an die Hand zu geben. F\u00fcr uns ist es heute selbstverst\u00e4ndlich, dass in jedem Haushalt mindestens eine deutsche Bibel meist verstaubt im Regal steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Von einer Einheit der Schrift kann heute in der liberalen Theologie keine Rede mehr sein. Die Bibel wird als Zusammenstellung von Zeugnissen unterschiedlicher Gottesvorstellungen und Glaubenserfahrungen wahrgenommen. Das Alte Testament verk\u00f6rpere einen anderen Gott als das Neue Testament. Im Alten Testament f\u00e4nden sich noch Spuren eines Polytheismus (Elohim = Plural). Der historische Jesus, der kaum noch rekonstruierbar sei, habe kaum noch was mit dem Jesus zu tun, wie er von der nach\u00f6sterlichen Gemeinde kreativ entwickelt wurde. Es gebe eine Vielzahl von verschiedenen Christologien. Die Paulinische Theologie sei frauenfeindlich und homophob und k\u00f6nne aus diesem Grund nicht mehr zur Orientierung f\u00fcr unser modernes Denken dienen. Die Urgeschichte und der darin enthaltene Sch\u00f6pfungsbericht sowie die Apokalypse des Johannes geh\u00f6rten zu den mythologischen R\u00e4ndern, und enthielten nur noch die Aussage, dass Gott der Anfang und das Ende sei, der alles zusammenh\u00e4lt. <em>\u201eBezeichnenderweise gab es seit der Aufkl\u00e4rung zwar noch eine Kirchenzucht, aber im Grunde keine Lehrzucht mehr\u201c<\/em>, sagt Gerhard Maier. \u201e<em>Ernst K\u00e4semann hat den ber\u00fchmten Satz aufgestellt, das NT begr\u00fcnde nicht die Einheit der Kirche, sondern die Vielfalt der Konfessionen und Christologien- wegen seiner eigenen Vielfalt und Widerspr\u00fcchlichkeit\u201c Wenn aber diese Vielfalt sich mit Recht vom NT herleitet, wo bleibt dann die wahre Kirche? Es sind dann alle Kircht\u00fcmer und Konfessionen prinzipiell als solche im Recht, und die Wahrheit ist relativiert\u2026 Damit wird das NT auf den Kopf gestellt\u201c. <\/em>Ohne Einheit der Schrift verlieren wir also nicht nur das reformatorische Auslegungsprinzip, sondern wir verlieren die Verbindlichkeit, die Autorit\u00e4t, ja die Norma normans schlechthin. Genauso wie sich unter der Voraussetzung, die Bibel sei Gottes Wort, eine faszinierende Einheit der Bibel ergibt, so ergibt sich unter der Voraussetzung, die Bibel sei reines Menschenwort, ein Zerfall der Einheit und damit eine v\u00f6llige Aufl\u00f6sung jeglicher Verbindlichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Dilemma versucht man heute zu umgehen, indem man an die Stelle der Einheit der Schrift die Mitte der Schrift gesetzt hat. Ein Satz, den ich in einer Zusammenfassung eines Vortrags \u00fcber das Bibelverst\u00e4ndnis vor kirchlichen Lektoren und Pr\u00e4dikanten gelesen habe, gibt uns hier Aufschluss. Wir glauben nicht an die Bibel, sondern wir glauben an Jesus Christus, der in der Bibel bezeugt wird. Das ist ein typischer Satz, der die vernebelnde Luft der historischen Kritik atmet. Wodurch wissen wir denn, wer Jesus ist, wenn nicht durch die Bibel? Evangelikalen Christen wird manchmal untergeschoben, dass sie eine falsche Bibelsicht verfolgen. Die Bibel werde von evangelikalen Christen auf eine Ebene mit Gott gestellt. (Siehe Prof S. Zimmer in Fundamentalistisches Bibelverst\u00e4ndnis) Ich bin allerdings noch keinem Christen, egal welcher Couleur begegnet, der die Bibel angebetet h\u00e4tte. Wenn ich formuliere, ich glaube an die Bibel, dann meine ich das nicht anders, als wenn ich sage: Ich glaube den Worten unseres Bundespr\u00e4sidenten. Ich bringe damit zum Ausdruck, dass ich glaube, dass der Bundespr\u00e4sident die Wahrheit gesagt hat. Insofern w\u00e4re es auch m\u00f6glich zu sagen: Ich glaube an die Bibel, weil ich glaube, dass Gott in seinem Wort zu uns spricht. In Wirklichkeit versteckt sich hinter der obengenannten Formulierung eine Bibelkritik. Die Bibel wird aufgrund der historisch-kritischen- Methode nicht mehr als Offenbarung Gottes angesehen, sondern als Menschenwort, das viele Widerspr\u00fcche enth\u00e4lt. Um eine gewisse Autorit\u00e4t der Schrift nicht ganz aufgeben zu m\u00fcssen, fl\u00fcchtet man sich in die Mitte der Schrift, n\u00e4mlich Jesus Christus. Das klingt gut und befriedigt zun\u00e4chst auch die Ohren eines evangelikalen Christen. Jesus ist zweifelsohne die Mitte der Schrift. Wenn ich jedoch Jesus mit den Augen der Bibel der Offenbarung lese, dann kann ich hier \u00fcberhaupt keinen Widerspruch zu anderen Teilen der Bibel finden. Die Mitte der Schrift ist \u00fcberhaupt kein Gegensatz zur Einheit der ganzen Schrift. Wenn ich aber die Einheit der Bibel in Frage stelle, dann, stelle ich auch Jesus selbst in Frage wie wir es in meinen obigen Ausf\u00fchrungen gesehen haben. Ich kann Jesus nicht verstehen, wenn ich den Sch\u00f6pfungsbericht und die Paradieserz\u00e4hlung nicht ernst nehme. Die Christologie ergibt sich auch aus der Protologie. Wer den Mechanismus der S\u00fcnde nicht versteht, wird auch die Soteriologie (Lehre von der Rettung) verkennen. Wenn Jesus die Welt erschaffen hat oder wenn ich daran glaube, dass Jesus typologisch hinter dem Felsen steht, aus dem das Volk Israel in der W\u00fcste getrunken hat (1.Kor.10,4), dann ist es selbstverst\u00e4ndlich, dass ich auch an die Pr\u00e4existenz Jesu glaube, wie er im Neuen Testament bezeugt ist. Die Rettung des Volkes Israel aus der \u00e4gyptischen Gefangenschaft ist eine Vorschattung der Rettung Jesu aus der Gefangenschaft der S\u00fcnde und des Todes. Was Glauben bzw. Vertrauen auf Gott praktisch hei\u00dft, erfahren wir mehr und besser im Alten Testament. Wie eine pers\u00f6nliche Beziehung zu Jesus und deren Auswirkungen auf meine Umgebung, meinen Alltag und meine Entscheidungen aussehen kann, erfahre ich in wunderbarer Weise in den Vorbildern von Noah, Abraham, Jakob, Josef, Mose, David und Daniel. Wenn ich diese Geschichten historisch kritisch wegkritisiere, dann verliere ich das Bewusstsein und das Gef\u00fchl f\u00fcr das Wesen einer Beziehung zum lebendigen Gott. Die Tiefe der Bedeutung von Jesus Christus und dessen Kreuzestod erschlie\u00dft sich uns erst richtig in den apostolischen Texten und deren Bez\u00fcgen zu alttestamentlichen Texten. Ohne diese zahlreichen Querverbindungen laufe ich immer Gefahr, ein einseitiges Gottes- und Jesusbild zu erhalten. Wir merken an der Stelle: Man kann nicht manche Teile der Bibel wegstreichen ohne Jesus zu verlieren. Die Mitte der Schrift wird nicht etwa verdeckt durch die Einheit, sondern im Gegenteil, sie kommt erst recht zur Geltung. Eine derartige Formulierung wie oben (Wir glauben nicht an die Bibel, sondern wir glauben an Jesus) vertuscht das verzerrte Jesus- Bild der historisch- kritischen Methode; der Satz m\u00fcsste ehrlicherweise hei\u00dfen: Wir glauben nicht an die Bibel, sondern wir glauben an den Jesus, der sich uns in der historischen Kritik erschlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend f\u00fcr die Reformatoren die Einheit und die Mitte untrennbar zusammengeh\u00f6rten, wird seit der Aufkl\u00e4rung beides getrennt. Was Christum treibet wird als Ma\u00dfstab angesehen. Es ist allerdings der gleiche Vorgang wie oben. Man spielt:\u201c Was Christum treibet\u201c, gegen die Einheit der Schrift aus.&nbsp; Mit dem R\u00fcckzugsgefecht auf das \u201eWas Christum treibet\u201c, glaubt man, viele andere Stellen der Bibel aufgeben zu k\u00f6nnen. Was Christum treibet wird zu einer Waffe gegen den Rest der Bibel. Was daraus wird, haben wir oben gesehen Hier sollen allerdings erg\u00e4nzend noch einige Aspekte zus\u00e4tzlich Erw\u00e4hnung finden. Luther hat diesen Satz in einem ganz spezifischen Kontext verwendet. Gerhard Maier: 1.) <em>Er ist ein religi\u00f6ser Grundsatz und ist deshalb f\u00fcr kritische Ausscheidungen nur mit gr\u00f6\u00dfter Vorsicht zu benutzen.2.) er ist im Zusammenhang mit einer Schrift gefallen, die Luther nicht f\u00fcr kanonisch hielt, 3.) Er ist mit der Hypothek einer Subjektivit\u00e4t verbunden, die bis heute nicht befriedigend getilgt werden konnte. Alles in allem eignet sich daher das lutherische \u201eWas Christum treibet\u201c nicht dazu, an die Stelle der Einheit der Schrift zu treten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Adolf Schlatter<em>: Nur w\u00e4re jener Satz missbraucht, wenn mit ihm bewiesen werden sollte, dass einzig die ausdr\u00fcckliche Verk\u00fcndigung des Christus als das g\u00f6ttliche Wort zu gelten habe, so dass im Alten Testament nur das Bedeutung h\u00e4tte, was direkt die messianische Verhei\u00dfung enthalte, im Neuen Testament nur das, wodurch unmittelbar auf Jesus hingewiesen werde.\u201c Schlatter f\u00fchrt dann weiter aus, was es bedeuten w\u00fcrde, wenn alles, was nicht Jesus enth\u00e4lt, keine Bedeutung mehr h\u00e4tte.\u201c Damit w\u00e4re die Einheit der Schrift wieder durch eine leere Einerleiheit ersetzt. Mit anderen Worten: W\u00fcrde aus der Christusmitte ein Christusprinzip, dann wird die Schrift entleert und ihrer F\u00fclle beraubt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte das Kriterium: Was Christum treibet, von 2 Seiten her kritisieren. 1.Die Bibel enth\u00e4lt keine Lehren, die nicht direkt oder indirekt mit der Wirklichkeit und G\u00f6ttlichkeit Jesu zusammenh\u00e4ngen. Selbst die Genealogien (Stammb\u00e4ume) f\u00fchren auf Jesus hin. Der Fels, aus dem das Wasser in der W\u00fcste schoss, ist eine Typologie auf Jesus genauso wie die Beinahe &#8211; Opferung Isaaks oder das Beschmieren der T\u00fcrschwellen beim Exodus. &nbsp;Man k\u00f6nnte die Reihe zwanglos fortsetzen. Ein neutestamentlicher Brief, der uns die im Alten Testament verborgenen Vorschattungen auf Jesus Christus erschlie\u00dft, ist der Hebr\u00e4erbrief. In keinem anderen Buch der Bibel wird das Wesen und das Werk von Jesus Christus in so umfassender und zugleich einpr\u00e4gsamer Weise auf dem Hintergrund des AT dargestellt wie im Hebr\u00e4erbrief. Daneben stellen auch Paulus und Petrus in ihrer Christologie zahlreiche Bez\u00fcge zum AT her, sodass man von einer engen Verflechtung zwischen AT und Jesus, die nur schwer aufzutrennen sein d\u00fcrfte, reden kann. Wie will man also reden von Christus ohne das AT? Besteht hier nicht die Gefahr, die Tiefe der Bedeutung von Jesus und seinem Kreuzestod zu verfehlen? 2. Wie k\u00f6nnten wir rechtfertigen, alles das als unwichtig und unverbindlich zu deklarieren, was nicht direkt Jesus enth\u00e4lt. Die Bibel bietet uns dazu keine Legitimation. Wenn ich es dann trotzdem tue, dann stelle ich mich \u00fcber Gottes Wort und gegebenenfalls \u00fcber Jesus selbst, der die Autorit\u00e4t der Heiligen Schrift nirgendwo in Frage stellt. Angesichts dieser Schlussfolgerungen erweckt der R\u00fcckzug auf den Halbsatz: <em>Was Christum treibet<\/em> eher den Verdacht des versteckten Versuchs, seinen pers\u00f6nlichen Lieblings-Jesus oder Lieblingsgott zu legitimieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sehr heute Jesus gegen die Bibel ausgespielt wird, soll nochmal ein Kommentar von Siegfried Zimmer verdeutlichen: \u201e<em>Nicht aus \u00dcberheblichkeit oder Besserwisserei, sondern aus Gehorsam gegen\u00fcber Jesus Christus. Wenn wir von ihm her die Bibel kritisch lesen, stellen wir nicht uns selbst \u00fcber die Bibel. Wir stellen Jesus Christus \u00fcber die Bibel. \u201eJesus Christus treu sein ist wichtiger als der Bibel treu sein\u2026 Im Konfliktfall argumentieren wir ohne jedes Z\u00f6gern mit Jesus Christus gegen die Bibel\u2026Die Bibel ist ein durch und durch menschliches Buch, gepr\u00e4gt von den Irrt\u00fcmern und Kulturen seiner Autoren.&nbsp; <\/em>Hier bei\u00dft sich doch die Katze in den Schwanz. Niemand von uns heute ist Jesus zu seinen Lebzeiten auf dieser Erde begegnet und hat deshalb unmittelbaren Zugang zum geschichtlichen Offenbarungsereignis Jesus Christus. Wir kennen ihn nur aus der Bibel. Nach Zimmer enth\u00e4lt die Bibel nur bruchst\u00fcckhafte und verschiedene Deutungen Jesus Christi, was ist dann das entscheidende Kriterium ihrer angemessenen Interpretation? Als Antwort kommt wieder nur ein au\u00dferbiblisches Kriterium in Frage: In Zimmers Augen ist das die historisch- kritische Bibelwissenschaft, die aber selbst kein einheitliches Bild zeichnet. Was bleibt, ist ein subjektives vom modernen Ausleger konstruiertes und als wissenschaftlich deklariertes Jesus-Bild. Es ist immer der gleiche Kreis, indem sich die Begr\u00fcndungen f\u00fcr einen Kanon im Kanon oder f\u00fcr eine Christusmitte unter Aufgabe einer Einheit der Schrift als Ganzes dreht. Wenn wir die Einheit der Schrift aufgeben, dann verlieren wir nicht nur einen Teil der g\u00f6ttlichen Offenbarung, wir verlieren am Ende Christus selbst. Eine Trennung von der Einheit und der Mitte der Schrift wird auch dem Selbstanspruch der Bibel nicht gerecht. Da Jesus in der Bibel die Einheit und die Mitte der Schrift gleichzeitig ist, lassen sich beide so wenig trennen, wie sich die g\u00f6ttliche Natur Jesu von der menschlichen Natur trennen l\u00e4sst oder das Menschen-Wort vom Gottes-Wort. John Stott fasst den reformatorischen Konsens so zusammen: <em>\u201eDie Autorit\u00e4t Christi und die Autorit\u00e4t der Schrift gehen zusammen\u2026 Wir m\u00fcssen uns daher der Autorit\u00e4t der Schrift unterwerfen, wenn wir uns Christus unterwerfen wollen, denn die Autorit\u00e4t der Schrift beinhaltet die Autorit\u00e4t Christi.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Einheit der Schrift ist nicht nur eine wichtige Bedingung f\u00fcr eine der Offenbarung angemessene Auslegung, sondern auch f\u00fcr deren Schutz vor bzw. deren Verteidigung gegen Irrlehren. Ohne Einheit verliere ich den Kampf gegen H\u00e4resie (Irrlehre). Paulus spricht in seinen Briefen von der gesunden Lehre, die von H\u00e4retikern nicht beachtet w\u00fcrden. (1.Tim 1,10;4,6; 2.Tim.2,15; Tit.1,9; 2,1.7f). Wenn das Neue Testament widerspr\u00fcchlich w\u00e4re, wie sollte es dann eine gesunde Lehre anbieten k\u00f6nnen? Die Verteidigungsf\u00e4higkeit setzt eine Einheit der Bibel voraus. Ich kann mich nicht f\u00fcr das Evangelium einsetzen, wenn ich nicht wei\u00df, worin es besteht. Nach K\u00e4semann begr\u00fcnde die Vielfalt der angebotenen Deutungen und Widerspr\u00fcchlichkeiten, wie wir oben gesehen haben, auch die Vielfalt der Konfessionen und Kirchen. In letzter Konsequenz bedeutet die Aufl\u00f6sung der Einheit der Schrift demnach eine v\u00f6llige Relativierung der Wahrheit. Es werden die Pforten f\u00fcr das Eindringen von zahlreichen Irrlehren ge\u00f6ffnet. So kann ich aus der Bibel das herausgreifen, was mir passt und meine eigene Lehre fabrizieren. Genau das ist auch in vielfacher Weise passiert. Stichwort: Zeugen Jehovas, Heimholungswerk Jesu Christi, Neuapostolische Kirche, Mormonen, Befreiungstheologie, feministische Theologie, Gott ist tot-Theologie, um nur einige zu nennen. \u00dcbrigens, auch eine Ablehnung extremer Formen der Pfingstbewegung kann ich nur gut begr\u00fcnden auf der Grundlage der Einheit der Schrift. Eine christliche Irrlehre ist ja gerade dadurch gekennzeichnet, dass sie die Einheit der Schrift vernachl\u00e4ssigt und nur die f\u00fcr ihre Lehre entscheidenden Aussagen herausgreift, erg\u00e4nzt durch au\u00dferbiblische Ansichten. Die Aufgabe der Einheit der Schrift ist das Tor zur H\u00e4resie.<\/p>\n\n\n\n<p>Bisher wurde immer nur von der Einheit der Schrift gesprochen. Hier soll nun noch der Begriff der Klarheit erw\u00e4hnt werden. Die Klarheit und die Einheit geh\u00f6ren eng zusammen. Oft wird von Bibelkritikern das Argument vorgebracht, die Bibel sei doch aus sich heraus nicht klar verst\u00e4ndlich. Sie biete selbst viele verschiedene Deutungen ihrer Inhalte an. Nur mit Hilfe der historischen Kritik k\u00f6nne man die Bibel verstehen. Ohne Zweifel gibt es manche schwer verst\u00e4ndlichen Stellen in der Bibel. Darauf muss man erwidern: Einerseits w\u00e4re es nicht sachlich, vom Einzelfall auf die Gesamtheit zu schlie\u00dfen, andererseits werden gerade die schwer verst\u00e4ndlichen Stellen nach dem Prinzip der Selbstauslegung durch andere Stellen erhellt, sodass die Einheit zur wichtigen Voraussetzung auch f\u00fcr die Klarheit wird. F\u00fcr die lutherische Orthodoxie war klar, dass die dunklen Stellen aus den hellen zu erkl\u00e4ren seien. Ein untergeordnetes Argument besagt, man k\u00f6nne die Bibel nur dann richtig verstehen, wenn man den Hintergrund der Entstehung des Textes kenne. Das ist allerdings eine Behauptung, die so pauschal nicht stimmt und allenfalls auf manche schwierigen Bibelstellen zutrifft. <em>In der Literaturwissenschaft ist man sich bewusst, dass dichterische Texte, die f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis auf die Anmerkungen von Literaturwissenschaftler angewiesen sind, keinen gro\u00dfen Bestand haben und rasch vergessen werden. Jedes Liebespaar versteht ein Liebesgedicht besser als derjenige, der sich in einer Literaturgeschichte \u00fcber die Umst\u00e4nde seiner Entstehung und die Biografie orientiert hat. (Eta Linnemann : Was ist glaubw\u00fcrdig- Die Bibel oder die Bibelkritik) Auch f\u00fcr die Mathematik trifft die oben genannte Behauptung nicht zu. Den Satz von Pythagoras kann jeder Sch\u00fcler sich aneignen und anwenden, ohne auch nur den Namen der Schrift zu kennen, in der ihn der Mathematiker erstmals ge\u00e4u\u00dfert hat und den Adressaten zu kennen, an den er sie gerichtet hat. (Eta Linnemann)<\/em>. Viele Aussagen der Bibel sind zeitlos und auch ohne historischen Hintergrund verst\u00e4ndlich. Wenn profane antike Texte auch ohne die Kenntnisse der Literaturwissenschaft bis heute verst\u00e4ndlich sind, dann gilt das doch noch viel mehr f\u00fcr biblische Texte, deren Autor letztlich Gott selbst ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich ist noch zu erw\u00e4hnen: Mir ist bei der Besch\u00e4ftigung mit den in diesem Skript enthaltenen Themen Gottes Wort erneut gro\u00df geworden. Immer wieder habe ich gestaunt dar\u00fcber, was alles in der Bibel steht, wor\u00fcber ich bisher immer hinweggelesen habe. Manchmal kam es mir vor als w\u00e4ren manche Stellen extra geschrieben worden, um die Argumente der historischen Kritik anachronistisch zu entkr\u00e4ften. Vielleicht gab es tats\u00e4chlich damals Irrlehren oder Abweichungen vom gott-gewollten Schriftverst\u00e4ndnis, die \u00c4hnlichkeiten oder Gemeinsamkeiten mit der Bibelkritik heute hatten. (Stichwort Gnosis) Ich bin allerdings in meinen Beobachtungen zum Schluss gekommen, dass manche Worte in weiser Voraussicht Gottes in der Bibel stehen, um uns Werkzeuge zur Verteidigung zur Verf\u00fcgung zu stellen. Die Bibel als Einheit ernst zu nehmen, bedeutet jedoch nicht nur, die Argumente f\u00fcr ihre Verteidigung in der Bibel selbst zu finden, sondern gleichzeitig einen enormen Schritt, tiefer in das Verst\u00e4ndnis derselben einzutauchen und die Gr\u00f6\u00dfe Gottes lernen zu erkennen. Gottes Wort ist wie ein Netz, das enorm viele Querverbindungen und in ihrer Geschichtlichkeit auch gleichzeitig zahlreiche typologische Vorwegnahmen enth\u00e4lt. Die Einheit ist wie ein roter Faden, der sich durch die gesamte Bibel von der Genesis bis zur Johannes-Offenbarung zieht. Obwohl ca. 40 Schreiber \u00fcber einen Zeitraum von 1500 Jahren daran geschrieben haben, erkennt man die eine Handschrift. Es ist die Handschrift des lebendigen Gottes, der sich uns offenbart hat. Kein menschliches Buch hat die Welt so gepr\u00e4gt wie die Bibel. Kein literarisches Werk hat jemals so viele Menschen gepr\u00e4gt, hat die Welt so nachhaltig ver\u00e4ndert und hat in seiner 2000-j\u00e4hrigen Geschichte so wenig an Popularit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft. Es ist das Buch der B\u00fccher. &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Einheit der Schrift ist eine aus der Schrift selbst herzuleitende, ureigene Eigenschaft der Offenbarung. Sie ergibt sich daraus, dass Gott als Urheber selbst hinter seinem Wort steht. Gott hat Menschen ben\u00fctzt, um uns seinen Willen, seinen Plan in Form von geschriebenen Worten mitzuteilen. Es ist eine direkte Folge der Inspiration. 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