{"id":32,"date":"2022-04-02T16:37:17","date_gmt":"2022-04-02T16:37:17","guid":{"rendered":"https:\/\/martin.quitesmall.de\/?page_id=32"},"modified":"2022-04-02T16:37:17","modified_gmt":"2022-04-02T16:37:17","slug":"sackgassen-der-liberalen-theologie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=32","title":{"rendered":"Sackgassen der liberalen Theologie"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Bibelkritik, die sich selbst als historisch-kritische Methode, als historische Kritik oder als historisch kritische Theologie bezeichnet, beherrscht heute nicht nur die gesamte abendl\u00e4ndische und katholische Theologie, sondern will auch die angemessenste und aussichtsreichste Methode sein, um die Bibel zu verstehen. \u00a0Dabei erhebt sie mit Berufung auf die Naturwissenschaften den Alleinvertretungsanspruch f\u00fcr wissenschaftliche Theologie. Im Folgenden wollen wir uns nun mit dem Begriff der Kritik befassen und wollen ihn dem biblischen Anspruch, das geoffenbarte Wort Gottes zu sein, gegen\u00fcberstellen. Wir wollen dabei von der Offenbarung selbst ausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Das Recht, die historisch-kritische Methode anzuwenden, ist heute\u2026 in der Theologie unbestritten\u201c,<\/em> schreibt Richter 1972. Dazu ist zu erkl\u00e4ren, dass hier Kritik nicht nur im Sinne des Unterscheidens (griech.= krinein), sondern im Sinne von Sachkritik gemeint ist. Manchmal beruft man sich bei der Auseinandersetzung mit der HKM auf die urspr\u00fcngliche Wortbedeutung (=Unterscheiden), um die Harmlosigkeit der Kritik zu betonen. Dass es hier aber eindeutig um Sachkritik geht, d\u00fcrfte nicht nur in allen bisherigen Ausf\u00fchrungen deutliche geworden sein, sondern l\u00e4sst sich an den Ergebnissen unmissverst\u00e4ndlich erkennen. Die historische Kritik ist immer zugleich Sachkritik. Was bedeutet das nun? Im innerweltlichen Bereich ist die Kritik notwendig, um korrigierend einzugreifen, um falsche Wege aufzuzeigen. Das unterscheidende Wahrnehmen ist notwendig, um vern\u00fcnftige Entscheidungen treffen zu k\u00f6nnen. Insofern k\u00f6nnte man die F\u00e4higkeit zur Kritik als ein Geschenk Gottes bezeichnen. Kritik erfolgt dabei immer von einem h\u00f6heren Standpunkt oder von einem Vorwissen aus. Wenn ich den anderen ehrlich kritisiere, dann meine ich, es besser zu wissen. &nbsp;Im Zwischenmenschlichen Bereich ist das ein selbstverst\u00e4ndlicher Vorgang. Diesen Vorgang aber nun auf die Offenbarung Gottes anzuwenden, w\u00e4re pervers. Wenn Gott hinter dem Wort Gottes steht, wenn die Bibel tats\u00e4chlich die Anrede Gottes an den Menschen ist, dann ist er derjenige, der mich kritisiert, dann muss ich mich von ihm beurteilen lassen, nicht umgekehrt. (R\u00f6m. 2,1ff). In Hebr\u00e4er 4,12<strong>: <\/strong>\u201eDenn das Wort Gottes ist lebendig und kr\u00e4ftig und sch\u00e4rfer als ein zweischneidiges Schwert und dringt durch, bis es schneidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.\u201c Gottes Wort zu kritisieren w\u00fcrde bedeuten, dass ich mich auf einen h\u00f6heren Standpunkt stelle, dass ich meine, es besser zu wissen. G. Maier sagt dazu: \u201e<em>Zwar kann die Offenbarung als solche abgelehnt oder bejaht werden. Sie kann aber weder best\u00e4tigt noch kritisiert werden. Denn der Mensch besitzt weder den Standpunkt noch das Wissen noch die Macht, um die Berechtigung der Offenbarung auf seine (menschliche) Best\u00e4tigung zu gr\u00fcnden oder von seinem Urteil abh\u00e4ngig zu machen.\u201c<\/em> <em>Nur als der von Gott Kritisierte kann er in dem Raum, den ihm Gottes Kritik zumisst, kritisch t\u00e4tig werden.<\/em>\u201c Das Wort Gottes zu kritisieren, w\u00fcrde einem Angeklagten gleichkommen, der \u00fcber sein Urteil und seine Strafe selbst verf\u00fcgt. An der Stelle w\u00fcrde ein liberaler Theologe nat\u00fcrlich einwenden, man wolle ja nicht Gottes Wort selbst kritisieren, sondern nur das Menschenwort, das Gottes Wort verdeckt. Man verschiebt das Problem hier jedoch nur nach hinten. Die Sackgasse wird nur etwas l\u00e4nger. Die Entscheidung, was nun Gottes Offenbarung ist und was nicht, kann ich auf der innerweltlichen Ebene gar nicht treffen, weil mir als Mensch das Vorwissen bzw. der erh\u00f6hte Standpunkt fehlt, von dem aus ich das beurteilen k\u00f6nnte. G. Maier sagt dazu, dass&nbsp;&nbsp; Wissen und Gewissheit \u00fcber die Offenbarung erst in der Begegnung mit Gott, also mit der Offenbarung Gottes selbst und nicht losgel\u00f6st von ihr entsteht. Um das Bild eines Angeklagten noch mal zu bem\u00fchen: Der Angeklagte w\u00fcrde hier selbst entscheiden, welcher Teil des Gesetzes nun auf das Urteil anzuwenden ist und welcher nicht. Oder noch besser: \u201eDer Angeklagte schafft sich selbst ein Gesetzt, nach dem der Richter urteilen soll. Hier zeigt sich also, dass Kritik im Sinne der historischen Kritik ein v\u00f6llig unangemessenes Mittel ist, die Bibel zu untersuchen. Nochmal G. Maier: <em>\u201eDie historische Sachkritik ist also eine contradictio in se!\u201c<\/em> (= ein Widerspruch in sich).<\/p>\n\n\n\n<p>Dass man sich mit dieser Schlussfolgerung nicht zufriedengeben kann, d\u00fcrfte klar sein. In der Diskussion um die Bibelkritik berufen sich liberale Theologen gerne auf bibelinterne Hinweise auf Kritik. Dazu Stuhlmacher: \u201e<em>Was in der Heiligen Schrift aus Altem und Neuem Testament steht, ist nicht alles Evangelium.<\/em> Das hei\u00dft nichts anderes, als dass es schon in der Bibel falsche und wahre Verk\u00fcndigung gebe. Deshalb kommt Stuhlmacher zu dem Schluss, wir seien auch innerhalb der Schrift \u201e<em>zur Kritik verpflichtet\u201c.<\/em> Das impliziert, dass uns die Schrift selbst Kriterien an die Hand gebe, nach denen wir unterscheiden k\u00f6nnen sollen, was wahre und falsche Verk\u00fcndigung sei. Diese Kriterien gibt es aber nicht. Oder anders ausgedr\u00fcckt: Wenn es solche Kriterien g\u00e4be, dann w\u00fcrde uns die biblische Offenbarung selbst in einen unl\u00f6sbaren Konflikt bringen, denn \u201e<em>ein den Menschen ver\u00e4nderndes H\u00f6ren geschieht ja nur dort, wo man das ganze biblische Wort in wirklicher Offenheit h\u00f6rt<\/em>, so Gerhard Maier<em>. <\/em>Weiter Gerhard Maier: <em>\u201cAber jede Sachkritik muss von einem Vor-Urteil ausgehen, das sie nicht loslassen kann. Die n\u00f6tige Offenheit ist daher prinzipiell nicht mehr gegeben. W\u00fcrde jedes Vor-Urteil abgelegt, dann k\u00f6nnte es nur dort zur Kritik kommen, wo uns die Offenbarung dazu anleitet. Das geschieht aber nur dem Vor-Urteil des Auslegers gegen\u00fcber- und gerade nicht innerhalb der Schrift. Eine Anleitung aus der Schrift, Schrift mit Schrift abzulehnen (was ja der Begriff der Sachkritik impliziert), gibt es nirgends. <\/em>Besser k\u00f6nnte man es nicht formulieren. Sachkritik der g\u00f6ttlichen Offenbarung gegen\u00fcber bleibt immer ein Widerspruch in sich. Nach den Selbstaussagen der Offenbarung richtet sich ihr Wort an unsere Offenheit, unseren Gehorsam. Die historische Kritik verweigert sich dieser Intention. Statt offen zu sein, verschanzt sie sich hinter die Grenzfestungen ihres eigenen Urteils, Sie wei\u00df schon vorher, was richtig und falsch ist und l\u00e4sst sich das nicht mehr sagen von der Autorit\u00e4t der Offenbarung. Statt offen zu sein f\u00fcr die Wegweisungen und Korrekturen Gottes, presst sie die Offenbarung durch den Fleischwolf des Vorwissens bzw. des Vor-Urteils der historisch-kritischen Theologie und macht sich so resistent gegen die Wegweisung Gottes. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt allerdings noch eine weitere Dimension im Verh\u00e4ltnis von Kritik zur Offenbarung, die allerdings sehr eng mit dem Kriterium der Kritik verbunden ist. Seit Descartes gilt der wissenschaftliche Zweifel als das initiale und umfassende Mittel, neue Erkenntnisse zu gewinnen oder voranzutreiben. Dieses Mittel hat man sp\u00e4ter in der Aufkl\u00e4rung auch in der historisch-kritischen Methode zum Ausgangspunkt f\u00fcr wissenschaftliches Arbeiten gemacht. <em>\u201eBis heute lernt jeder Theologiestudent, der ins Proseminar kommt, dass Ausgangspunkt der neutestamentlichen Forschung ganz allgemein der wissenschaftliche Zweifel sei.<\/em> ( G. Maier in: Biblische Hermeneutik S. 244 ) <em>Dieser Zweifel wird in vielen F\u00e4llen konstitutiv f\u00fcr seine theologische und geistliche Existenz\u201c. \u201e<\/em>Eta Linnemann (Theologieprofessorin) sagt, dass der Ausgangspunkt der historisch-kritischen Theologie ist: So wie es dasteht, kann es nicht gewesen sein. Wer also eine Bibelstelle einfach als Wort Gottes annimmt, l\u00e4uft Gefahr, dass er die Bibel an der Stelle falsch versteht. Vom Standpunkt eines Laien betrachtet, bedeutet es: Ich kann mich nicht darauf verlassen, was dasteht, oder: Man darf nicht lesen was dasteht. Das ist grotesk. Nachdem Martin Luther durch die Bibel- \u00dcbersetzung jedem Deutschen den Zugang zur Offenbarung er\u00f6ffnet hat und damit das allgemeine Priestertum aller Gl\u00e4ubigen verband, nimmt ihn heute die liberale Theologie wieder weg, indem sie die Auslegung der Bibel an den Schl\u00fcssel der historischen Kritik, deren Ausgangspunkt der generelle Zweifel ist, kettet. Nochmal Karl Lehmann: \u201e<em>Der prinzipielle Zweifel, die Berichte der Schrift k\u00f6nnten m\u00f6glicherweise doch das wirkliche Verstehen verdecken, gelangt in der Aufkl\u00e4rungszeit als fundamentale Voraussetzung historischer Bibelkritik zur Herrschaft.\u201c<\/em> Nicht mehr der Zweifel, sondern Zuversicht und Vertrauen bedurften jetzt einer Erkl\u00e4rung. Ebenso wie bei der Kritik wollen wir nun fragen, ob dies aus der Sicht der Offenbarung gerechtfertigt ist. Hier sollten wir den Charakter der Offenbarung uns nochmal vergegenw\u00e4rtigen. Die Offenbarung ist nicht eine seelenlose Beschreibung der Zusammenh\u00e4nge der Welt, sondern sie geht von einer Person aus, die in eine Beziehung mit uns Menschen treten will. Sie wirbt dabei um eine Antwort, sie wirbt um Vertrauen. Gerhard Maier sagt dazu: \u201e<em>Dabei ist es wesentlich, auf die Grundbewegung der Offenbarung zu achten. In ihr sucht Gott das Vertrauen der Menschen\u201c<\/em> Egal, ob im Alten Testament oder im Neuen Testament: Die Bibel ist durchzogen von den Vertrauensbem\u00fchungen Gottes, die schlie\u00dflich in Jesus zum lange vorbereiteten H\u00f6hepunkt kommt. Gottes Handeln in der Geschichte zielt auf eine vertrauensvolle Beziehung des Volkes Israel und des einzelnen Gl\u00e4ubigen zum lebendigen Gott. Diese Absicht Gottes steht nun in einem krassen Gegensatz zum Zweifel. Gottes Vertrauensbem\u00fchung mit einem generellen Zweifel zu begegnen, ist v\u00f6llig unangemessen. Das Korrelat der Offenbarung ist nicht Zweifel oder Skepsis, sondern Vertrauen. Wenn ich der Liebeserkl\u00e4rung Gottes in Form seines geoffenbarten Heilsplanes einschlie\u00dflich der Menschwerdung Jesu den Zweifel gegen\u00fcberstelle, dann werde ich als irrender Mensch Gottes Absicht verfehlen. Das w\u00fcrde einem W\u00fcstenwanderer entsprechen, der eine Oase am Horizont f\u00e4lschlicherweise f\u00fcr eine Fata Morgana h\u00e4lt und schlie\u00dflich an Fl\u00fcssigkeitsmangel stirbt. Nicht wer vertraut, l\u00e4uft Gefahr, an der Wirklichkeit der Absichten Gottes vorbeizuschlittern, sondern wer zweifelt und dies in Frage stellt. Spr.23,26: \u201eGib mir, mein Sohn, dein Herz und lass deinen Augen meine Wege wohlgefallen.\u201c Dazu nochmal Gerhard Maier: <em>\u201eEine Begegnung mit der Offenbarung, die Skepsis und Zweifel zum Prinzip macht, bedeutet ein br\u00fcskes Nein zu ihrer Vertrauensbem\u00fchung. Man kann den Ausleger psychologisch und existentiell in keine schroffere Gegenposition versetzen, als indem man ihm den Zweifel vorschreibt.<\/em> <em>Dar\u00fcber hinaus ist dieser Zweifel nicht auf einen schmalen Raum der theologischen Studierstube beschr\u00e4nkt, sondern zum wissenschaftlichen Ausweis geworden.\u201c<\/em> Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass das Prinzip des Misstrauens gegen\u00fcber biblischen Texten dem Gegenstand der Offenbarung niemals gerecht wird. Im Gegenteil, ich stelle damit die Vertrauensbem\u00fchung Gottes auf den Kopf. Es verhindert geradezu eine Einwilligung in diese Bem\u00fchung. Damit schlage ich das wichtigste Angebot dieser Offenbarung aus. Eine Beziehung kann nur entstehen und gedeihen, wenn sie nicht vom wachsenden Unkraut des Zweifels und der Skepsis erstickt wird. Die einzige M\u00f6glichkeit, die Offenbarung Gottes zu pr\u00fcfen ist, sich darauf einzulassen. Nur so kann ich erfahren, ob sie echt ist. Als s\u00fcndiger Mensch bin ich nicht in der Lage, dies vorher zu pr\u00fcfen. Joh.7,17.Wenn jemand will des Willen tun, der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei oder ob ich von mir selbst rede. <strong>&nbsp;<\/strong>Dies ist \u00fcbrigens ein biblisches Grundprinzip, das die Interaktion von Gott und Mensch an vielen Stellen charakterisiert. Am Anfang steht fast immer eine Verhei\u00dfung Gottes, auf die sich der Mensch ohne verstandesm\u00e4\u00dfige Sicherheit einl\u00e4sst. Im Vertrauen auf Gottes Zusage erf\u00e4hrt er dann die Erf\u00fcllung dieser Zusage. An vielen Stellen der Bibel sprechen rationale Ausgangsbedingungen sogar v\u00f6llig gegen das Eintreten einer Zusage. Das Wunder vollzieht sich aber gerade und ganz besonders, wenn der Abstand von menschlicher Wahrscheinlichkeit zur Stufe des Vertrauens besonders gro\u00df ist. Ein genereller Zweifel verbaut mir die M\u00f6glichkeit, dieses Grundprinzip zu erfahren, weil die menschliche Seite in diesem Vorgang eben gerade im Vertrauen und nicht im Zweifel besteht. Dazu nochmal Gerhard Maier: \u201e<em>Wer ohne solchen t\u00e4tigen Glauben zuvor erkennen will, muss sich notwendig verirren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In der historisch kritischen Theologie wird die Bibel nicht mehr als Wort Gottes angesehen. Die Bibel als das geoffenbarte Wort Gottes im Sinne einer Selbstmitteilung seines Wesens und Willens, wird aufgrund weltanschaulicher Pr\u00e4missen bzw. aufgrund eines wunderkritischen Paradigmas abgelehnt. Eine g\u00f6ttliche Offenbarung als \u00fcbernat\u00fcrlicher Vorgang und als \u00dcbermittlung seiner Gedanken in das diesseitige Raum-Zeitkontinuum ist in der historisch-kritischen Gedankenwelt nicht denkbar. Die Bibel wird also zum reinen Menschen-Wort.<\/p>\n\n\n\n<p>Georg K\u00fcmmel (1905-1995) Prof. f\u00fcr Neues Testament: \u201e<em>Die HKM geht davon aus, dass die Bibel ein von Menschen geschriebenes Buch sei, das wie jedes andere Werk menschlichen Geistes nur aus der Zeit seiner Entstehung und darum nur mit den Methoden der Geisteswissenschaft sachgem\u00e4\u00df verst\u00e4ndlich gemacht werden k\u00f6nne\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Landesbischof Ralf Meiser: <em>\u201eDazu so paradox es klingt, muss ich zuerst damit ernst machen, dass die Bibel ein ganz normales St\u00fcck Literatur ist. Dass das immer wieder gesagt werden muss, mag \u00fcberraschen. \u201cAber faktisch wird auf den Kanzeln h\u00e4ufig vergessen, was im exegetischen Proseminar einmal gelernt wurde. Bei mancher Predigt bekommt man den Eindruck, dass das, was gesagt wird, deshalb relevant ist, weil es in der Bibel steht.!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man das Wesen der HKM genau betrachtet, dann kann es auch gar nicht anders sein. In den vorigen Abschnitten haben wir gesehen, dass Kritik und Zweifel niemals angemessene Methoden sein k\u00f6nnen, Gottes Offenbarung gegen\u00fcberzutreten. Im Grunde ist die Feststellung, dass die Bibel reines Menschenwort ist, eine Voraussetzung f\u00fcr die historische Kritik und nicht das Ergebnis, wie h\u00e4ufig behauptet wird. Die historisch-kritische Methode kann von ihrem Wesen her keine g\u00f6ttliche Offenbarung voraussetzen. Sie muss quasi voraussetzen, dass die Bibel reines Menschenwort ist, sonst verliert sie schon von vornherein ihre Berechtigung.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich aber davon ausgehe, wie es oben ausgesagt wird, dass die Bibel ein ganz normales Buch ist wie jedes andere auch, dann stellt sich jetzt die Frage, warum man dann ausgerechnet die Bibel zur Glaubensgrundlage macht. Warum nehme ich nicht die Schriften der griechischen Philosophen. Oder was sollte mich dann davon abhalten, die Bibel zu erweitern mit den Texten von Martin Luther oder Rudolf Bultmann. Schon an dieser Frage wird deutlich, dass die Aussagen von K\u00fcmmel und Meiser wohl nicht so gemeint waren wie sie dastehen, oder vielleicht doch? Manch ein liberaler Theologe hat aufgrund dieses Zwiespaltes das Handtuch geworfen und den christlichen Glauben aufgegeben. Gerd L\u00fcdemann als bekannter Theologieprofessor zum Beispiel wirft den liberalen Theologen Schizophrenie vor, wenn sie einerseits die meisten Texte \u00fcber Jesus f\u00fcr unecht erkl\u00e4ren und trotzdem weiter am christlichen Glauben festhalten. Er hat sich vom christlichen Glauben distanziert. Auch Marx und Engels sowie Stalin haben Theologie studiert und haben sich dem Atheismus zugewandt. Wir sollten uns erinnern, dass die Wurzeln des Atheismus und die der historisch-kritischen Theologie die gleichen sind. Wie viele Theologiestudenten haben das Studium abgebrochen, weil sie diesen Zwiespalt nicht mehr aushalten konnten. Welche Auswege gibt es nun aus diesem Dilemma? Ein Ausweg f\u00fcr manche Theologen besteht darin, zu sagen: Die Bibel ist nicht als Ganzes Gottes Wort, sie enth\u00e4lt aber Gottes Wort. Einen Kanon im Kanon. Dieses Schlagwort stammt von Semler. Im Religionsunterricht hat man mir diese Sichtweise pr\u00e4sentiert. Diese Haltung erfordert aber ein Kriterium, nach dem wir Gottes Wort von Menschenwort unterscheiden k\u00f6nnen.&nbsp; Man suchte nach innerbiblischen Kriterien. Das Neue Testament wurde gegen das Alte Testament ausgespielt. Die paulinische Theologie ist nicht identisch mit der von Jesus. Man sah einen Gegensatz zwischen Petrus und Paulus. Man benutzte das Bild von der Schale und dem Kern.&nbsp; Das am meisten benutzte Kriterium war die Mitte der Schrift: \u201eWas Christum treibet.\u201c Man benutzte Jesus gegen die Schrift, ohne sich dar\u00fcber im Klaren zu sein, dass man ein einheitliches Bild von Jesus auch schon l\u00e4ngst abgebaut hatte. Man glaubte, diesen Konflikt aufl\u00f6sen zu k\u00f6nnen, indem man sagte: Wir glauben nicht an die Bibel, sondern wir glauben an Jesus. Welcher Jesus ist dann gemeint? Der historische Jesus, den man bis heute nicht identifizieren konnte, oder der feministische Jesus? Der Jesus, der von H\u00f6lle und Verdammnis gesprochen hat oder der Friedens-Jesus. Auch die Trennung zwischen Geschichte und Glauben ist nur eine Pseudol\u00f6sung, weil viele theologische Wahrheiten ausgerechnet auf historischen Tatsachen beruhen.&nbsp; Ich glaube, sagen zu k\u00f6nnen, dass die Geschichte der liberalen Theologie die Geschichte der Suche nach dem eigentlichen verbindlichen Gotteswort ist. Die Ans\u00e4tze f\u00fcr diesen Schl\u00fcssel, f\u00fcr dieses Kriterium, sind so vielf\u00e4ltig wie die Zahl der Theologen selbst, die sich um dieses Thema bem\u00fcht haben. Hierzu wieder Gerhard Maier: <em>\u201eWelche Aussagen im Laufe der Geschichte von der historischen Kritik abgelehnt wurden, unterlag jeweils zeitbedingten oder pers\u00f6nlichen Schwankungen. Die zahllosen Schwankungen, denen innerhalb der letzten 300 Jahre die Sachkritik unterworfen war, widerlegen eindrucksvoll die Behauptung, die Schrift erm\u00f6gliche aus sich selbst heraus eine solche Sachkritik.\u201c<\/em> \u201eDennoch hat man gerade in den letzten Jahren die Notwendigkeit der Sachkritik auffallend betont.\u201c Dazu muss gesagt werden: Wenn Gerhard Maier von Sachkritik spricht, dann meint er damit die Unterscheidung von echten und unechten Bibelworten, also von Gottesworten und Menschenworten.&nbsp;&nbsp; Bis heute sind uns also die Vertreter dieser Sichtweise eine Antwort schuldig geblieben. Ist nicht der Dschungel der Ans\u00e4tze schon ein ausreichender Grund, die Suche nach dem Schl\u00fcssel f\u00fcr die Wahrheit innerhalb der Bibel als gescheitert anzusehen. Dar\u00fcber hinaus sollte an der Stelle nochmal deutlich gemacht werden, dass dieser Ansatz eigentlich den oben genannten Denkvoraussetzungen der HKM selbst widerspricht. Eine Offenbarung im eigentlichen Sinn kann es im Denkrahmen der HKM nicht geben. Genauso wenig kann es sie dann nur an bestimmten Stellen in der Bibel geben. Ein wunderkritisches Paradigma widerspricht der Absicht, nach dem Kanon im Kanon zu suchen, weil sie das, was sie sucht, schon von vorherein ausgeschlossen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vernunft-Glauben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen also zur\u00fcck auf unsere Frage, inwiefern ist dann die Bibel noch Gottes Wort? Oder anders ausgedr\u00fcckt, warum bleibt dann die Bibel weiterhin die Grundlage unseres Glaubens? Hier kommt die Vernunft ins Spiel. Zweifellos spielt die menschliche Vernunft in der liberalen Theologie eine alles bestimmende Rolle. Zweifel und Kritik haben als Ausgangspunkt die Vernunft. Schon bei den Kriterien von Ernst Troeltsch kommt die Vernunft als Ma\u00dfstab zum Tragen. Wir erinnern uns, dass wir \u00fcber die Echtheit von historischen Texten nur Wahrscheinlichkeitsurteile f\u00e4llen k\u00f6nnen. Und der Wahrscheinlichkeitsgrad wird vom Kriterium der Analogie bestimmt, wie es Troeltsch formuliert. &nbsp;Es besteht eine allgemeine Einigkeit dar\u00fcber, dass die HKT ein Kind der Aufkl\u00e4rung ist. Immanuel Kant war der Meinung, dass es keine M\u00f6glichkeit gibt, verl\u00e4ssliche Informationen \u00fcber Gott zu gewinnen. Nach Kant ist alles, was in den Verstand eingeht, bereits durch die Kategorien des Verstandes geformt. Deshalb schlie\u00dft Kant auch die M\u00f6glichkeit einer objektiven Gotteserkenntnis aus. Es besteht f\u00fcr Kant ein garstiger Graben zwischen g\u00f6ttlicher und menschlicher Wirklichkeit. Oft wird ihm dabei zugutegehalten, dass er damit den Glauben an Gott nicht aufgehoben hat.&nbsp; Auch wenn Kant kein Atheist im strengen Sinne war, so kann man ihn als Agnostiker bezeichnen: Man kann nichts sicher \u00fcber Gott wissen. So ist im Denkrahmen von Kants Philosophie auch eine Offenbarung im klassischen Sinne nicht m\u00f6glich. In der \u201eKritik der praktischen Vernunft\u201c geht Kant dann noch einen Schritt weiter. Es gibt zwar kein objektives Kriterium f\u00fcr die Existenz Gottes, wohl aber eine praktische Forderung: <em>Obwohl es nicht m\u00f6glich ist, zu denken, dass Gott existiert, muss man leben, als ob er existiere. <\/em>Kant erkennt eine subjektive Gotteserkenntnis an. Eta Linnemann interpretiert Kant: <em>Der Mensch sollte nach Gott trachten-aber nach Gott um des Menschen willen<\/em>. Er ist dem Menschen erw\u00fcnscht, da er durch ihn die moralische Gewissheit erf\u00e4hrt und leben kann, als ob es Gott g\u00e4be. Wo sind nun genau die Br\u00fccken zur HKT, die bis heute den Hintergrund vieler Gedanken in der HKT bilden?<\/p>\n\n\n\n<p>In der Aufkl\u00e4rungsphilosophie ist eine Offenbarung im klassischen Sinne nicht denkbar. Ein Erkenntnisgewinn im Sinne einer Mitteilung Gottes an den Menschen als objektives Kriterium ist deshalb nicht denkbar, weil sie schon von vorherein vom Verstand geformt ist, und deshalb nicht als objektiv gelten kann. Eine Offenbarung kann also bestenfalls als subjektiver innerweltlicher Prozess verstanden werden und ist deshalb auch jederzeit ge\u00f6ffnet f\u00fcr Kritik. Da die Erkenntnis \u00fcber Gott nur mit Vernunft-Kategorien erfasst werden kann, muss sie auch mit Vernunft-Kategorien kritisch gepr\u00fcft werden. Daraus bezieht die HKT ihre Legitimation zur Bibelkritik und die Ablehnung einer Inspirationslehre. Die Offenbarungsdimension der Bibel wird zur Vernunftdimension. Die Vernunft entscheidet, was im Sinne der Philosophie Kants als Gottes Wort gelten kann und was nicht. Sie bekommt die Position eines g\u00f6ttlichen Ma\u00dfstabs. Das, was man fr\u00fcher als das von Gott \u00fcbermittelte Wissen an die Menschheit verstanden hat, wird jetzt nur noch zu Glaubenszeugnissen und Lebenserfahrungen der damaligen Menschen. Allerdings w\u00e4re es hier ein gravierendes Missverst\u00e4ndnis, zu meinen, die Glaubenserfahrungen der damaligen Menschen w\u00e4re f\u00fcr uns heute v\u00f6llig wertlos. Nein, sie sind auch in der liberalen Theologie von au\u00dferordentlicher Wichtigkeit. Und jetzt kommt der springende Punkt, den man erkennen muss, wenn man viele \u00c4u\u00dferungen in der historisch-kritischen Theologie verstehen will. Die Glaubenserfahrungen sind f\u00fcr uns heute insofern wichtig, als sie sich mit den modernen Vernunftwahrheiten decken und sie sind deshalb relevant, weil wir ausgehend von diesen Erfahrungen unsere modernen Glaubens-Vorstellungen weiterentwickeln k\u00f6nnen. Alles was nicht mit unseren modernen Vernunftwahrheiten kompatibel ist, wird eliminiert bzw. kann nicht mehr als Gottes Wort angesehen werden. Das hei\u00dft, das Entscheidende ist, dass die biblischen Aussagen vor meinem Denken bestehen k\u00f6nnen. In einer modernen Begrifflichkeit klingt das dann so: Stuhlmacher: \u201e<em>Die Text\u00fcberlieferung gibt uns ihr Wahrheitsverst\u00e4ndnis zu bedenken, und der Interpret geht mit gesch\u00e4rftem Wahrheitsgewissen auf dieses Wahrheitszeugnis ein. Er kann und braucht es nur zu \u00fcbernehmen, wenn es ihn \u00fcberzeugt.\u201c <\/em>Auch in einem Kommentar von Ralf Meister kommt die subjektive Vernunftabh\u00e4ngigkeit biblischer Aussagen zum Ausdruck: \u201e<em>In diesem Sinne kann die Bibel nur noch dann als Autorit\u00e4t anerkannt werden, wenn sie in der individuellen Lebensf\u00fchrung als hilfreich, sinn- und lebenserschlie\u00dfend erfahren wird<\/em>.\u201c Die Autorit\u00e4t steht hier f\u00fcr Gottes Wort. Man k\u00f6nnte hier auch sagen, Gottes Wort ist das, was der Mensch mit Hilfe seiner praktischen Vernunft als Gottes Wort anerkennt. Kant selbst war der Meinung, dass der Glaube und zu leben, als ob es einen Gott g\u00e4be, praktisch f\u00fcr das menschliche Zusammenleben sei. Das ist die zweite gro\u00dfe Br\u00fccke zwischen Aufkl\u00e4rung und Theologie. Der Glaube ist die Hilfe zur N\u00e4chstenliebe und zu einem ethisch verantwortlichen Leben, das sich nicht mehr an der Autorit\u00e4t der biblischen Dogmen orientiert, sondern an der menschlichen Vernunft. Gottes Wort ist also das, was ich mit meiner subjektiven menschlichen Wahrnehmung erfassen kann und was mir im psychosozialen Bereich hilfreich erscheint. &nbsp;Man holt so \u00fcber die Hintert\u00fcr das wieder herein, was man zur Vordert\u00fcr rausgeworfen hat, n\u00e4mlich das Wort Gottes, wenn auch mit anderen Vorzeichen. Insofern schlie\u00dft sich der Kreis. Der Kern des Evangeliums ist nicht der Tod und die Auferstehung Jesu, sondern ein soziales Evangelium. Ein soziales Evangelium braucht nicht die Basis von tats\u00e4chlicher Geschichte, wohl aber ein Vorbild in Jesus. Die wertvollen, aber nicht-historischen Geschichten in der Bibel sind nur der Kristallisationspunkt, an dem sich ein neues, mit unserer Welt kompatibles Evangelium entwickeln kann. Wenn liberale Theologie ein Kind der Aufkl\u00e4rung ist, dann sind Humanismus und Relativismus bzw. Unbestimmtheit der Wahrheit, wie sie heute in der postmodernen Gesellschaft pr\u00e4gend sind, die Geschwister der Kant\u00b4schen Vernunftphilosophie. Deshalb ist die radikale Bibelkritik, wie wir sie bei Andreas Lindemann sehen, nichts anderes als christlich verbr\u00e4mter Humanismus. Alle diese Zusammenh\u00e4nge folgen aus der Aufkl\u00e4rungsphilosophie und erkl\u00e4ren auch gleichzeitig deren Doppelb\u00f6digkeit, die es Laien so schwer macht, sie zu erkennen.&nbsp; Dazu Helge Stadelmann<em>: Da hat man fast alle geschichtlichen Aussagen des AT ihres historischen Wirklichkeitsbezugs beraubt, aber doch bekennt man sich zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Da hat man die jungfr\u00e4uliche Geburt von Jesus in Bethlehem bestritten, ihm fast alle in den Evangelien berichteten Worte und Taten abgesprochen, aber doch beteuert man die zentrale Rolle Christi f\u00fcr den eigenen Glauben. Da hat man die dem NT so wesentliche leibliche Auferstehung Jesu wegkritisiert (Motto: Die Krippe war leer, das Grab ist voll), aber zugleich spricht man, ohne mit der Wimper zu zucken, mit dem Apostolischen Glaubensbekenntnis von Jesus, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, er sitz zur Rechten Gottes des Vaters\u2026\u201c <\/em>Die Historizit\u00e4t der Inhalte des apostolischen Glaubensbekenntnisses ist zweitrangig. Sie ist nur die Tr\u00e4gerl\u00f6sung. Die eigentliche wirksame Substanz ist die Moral, das Liebesgebot, indem das ganze Evangelium zusammengefasst ist. Wir glauben demnach nicht mehr vorwiegend an Jesus, sondern mit Jesus, um hier einen popul\u00e4ren modernen Sprachgebrauch aufzunehmen. Deshalb konnte Lessing schon im 18.Jahrhundert sagen: \u201e<em>Also gibt auch die Offenbarung dem Menschengeschlechte nichts, worauf die menschliche Vernunft, sich selbst \u00fcberlassen, nicht auch kommen w\u00fcrde: sondern sie gab und gibt ihm die wichtigsten Dinge nur fr\u00fcher.\u201c<\/em> Noch klarer tritt das Wesen der vernunftbezogenen Theologie in der Aussage Lessings zutage: \u201e<em>Die Religion ist nicht wahr, weil die Evangelisten und Apostel sie lehrten, sondern sie lehrten sie, weil sie wahr ist.\u201c <\/em>Die Wahrheit ist also eine sich aus der Vernunft ergebende eigenst\u00e4ndige Gr\u00f6\u00dfe und bedarf nicht etwa einer dahinterstehenden g\u00f6ttlichen Autorit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nicht jeder, der aus dem Becher der Aufkl\u00e4rung trank, hat noch den Geschmack des Christlichen Glaubens im Mund. Es gibt auch eine andere Entwicklung, die sich ebenfalls aus der Aufkl\u00e4rung ergeben hat. Es ist der Atheismus und der Kommunismus. Nicht zuf\u00e4llig haben sich im intellektuellen Milieu der Aufkl\u00e4rung die Ansichten bedeutender atheistischer Pers\u00f6nlichkeiten wie Voltaire, Ludwig Feuerbach und Friedrich Nietzsche entwickelt. Das Futter f\u00fcr diese Weltanschauungen wird aus dem gleichen Trog wie die liberale Theologie bezogen. Ohne eine grundlegende Ver\u00e4nderung in den Denkvoraussetzungen der Aufkl\u00e4rung vorzunehmen, kann ich aus der reinen Vernunft auch eine G\u00fcltigkeit des Atheismus ableiten. Und die praktische Vernunft f\u00fchrt auf dem gleichen Weg, wie das soziale Evangelium zum Kommunismus von Engels und Marx, die beide auch deutsche Theologie studiert haben. Der christliche Glaube ist nur der Hut, den ich auf den St\u00e4nder der Philosophie gesetzt habe. Andere setzten auf den gleichen St\u00e4nder den Atheismus oder den Kommunismus. Um es noch sch\u00e4rfer zu sagen: Wollte ich meinen Atheismus begr\u00fcnden, k\u00f6nnte ich mich am besten aus dem Werkzeugkasten der Bibelkritik in der liberalen Theologie bedienen. Wenn ich einen Menschen davon abbringen will, weiter an die Wahrheit der Bibel zu glauben, dann ben\u00fctze ich am besten die Argumente der modernen Bibelkritik. Um dann doch wieder den christlichen Glauben ins Boot zu holen, brauche ich einen intellektuellen Quantensprung oder den Nebel des Relativismus. Mit anderen Worten: Um auf dem Fundament der Denkvoraussetzungen der Aufkl\u00e4rung, das ebenso gut das Haus des Atheismus tr\u00e4gt, noch eine christliche Weltanschauung aufzubauen, kann ich das nur tun, indem ich einen anderen Begriff f\u00fcr das Christliche einf\u00fchre. Die Quelle beider Str\u00f6mungen, die der liberalen Theologie und die des Atheismus sind jedenfalls die gleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich kennt auch die Bibel eine Vernunft. Die Vernunft ist per se nichts Schlechtes. Ich w\u00fcrde zustimmen, dass die Vernunft durchaus als Geschenk und als Teil der Ebenbildlichkeit Gottes angesehen werden kann. Auch zahlreiche christliche Denker wie Augustin, Aquin, Luther, Calvin oder Melanchthon sch\u00e4tzten die Vernunft als Gabe Gottes. Allerdings muss hier ber\u00fccksichtigt werden, dass der Mensch und damit auch die menschliche Vernunft im S\u00fcndenfall degeneriert sind. Sie kann gebraucht oder missbraucht werden. Sie ist auf geistigem Gebiet genauso anf\u00e4llig f\u00fcr die Verf\u00fchrung durch Satan wie das die Gef\u00fchle auf k\u00f6rperlichem Gebiet sind. Wir sprechen in diesem Fall von Verblendung. (Joh.8,44ff).&nbsp; Paulus warnt in seinen Briefen immer wieder vor Irrlehren, indem er seine Adressaten auf das Festhalten an dem apostolischen Zeugnis einschw\u00f6rt. (Gal.1,8) Ein von Gottes Offenbarung losgel\u00f6ster, eigenst\u00e4ndiger Vernunftglauben steht offensichtlich in der Gefahr, auf intellektuelle Abwege zu geraten.&nbsp; Die Vernunft braucht also die R\u00fcckbindung an Gottes Offenbarung, um nicht im Kampf gegen b\u00f6se M\u00e4chte zu unterliegen. Sie muss wissen, dass ihr Platz nicht \u00fcber Gottes Wort ist, sondern unter Gottes Wort. Gerhard Maier betont, dass die Vernunft in der Bibel ausschlie\u00dflich ein rezipierendes (= empfangendes) und reproduzierendes Organ und nicht eine eigenst\u00e4ndige Offenbarungsquelle sei. Als rezipierendes Organ vernimmt sie die Werke der Sch\u00f6pfung und gewinnt so eine Gottesahnung. Sie vermutet, es k\u00f6nne einen Gott geben, der am Ende Rechenschaft fordern k\u00f6nnte. Eine Gewissheit erfahre sie dadurch allerdings nicht. \u201e<em>Gewissheit, Unterscheidungsverm\u00f6gen, geistliche Einsicht: all dies empf\u00e4ngt sie erst in der Verbindung mit Gott.<\/em> Hier gilt der Kernsatz der Bibel: Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis (Spr1,7;9,10) Die Hierarchie ist entscheidend. Eine Vernunft, die sich als Ma\u00dfstab \u00fcber die Offenbarung erhebt, kann nur in die Irre f\u00fchren. Eine Vernunft, die sich an Gottes Wort orientiert, ist ein Segen. Wahre Erkenntnis ist das Produkt einer Vernunft, die sich dem Wort Gottes unterordnet. So k\u00f6nnte man das Verh\u00e4ltnis von Vernunft und Offenbarung in der Bibel charakterisieren. Insofern l\u00e4uft die historisch- kritische Theologie Gefahr, die wahre Erkenntnis zu verfehlen, wenn sie die Vernunft der Offenbarung voranstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Aufkl\u00e4rungsphilosophie ist noch eine weitere Kategorie in den Vordergrund ger\u00fcckt, die aber mit dem bisher Gesagten eng verbunden ist und die sich zwangl\u00e4ufig auch in der liberalen Theologie breit gemacht hat. Es ist die Kategorie des autonomen Menschen. <em>Aufkl\u00e4rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit. Unm\u00fcndigkeit ist das Unverm\u00f6gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.<\/em> <em>Selbstverschuldet ist diese Unm\u00fcndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht im Mangel des Verstands, sondern der Entschlie\u00dfung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufkl\u00e4rung.\u201c <\/em>Schon das Wort Aufkl\u00e4rung impliziert, dass sie sich als Bewegung verstanden hat, die die Wahrheit ans Licht bringt. Sie stellt den Anspruch, den einzelnen Menschen mit Hilfe der Vernunft aus seiner Unterdr\u00fcckung durch \u00fcberkommene Autorit\u00e4ten wie Kirche und Staat zu befreien. Der Mensch bekommt die Chance und das Recht auf Autonomie. (Unabh\u00e4ngigkeit) Wir verdanken der Aufkl\u00e4rung gro\u00dfe Errungenschaften wie beispielsweise unabh\u00e4ngige Wissenschaften, die Idee des Rechtsstaats oder den Einsatz f\u00fcr Gewissens- und Religionsfreiheit. Bei allem Positiven, was uns die durch die Aufkl\u00e4rung gewonnene Autonomie gebracht hat, sollten wir uns allerdings besinnen, was die Bibel zur Autonomie des Menschen sagt. Die Bibel kennt den autonomen Menschen nur als den verlorenen Menschen. Das Gleichnis von den verlorenen S\u00f6hnen, wie Gerhard Maier sie bezeichnet, gibt diese Sichtweise in kompakter Form wieder. Dazu Gerhard Maier<em>: \u201eDiese Autonomie leidet aber unter 2 Begrenzungen. Sie kann 1.) die Herrschaft und die Liebe des Vaters nicht beseitigen und sie kann2.) nicht verh\u00fcten, dass andere Gestalten als der Vater \u00fcber den in der \u201eFremde\u201c lebenden Sohn ihre Herrschaft aus\u00fcben. Sein Leben wird defizit\u00e4r, ger\u00e4t in Abh\u00e4ngigkeit, und der ehemals freie Sohn wird ein Knecht (R\u00f6m. 7:14). <\/em>Das Gleichnis spiegelt in einzigartiger Weise das Grundproblem des Menschen gegen\u00fcber Gott wider. Der Mensch mit der F\u00e4higkeit zur freien Entscheidung ausgestattet, will unabh\u00e4ngig sein, will selbst entscheiden k\u00f6nnen, will autonom sein. Er steht immer in der Gefahr, sich loszul\u00f6sen von Autorit\u00e4ten. Seine Autonomie bleibt aber eine Utopie und f\u00fchrt in die Sklaverei, ja sogar bis zum Rand des Untergangs. Die Franz\u00f6sische Revolution, die sich auf die Verwirklichung aufkl\u00e4rerischer Ideen berief, ist ein Beispiel f\u00fcr eine derartige Entwicklung. Sie f\u00fchrte in eine Schreckensherrschaft. Das Streben nach Autonomie geh\u00f6rt zu den Grundeigenschaften des Menschen und ist der Ausgangspunkt der Verf\u00fchrung durch die Schlange im Paradies. Setzt man ein dem Menschen innewohnendes Streben nach Autonomie voraus, dann findet sich darin m\u00f6glicherweise eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die seltsame Liebe der historischen Kritik zur Aufkl\u00e4rungsphilosophie. Der Mensch sieht sich in der Lage, unabh\u00e4ngig zu pr\u00fcfen, was Wahrheit ist und was nicht. Er glaubt mit Hilfe der wissenschaftlichen Vernunft, unterscheiden zu k\u00f6nnen zwischen zeitbedingten Aussagen und ewigg\u00fcltigen Wahrheiten. Aufkl\u00e4rung bedeutet nach Immanuel Kant den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit. Der Mensch ist dank seiner Vernunft weder auf die Offenbarung noch auf die Kirche angewiesen. Es komme nur auf seine inneren \u00dcberzeugungen an. Damit einher geht die Ansicht in der Aufkl\u00e4rung, dass der Mensch grunds\u00e4tzlich gut ist und die F\u00e4higkeit besitzt, sein Leben nach seinem Willen und seiner Erkenntnis zu ordnen und zu gestalten. So hat er die Unm\u00fcndigkeit \u00fcberwunden und ist nun m\u00fcndig geworden. Diese Autonomie muss jedoch nicht zwangsl\u00e4ufig in Gottlosigkeit oder Glaubenslosigkeit m\u00fcnden. Sie kann durchaus auch mit einer Sehnsucht nach Religiosit\u00e4t verbunden sein. Gerhard Maier dazu: <em>\u201eEs ist nun die Eigenart der historischen Kritik, dass sie aus dieser Quelle des religi\u00f6sen, aber autonom sein wollenden Menschseins aufsteigt und gleichzeitig am Christentum als der wahren Religion festhalten will. In dieser Kombination liegt ihr Charakter. Sie kann sich deshalb gleichzeitig als Erbin Luthers und des Erasmus f\u00fchlen, als Erbin der Reformation und des Humanismus, der richtig verstandenen Bibel und des naturalistischen Deismus, der Antike und der Apostel, der Vernunft und der Offenbarung. &nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Folgerichtig hat sich in der Aufkl\u00e4rung eine Autorit\u00e4tskritik und damit auch eine Dogmenkritik ausgebreitet. Die historisch-kritische Theologie hat ihre Sto\u00dfkraft nicht zuletzt dem Zeitgeist entsprechend aus ihrer Absto\u00dfung von kirchlichen Dogmen erhalten. Allerdings muss sie sich hier fragen lassen, ob sie nicht genau das getan hat, wovor uns die Geschichte von den verlorenen S\u00f6hnen warnen will. Der Mensch setzt sich mit dem Gef\u00fchl der Autonomie \u00fcber das g\u00f6ttliche Wort. Wenn man die Ergebnisse der historischen Kritik mit ihren zahlreichen Deutungen und korrekturbed\u00fcrftigen Irrwegen anschaut, dann bekommt man tats\u00e4chlich den Eindruck, wie wenn sich hier einer der Grundprobleme des Menschen, n\u00e4mlich das Streben nach Autonomie, und die daraus resultierende erneute Abh\u00e4ngigkeit unter ge\u00e4nderten Vorzeichen wiederspiegele. Man kann der HKT nur w\u00fcnschen, umzukehren und zum Vater zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bibelkritik, die sich selbst als historisch-kritische Methode, als historische Kritik oder als historisch kritische Theologie bezeichnet, beherrscht heute nicht nur die gesamte abendl\u00e4ndische und katholische Theologie, sondern will auch die angemessenste und aussichtsreichste Methode sein, um die Bibel zu verstehen. \u00a0Dabei erhebt sie mit Berufung auf die Naturwissenschaften den Alleinvertretungsanspruch f\u00fcr wissenschaftliche Theologie. 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