{"id":28,"date":"2022-04-02T16:24:34","date_gmt":"2022-04-02T16:24:34","guid":{"rendered":"https:\/\/martin.quitesmall.de\/?page_id=28"},"modified":"2023-05-01T06:38:25","modified_gmt":"2023-05-01T06:38:25","slug":"historisch-kritische-theologie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=28","title":{"rendered":"Historisch kritische Theologie"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><u>Historisch kritische Methode:<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die historisch kritische Methode ist heute die Grundlage, auf der biblische Texte erforscht werden. Dabei erhebt die historisch kritische Methode an den staatlichen theologischen Fakult\u00e4ten, an denen unsere Pfarrer und Religionslehrer ausgebildet werden, einen Alleinvertretungsanspruch f\u00fcr eine wissenschaftliche Exegese (Auslegung) biblischer Texte. Seit dem Rationalismus der Aufkl\u00e4rung im 18. Jahrhundert hat sich diese Methode langsam in der protestantischen Theologie Europas ausgebreitet. Inzwischen dominiert sie nicht nur die protestantischen und katholischen staatlichen Fakult\u00e4ten, sondern hat auch gro\u00dfen Einfluss in amerikanischen und weltweiten theologischen Ausbildungsst\u00e4tten. In den letzten Jahrzehnten ist allerdings festzustellen, dass die HKM zunehmend auch Einfluss gewinnt in evangelikalen und freikirchlichen theologischen Ausbildungsst\u00e4tten (Elstal: Baptisten, Ebersbach: FEG, Tabor in Marburg, St. Chrischona\/Schweiz). Ein Laie k\u00f6nnte bei dem Begriff der HKM zun\u00e4chst meinen, es handele sich lediglich um die Interpretation eines biblischen Textes auf dessen historischen Hintergrund, also um die Frage, in welche historische, gesellschaftliche oder kulturelle Situation hinein ein Text geschrieben worden ist. Wenn das so w\u00e4re, dann w\u00e4re gegen die HKM nichts einzuwenden und man k\u00f6nnte dann auch nicht behaupten, dass sie erst im 18 Jahrhundert entstanden ist. Eine Beurteilung der Texte in deren historischen Kontext hat man schon immer praktiziert. Jeder aufrichtige Bibelleser wird zum besseren Verst\u00e4ndnis schwieriger Stellen in der Bibel um die m\u00f6glichst genaue Erfassung der kulturellen und gesellschaftspolitischen Situation der damaligen Zeit bem\u00fcht sein. Schaut man sich die Ergebnisse der HKM an, wird schnell klar, dass sie weit \u00fcber das hinaus geht, was oben beschrieben ist. Die historisch kritische Methode ist eine Methode, die davon ausgeht, dass die Bibel ein Buch ist wie jedes andere historisch literarische Werk auch, und das deshalb mit den allgemeing\u00fcltigen Methoden der Wissenschaft erforscht werden darf und sollte. Die M\u00f6glichkeit einer g\u00f6ttlichen Offenbarung, die sich einer menschlich- naturalistischen Beurteilbarkeit entzieht, wird dabei v\u00f6llig ausgeklammert. Schon an der Stelle wird deutlich, dass die HKM unter Voraussetzungen arbeitet, die dem Anspruch der Bibel, g\u00f6ttliche Offenbarung zu sein, niemals angemessen sein kann. Lange habe ich mich gefragt, warum man sich einer solchen Methode bedient, die dem Gegenstand der Untersuchung, dem Wort Gottes, wenig angemessen erscheint. Die Antwort kann man nur verstehen, wenn man die Denkvoraussetzungen der historisch kritischen Methode kennt. In einer Zeit, in der die Naturwissenschaften in Verbindung mit dem Rationalismus der Aufkl\u00e4rung zum allm\u00e4chtigen Ma\u00dfstab \u00fcber alle Erkl\u00e4rungen f\u00fcr Naturph\u00e4nomene aufstieg und damit zum Fortschrittsmotor schlechthin wurde, wollte man auch in der Theologie nicht abgeh\u00e4ngt werden. Der Theologieprofessor Klaus Berger ist der Meinung: Die Theologie bef\u00fcrchtete in dieser Zeit, nicht mehr ernst genommen zu werden und hat deshalb die wissenschaftstheoretischen \u00dcberlegungen aus den Naturwissenschaften und der Aufkl\u00e4rungsphilosophie \u00fcbernommen. Deshalb setzte man an den Anfang aller wissenschaftlichen Bem\u00fchungen auch in der Theologie den wissenschaftlichen Zweifel. Jeder Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen muss zun\u00e4chst kritisch gepr\u00fcft werden. Ist die bisherige Erkl\u00e4rung die richtige. Wieso ist das so? Was steckt dahinter? Man nimmt die Dinge nicht einfach so hin wie sie sind. Gleichzeitig sind die Anf\u00e4nge der historisch-kritischen Methode auch gekennzeichnet von einer massiven Skepsis den bisherigen Dogmen der Kirche gegen\u00fcber. Man akzeptiert nicht mehr, dass etwas richtig ist, nur weil es von der Kirche behauptet wird. Was die Kirche sagt, muss zun\u00e4chst mit meiner neu erworbenen kritischen Vernunft gepr\u00fcft werden. Im Lager der Bibelkritik ist man sich bis heute einig, dass die HKM ein Kind der Aufkl\u00e4rung ist. Im Folgenden soll es nun um die wissenschaftlichen Denkvoraussetzungen der HKM gehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Um das Jahr 1900 hat ein damals schon bekannter und auch sp\u00e4ter einflussreicher Theologieprofessor, Ernst Troeltsch, die Denkvoraussetzungen oder den philosophischen Ausgangspunkt der sogenannten Historisch- Kritischen Methode in dankenswerter Klarheit beschrieben. Ernst Troeltsch nennt hier 3 Kriterien der Methode, an denen jeder Bibeltext wie jedes andere Literarische Werk auch beurteilt werden sollte. Diese Kriterien \u00fcbertragen dabei das Wissenschaftsparadigma der klassischen vormodernen Physik auf die Geschichtswissenschaft. (Prof. Dr. theol. Rainer Mayer)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">1.Kritik, 2.Analogie, 3.Korrelation<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Zu 1.Kritik: Jeder Bibeltext sollte zun\u00e4chst der menschlichen Kritik bzw. dem wissenschaftlichen Zweifel unterzogen werden. Er verliert dabei seine apriorische Absolutheit. Denn der Mensch kann nur Wahrscheinlichkeitsurteile f\u00e4llen. Auf historischem Gebiet gibt es nur Wahrscheinlichkeitsurteile von sehr verschiedenen Graden der Wahrscheinlichkeit, von hoher Wahrscheinlichkeit bis ganz geringe Wahrscheinlichkeit. Das hei\u00dft, der Bibeltext hat sich vor den Richterstuhl der menschlichen Vernunft zu verantworten. Der menschliche Verstand entscheidet, welcher Echtheitsgrad dem Bibeltext zukommt. Mit rationalen Kriterien muss dem jeweiligen Forschungsstand entsprechend festgestellt werden, was wahrscheinlich eher echt und was wahrscheinlich eher unecht ist. Das hei\u00dft: Letzte Wahrheit und Gewissheit gibt es nicht mehr. Allem, was vor der menschlichen Vernunft nicht standh\u00e4lt, kann widersprochen werden. Der Sachkritik der Bibel ist T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">2.Analogie: Analogie bedeutet Entsprechung oder Gleichheit. Die Analogie ist der Schl\u00fcssel f\u00fcr die Kritik, f\u00fcr den Wahrscheinlichkeitsgrad, der einem Text zukommt. Ein Ereignis, das es heute nicht gibt, das kann es auch in der Vergangenheit nicht gegeben haben. Was heute nicht passiert, kann auch in der Vergangenheit nicht passiert sein. Oder anders ausgedr\u00fcckt: Es kann nur Ereignisse in der Geschichte geben, die sich wiederholen k\u00f6nnen. Einmalige Ereignisse sind unwahrscheinlich oder ausgeschlossen. Hier wollte Troeltsch eine Vergleichsebene schaffen mit dem Experiment in den Naturwissenschaften. Das Experiment in den Naturwissenschaften ist die Analogie in der Literaturwissenschaft bzw. in der Theologie. Ein Beispiel: Dass Jesus Wanderprediger war, ist wahrscheinlich, weil es auch heute Wanderprediger gibt. Dass Jesus \u00fcber das Wasser gelaufen ist, ist unwahrscheinlich, da es heute keinen Menschen gibt, der \u00fcber das Wasser laufen kann. Um es klar zu sagen: \u00dcbernat\u00fcrliche Wunder, wie sie in der Bibel beschrieben sind, sind ausgeschlossen. Man kann nach diesem Kriterium viele Teile des Neuen und Alten Testamentes streichen. Wie sehr dieses Kriterium die moderne liberale Theologie gepr\u00e4gt hat, kann man in vielen Kommentaren zum neuen und alten Testament sowie in vielen Vortr\u00e4gen von Worthaus bis heute lesen bzw. h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">3.Korrelation. (Beziehung) Das bedeutet die Wechselwirkungen aller Erscheinungen. Alle Ereignisse stehen in einer Kette von vorausgegangenen Ereignissen und nachfolgenden Ereignissen. Es gibt ein geschlossenes System von Ursache und Wirkung. Ein Ereignis kann immer durch ein vorausgegangenes Ereignis erkl\u00e4rt werden und dies wiederum nur durch ein weiteres vorausgegangenes Ereignis. Im Klartext hei\u00dft dass, ein \u00fcbernat\u00fcrliches Eingreifen Gottes gibt es nicht. Im Grunde ist das nichts anderes als eine wissenschaftliche Beschreibung des Deismus, wonach es Gott als Sch\u00f6pfer zwar gibt, der aber nicht in die von ihm geschaffenen Naturgesetze eingreift.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Nach diesen 3 Prinzipien arbeitet die gesamte historisch kritische Methode, sagt Troeltsch. Nun hat Troeltsch diese Kriterien um das Jahr 1900 beschrieben. Gelten sie denn heute auch noch? Von manchem liberalen Theologen wird dies sicher verneint, doch wenn man sich viele aktuelle Publikationen, Kommentare und vor allem die Einleitungsfragen zur Exegese biblischer Texte anschaut, dann sp\u00fcrt man, wie diese Prinzipien eben unausgesprochen den Hintergrund der Argumentationsweise bis heute bilden. &nbsp;Man nennt diese wissenschaftliche Herangehensweise an biblische Texte auch den methodischen Atheismus. Man untersucht die Bibel, als ob es Gott nicht g\u00e4be. Die historisch kritische Exegese geht in ihren Gedanken- und Untersuchungsg\u00e4ngen so vor, dass sie einmal rein methodisch das Eingreifen Gottes von au\u00dfen nicht nur bei der Abfassung der Texte, sondern auch bei den Ereignissen, von denen berichtet wird, ausklammert. Man will damit nicht sagen, dass es Gott nicht gebe, es gehe zun\u00e4chst nur rein um des methodischen Vorgehens wegen darum, das Einwirken Gottes auszuklammern. Jeder Anhaltspunkt f\u00fcr ein g\u00f6ttliches Eingreifen wird so erkl\u00e4rt, als l\u00e4ge allein menschliches Handeln vor. De facto bedeutet das, dass ich den eigentlichen Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Bibel wegwerfe und mich dann wundere, warum die T\u00fcr zum richtigen Verst\u00e4ndnis nicht mehr aufgeht. Das ist ungef\u00e4hr so, als ob ich die mathematische Aufgabe 2 + 3 l\u00f6sen wollte und das Ergebnis 6 von vornerein ausschlie\u00dfen w\u00fcrde. Wenn sich dann doch Hinweise auf die L\u00f6sung 6 erg\u00e4ben, dann m\u00fcsste es sich um eine falsch gestellte Aufgabe handeln. Wenn ich ein g\u00f6ttliches Eingreifen ausschlie\u00dfe, dann brauche ich nat\u00fcrlich alternative Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die Ereignisse in der Bibel und f\u00fcr die Entstehung der Texte. Das Motiv ist also nicht mehr Gottes Mitteilung (Offenbarung) an den Menschen, sondern bestimmte menschliche Absichten. Bei der Jungfrauengeburt w\u00e4re es zum Beispiel das Motiv, dem Menschen, Jesus, g\u00f6ttliche Eigenschaften zuzuschreiben, \u00fcbrigens ein Motiv, das man allen Wunderberichten Jesu zuschreiben m\u00f6chte. Interessant ist hier, dass die Wunder sowohl im Alten als auch im Neuen Testament tats\u00e4chlich als Beweise f\u00fcr die Gegenwart Gottes geschehen sind. Bei evangelikalen Christen werden sie als von Gott gewirkt angesehen, bei den liberalen Theologen sind sie ein fiktives Mittel, um die Gegenwart Gottes zu bezeugen, auf das Neue Testament bezogen, ein fiktives Mittel, um die Gegenwart Gottes in Jesus zu bezeugen. Ein anderes Beispiel, das hier genannt werden kann, ist die Datierung der Abfassung des Markusevangeliums, das man als das \u00e4lteste Evangelium ansieht. Das Markus-Evangelium kann nicht vor 70 n. Christus geschrieben worden sein, weil dort die Zerst\u00f6rung Jerusalems genau vorausgesagt wurde. Da es im historisch- kritischen Weltbild (Troeltsch) echte Prophetie nicht geben kann, muss das Markus-Evangelium also erst nach dem vorhergesagten Ereignis geschrieben worden sein ( Vaticinium ex eventu ). Eine Prophezeiung aus dem Ereignis heraus. Markus h\u00e4tte also demnach eine echte Prophezeiung vorget\u00e4uscht, um die nicht an Raum-Zeit gebundene Dimension der G\u00f6ttlichkeit Jesu zu demonstrieren. Gleichzeitig bem\u00fcht man sich nat\u00fcrlich, zus\u00e4tzliche Gr\u00fcnde zu finden, die eine Datierung nach 70 untermauern k\u00f6nnten. Hat man welche gefunden, stellt man die Sache so dar, dass nicht das urspr\u00fcngliche Vorurteil (Echte Prophetie kann es nicht geben) die Ablehnung der Echtheit eines Textes nahelegten, sondern die zus\u00e4tzlichen Gr\u00fcnde. Ich werde auf die Datierung des angeblich \u00e4ltesten Evangeliums in einem sp\u00e4teren Artikel noch genauer eingehen. Zusammenfasend l\u00e4sst sich ausgehend von den Kriterien nach Troeltsch also sagen, dass die historisch kritische Methode von einem geschlossenen Weltbild ausgeht, in dem es keine g\u00f6ttlichen Eingriffe von au\u00dfen geben kann. Sowohl die Entstehung als auch der Inhalt der biblischen Texte wird nicht im Horizont einer g\u00f6ttlichen Offenbarung erkl\u00e4rt, sondern ausschlie\u00dflich im Rahmen einer innerweltlichen, rational- menschlichen Erfahrungswelt. Der Ma\u00dfstab f\u00fcr die Beurteilung der Texte ist die menschliche Vernunft ganz im Sinne der Aufkl\u00e4rungs-Philosophie. Welche weitreichenden Konsequenzen diese Dominanz der Vernunft speziell in der Theologie hatte, werde ich sp\u00e4ter besprechen. Nun m\u00f6chte ich noch zeigen, warum diese Denkmuster bis heute so attraktiv geblieben sind, obwohl dieses geschlossene Weltbild und damit auch das damit verbundene Wissenschaftsideal der Erkl\u00e4rbarkeit allen Lebens durch naturalistische Vorg\u00e4nge unter Ausschluss einer g\u00f6ttlichen Intelligenz, veraltet ist. (Genetischer Code, Quantenmechanik, Relativit\u00e4tstheorie).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Einen Teil der Antwort liefert uns Ernst Troeltsch selbst. Scheinbar hat er die Begr\u00fcndung f\u00fcr die Geltung der 3 Prinzipien nicht auf einen Beweis in der Naturwissenschaft oder in der Philosophie zur\u00fcckgef\u00fchrt. Er sagt n\u00e4mlich<strong>: \u201e<\/strong><em>Das ist eine metaphysische Annahme-also ein Glaube. Das setze ich einfach als Axiom, das ich nicht woanders noch irgendwie herleiten k\u00f6nnte: Das nehme ich einfach mal an, dass das so richtig ist, das glaube ich, darauf lasse ich mich einfach mal ein. Das ist wie in der Mathematik &#8211; und ebenso in jeder anderen Wissenschaft, ob bewusst oder unbewusst: Da gibt es bestimmte Axiome, bestimmte Grundannahmen, die ganz am Anfang stehen, die man nicht irgendwo anders hernehmen k\u00f6nnte, die man einfach einmal setzt und auf die man sich nun einl\u00e4sst und davon ausgeht.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Er h\u00e4tte doch sagen k\u00f6nnen, er leitet das aus den Kenntnissen der damaligen Wissenschaft ab oder aus den philosophischen Erkenntnissen. Wenn seine Kriterien, keine weitere Begr\u00fcndung haben, warum ist er dann so von der G\u00fcltigkeit \u00fcberzeugt. Und das halte ich f\u00fcr den springenden Punkt auch in der heutigen Diskussion. Keiner w\u00fcrde sich heute direkt auf diese Kriterien berufen, zumal ein geschlossenes Weltbild auch auf wissenschaftlichem Gebiet nicht mehr haltbar ist. Warum hat man dann die Denkstruktur, die diesen Prinzipien zugrunde liegt, beibehalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Troeltsch schreibt<strong>: <\/strong><em>\u201eNiemand kann leugnen, dass sie (die HKM) \u00fcberall wo sie angewendet wurde, \u00fcberraschend erleuchtende Ergebnisse hervorgebracht hat, und dass \u00fcberall das Vertrauen sich bew\u00e4hrt hat, noch nicht erleuchtete Partien w\u00fcrden durch sie sich aufkl\u00e4ren lassen. Das ist ihr einziger aber auch ihr v\u00f6llig ausreichender Beweis. Wer ihr den kleinen Finger gegeben hat, der muss ihr auch die ganze Hand geben. Daher scheint sie auch von einem echt orthodoxen Standpunkt aus einer \u00c4hnlichkeit mit dem Teufel zu haben. Sie bedeutet ebenso wie die modernen Naturwissenschaften gegen\u00fcber dem Altertum und Mittelalter eine v\u00f6llige Revolution unserer Denkweise.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Troelsch beschreibt hier nichts anderes als das Erfolgserlebnis eines Naturwissenschaftlers, der eine neue Entdeckung macht oder eines Mathematikers, der pl\u00f6tzlich erkennt, dass seine Rechnung aufgeht. Attraktiv ist die historisch kritische Methode deshalb, weil sie unser modernes Denken befriedigt, weil sie L\u00f6sungen hervorbringt, die der menschlichen Vernunft eing\u00e4ngig sind. Ich muss selbst zugeben, dass die Erkenntnisse der historisch kritischen Theologie auf mich h\u00e4ufig sehr verlockend wirkten. Nicht selten habe ich auch in evangelikalen Kreisen geh\u00f6rt, dass man viel gelernt habe durch das Denken der liberalen Theologie, auch wenn man die radikalen Ausw\u00fcchse ablehne. Gleichzeitig befriedigt sie unseren Drang nach Neuem. Eine Revolution der Denkweise macht sie spannend. Wir haben hier etwas in der Hand, mit dem wir die Religion, Menschen, Gesellschaften, beeinflussen k\u00f6nnen. Intellektuellen Einfluss auf das Denken von Menschen zu haben bedient unser menschliches Machtstreben, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Es ist ein fromm verbr\u00e4mtes Mittel, unsere Autonomie voranzutreiben und uns aus der selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit bzw. Abh\u00e4ngigkeit von Gott zu l\u00f6sen. Wissen ist Macht. Es besser zu wissen als es bisher geglaubt wurde, schafft ein Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit und Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Klaus Berger im Interview mit IDEA: <em>\u201eEs ist die Lust des Zweitsemesters, der zu Weihnachten nach Hause kommt, uns seiner Verwandtschaft erkl\u00e4rt, was in der Bibel alles erfunden ist. Diese Macht und Anma\u00dfung, andere Menschen in Verwirrung zu st\u00fcrzen, bereitet Lust.\u201c &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">&nbsp;Auch wenn man diese radikale Sicht nicht teilen m\u00f6chte, so zeigt sie doch einen tendentiell wichtigen Grund f\u00fcr die Attraktivit\u00e4t und warum viele Theologen sich nicht distanzieren wollen: Man will die Kraft der Vernunft und die rationalen Errungenschaften der liberalen Theologie nicht aufgeben. Der allumfassende Grund, warum Menschen nicht an Gott glauben wollen, ist in Wirklichkeit sein Unwille, sich auf das unsichere Terrain einer abh\u00e4ngigen Beziehung einzulassen. Ich behaupte, dass jeder Mensch selbst an sich diesen Drang sp\u00fcrt, autonom und m\u00f6glichst unabh\u00e4ngig zu bleiben. In den Ergebnissen der menschlichen Vernunft erf\u00e4hrt der moderne Exeget die Befriedigung seines Bed\u00fcrfnisses. Nun m\u00f6chte ich damit nicht sagen, dass die Vernunft grunds\u00e4tzlich schlecht ist. Die Vernunft ist sicher eine Gabe Gottes. \u00dcbrigens ein Urteil, das von vielen Kirchenv\u00e4tern und von der Bibel selbst geteilt wird. Der Unterschied zwischen einer Liberalen und biblischen Bewertung der Vernunft liegt nicht in der Eigenschaft: schlecht oder gut, sondern darin, ob die Vernunft \u00fcber dem Wort Gottes oder unter dem Wort Gottes steht.&nbsp; Wo diese nach den Kriterien von Troeltsch und damit auch nach der historisch kritischen Theologie steht, d\u00fcrfte klar sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Ein weiterer Grund, warum man an der HKM festh\u00e4lt, ist ihr eigener Anspruch der Wissenschaftlichkeit. In den Kommentaren von Troeltsch zur HKM wird deutlich, wie er sich in seinen Ausf\u00fchrungen immer auf andere Wissenschaften beruft. Man m\u00f6chte in der Theologie genauso wissenschaftlich arbeiten wie die Naturwissenschaft. Auch in gegenw\u00e4rtigen Kommentaren und Vortr\u00e4gen (z.B. von Prof. Sigfried Zimmer, Ludwigsburg) erhebt man immer wieder den Anspruch, wissenschaftlich zu sein. Wer die Kenntnisse der HKM nicht anerkennt, gilt als unwissenschaftlich. Welcher Theologe will unwissenschaftlich sein. Man verkennt hier, dass viele angebliche wissenschaftliche Erkenntnisse nichts anderes sind als unbewiesene Hypothesen. Der theologische Laie kann dies nicht ohne weiteres erkennen. Den wissenschaftlich arbeitenden Theologen ist vermutlich allen klar, dass es auf dem Gebiet der historischen Wissenschaften keine absoluten Beweise geben kann. Kommuniziert wird es allerdings, als w\u00e4ren es absolute wissenschaftliche Tatsachen. Wissenschaftlich in der Theologie bedeutet: Es handelt sich um Theorien, die f\u00fcr unseren Verstand plausibel klingen und einen breiten Konsens gefunden haben. Durch den h\u00e4ufig kolportierten Anspruch der Wissenschaftlichkeit ger\u00e4t sowohl der Laie als auch der Theologe in einen Druck, die Ergebnisse zu akzeptieren. Der Leiter des philosophischen Institutes in Lichtenstein, Prof.Daniel von Wachter spricht hier von intellektueller Versuchung. Wer nicht auf dem Boden der HKA arbeitet, begibt sich ins akademische Abseits und wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter vom Platz gestellt. Das ist selbstverst\u00e4ndlich auch der Grund, warum es heute kaum noch Theologieprofessoren gibt, die die HKM ablehnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Ein weiter Faktor, den Troeltsch mit seinem Statement zur HKM erw\u00e4hnt, ist die Macht der HKB, sich auszudehnen und einen nicht mehr loszulassen. Wenn man ihr den kleinen Finger bietet, nimmt sie bald die ganze Hand ein. Das ist auch eine gute Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum die historisch kritische Theologie, die urspr\u00fcnglich mal klein angefangen hat bei den Sch\u00f6pfungsberichten sich im Laufe ihrer Geschichte ausgebreitet hat auf praktische alle Teile der Bibel. Es ist \u201etheo-logisch\u201c \u00e4u\u00dferst schwer, nur die Sch\u00f6pfung oder die Urgeschichte historisch kritisch wegzudiskutieren, und beispielweise die Weihnachtsgeschichte historisch stehen zu lassen. Man ger\u00e4t in einen immensen intellektuellen Konflikt, wenn man dies versucht. Der Begr\u00fcndungsstrang f\u00fcr die Nicht-Historizit\u00e4t ist in beiden F\u00e4llen der gleiche. Beim Sch\u00f6pfungsbericht oder der Urgeschichte f\u00fchlt man sich aufgrund des vermeintlich naturwissenschaftlichen Beweises gezwungen, dies zu tun. Bei der Weihnachtsgeschichte gibt es keine handfesten Beweise, dass sie nicht geschehen ist. Einem gebildeten Gegner beider Geschichten kann ich nicht einleuchtend erkl\u00e4ren, warum die Urgeschichte nur symbolische Bedeutung haben und die Weihnachtsgeschichte tats\u00e4chlich geschehen sein soll, obwohl sie innerbiblisch den gleichen Grad der Historizit\u00e4t beanspruchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Bibelkritik zeigt sich also nicht nur an den vielleicht gar extremen Ergebnissen, sondern schon im Ansatz. Bibelkritik im Sinne der historisch kritischen Theologie ist der Ersatz der Offenbarung Gottes durch ein Zeugnis religi\u00f6ser menschlicher Erfahrungen und Anschauungen, deren g\u00f6ttliche Substanz ich mithilfe der Vernunft beurteilen muss. Die entscheidende Frage ist doch: Stehe ich mit meinem Verstand \u00fcber oder unter dem Wort Gottes? Beurteile ich ihre Wahrscheinlichkeit oder lasse ich mich von ihr beurteilen. Lasse ich biblische Aussagen nur gelten, wenn sie meinem Verstand einleuchten und ich sie innerweltlich erkl\u00e4ren kann? Oder rechne ich mit den M\u00f6glichkeiten Gottes, die innerweltliche M\u00f6glichkeiten \u00fcbersteigen? Vertraue ich der Bibel als Gottes Offenbarung, oder vertraue ich auf Hypothesen. Wo man der Bibelkritik den kleinen Finger gibt, ist schon die ganze Einstellung zur Bibel und damit mein Gottes- und Jesusbild ver\u00e4ndert. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Damit eng verbunden ist das Argument, dass unser heutiges Denken ein ganz anderes ist als damals. Das stimmt nat\u00fcrlich nur teilweise. Man vergisst dabei manchmal, dass die Menschen damals auch Menschen waren wie wir heute. Die nat\u00fcrlichen psychologischen Kr\u00e4fte wie das Bed\u00fcrfnis nach Liebe, Anerkennung, Respekt, Wahrheit und Gerechtigkeit, das menschliche Streben nach Geld und Macht Autonomie und Unabh\u00e4ngigkeit sowie der Wunsch nach Befreiung von existentiell bedrohlichen Kr\u00e4ften wie Angst Krankheit und Tod schon die gleichen waren wie heute.&nbsp; Ein Mensch der Antike konnte auch schon unterscheiden zwischen L\u00fcge und Wahrheit, zwischen Fantasie und Wirklichkeit, zwischen Realit\u00e4t und Fiktion. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich damals deshalb keine erfundenen Geschichten erz\u00e4hlt hat, weil man die Gefahr einer Verwechslung mit der Wirklichkeit vermeiden wollte. Wir erz\u00e4hlen unseren Kindern bis heute erfundene Geschichten, ohne sie vorher \u00fcber den Wirklichkeitsgrad aufzukl\u00e4ren und sind uns dabei sicher, dass sie mit dem \u00c4lterwerden deren Wirklichkeitsgrad selbst erfassen. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Menschen zu Zeiten des Alten- und Neuen Testamentes wirkliches Geschehen und Fiktion nicht unterscheiden wollten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wir haben es also in der historisch kritischen Theologie nicht nur mit einem historisch-wissenschaftlichen Methodenapparat zu tun, der offen w\u00e4re f\u00fcr alle Seiten. Die historisch kritische Theologie geht von ganz bestimmten Denkvoraussetzungen aus, bei denen eine Offenbarung von au\u00dfen von vornherein ausgeschlossen ist und die nur eine von der Vernunft des Menschen abgeleitete Ursache als Erkl\u00e4rung f\u00fcr bestimmte biblische Ph\u00e4nomene zul\u00e4sst. Ihre Ergebnisse sind deshalb vielfach so eing\u00e4ngig und einleuchtend, weil die Befriedigung unseres Verstandes ein wichtiges Kriterium f\u00fcr ihre G\u00fcltigkeit und damit auch der bestimmende Faktor f\u00fcr die Ergebnisse selbst ist. Es ist ungef\u00e4hr so, wie wenn ich die Regeln eines Fu\u00dfballspieles erst nach dem Spiel zu meinen Gunsten festlege. &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Historisch kritische Methode: Die historisch kritische Methode ist heute die Grundlage, auf der biblische Texte erforscht werden. Dabei erhebt die historisch kritische Methode an den staatlichen theologischen Fakult\u00e4ten, an denen unsere Pfarrer und Religionslehrer ausgebildet werden, einen Alleinvertretungsanspruch f\u00fcr eine wissenschaftliche Exegese (Auslegung) biblischer Texte. Seit dem Rationalismus der Aufkl\u00e4rung im 18. Jahrhundert hat sich &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/derbibelglauben.de\/?page_id=28\" class=\"more-link\">Mehr <span class=\"screen-reader-text\">\u00fcber &#8222;Historisch kritische Theologie&#8220; <\/span>Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-28","page","type-page","status-publish","hentry"],"featured_media_urls":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/28"}],"collection":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=28"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/28\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":135,"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/28\/revisions\/135"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/derbibelglauben.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=28"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}